Manuela Böhm
Akkulturation und Mehrsprachigkeit am Waisenhaus der Französischen Kolonie in Berlin um 1800
Am Ende des 18. Jahrhunderts ist der Raum Berlin als mehrsprachiger Raum charakterisierbar. Deutsch, Französisch, Jiddisch und die Stadtsprache Berlinisch sind die in erster Linie anzutreffenden Sprachen. Der Beitrag konzentriert sich auf die Rolle des Französischen und nimmt besonders den Akkulturationsprozeß der Nachfahren französischer Hugenotten in dieser mehrsprachigen Umgebung in den Blick. Sprachlich äußert sich dieser Prozeß zunächst als eine französisch-deutsche Zweisprachigkeit, die im Laufe der Generationen von Refugierten zugunsten einer deutschen Einsprachigkeit abgebaut wird. Anhand des Elementarschulunterrichts an der Berliner Maison des Orphelins, dem Waisenhaus, wird gezeigt, wie eine Einrichtung der französisch-reformierten Gemeinde auf diesen Sprachwechsel in Form der nachlassenden Französischkompetenz ihrer Zöglinge reagiert und somit als Ort der Vermittlung zwischen Frankophonie und deutschsprachiger Umgebung funktioniert.