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Montagsklub

auch: Der Klubb, Montags-Klubb, Montagsgesellschaft

Gründung: Oktober 1749

Bestand: bis heute

Zweck: geselliger Austausch in unbefangener, freimütiger Unterhaltung auf allen Gebieten der Künste und Wissenschaften

Ort und Zeit der Zusammenkünfte: zunächst in verschiedenen Restaurationen Berlins, ab 1789 im Englischen Haus, immer montags

Beitrag: 5 Taler/Quartal

weitere Regeln: Leitung durch den „Senior“, das heißt durch das Mitglied, das dem Klub am längsten angehört

Mitglieder: siehe unten

Begründer des Montagsklubs - eines der ersten Vereine in der Geschichte Berlins überhaupt - war der Theologiestudent Johann Georg Schultheß. Er brachte die Idee vermutlich aus seiner Heimat, der Schweiz mit, wo zu jener Zeit die Entwicklung des Vereinswesens weiter fortgeschritten war als in Preußen. Daß die Zeit jedoch reif war für diese Neuerung, zeigte sich, als Schultheß schon zwei Jahre nach der Vereinsgründung die Stadt wieder verließ, der Montagsklub aber weiter arbeitete und sich in den 1750er Jahren mit dem Beitritt von Lessing und Nicolai sogar zu einem Zentrum der Berliner Aufklärung entwickelte.
Von Anbeginn an bot der Verein, der sich anfänglich nur „Der Klubb“ nannte, ein Forum der Geselligkeit und Diskussion über Standes- und Berufsschranken hinweg. Staatsmänner, Juristen, Theologen, Philologen, Künstler, Mediziner, Literaten trafen sich wöchentlich zu gemeinsamem Mahl und angeregter Unterhaltung. Da der Verein einer der ersten seiner Art war, setzte die Formalisierung seines Bestehens und Wirkens relativ spät ein. Erst 1787 wurden Statuten verfaßt und verabschiedet. Hier fanden sich unter anderem die Festlegungen, daß neue Mitglieder per Ballottement und mit höchstens einer Gegenstimme aufgenommen werden, daß Gäste jederzeit eingeführt werden können und daß Spiele - mit Ausnahme des Schachspiels - und Tabakrauchen verboten sind. Ebenfalls ab 1787 führte der Klub ein Gästebuch, in dem sich bald Namen wie des Ministers und Freiherrn Friedrich Anton von Heinitz, des Freiherrn vom und zum Stein, Alexander von Humboldts, Johann Gottlieb Fichtes und Adalbert von Chamissos zusammenfanden.
Neben den wöchentlichen gemeinsamen Mahlzeiten traf man sich gelegentlich zu gemeinsamen Landpartien per Kutsche. Finanzielle Überschüsse ließ der Verein regelmäßig wohltätigen Zwecken zukommen, so zum Beispiel 1806 der Armenspeisung, 1807 der Bekleidung armer Schulkinder, 1811 den Opfern des Königsberger Stadtbrandes und 1813 den durch den Krieg verarmten Bewohnern der Kurmark.
In den Schriften des Vereins wurde wiederholt betont, daß im Montagsklub stets ein ausgeprägter Sinn für Humor herrschte. Ein Beispiel dafür war ein von 1814 bis 1819 dauernder Briefwechsel, den Hermbstädt und Rudolphi als Vertreter des Vereins mit einem Herrn Stukenbrock aus Quedlinburg führten, weil letzterer dem Klub sein Geheimmittel zur Goldproduktion zu überlassen versprach. Schließlich beendeten Hermbstädt und Rudolphi den Kontakt, indem sie dem Alchimisten ein „Honorar“ von ein paar Thalern überwiesen und seine weiteren Briefe nicht mehr beantworteten.

Im 19. Jahrhundert durchlief der Montagsklub einen deutlichen Wandel. Die Mitglieder stiegen in Rang und Ansehen und damit ihre gesellschaftliche Einbindung, was dazu führte, daß man sich nicht mehr so häufig im Klub, dafür aber immer öfter bei den vielen öffentlichen Festlichkeiten, wie Grundsteinlegungen, Denkmalseinweihungen, Trauerkundgebungen usw., traf. Der Anteil der Kaufleute und Gewerbetreibenden an der Gesamtmitgliedschaft fiel, die Zahl der Exzellenzen und der Offiziere dagegen wuchs. Daß das Durchschnittsalter sich vom 42h in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts auf 60 in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stieg, ist dabei nicht mehr verwunderlich. Der Montagsklub wurde zu einem Ort geworden, der hohen Vertreter aus Staatsverwaltung und Armee die Möglichkeit bot, in regelmäßigen Abständen mit Standesgenossen zu speisen und zu diskutieren. Der schichtenübergreifende Charakter aber, der die Anfangsphase geprägt hatte, verschwand zunehmend.
Die letzte Druckschrift des Montagsklubs erschien 1936. Danach verliert sich seine Spur. Vermutlich endete seine Existenz - wie die so vieler anderer Institutionen und Vereine - mit dem Zusammenbruch des Dritten Reiches 1945. Über den Verbleib des Vereinsarchivs ist nichts bekannt.

