Dr. Marc Schalenberg
Die Lust am Zitieren: Internationale Referenzen in der Berliner Stadtgestaltung um 1800
Dr. Marc Schalenberg, HU Berlin, Institut für Geschichtswissenschaften
Begreift man Stadt als intentional gestalteten Raum und mithin als Bedeutungsträger, so stellen sich umgehend die berühmten "W"-Fragen: Wer baute wann was warum - und wie? Aus der Codierung des Stadtraums durch Zeichen drücken sich das Selbstverständnis, der Bildungshorizont, aber auch die schieren Machtverhältnisse innerhalb des betreffenden Gemeinwesens aus.
Dabei ist unverkennbar, dass über "indogene" Traditionen hinaus immer wieder Anleihen bei externen, möglichst bekannten und geschätzten Vorbildern gesucht wurden. Zumindest die anderen deutschen Städte in dieser Hinsicht zu übertrumpfen - sei es an Monumentalität oder auch nur an Zeitgemäßheit -, war auch im Berlin um 1800, das sich in einer Metropolen- bzw. Kapitalenkonkurrenz wähnte, ein erklärtes Anliegen.
Läßt sich dieses Phänomen mit dem Kürzel "Klassizismus" stilgeschichtlich relativ einfach auf den Begriff bringen, so scheint die Frage nach dem konkreten Bedeutungsimport (hier vor allem im Medium der Architektur) schwieriger, auch weniger erforscht. Welchen Unterschied macht es, ob Vorbilder der griechischen oder der römischen Antike, und dort der Republik oder der Kaiserzeit, evoziert wurden? Welche Rolle spielten die Klassikrezeptionen der Renaissance in Italien und deren abermalige Anverwandlung in Frankreich? Welche Intentionen und Suggestionen sich aus den während der "Berliner Klassik" entstandenen Bauten und Plänen ableiten lassen, soll in dem Referat näher erörtert werden.