Roland Gruschka
1792, mitten in dieser Zeit kultureller und politischer Umbrüche, welche die jüdische Gesellschaft entzweiten, schrieb der jüdische Aufklärer Isaak Euchel (1756-1804) seine in Berlin spielende Komödie Reb Henoch, in welcher der Gebrauch unterschiedlicher sprachlicher Idiome (Hochdeutsch, Jiddisch, deutsche Dialekte, Englisch, Hebräisch, das gebrochene Deutsch von Ausländern usw.) nebeneinander auf humorvolle Weise der Zeichnung der auftretenden Figuren und ihrer Konflikte untereinander dient. Euchels Lustspiel Reb Henoch vermittelt nicht nur eine Ahnung von den vielschichtigen sprachlichen Sozialisationen ‘gewöhnlicher’ Berliner Juden Ende des 18. Jahrhunderts, sondern verdeutlicht auch exemplarisch die Haltung jüdischer Aufklärer zum Jiddischen und anderen Sprachen vor dem Hintergrund einer noch neu zu schaffenden modernen jüdischen Identität.