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Die „practischen Beiträge“

In der ersten 1784 von Langhans veröffentlichten Schrift ist der Titel programmatisch, denn die praktische Nutzbarkeit steht im Vordergrund. Den vier Einzeltafeln mit dem Entwurf stehen zwei knappen Seiten Text mit einer einleitenden Radierung gegenüber:
Nur die einleitende Radierung zeigt das Monument mit einem landschaftlichen Hintergrund, die vier Einzeltafeln sind bautechnisch orientiert, sorgfältig mit Maßangaben und Konstruktionshinweisen versehen, z.B. in der doppelten Wandführung des Daches. Zu dieser Zeit ist es in den geschmacksbildenden Veröffentlichungen nicht unbedingt üblich, einen derartigen Gebrauchswert des Entwurfes vorzuweisen. Meist handelt es sich um mehr oder weniger atmosphärische Ansichten, manchmal wird zum besseren Verständnis der Form noch ein Grundriß dazugegeben. Langhans' Entwurf hingegen könnte mit den gegebenen ausführlichen Angaben in Aufriß, Schnitt, Grundriß und dem Grabmal selbst en detail, ausgeführt werden.

Der Vergleich mit der offensichtlichen Vorlage, Henri Nicolas Jardins „Elevation en Perspective d'une Chapelle Sepulcrale“, publiziert 1765[9], offenbart Unterschiede, die zum einen durch den unterschiedlichen Adressaten (hier ein Repräsentationsstichwerk für Frederik V. in Kopenhagen, dort ein Heft für eine breitere Öffentlichkeit, deren Geschmack geschult werden soll), aber natürlich auch durch den Zeitabstand entstehen. Jardin stellt seine Pyramide auf einen Sockelbau mit Aufsätzen zu allen vier Seiten und umgibt sie mit einer Arkatur. Baumwipfel sind nur im Hintergrund auszumachen, und das Größenverhältnis zu den Staffagefiguren stellt deutlich die Monumentalität des Grabmals vor Augen. Bei Langhans hingegen spielt die Natur eine weit größere Rolle. Die Radierung im Text zeigt das gesuchte Bild eines Landschaftsgartens an der Biegung eines Wasserlaufs.

Das Gebäude selbst, wie es im Aufriß auf der ersten Tafel gezeigt wird, weist ebenfalls einige Variationen zu Jardins Entwurf auf. Diese bestehen vor allem in der Vereinfachung der Formen, so sind z.B. die Portici geschlossener gehalten. Der Pyramidenkörper schließt nach oben mit einem stumpfen Dach ab, das Mauerwerk ist deutlicher gefugt. Langhans durchbricht die Masse des Pyramidenstumpfes im Gegensatz zu Jardin nicht durch Fenster, denn bei ihm wird die Beleuchtung des Inneren durch zwei verdeckt eingesetzte Lichtöffnungen an den Aufsätzen vorgenommen (Tafel 2). Die Dekorationsformen sind außen und innen in einem engen Verband gehalten, das schwere Zopfgirlandenmotiv erscheint über dem Eingang wie auf dem Grabmalssockel, auch die dahinterliegende dunkle Marmortafel wird an der Tomba wiederholt. Mit diesem Formenschatz ganz eindeutig eng verwandt sind die Fassaden der Kirchen in Groß-Wartenberg/Syców und in Reichenbach/Dzierzoniów, die Langhans 1785-87 bzw. 1795-1798 entwarf. Das Grabmal wiederum gehört in eine Reihe mit den Grabmalsentwürfen für Kommerzienrat Brecher in der Elisabethkirche, Breslau/Wroclaw von 1778[10] und für General F. B. Tauentzien von 1791[11] .


[9] Paschke in Arenhövel/Bothe, 1991, S. 33, Bollé in Arenhövel/Bothe, 1991, S. 77

[10] Koz in Wegner, 2000, S. 67; Abb. Hinrichs, 1909, Tafel VIII; Entwurf im Langhans-Album, Berlin, Stiftung Stadtmuseum, Graphische Abteilung

[11] Biblioteka Uniwersytecka, Wroclaw. Für die letztgenannten Entwürfe und Bauten siehe: Koz in Wegner, 2000, Abb.43, 46 u. 47


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