Seite << 2 von 6 >>

Kommentar

Die Beschäftigung mit dem Architekten Carl Gotthard Langhans (1732-1808) beschränkt sich größtenteils immer noch auf sein Hauptwerk, das Brandenburger Tor. Wenige Aufsätze oder neuerdings auch Zeitungsmeldungen zur Restaurierung kommen dabei ohne ein Zitat aus dem Pro Memoria[1] aus, das Langhans dem Riß des Tors beifügte. Vergleicht man dies jedoch mit gedruckten Beschreibungen des Tores aus dessen Entstehungszeit,[2] wird deutlich, daß der öffentliche Charakter, den wir dem Pro Memoria heute zuschreiben, nur bedingt zutrifft. Was hat Langhans aber zu Lebzeiten in welcher Form veröffentlicht und wie verhalten sich diese gedruckten Schriften zu seinen erhaltenen Autographen?

Carl Gotthard Langhans schrieb nachweislich zwei eigenständige Publikationen: ein kleines Heft mit Entwürfen zu einem Grab- oder Gedenkmonument und eine Abhandlung zur Gestaltung von Theatersälen. Zudem wurden drei Zeitungsartikel von ihm veröffentlicht, und zwei weitere gehen auf Zeichnungen und Manuskripte von Langhans zurück. Verschollen bleibt eine Rede, die als selbständige Publikation erschien.

Neben diesen gedruckten Schriften befindet sich eine Anzahl an Autographen in verschiedenen Archiven.
Das Geheime Staatsarchiv Berlin, Preußischer Kulturbesitz, besitzt einige Pro Memoriae und andere Manuskripte von Langhans. Hierbei handelt es sich vor allem um Schriftstücke in den wenigen erhaltenen Oberhofbauamtsakten,[3] als auch um Akten, die Vorgänge an der Akademie der Wissenschaften und Künste angehen, vor allem in Bezug auf die Gründung der Bauakademie[4] und das Denkmal zu Ehren Friedrichs II.[5]
In der Plansammlung Charlottenburg werden neben den Entwürfen zu Gartenhäusern auch deren Beschreibungen verwahrt.[6]
In der Staatsbibliothek Berlin, Preußischer Kulturbesitz, befinden sich in der Handschriftenabteilung zwei Briefe vom Kgl. Oberhofbauamt, von Langhans unterzeichnet, und ein Brieffaksimile.[7]
Abgesehen davon werden im Archiwum Panistwowe in Wroclaw/Breslau Briefe aus der Korrespondenz Langhans-Hatzfeld aufbewahrt.[8]

Inhaltlich lassen sich in den gedruckten Schriften zwei Interessensschwerpunkte Langhans' verfolgen. Der erste betrifft die Auseinandersetzung Langhans' mit der antiken Baukunst, wobei er den Blick sowohl auf die Theorie richtet, also auf Vitruv und dessen Kommentatoren, wie auch auf die überkommenen Bauten, aus eigener Anschauung und aus Stichwerken übermittelt. Der zweite zeigt sein Interesse an neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen im Bereich der physikalischen Phänomene. Es bezieht sich einerseits auf die Mechanik, so baut er das Modell einer dampfgetriebenen Wasserkunst für ein schlesisches Bergwerk, und andererseits vor allem auf das Gebiet der Akustik, hierbei ergeben sich auch Überschneidungen mit dem erstgenannten Schwerpunkt in der Betrachtung der antiken Theater.

Die Geschmacksbildung, zu dieser Zeit nicht nur Langhans ein Anliegen, bildete den Anstoß für seine erste Veröffentlichung, 1784: ein Mausoleumsentwurfes, der u.a. auf Langhans' Tätigkeit als Architekt von stimmungstragender Parkarchitektur verweist. Auch die Reden Langhans' bei Sitzungen der Akademie der Künste wurden gedruckt, der Wortlaut ist aber nur noch in einem Fall nachzuweisen, nämlich zu einer Rede zum geplanten Friedrich II.-Denkmal, 1797. Zum Bau des Nationaltheaters in Berlin entstand die nächste Veröffentlichung, 1800. Sie ist die einzige selbständige Publikation mit einem längeren Text und behandelt denn auch einen äußerst wichtigen, heute vernachlässigten, Teil seines Oeuvre, die Theaterbauten. Das Nationaltheaters scheint hingegen nicht auf ungeteilten Beifall gestoßen zu sein, Langhans wandte sich in einem Zeitungsartikel gegen die Kritik, 1801. Der letzte Aufsatz, 1806, beschäftigt sich vorrangig mit Beobachtungen zu antiken Bauwerken und der diesbezüglichen Literatur.

Die Schriften werden im folgenden in drei Themenblöcken kommentiert: Die „Practischen Beiträge“ bilden durch ihr Material, das v.a. aus Entwurftafeln besteht, einen eigenständigen Komplex. Das Nationaltheater bietet Anlaß für eine Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Aufnahme der Ideen von Langhans. Letztlich soll ein Blick auf die Antikenrezeption in den Schriften des Architekten geworfen werden.


[1] GStA PK, I. HA Rep. 96, 216 B Vol. I 1787-1795 Acta des Kabinets Friedrich Wilhelm's II., Bl. 2; s.a. den Abdruck in Arenhövel/Bothe 1991, S. 319

[2] S. z.B. die Kataloge zu den Ausstellungen der Akademie der Künste u. Wissenschaften: 1789 erscheint eine Beschreibung des Modells, 1793 eine Beschreibung des Baues selbst. (Börsch-Supan, 1971, I, 1789, Nr. 223 a, u. 1793, S. 62-67)

[3] U.a.: GStA PK, I. HA Rep. 36 Hofverwaltung Nr. 2976

[4] GStA PK, I. HA Rep. 76 (alt) Ältere Kultusoberbehörde, Abt. IV Nr. 1; GStA PK, I. HA Rep 76 (alt) Ältere Kultusoberbehörde, Abt. III Nr. 40

[5] GStA PK, I. HA Rep 76 (alt) Ältere Kultusoberbehörde, Abt. III Nr. 382

[6] SPSG, Plankammern, o. Nr., siehe auch AK Friedrich Wilhelm II. und die Kunst. 1997, Kat. Nr. III. 72, S. 286

[7] Staatsbibliothek Berlin, PK, Handschriftenabteilung, Slg. Darmstaedter D 1789

[8] Archiwum Panistwowe we Wroclawiu. Archiwum Hatzfeldów, 1805


zurück
diese Seite drucken

© 2007 Berliner Klassik | Top | << 2 von 6 >>