Friedrich August Calau: Leipziger Tor, Aquarellierte Aquatinta Besitz und Fotografie: Stiftung Stadtmuseum Berlin
 

Felix Mundt

Antikes Erbe und Geist der Romantik – Das Dilemma des August Ferdinand Bernhardi

Felix Mundt (Berlin)

Der Altsprachenlehrer und Rektor des Friedrich-Werderschen Gymnasiums A. F. Bernhardi (1769-1820) wird im allgemeinen der Berliner Romantik zugerechnet. Auf den ersten Blick scheint dies einleuchtend: Bernhardi war zeitweise mit den Geschwistern Schlegel und Tieck eng befreundet und arbeitete mit ihnen vor allem auf dem Gebiet der Literaturkritik zusammen. Mit Sophie Tieck war er verheiratet, Fichte schätzte ihn als Freund und Diskussionspartner.
> Bei genauerem Hinsehen wird jedoch deutlich, daß Bernhardi sich nicht ohne Probleme in die Berliner Romantik einordnen läßt. A. W. Schlegel und L. Tieck akzeptierten ihn nie als gleichwertigen Partner und Schriftsteller in ihrem Sinne, seine Ehe mit Sophie Tieck (sie dauerte offiziell von 1799 bis 1807) war bereits nach zwei Jahren praktisch gescheitert, die Freundschaft mit Schlegel und Tieck zerbrach, nach 1808 zog sich Bernhardi aus dem literarischen Leben völlig zurück. Vielleicht ist der Grund dafür nicht allein in privaten Querelen zu suchen, sondern vielmehr auch darin, daß er im Grunde seines Herzens nie ein Romantiker war, und zwar nicht aus Unvermögen, sondern aus Überzeugung. Einige seiner in den „Bambocciaden“ bereits zwischen 1797 und 1800 erschienenen Erzählungen zeigen eine recht kritische Auseinandersetzung mit den Strömungen seiner Zeit, und große Teile seiner sprachwissenschaftlichen Werke sind auch ohne Fichtes Wissen> Es soll unter Heranziehung der literarischen, sprachwissenschaftlichen und pädagogischen Arbeiten Bernhardis untersucht werden, wie diese Selbständigkeit zu erklären ist.