Walter Salmen
„In Gesellschaft singen“ um 1800
Gegenstand der Untersuchung ist das gemeinschaftliche Singen, wie es an unterschiedlichen Orten um 1800 praktiziert wurde. Einbezogen werden neben der hier meist im überschaubaren, privaten Kreise geübten Berliner Gesangskultur parallele Entwicklungen andernorts, etwa in Weimar oder Dresden. Die wechselseitige Spiegelung, die die Heterogenität des gesellschaftlichen Singens ebenso verdeutlicht wie es verbindende Elemente hervorzuheben vermag, erlaubt eine Justierung gesellig-musikalischer Gepflogenheiten an der Spree. Als Beispiel für die Berliner Musikkultur wird unter anderem Johann Friedrich Reichardts vielfältiges Wirken betont. Für das Korrespondieren zwischen Stadt und weiter ausgreifender ländlicher Peripherie steht das gemeinschaftliche Singen der Töchter Finckenstein in Madlitz. Scharf abzugrenzen ist das engagierte aktive Singen mit dem umfassenden Einbringen der eigenen Persönlichkeit gegen das passive Rezipieren, Konsumieren, da sich in Ersterem ganz wesentlich ein Element des Klassischen artikuliert.