Alexander Kosenina
Kunst und Natur als Stimulanzien der Liebe »Die neue Cecilia« im Kontext von Moritz’ Ästhetik
Alexander Kosenina, Berlin/Darmstadt
Dem Fingerzeig der Allgemeinen Literaturzeitung, Moritz’ fragmentarischer Briefroman Die neue Cecilia beweise „topographische Genauigkeit" und „Sorgfalt" in den Schilderungen „so manche[r] Aussicht und Gegend", ist man bei bisherigen Lektüren dieser ‚Bilderfolge‘ kaum nachgegangen. In dem Vortrag werden zwei Kunstszenerien in ihrer katalytischen Wirkung auf die keimende Liebe zwischen Cecilia und Mario untersucht:
(1) Als locus amoenus wird nicht zufällig der Park um die Villa Borghese gewählt, der die künstlerische Empfindungs- wie Bildungskraft beider Protagonisten befeuert. Das gilt besonders für den dunkel verborgenen und symbolträchtigen Ort, an dem der Sarkophag des Phaeton steht und der zum Schauplatz zweier durch Kunst vermittelten Begegnungen wird.
(2) Systematisch damit verknüpft ist die Bilderzählung von Domenichinos Gemälde Caccia di Diana (1617), das Cecilia „mit Fleiß" studiert hat. Durch Vermittlung dieser beiden Kunsteindrücke werden die produktiven, aber auch tragischen Spannungen zwischen Bürgertum und Adel, Frau und Mann, Natur und Kunst, Leben und Tod, Malerei und Poesie harmonisch ausgeglichen.
Dies geschieht wesentlich am Leitfaden von Moritz’ Ästhetik.