Friedrich August Calau: Leipziger Tor, Aquarellierte Aquatinta Besitz und Fotografie: Stiftung Stadtmuseum Berlin
 

Carola Zimmermann

Innendekorationen von Carl Gotthard Langhans

Carola Zimmermann, Berlin

Langhans wird von Friedrich Wilhelm II. zur Gestaltung mehrerer repräsentativer Räume berufen.
Hier chronologisch vorzugehen fällt schwer, da Langhans mit vielen dieser Projekte gleichzeitig beschäfigt war. Sicherlich eine frühe Planung unter Friedrich Wilhelm II. ist das Belvedere im Charlottenburger Schloßpark. Die ehemalige Ausstattung ist interessant, denn hier wurde auf kleinstem Raum größte Pracht entfaltet, in einer Mischung aus französischen und englischen Vorbildern des Greek Revival. Auch beim Marmorpalais in Potsdam ist eine Verquickung von Innen und Außen zu bemerken, Langhans entwirft nicht nur die Saalausstattungen, sondern auch die Architekturen für den entstehenden Landschaftsgarten im Neuen Garten. Zumindest in der "Gothischen Bibliothek" zeichnet er auch für die Möbel verantwortlich.

Langhans arbeitete auch für verschiedene Häuser der Madame Ritz und ihrer Tochter (das spätere Niederländische Palais), außerdem gestaltete er für den Prinzen Ferdinand in Schloß Bellevue den Festsaal (und wiederum Gartenarchitekturen). Mit dem bereits 1775 entstandenen Saal des Palais Zedlitz gab es also in Berlin eine staatliche Anzahl an Festsälen und weiteren Räumen, deren Entwürfe von Langhans stammte.

In welchem Verhältnis steht der neue Geschmack zum friderizianischen? Läßt sich hier anhand der Architektur auch ein gesellschaftlicher Umbruch erfassen? Haben die Räume für Friedrich Wilhelm II. einen "wohnlicheren" Charakter als die Friedrich II.?
Gerade bei der Bearbeitung des Sterbezimmers von Friedrich II. durch Erdmannsdorff wird immer wieder auf den Bruch verwiesen, der sich in der geradezu pietätlosen Schnelligkeit und dem drastischen Umgestaltungswillen Friedrich Wilhelms II. zu seinem Vorgänger zeige.
Wie stehen Langhans' Schöpfungen in dem Vergleich zu Erdmannsdorff da? Beide arbeiten im Berliner Stadtschloß, kennen sich auch schon durch vorherige Kontakte in Wörlitz, als Langhans 1775 vor seiner Englandreise dort Station macht. Wie reagieren die Innenräume auf den sie umgebenden Landschaftsgarten?

Zudem wäre es interessant zu untersuchen, ob und wie Langhans rezipiert wird, ob es neben seinen eigenen Arbeiten, die nicht für den Hof sind, noch Einflüße auf Interieurs auch in adeligen oder gar bürgerlichen Wohnräumen erkennbar sind. Vielleicht läßt sich dies alles mit dem dann herrschenden Geschmack erklären, aber auch hier wäre die Frage zu klären, inwieweit auch Langhans "geschmacksbildend" tätig war.