Friedrich August Calau: Leipziger Tor, Aquarellierte Aquatinta Besitz und Fotografie: Stiftung Stadtmuseum Berlin
 

Karim Hassan

Bernhard Anselm Webers künstlerische Ziele als Kapellmeister


Bernhard Anselm Weber gehörte fast dreißig Jahre lang zu den prägendsten musikalischen Leitern in der Berliner Musiktheaterlandschaft. Im Übergang zum bürgerlichen Zeitalter gestaltete er von 1792 bis 1821 das Repertoire am Königlichen Nationaltheater, dirigierte Gluck und Mozart und komponierte zahlreiche Werke unterschiedlicher Gattungen für die Bühne. Er hat mit bedeutenden Persönlichkeiten seiner Zeit wie Goethe, Schiller, Iffland und Knigge zusammengearbeitet. Seiner Tätigkeit lagen dezidierte künstlerische Ziele zugrunde, die er frühzeitig ausprägte.

Als Hauptbelegquellen für Bernhard Anselm Webers opernästhetisches Verständnis, aus dem heraus sich die künstlerischen Ziele ableiten lassen, dienen Rezensionen aus den Jahren 1788 und 1789, die in Knigges Dramaturgischen Blättern erschienen sind, Reisebriefe aus den Jahren 1790 bis 1792, die von der Begegnung mit der Gustavianischen Oper in Stockholm zeugen, und das Pariser Reisetagebuch von 1803. Sie geben die Voraussetzungen für sein späteres Wirken wieder.

Eine volkssprachige, bürgerliche Oper abseits vom Singspiel zu befördern, kann man als übergeordnetes Ziel Webers konstatieren. Seine vielfach erfolgreichen Bemühungen um Aufführungen der Opern Glucks und um eine Verbesserung der Aufführungsqualität durch eine intensive Orchesterarbeit dienten dem genannten Ziel.

In seiner Funktion als musikalischer Leiter am Nationaltheater war Weber aber auch in ein strukturelles Geflecht eingebunden, das die Umsetzung beeinflusste. Programmpolitische Schwerpunkte der verschiedenen Intendanten, die zweijährige Besetzung Berlins durch napoleonische Truppen, aber auch die Zusammenlegung von Oper und Nationaltheater im Jahr 1811 gehörten zu den Faktoren, die die Tätigkeit Webers im Rahmen der Großstadtkultur in der preußischen Hauptstadt maßgeblich mitbestimmten.