Claudia Sedlarz
Zwischen wissenschaftlicher Autonomie und institutioneller Identitätskrise. Die "Deutsche Deputation" und die Sprachenfrage an der Berliner Akademie der Wissenschaften um 1790
Claudia Sedlarz, Berlin:
1700 wurde die Berliner Akademie der Wissenschaften gegründet. Friedrich I. schuf auf Anraten von Leibniz eine Institution, die als Teil eines absolutistischen Machtgefüges die Wissenschaft im Staat sowohl repräsentieren als auch kontrollieren sollte. Sein Enkel Friedrich II. modernisierte nach 1740 die Akademie als Freiraum einer europäischen Geisteselite und führte das Französische als verbindlich für die Akademie ein. Nach dem Tod Friedrichs II. fand nach 1786 eine weitere Reform statt, die man als Wende zum Pragmatischen bezeichnen kann. Die Lokalgrößen der Berliner Aufklärung wurden zu Akademiemitgliedern gemacht. Ihrem Selbstverständnis als deutsche Gelehrte entsprechend versuchten sie, das Deutsche als Akademiesprache neben dem Französischen zu etablieren. Zugleich wurde im Rahmen eines Sonderausschusses, der "Deutschen Deputation", ein systematisches Programm zur Verbesserung des Deutschen gestartet. Diese Bestrebungen wurden von d
Es geht hier um institutionelle Politiken, die von äußeren Verhältnissen, d.h. der französischen Revolution, der preußischen Innenpolitik und der schnellen Entwicklung einer bürgerlichen Wissenschaft beeinflußt wurden. Die Argumente, die im Streit um die Sprachhegemonie geäußert werden, zeigen viel davon, wie die Zusammenhänge zwischen Wissenschaft, Nation und Staat gesehen wurden.