Friedrich August Calau: Leipziger Tor, Aquarellierte Aquatinta Besitz und Fotografie: Stiftung Stadtmuseum Berlin
 

Sprache und Sprachen in Berlin um 1800

Sprache und Sprachen in Berlin um 1800

Freitag/Sonnabend, 28. Februar und 1. März 2003 im
Akademiegebäude Jägerstraße 22-23

Veranstaltung, Organisation: Prof. Dr. Jürgen Trabant, Ute Tintemann

Diese Tagung wird gefördert durch die VolkswagenStiftung

In Berlin um 1800 konzentriert sich die Diskussion von Sprachenfragen zum einen auf den Ausbau des Deutschen und zum anderen auf das sprachvergleichende Studium. Die Aktualität dieser bereits auf Leibniz zurückgehenden Fragestellungen zeigt sich an den von der Preußischen Akademie der Wissenschaften formulierten Preisfragen. Diese möchte die AG "Berliner Klassik" zum Ausgangspunkt für die Tagung "Sprache und Sprachen in Berlin um 1800" nehmen.

Sektion 1: Deutsch und die anderen Sprachen

1792 wird an der Berliner Akademie die "Deputation zur Kultur der vaterländischen Sprache" gegründet. Diese schreibt im selben Jahr einen Wettbewerb aus, ob es nötig sei, das Deutsche von Fremdwörtern zu reinigen. Die Gründung der Deputation selbst, aber auch die Preisfrage, die von Johann Heinrich Campe gewonnen wird, spiegeln die "Questione della lingua" der Zeit im Hinblick auf das Deutsche als Wissenschafts-, Literatur- und Kultursprache wider. So wird in Berlin nicht nur der Standard des Hochdeutschen thematisiert, sondern auch das Verhältnis des Deutschen zum Berlinischen, zum Französischen und zum Jiddischen. Die Auseinandersetzung der Berliner Gelehrten mit diesen Fragestellungen soll auf der Tagung ebenso diskutiert werden wie die sprachliche Verortung des Deutschen und der anderen Sprachen. Darüber hinaus sollen Aspekte sprachlicher Identität in Berlin um 1800 vor dem Hintergrund der spezifischen soziokulturellen Situation der Stadt be

Sektion 2: Sprachen im Vergleich

1792/94 wird an der Berliner Akademie außerdem eine Preisfrage zu den Kriterien einer vergleichenden Sprachbetrachtung und -bewertung der Hauptsprachen Europas gestellt, die der Berliner Philologe und Theologe Daniel Jenisch gewinnt. Die Berliner Akademie ist aber auch der Ort, an dem Carlo Denina sein sprachvergleichendes Werk La clef des langues (1804) vorbereitet und Wilhelm von Humboldt sein theoretisches Programm des sprachvergleichenden Studiums entwirft und 1820 den Akademiemitgliedern präsentiert. Gleichzeitig erscheinen mehrere größere, von Berlinern (Peter Simon Pallas und Julius Heinrich Klaproth) verfasste Sammlungen von bis zu dahin kaum erforschten Sprachen. Diese stehen im Zusammenhang mit den sprachenzyklopädischen Bemühungen von Lorenzo Hervás und Adelung / Vater (Mithridates). Gleichzeitig wird in Berlin die philosophische Grammatik von Bernhardi kantisch uminterpretiert, so dass für den Sprachvergleich eine aktuelle Basistheorie zur Verfügung

Das "Berliner Interesse" an Fragestellungen des sprachvergleichenden Studiums soll auf der Tagung näher untersucht werden. Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Hinblick auf Kriterien zur Sprachvergleichung und -klassifikation, die theoretische Einbindung dieser Studien und die Frage, inwiefern diese auf Humboldts Programm des vergleichenden Sprachstudiums hinführen, möchten wir näher diskutieren.

Programm

Freitag, 28. Februar 2003

Sektion 1: Deutsch und die anderen Sprachen

9.30
Jürgen Trabant, Ute Tintemann, Berlin: Einführung

Moderation: Bettina Lindorfer

10.00
Claudia Sedlarz, Berlin:

Zwischen wissenschaftlicher Autonomie und institutioneller Identitätskrise. Die "Deutsche Deputation" und die Sprachenfrage an der Berliner Akademie der Wissenschaften um 1790

10.45 Pause

11.15
Joachim Gessinger, Potsdam:

Kritik der sprachlichen Unvernunft. Joachim Heinrich Campe und die Preisfrage der Berliner Akademie zur Reinheit der deutschen Sprache

12.00
Annett Volmer, Berlin:

Der Übersetzer Samuel-Henri Catel oder die Ankunft in der Muttersprache

12.45 Mittagspause

Moderation: Iwan D'Aprile

14.15
Manuela Böhm, Potsdam:
15.00
Conrad Wiedemann, Berlin:

Deutsch-Französische Rede-Raison. Funktionen der Zweisprachigkeit im klassisch-romantischen Berlin um 1800

15.45 Pause

16.30
Roland Gruschka, Düsseldorf:
17.15
Hartmut Schmidt, Mannheim:

Ende ca. 18.00 Uhr


Sonnabend, 1. März 2003

Sektion 2: Sprachen im Vergleich

Moderation: Harald Weydt

9.30
Jürgen Trabant, Berlin:

Mithridates

10.15
Barbara Kaltz, Aix-en-Provence:

"Deutsche gründliche Kritik". Christian Jacob Kraus zu Pallas' Vergleichendem Glossarium aller Sprachen

11.00 Pause

11.30
Gerda Haßler, Potsdam:

Typologie und Anthropologie bei Lorenzo Hervás y Panduro

12.15
Ute Tintemann, Berlin:

13.00 Mittagspause

Moderation: Dirk Naguschewski

14.30
Denis Thouard, Paris:

Von der reinen Sprachlehre zum vergleichenden Sprachstudium. Sprache und Sprachen zwischen August Ferdinand Bernhardi und Wilhelm von Humboldt

15.15

16.00 Pause

16.45
Jean Rousseau, Paris:

17.30 Conrad Wiedemann, Berlin: Schlußwort