Ingeborg Allihn
„Die Musik wurde allgemeiner“ – Räume öffentlichen Musizierens in Berlin um 1800
In einer Zeit gleichsam „zwischen den Zeiten“, in der in der Residenzstadt Berlin die höfische Musikkultur ihrem Ende entgegen ging, eroberte sich das Bürgertum während eines langen Prozesses über die Stationen des privaten, halbprivaten bzw. halböffentlichen und schließlich öffentlichen Konzertes außerhalb der traditionellen Institutionen ein eigenes musikkulturelles Terrain. Während die Kgl. Hofkapelle bis 1807 ihren exklusiven Charakter behielt und so das konservative Element verkörperte, bildete der im Februar 1803 eingeweihte Konzertsaal im Königlichen Nationaltheater auf dem Gendarmenmarkt, der erste, eigens für das öffentliche Musizieren konzipierte Raum, den vorläufigen Endpunkt dieser Entwicklung: die Musik war dadurch endgültig „allgemein“ geworden. In diesem Zusammenhang kommt den Kaffeegarten- und Biergarten-Konzerten eine nicht zu unterschätzende Bedeutung zu: für die Entwicklung des Phänomens Publikum genauso wie für die Entwicklung der Programmstruktur der Konzerte.