Jürgen Jahnke
"Die zerstreuete Menschheit aber soll sich in unserer Loge sammlen": Karl Philipp Moritz und seine Berliner Logenbrüder
Jürgen Jahnke, Freiburg
Karl Philipp Moritz war von 1779 bis zu seinem Tod 1793 Mitglied der Berliner Johannis-Loge "Zur Beständigkeit". Anhand der Protokolle, Mitgliederlisten und anderer Schriftstücke in den überlieferten Logenakten läßt sich nicht nur Moritz' persönliches Freimaurerleben nachzeichnen, sondern auch ein differenziertes Bild der Sozialstruktur einer Berliner Freimaurerloge am Ende des 18. Jahrhunderts gewinnen.
Wenn sich auch über die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen den Logenbrüdern innerhalb und außerhalb der Loge kaum konkrete Zeugnisse finden, so ergeben sich doch manche Aufschlüsse über die Bereiche der Berliner Gesellschaft, die in der Loge vertreten waren.
In diesem Zusammenhang wird auch der Frage nachgegangen, ob sich die Sozialstruktur der Loge in den 13 Jahren von Moritz' Mitgliedschaft verändert hat. Abschließend ist Klischnigs These kritisch zu diskutieren, daß sich Moritz aus der Loge "nach und nach mißvergnügt zurück(zog)", und "durch seine genauere Bekanntschaft mit dem Herrn Geheimenrath von Göthe" schließlich "ganz kalt wurde".