Friedrich August Calau: Leipziger Tor, Aquarellierte Aquatinta Besitz und Fotografie: Stiftung Stadtmuseum Berlin
 

Michaela van den Driesch

„Das Brandenburger Tor - moderne urbane Architektur um 1789 und die Dialektik von Raum und Licht “

 
Das vom „Königlichen Geheimen Krieges=Rath und Ober=Hof=Bau=Amts Director Carl Gotthard Langhans“ entworfene Brandenburger Tor wurde in der Vergangenheit in mannigfaltigen Publikationen ausführlich beschrieben und unzählige Male abgebildet. Seine Entstehungsgeschichte ist durch historische Quellenauswertungen weitgehend gesichert und seine Wirkungskraft bis in die Gegenwart ungebrochen.

Wenig Beachtung fand die vom Architekten C. G. Langhans beim Staatsminister von Woellner beantragte und zur Ausführung gebrachte nächtliche Beleuchtung des Tores. Die in den Akten dokumentierte „Illuminierung“ von Torkubus und Platz kann als gut durchdachte Inszenierung von Monumenten im Stadtraum interpretiert werden. Das Tor war damit nicht nur bei Tageslicht im städtischen Raum sichtbar, sondern es blieb auch aus grösserer Entfernung in der Dunkelheit konstant und „idealisch leuchtend“ als „Eingang der Polis“ manifest. Durch Einschreibung von künstlichem Licht in die weiten, hochrechteckigen Öffnungen des Brandenburger Tores wurde die klassizistische Dialektik von Licht und Schatten erweitert und der weisse, erhöhte Kubus des Tormittelbaues damit zum Maßstab moderner Baukunst. Der Symbolgehalt des Brandenburger Tores wurde durch die Dialektik von Konstruktivität, Raum und Licht neu definiert und das Tor selbst zur „Instanz der Vermittlung neuer kultureller Werte“ erhoben. Carl Gotthard Langhans legte mit seinem Entwurf für das Brandenburger Tor den Grundstein zur modernen Perspektive für Architektur und Städtebau in Berlin.