"Naturwissenschaften, Medizin und Technik in Berlin um 1800"
"Naturwissenschaften, Medizin und Technik in Berlin um 1800"
Freitag/Sonnabend, den 23./24. November 2001 im
Akademiegebäude Jägerstraße 22-23, 5. Etage, Tagungssaal
Auf der Tagung soll Berlin als Ort naturwissenschaftlicher Lehre und Forschung vorgestellt werden. Auf die Frage, von wem an welchen Orten und in welchen Zusammenhängen gelehrt und geforscht wurde, werden erste Antworten gegeben. Dabei stehen die sachlichen Zusammenhänge wie die persönlichen Beziehungsgeflechte im Vordergrund. Weshalb hatte eine zahlenmäßig kleine Elite so große Wirkung?
Weshalb hatte Berlin als Ausbildungsort so große Anziehungskraft auf den Nachwuchs? Läßt sich das vielleicht auf ein wesentliches Mißverständnis der ursprünglichen Intentionen der staatlichen und privaten Institutionalisierung von Lehre und Forschung durch Lehrende und Lernende zurückführen?
Programm
Freitag, 23. November 2001
Moderation: Eberhard Knobloch
9:00 Begrüßung: Eberhard Knobloch
9:30
Michael Engel, Berlin: Die wissenschaftlichen Institutionen in der "Berliner Klassik"
10:30 Kaffeepause
11:00
Katrin Böhme, Berlin: Die Freunde der Natur als Freunde der Naturfreunde. Die Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin: eine gelehrte Privatgesellschaft im 18. und 19. Jahrhundert
12:00
Rolf Winau, Berlin: Die Gründung der Friedrich-Wilhelms-Universität und die Charité
13:00 Mittagspause
14:30
Hans-Werner Schütt, Berlin: Hans Martin Klaproth und die Chemie in Berlin um 1800
15:30
Brita Engel, Berlin: Friedrich Sigismund Hermbstädt (1760-1833)
Samstag, 24. November 2001
Moderation: Michael Engel
9:30
Herbert Pieper, Berlin: Mathematik in Berlin um 1800
10:30
Ilse Jahn: Carl Ludwig Willdenow, der Botanische Garten und die Biologie der Berliner Klassik
11:30 Kaffeepause
12:00
Jörg Zaun, Berlin: Paul Ermann. Experimentelle Elektrizitätsforschung
13:00 Mittagspause
14:30
Besuch der Alten Zootomie (Luisenstr. 56, Gebäude 3, Haus 8 (Institut für Fleischhygiene))
Dorothea Beutling: Die Gründung der Königlichen Tierarzneischule zu Berlin
Tagungsbericht
Einem zentralen Aspekt der urbanen Kultur Berlins um 1800 wurde auf der unter der Leitung von Prof. Dr. Eberhard Knobloch sowie Dr. Michael und Brita Engel stehenden Tagung "Naturwissenschaften, Medizin und Technik in Berlin um 1800" nachgegangen.
Auf dieser Tagung wurde Berlin als Ort naturwissenschaftlicher Forschung und Lehre um 1800 vorgestellt und auf seine Charakteristika im Zusammenhang mit den Fragestellungen der Arbeitsgemeinschaft "Berliner Klassik" hin befragt. In den einzelnen Vorträgen der Berliner Wissenschaftler Katrin Böhme, Brita und Michael Engel, Ilse Jahn, Herbert Pieper, Hans-Werner Schütt, Rolf Winau und Jörg Zaun wurden zum einen einzelne wissenschaftliche Institutionen vorgestellt, zum anderen die Forschungsleistungen herausragender Forscher der Zeit gewürdigt.
Es konnte gezeigt werden, dass sich die naturwissenschaftliche Forschung in den Jahren zwischen 1786 und 1815/20 in einer Umbruchsphase befindet.
Zunächst kommt es in diesem Zeitraum zu einer Vielzahl von Gründungen wissenschaftlicher Institutionen wie der Tierarzneischule (1790) und der Pepinière (1795). Nach der Gründung der Universität 1810 jedoch ist eine Verlagerung der Forschung an diese Institution und gleichzeitig die Herausbildung neuer naturwissenschaftlicher Disziplinen zu verzeichnen. Beispielsweise wurde an der Friedrich-Wilhelms-Universität 1811 erstmals ein eigener Lehrstuhl für Botanik an einer Philosophischen Fakultät eingerichtet und auf diese Weise eine Trennung der wissenschaftlichen von der medizinischen Botanik vollzogen. Erster Lehrstuhlinhaber dieses Faches war der Apotheker und Botaniker Carl Ludwig Willdenow, der ähnlich wie Paul Erman im Hinblick auf die Physik oder Martin Heinrich Klaproth für die Chemie zu den Wegbereitern bei der Herausbildung der einzelnen Disziplinen gelten kann.
Aus den Biographien dieser Forscher lässt der Paradigmenwechsel in den Naturwissenschaften ablesen, denn diese leiten zwar die Spezialisierung in den Naturwissenschaften um 1800 ein, verfügen aber noch gleichzeitig über die gesamte Breite des naturkundlichen Wissens ihrer Zeit.
Als weiteres Charakteristikum der Naturwissenschaften um 1800 wurde deren ausgesprochener Bezug zur Praxis deutlich, der sich sowohl in einerAnwendungsorientierung der Forschung, als auch in einer ausgeprägten Empirismusbetonung äußerte.
Ute Tintemann