Annett Volmer
Der Übersetzer Samuel-Henri Catel oder die Ankunft in der Muttersprache
Annett Volmer, Berlin
Übersetzungen spielten in der deutschen Aufklärung eine spezifische Rolle, denn sie dienten der Vermittlung kultureller Vorbilder und Muster. Die Übertragung und Erläuterung hervorragender Werke der französischen Literatur sollte der Entwicklung der deutschen Sprache und Literatur neue Impulse geben. Der Zeitschriftenredakteur und Übersetzer Samuel-Henri Catel (1758-1838) gehörte der dritten Generation der Hugenotten in Brandenburg-Preußen an und stellt mit seinem Werk ein Beispiel für die fortschreitende sprachliche Assimilation der Hugenotten an ihr deutsches kulturelles Umfeld dar. Die Wahl, Beherrschung und Reflexion über die deutsche und die französische Sprache in den Schriften Catels veranschaulichen diesen Prozeß des sich verändernden Sprachbewußtseins. Catel artikuliert das Gefühl der Heimatlosigkeit, d. h. zwischen zwei Sprachen und damit zwischen zwei Kulturen zu leben, sehr bewußt und entscheidet sich für die
Zugleich begreift er sich als pädagogischer Vermittler mit seinen Übersetzungen und Sprachlehrwerken. Der Beitrag verfolgt die metasprachlichen Äußerungen Catels in seinen Briefen, Übersetzungen und Aufsätzen unter dem Blickwinkel der Identitätsstiftung durch Sprache.