Friedrich August Calau: Leipziger Tor, Aquarellierte Aquatinta Besitz und Fotografie: Stiftung Stadtmuseum Berlin
 

Adrian Aebi

Vom richtigen deutschen Ausdruck (1792): Zu Karl Philipp Moritz' später Beschäftigung mit Sprache

Zehn Jahre nach seiner "sprachwissenschaftlichen Phase" (1780-82) wandte sich Karl Philipp Moritz 1792 mit dem Buch Vom richtigen deutschen Ausdruck erneut der linguistischen Auseinandersetzung mit der deutschen Sprache zu. Allerdings handelt es sich bei der umfangreichen Schrift um eine Kompilation früherer Texte. Neu sind die Gliederung des Stoffes, einige wenige Überlegungen und Ergänzungen sowie der Einbezug der Prosodie. Wie ist dieses Werk einzuschätzen?

Da die Schrift an inhaltlich Neuem eher arm ist, gewinnt die Frage nach den Gründen an Relevanz, die Moritz dazu veranlasst haben könnten, seine Überlegungen zur Sprache ein Jahrzehnt nach deren erstem Erscheinen in dieser Form erneut zu veröffentlichen. Sie wird angesichts der Publikationsgeschichte der frühen linguistischen Werke noch verschärft: Sowohl die Kleinen Schriften die deutsche Sprache betreffend (1781) als auch die Deutsche Sprachlehre für die Damen (1782) erschienen zu Beginn der 1790er Jahre in Neuauflagen. So macht es ganz den Anschein, als hätte Moritz hier mit mehreren Titeln aus seinem Textarsenal eine Art Großoffensive seiner Sprachtheorie lanciert. Der Schrift Vom richtigen deutschen Ausdruck kommt dabei insofern ein Sonderstatus zu, als sie trotz ihres kompilatorischen Charakters als neues Werk zu werten ist.

Ob diese nachitalienische sprachwissenschaftliche Publikationstätigkeit den Beginn einer neuen, intensiven Beschäftigung mit Sprache hätte markieren sollen - ab 1793 erschien das Großprojekt Grammatisches Wörterbuch der deutschen Sprache, weitere linguistische Arbeiten waren offenbar geplant - muss angesichts des frühen Todes unseres Autors Spekulation bleiben. Sie kann aber als Beleg dafür gesehen werden, daß Karl Philipp Moritz' Interesse für Sprache nicht bloß die erste Phase seiner schriftstellerischen Tätigkeit geprägt und in seinem Denken möglicherweise sogar einen bedeutend wichtigeren Stellenwert eingenommen hat, als die Forschung bislang annimmt. Diesen Vermutungen über den Sprachwissenschaftler Moritz soll ausgehend von Vom richtigen deutschen Ausdruck prüfend nachgegangen werden.