In der „Vergleichung des neuen Schauspielhauses“ legt Langhans seine Grundüberlegungen zum Bau eines Theaterinnenraumes vor. Obwohl er nominell akustische und optische Überlegungen gleich wertet, hat doch die Lösung des akustischen Problems für ihn den höheren Reiz. Hier setzt er sich mit der zeitgenössischen Lehre des Schalls auseinander, findet eigene Theorien und stellt seine theoretischen Lösungsansätze grafisch dar. Immer wieder wird deutlich, daß ihn dieselben Grundgedanken bereits beim Bau oder Umbau vorangehender Theater geleitet haben, wie beim Breslauer Theater,[12] dem Umbau des Opernhauses, in das er die „Schallkamine“ einsetzt, und dem Charlottenburger Schloßtheater, die alle noch in die Zeit vor seiner Anstellung als Direktor des Oberhofbauamts fallen.
In der Zeit der Auftragsvergabe für das Nationaltheater auf dem Gendarmenmarkt mußte sich Langhans mit neuen Konkurrenten messen.[13] Friedrich Gilly hatte einen eigenen Entwurf eingereicht und war, wohl auch mit Rücksicht auf die mögliche Vergabe dieser Aufgabe, gereist und konnte von den neusten Entwicklungen in Paris berichten.[14] Langhans' Reise dorthin lag schon fast 32 Jahre zurück, um so mehr bemüht er die Theorie und setzt einen besonderen Schwerpunkt auf die eigene Erfahrung. Wiederholt führt er als gelungene Beispiele eigenen Bauten an. Auch beschränkt er seine Abhandlung auf das Problem der Innenraumgestaltung, gerade hier konnte er auf Erfahrung auch durch Umbauten bereits bestehender Häuser verweisen.
Interessanterweise beschäftigt sich 10 Jahre später sein Sohn Carl Ferdinand mit eben dem gleichen Problem. Zur Schrift seines Vaters und zum Nationaltheater schreibt er, „schließt er [C.G. Langhans] sich wieder an die oben erwähnte Theorie von Dumont und Patte an, und wählt die elliptische Form. Da bis dahin noch keine ganz genaue Anwendung dieser Theorie in der Form der Theater gemacht worden war, so ging das Bestreben des Architekten dahin, sie bei diesem Bau möglichst genau in's Werk zu stellen. [...] Es ist dies Theater vielleicht das Einzige, welches uns einigen Aufschluß über die Fortpflanzung des Schalles geben kann...“[15] . Durch Carl Ferdinand Langhans wird auch bekannt, daß Langhans, zusätzlich zu den Überlegungen des elliptischen Raumes, die Decke des Prosceniums noch leicht wölbt, um einen zweiten Konzentrationspunkt der Schallwellen in der Mitte des Parterre zu erhalten.[16] Obwohl er den Umbau des Opernhauses seines Vaters lobt,[17] kommt Carl Ferdinand Langhans doch zu einem anderen Schluß in Bezug auf die beste Form des Grundrisses. Er bevorzugt die Eiform und wendet in einer „deutlichen Wiederlegung von Patte's Theorie“[18] gegen die Ellipse ein: „Die Behauptung, daß man in einer elliptischen Form nicht höre, ist also nicht richtig. Man hört zuviel, und deswegen versteht man nicht. Die Ellipse ist die Form, welche diese Nachtheile am meisten hervorbringt, folglich ist sie nicht tauglich für den Bau eines Theaters oder Concertsaals.“[19] Nur in einer Fußnote erwähnt Carl Ferdinand Langhans jedoch wirkliche Kritik, die am Nationaltheater seines Vaters geübt wurde; es brächte, bedingt durch seine Form, einen Nachhall oder Echo hervor.[20]
Noch in der Entstehungszeit des Baus, im Februar 1801, erschien ein Artikel in der „Zeitschrift für die elegante Welt“, der harsche Kritik an dem Bau übt,[21] und Langhans zu seiner Gegendarstellung in der Mai-Ausgabe der „Neuen Berlinischen Monatsschrift“ veranlaßte. Langhans geht auf jeden Kritikpunkt ein, lediglich den Tadel, „die Eintheilung der Fenster und ihr Verhältnis untereinander dürfte man wohl mit Recht für kleinlich halten“[22] läßt er aus. Er wendet sich gegen den Vorwurf: „Besonders schreit man überall über die ein Viertel eingemauerten Säulen der Avant=Korps, welche bei dem edlen griechischen Styl, welcher bei andern Gebäuden hier durchgängig überhand nimmt, gar sonderbar kontrastieren“.[23] Vier ionische Dreiviertelsäulen akzentuierten jeweils die Mitte der Seitenfassaden und der Fassade zur Charlottenstraße.[24]
Langhans benutzt hier einen kleinen Kniff bei der Widerlegung, er erweitert die Kritik auf „Halbsäulen, oder ein Viertheil eingemauerte Säulen“ (S. 358) und führt eine stattliche Anzahl an antiken Bauwerken auf, die mit Halbsäulen versehen waren (S. 359). Gerade diese Dreiviertelsäulen werden jedoch zum Beschluß eines Spottgedichts, das im April 1801 in der gleichen Zeitschrift wie die Kritik von dem Verfasser „B.“ erschien:
“An L., den Erbauer eines Komödienhauses
So lang' durch schmale Fenster kleines Licht
Symbolisch deine Dämmerung durchschauert,
So lang' auch, L-, nicht dein Dach der Dächer bricht,
So lange wird dein Lustspiel stets betrauert;
Doch deine Ehrensäulen wanken nicht:
Du hast sie alle festgemauert.“[25]
[12] Koz in Wegner, 2000, S. 82f
[13] Bollé in Arenhövel/ Bothe1991, S. 81
[14] AK Friedrich Gilly, 1984, S. 176 Allerdings muß man hier anmerken, daß Gilly seine Abmessungen Langhans überließ, wie letzterer in „Abdruck eines Schreibens an Hrn. Nicolai...“ ausführt, und war auch selbst beim Bau des Theaters bis zu seinem Tod 1800 als Bauinspektor des Oberhofbauamtes beteiligt. Die Konkurrenzsituation dürfte sich aus Langhans' Sicht bereits durch die Hierarchie des Oberhofbauamtes entschärft dargestellt haben.
[15] Langhans, C. F., 1810, S. 15f
[16] Langhans, C. F., 1810, S. 21
[17] Langhans, C. F., 1810, S. 60
[18] Langhans, C. F., 1810, S. 35
[19] Langhans, C. F., 1810, S. 34f
[20] Langhans, C. F., 1810, S. 18
[21] „Über das neue Gebäude des Nationaltheaters in Berlin“, 1801. Der Verfasser des Berichts vom 15. Februar sei „sachverständiger Künstler“, wird aber nicht namentlich benannt.
[22] „Über das neue Gebäude des Nationaltheaters in Berlin.“, 1801, Sp. 201
[23] „Über das neue Gebäude des Nationaltheaters in Berlin.“, 1801, Sp. 201
[24] Abbildungen siehe Schmitz, 1914, S. 172-173
[25] B., 1801, Sp. 360
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