Claudia Sedlarz
Stadt und Stil. Ornamentale Kommunikationen
Claudia Sedlarz, Berlin
Um 1800 wird das erste Mal der städtische Raum als ein eigenständiges Gebilde wahrgenommen, die Stadt als ein autonomes Ganzes mit eigenem ästhestischen Wert.
Eine veränderte Raumwahrnehmung, ein veränderter Schönheitsdiskurs, eine veränderte staatliche Baupolitik, ein veränderter Begriff von Repräsentation, veränderte Kommunikationsformen und veränderte Vorstellungen von Individualität greifen ineinander und führen zu einer veränderten Beziehung der Bewohner zu ihrer Stadt. Stil und Raum sind Medien für den Austausch der Bewohner mit der und durch die Stadt, ebenso das Ornament, das als mobiler Bedeutungsträger überall im Einsatz ist. Das antikische Ornament wird den Dingen, Kleidern, Häusern aufgesetzt und transportiert Dignität durch die darin eingeschlossene Erinnerung an vorbildliche Menschheitsgeschichte.
Die Omnipräsenz der Ornamente ist ein Merkmal des Klassizismus als eines ausgesprochen kommunikationsintensiven Stils. Er korrespondiert damit dem kommunikativen Gebaren der Berliner, die bei ihren Zusammenkünften in privaten und öffentlichen Räumen eine neue Art der Kommunikation pflegen, die aus verschiedenen Gründen ebenfalls ornamental genannt werden kann.