Isabel Zollna
In der "Sprachtheorie" von Bernhardi (1801-1803) und in der "Idéologie" (1801-1815) von Destutt drücken sich jeweils zwei grundverschiedene Konzepte dessen aus, was Sprache ist und sein soll. Während Bernhardi in idealistischer Tradition mit stark romantischer Prägung das Ideal der Sprache in der Darstellung der subjektiven Freiheit des Menschen sieht, bemüht sich Destutt de Tracy in der Tradition des Sensualismus um ein Sprachideal, das Darstellung einer vernünftig organisierten Außenwelt (Natur) ist bzw. sein soll.
Trotz vieler gemeinsamer Grundzüge und Ausgangspositionen (Prinzip der Nachahmung, logische Struktur des Verstandes, allgemeine Grammatik) kommen beide – nicht zuletzt aufgrund politischer Umstände – zu sehr unterschiedlichen, ja gegensätzlichen Wertungen: So werden für Destutt de Tracy die Poesie und der Metapherngebrauch in der Rhetorik eine Gefahr für die Vernunft und damit das Glück der Menschen schlechthin, während Bernhardis Sprachideal sich in der „Periode“, das heißt in einer durch die Rhetorik zur höchsten Perfektion gereiften Formgebung ausdrückt, die Logik und Musikalität (Quantität und Qualität) umfaßt.
In meinem Beitrag wird es darum gehen, Gemeinsamkeiten und Gegensätze beider Ansätze herauszustellen und sowohl ihrer Einbindung in kulturpolitische Zusammenhänge als auch ihren Konsequenzen für ein Sprachideal nachzugehen.