Friedrich August Calau: Leipziger Tor, Aquarellierte Aquatinta Besitz und Fotografie: Stiftung Stadtmuseum Berlin
 

Godehard Janzing

Sicherheitsarchitektur.

Godehard Janzing, Paris, Berlin

Das Brandenburger Tor und die Berliner Öffentlichkeit zur Zeit der Französischen Revolution.

Das Stadttor des 18. Jahrhunderts ist ein Ort, an dem sich die staatliche Ordnung als Raumordnung darzustellen vermag (Kemp 1997). Im Falle des Brandenburger Tors deutet sich der materielle Hintergrund dieser architektonischen Grenzziehung bereits in der Besetzung der Toranbauten durch Wache und Akzise an. Im Linksverkehr genutzt, war die Akzise den Einreisenden zugeordnet. Die wachhabenden Soldaten bezogen ihren Posten auf der Seite der Ausreisenden. Da die Besteuerung des städtischen Warenaustausches nahezu ausschließlich der Finanzierung der Armee diente, findet sich hier ein Grundprinzip des monarchischen Staatswesens auf engstem Raum verdichtet.

Diese sinnstiftende Funktion des Torbaus bleibt beim Brandenburger Tor aber keineswegs auf die bloße Strukturierung des Raums reduziert, der klassizistische Torbau verleiht dieser staatspolitischen Fragestellung auch in bildhafter Form Ausdruck.

Ausgangspunkt meines Vortrags ist die Beobachtung, dass sich das Tor entgegen dem viel beschworenen antiken Vorbild nicht dem Eintretenden zuwendet, sondern sich mit seinem Toranbauten auf der eigentlichen Innenseite der Mauer zum Stadtraum hin öffnet. Diese Geste verdeutlicht, auf welcher Seite das Bauwerk sein Publikum sucht. Demonstrativ wendet es sich mit seinem Bildprogramm der städtischen Öffentlichkeit zu.
Verschiedene Interpretationsweisen der gerade in Restaurierung befindlichen Reliefs, sollen in meinem Vortrag vorgestellt werden. Er beruht auf meinem aktuellen Dissertationsvorhaben zum Thema "Antikenrezeption und Militärreform". Im Zentrum steht dabei die Betonung der Bedeutung der Verteidigungsaufgabe für das Gemeinwesen, die in der Auseinandersetzung mit der Französischen Revolution zu einem mehr als brisanten Thema geworden war.
Mit Hilfe von Warburgs Begriff des "Ausgleichserzeugnisses" möchte ich untersuchen, wie eng im Bildprogramm des Brandenburger Tors - als einem Brennpunkt des öffentlichen Lebens in Berlin um 1800 - monarchisches Repräsentationsbedürfnis und bürgerlich-städtische Selbstdarstellung in einander greifen.