Friedrich August Calau: Leipziger Tor, Aquarellierte Aquatinta Besitz und Fotografie: Stiftung Stadtmuseum Berlin
 

Christine Siegert

Französische, italienische und deutsche Oper am Berliner Nationaltheater

Die Grundidee des Nationaltheaters, Stücke in der Nationalsprache aufzuführen, stößt im Bereich des Musiktheaters an ihre Grenzen. Trotz einer deutlich gestiegenen Produktion in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war es kaum möglich, das Repertoire ausschließlich mit deuschsprachigen Opern zu bestreiten (was sowohl in Italien als auch in Frankreich selbstverständlich war). Oft musste man sich mit Übersetzungen behelfen. Dies ist im Musiktheater aufgrund der essenziellen Verbindung von Text und Musik mit weit mehr Schwierigkeiten verbunden als im Sprechtheater.

Die französischen Opern überwiegen deutlich gegenüber den italienischen Opern. Dies liegt daran, dass die Gattung der Opéra comique, der die meisten der aufgeführten französischen Opern zuzurechnen sind, dem deutschen Singspiel sehr viel näher steht als die italienische Opera buffa: beide setzen sich aus gesprochenem Dialog und Musiknummern zusammen. Signifikant ist die hohe Zahl von Übersetzungen, die eigens für das Berliner Nationaltheater angefertigt wurden. Ihre Schwierigkeiten zeigen sich beispielsweise an Luigi Cherubinis Rettungsoper Lodoiska, die Karl Alexander Herklots für das Berliner Nationaltheater übersetzte. Andererseits bot die Übersetzung auch Chancen, eigene Akzente zu setzen.

Italienische Opern wurden, anders als Opéras comiques, vollständig gesungen; Rezitative wechseln mit Arien und Ensembles ab. Bei der Übersetzung italienischer Opern wandelte man die Rezitative deshalb üblicherweise in gesprochene Dialoge um; das Bühnenwerk wurde gleichsam einer Gattungstransformation unterzogen. Georg Friedrich Treitschke, dessen Übersetzung von Wolfgang Amadé Mozarts Idomeneo im Berliner Nationaltheater aufgeführt wurde, übertrug die Rezitativtexe beispielsweise in jambische Verse.

Uraufgeführt wurden die Bühnenwerke des königlichen Kapellmeisters Friedrich Heinrich Himmel am Berliner Nationaltheater. In seiner Zauberoper Die Sylphen auf einen Text von Ernst Friedrich Ludwig Robert schöpft Himmel in einer Szene, die die Zauberkräfte der Musik thematisiert, die Möglichkeiten des Singspiels in der melodramatischen Vertonung aus, was sich durchaus programmatisch verstehen lässt.

In den Presseberichten über die Aufführungen und das Theater wurde sowohl für eine Stärkung des deutschsprachigen Repertoires plädiert als auch die Problematik der Übersetzungen diskutiert und – entgegen der ursprünglichen Idee des Nationaltheaters – die Aufführung in der Originalsprache erwogen.