Friedrich August Calau: Leipziger Tor, Aquarellierte Aquatinta Besitz und Fotografie: Stiftung Stadtmuseum Berlin
 

Uta Motschmann

Die private Öffentlichkeit – Privattheater in Berlin um 1800

In Berlin entstanden im letzten Jahrzehnt des 18. und im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts eine Reihe von Privattheatergesellschaften, die von Anfang an gegen polizeiliche Einschränkungen und Verbote anzukämpfen hatten. 1803 wurde ein Großteil von ihnen aufgehoben. Iffland sah die zunehmende Zahl von Privattheatern, die teilweise in großen Sälen spielten, als Konkurrenten an, die Zuschauer vom Nationaltheater abziehen konnten. Der Staat befürchtete die Kontrolle über diese vielen neuen Gesellschaften zu verlieren, in denen auch rebellische oder gar revolutionäre Umtriebe hätten gepflegt werden können, vor allem weil ihre Mitglieder zum großen Teil aus sogen. Unterschichten kamen, aus Handwerker- und Gesellenkreisen.

Die Aufführungen durften nur vor einem stark eingeschränkten Publikum – einer privat-familiären Öffentlichkeit – stattfinden. Es war den Gesellschaften untersagt, mit ihren Vorstellungen Gewinne zu erwirtschaften.

Die Privattheater waren wie Vereine und Gesellschaften strukturiert: Mitglieder und Vorstände wurden gewählt; es gab Statuten und Mitgliedsbeiträge. Entscheidungen wurden nach dem Mehrheitsprinzip getroffen. Neben der eigentlichen Arbeit an den Aufführungen fand ein reges geselliges Leben statt.

Die Mitglieder stammten größtenteils aus bürgerlichen und kleinbürgerlichen Schichten bis hin zu Gesellen Dienstpersonal und unmündigen Jugendlichen.

Der Spielplan war wie der des Nationaltheaters vom Zeitgeschmack bestimmt. Es wurden v.a. Stücke deutscher Autoren, auch Klassiker wie Lessing und Schiller gespielt.

Die Privattheatergesellschaft „Urania“ hatte einen Sonderstatus. Sie wurde von Mitgliedern des königlichen Hauses protegiert, konnte alle Verbote umgehen und 1892 ihr 100jähriges Jubiläum begehen. Ihre Mitglieder waren meist Handwerksmeister und Kaufleute, selbständige, wohlhabende Bürger, die nicht in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis standen. Iffland scheint die „Urania“ als eine Art Schauspielschule des königlichen Nationaltheaters gesehen zu haben, denn er holte in der „Urania“ herangereifte Talente ans Nationaltheater.

Die Berliner Privattheatergesellschaften waren kleinbürgerliche Vereinsgründungen, die als einmalig für die Zeit um 1800 angesehen werden können.