Friedrich August Calau: Leipziger Tor, Aquarellierte Aquatinta Besitz und Fotografie: Stiftung Stadtmuseum Berlin
 

Hartmut Schmidt

Moses Mendelssohns Versuch einer Bibelübersetzung für jüdische und christliche Leser
Mosche Dessauer (so auf dem Titel seiner Tora-Übersetzung), mit bürgerlich-deutschem Namen Moses Mendelssohn, gläubiger Jude und engagierter Berliner Aufklärer, begründete eine deutsche Übersetzung des Alten Testaments, mit der er mindestens drei Ziele verfolgte:
  • zwei etwa gleichzeitig erscheinende Ausgaben in hebräischen Lettern und in deutscher Fraktur als Lektüreangebot für deutsche Juden und Christen,
  • die Schaffung einer jüdisch-deutschen Texttradition für den privaten Gebrauch in Anlehnung an die der deutschen Lutherbibel, - die Präzisierung und Modernisierung der zeitgenössischen deutschen Bibelsprache als Basis für die kulturelle Begegnung deutscher Christen und Juden.

Mendelssohns Übersetzung liegt nur in Teilen vor, die wichtigsten sind die Tora und der Psalter. Sein Bibelwerk ist jedoch von anderen unter den vorherzusehenden Schwierigkeiten fortgeführt worden. Auch wenn die Ziele Mendelssohns nicht erreicht wurden, bleibt sein Werk Zeugnis eines vergessenen Glanzpunktes des berlinischen Hochdeutsch.