Ernst Siebel
Ernst Siebel, Berlin
Der Berliner um 1800 - Kommunikation und Möblierung
Hierzu möchte ich Ihnen folgende Thesen nennen:
1. Um 1800 beschränkte sich die Geselligkeit in Berlin auf nur einen Raum, den Salon.
2. Die Einrichtung stand in den Berliner Salons um 1800 in einer engen wechselseitgen Beziehung zur Kommunikation. Die Möblierung wurde weitestgehend durch die Gäste, also durch die Gesellschaft bestimmt, was sich auch in der Beschaffenheit der Möbel abzeichnete. So hatten die Stühle leicht zu sein, um analog zur Gesprächsgruppenbildung im Gesellschaftsraum bewegt werden zu können. Ferner war der Salontisch in der Regel rund, wodurch Sitzhierachien vermieden wurden, was wiederum den Prinzipien der Salonkultur entsprach, zumindest stundenweise im Gesellschaftsraum Standesunterschiede aufzuheben.
3. Wie die Möblierung, ist auch die Wandgestaltung des Salons in Abhängigkeit zu seiner geselligen, kommunikativen Funktion zu sehen. Dies betrifft z. B. die monochrome Farbgebung der Salontapeten und insbesondere das um 1800 in Berlin beliebte Blau.
4. Die mobile Dekoration, z. B. die Bildausstattung, besaß eine themenstiftende Funktion. Sie verwies unter anderem auf gemeinsame ästhetische Wertvorstellungen, dies betrifft u. a. die Antikenabgüsse.
5. Unerläßlich für die Ausstattung eines Salons war die Präsenz zumindest eines Musikinstruments, in der Regel handelte es sich dabei um ein Pianino. Für Frauen, denen ein öffentliches Aufteten als Klaviervirtuosin versagt blieb, bot hier der Salon Ersatz. In Streitsituationen vermochte ein Klavierspiel die Gesellschaft zu harmonisieren.