Friedrich August Calau: Leipziger Tor, Aquarellierte Aquatinta Besitz und Fotografie: Stiftung Stadtmuseum Berlin
 

Heinrich Schlange-Schöningen

Philologie und Geselligkeit. Philipp Buttmanns Beitrag zur 'Berliner Klassik'.

Heinrich Schlange-Schöningen (Berlin)

1806 wurde der heute kaum noch bekannte Philipp Buttmann (1764-1829) von M. S. Lowe für würdig erachtet, neben Persönlichkeiten wie C. W. Hufeland, J. E. Biester oder C. F. Nicolai in die Porträtreihe der „Bildnisse jetztlebender Berliner Gelehrten“ aufgenommen zu werden. Aus diesem Anlaß entstand eine Autobiographie, in welcher der Gelehrte die „Unstetigkeit“ seiner Studien und Arbeiten beklagte, sich als „Spätlehrling“ bezeichnete und zu seiner bereits mehrjährigen Tätigkeit als Lehrer am Joachimsthalschen Gymnasium mitteilte, er habe von jeher „gegen den Schulstand eher Abneigung als Zuneigung“ empfunden. Die Vignette, die Lowe unter das Bildniss von Buttmann setzte, und auf der Kadmos bei der Anfertigung der griechischen Buchstaben zu sehen war, machte indessen deutlich, daß Buttmann die Aufnahme unter die Berliner Gelehrten seinen von den Zeitgenossen durchaus als erfolgreich eingeschätzten Bemühungen um die
> Mit Buttmann Wirken in Schule und Akademie sind seine Tätigkeitsfelder noch nicht erschöpft. Während er zur Sicherung seines Lebensunterhalts seit seiner Ankunft in Berlin i. J. 1789 zunächst als „Hilfsarbeiter“ und seit 1796 als „Bibliotheks-Sekretär“ in der Königlichen Bibliothek arbeitete, verschaffte ihm eine Redaktionstätigkeit in der ‚Haude- und Spenerschen Zeitung‘ in den Jahren 1793-1801 ein zusätzliches Einkommen. Nach 1807 stand für Buttmann zunächst die Neuordnung der Bibliothek im Vordergrund; Schleiermachers ‚Reglement‘ von 1813 konnte u.a. auf die von Buttmann geleisteten Vorarbeiten zurückgreifen. 1811 hat Buttmann dann die Aufgabe übernommen, in der sog. ‚wissenschaftlichen Deputation‘ in der 3. Hauptabteilung des Ministeriums des Inneren (d.h. in der zunächst Humboldt, seit Nov. 1810 dann Fr. von Schuckmann unterstehenden Sektion des Kultus und des Unterrichts) die altphilologischen Fächer> Alle diese Tätigkeitsbereiche lassen vermuten, daß Buttmann als wichtiger Vertreter der Altertumswissenschaften im Zentrum der preußischen Bildungspolitik gestanden hat. Ein großer Teil seiner zeitgenössischen Wirkung lag jedoch gewiß außerhalb der auflistbaren Ämter und Schriften. Buttmann, der die Geselligkeit als seine wichtigste Charaktereigenschaft betrachtete, hat bereits während seines ersten Besuchs in Berlin im Umgang u.a. mit Fr. Nicolai und Fr. Gedike, wie er selbst schreibt, „den Reiz des geselligen Tones erfahren, der die gebildeten Klassen dieser Stadt so sehr auszeichnet vor anderen Hauptstädten Europas“, und er hat dann, nach seiner endgültigen Übersiedlung, als Begründer nicht nur der ‚Graeca‘, sondern wichtiger noch der ‚Gesetzlosen Gesellschaft‘ selbst maßgeblich zur Etablierung dieser neuartigen Kommunikationsform („wo anziehender Ernst mit lachender Unbefangenheit in seltener Gemeinschaft
> Der Vortrag über Philipp Buttmann wird 1. eine kurze Darstellung von Leben und wissenschaftlichem Werk bieten, 2. die Tätigkeitsbereiche in den verschiedenen Berliner Bildungsinstitutionen und die hier von Buttmann ausgehenden Impulse genauer erläutern, dabei 3. besonders auf Buttmanns Wirken im Joachimsthalschen Gymnasium sowie in der ‚wiss. Deputation‘ der Unterrichtssektion eingehen, 4. dann das um und durch Buttmann entstehende personale Netz in seiner Bedeutung für die ‚Berliner Klassik‘ beleuchten und schließlich 5. das bislang nicht ausgewertete Archivmaterial vorstellen.<
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