Mitglieder (Auswahl; die Jahresangaben zeigen die Dauer der Mitgliedschaft an)

bis 1786
Christian Wilhelm von Dohm (1779-1786)
Gotthold Ephraim Lessing (1752-1761)
Johann Joachim Quantz (1751-1764)

1786-1815
Otto Nathanael Baumgarten (1772-1792)
Carl Ferdinand Wilhelm Beseke (1782-1798)
Johann Erich Biester (1777-1816)
Johann Abraham Caps (1777-1797)
Friedrich Gedike (1786-1803)
Carl Abraham Gerhard (1774-1794)
Sigismund Friedrich Hermbstädt (1796-1833)
Ernst Ferdinand Klein (1786-1810)
Christoph Friedrich Nicolai (1756-1811)
Johann Carl Conrad Oelrichs, Dr. (1781-1798)
Carl Ludwig von Oesfeld, Geheimer Kriegsrat (1778-1803)
Karl Wilhelm Ramler (1749-1798)
Friedrich Philipp Rosenstiel (1778-1832)
Wilhelm Abraham Teller (1782-1804)
Johann Christian Anton Theden (1768-1797)
Friedrich Wilhelm Utrecht (1782-1797)
Johann Wilhelm Weil (1756-1803)
Johann Christoph (von) Wöllner (1781-1792) 

nach 1815
Leo Georg Graf von Caprivi, Reichskanzler (1885-1888)
Karl Helfferich (1915-1924)
Hans Luther, Reichskanzler (1931-1933)
Heinrich von Stephan, Staatsminister, Organisator des deutschen Postwesens (ab 1874)

Drucksachen

Bericht über die 150jährige Gedenkfeier des Montagsklubs in Berlin am 23. Oktober 1899. Berlin 1900.
BER 1a: Td 2051 nr. 17; MVP 33: Ich VIII c 1093

Devisen bei der 50jährigen Jubelfeier des Montag-Clubbs d. 16. April 1798. Berlin 1798.

Fortsetzung des Verzeichnisses der Mitglieder des Montags-Klubbs als Ergänzung zum Kalender von 1828, Januar 1843. Berlin 1843.
BER 1a: Td 2051 nr. 2

Gedike, Friedrich: An den Montagsklub bei seiner Jubelfeier den 16. April 1798. Parodie des Göthischen Liedes Kennst Du das Land...“. Berlin 1798.
NIE 7: DD98 A 209 (11)

Kalender des Montags-Klubbs in Berlin. Berlin 1828.
NIE 45: LIT II 5. 7

Kalender des Montag Klubbs zu Berlin auf das Jahr 1789. Berlin 1789. 8°.
NIE 45: LIT II 5. 7

Kalender des Montag Klubbs zu Berlin auf das Jahr 1798. Berlin 1798. 8°.
NIE 45: LIT II 5. 7

Lisco, Friedrich Gustav: Der Montags-Klub. 1748; in: Ders.: Das Wohlthätige Berlin. Berlin 1846, S. 95f.

Der Montags-Klub. Abgeschlossen am 29. October 1866. Verzeichnis der Mitglieder seit seinem Bestehen. Berlin 1866.

Sachse, Gustav Adolf /Droop, Eduard (Hg.): Der Montagsklub in Berlin 1749-1899. Fest- und Gedenkschrift zu seiner 150sten Jahresfeier. Berlin 1899.
BER 1: Td 2101a : R; BER 1a: Td 2101

Der Montagsklub in Berlin 1899 bis 1924. Neudruck und Fortsetzung bis 1935. Berlin 1936.
BER 1a: Td 2102/1

Montagsklub. Mitgliedslisten 1889, 1891, 1893, 1895, 1896, 1901.
BER 1: Td 2051-12.1889-17.1901

Montagslieder. Als die Montagsgesellschaft den 23. November den Geburtstag ihres Senioren I. E. Biester feierte. Berlin 1812. 8°.

Neue Gesetze des Berlinischen Montags-Klubs vom 3. Januar 1814. Berlin 1814.

Sydow, Reinhold: Der Montagsklub in Berlin in den Jahren 1899 bis 1924. Berlin: Paul 1924.
BER 1a: Td 2102

Taschenbuch des Montag Klubbs zu Berlin als Manuskript für die Mitglieder und Freunde des Klubbs. Berlin 1789.
BER 188: 48/72/1263(8)

Zur Feier der fünf und siebenzigjährigen Dauer des Montagclubs in Berlin. Am 18. October 1824. Berlin 1824.

Zur Feyer der 50jährigen Stiftung der Montags-Gesellschaft (Gedichte). Berlin 1798.

Zur Feyer der 55jährigen Stiftung der Montags-Gesellschaft (Lieder). Berlin 1803.

Literatur

Abegg, Johann Friedrich: Reisetagebuch von 1798, hg. v. Walter und Jolanda Abegg, Frankfurt (Main): Insel Verlag 1987, S. 281-285.
BER 1a: 1 A 29159

Allihn, Ingeborg: Der Berliner Montagsklub (1749-1935). In: Carl Philipp Emanuel Bach Konzepte 4 (1990).
BER 1: 4°/38 PB 7:Mus-4 bzw. Zsn 88323:Mus-4

Keeton, Kenneth: The Berliner Montagsklub, a centre of German enlightenment. In: Germanic Review 39 (1961), New York, S. 148-153.
BER 1: Y 1634/20-39

Oesfeld, Max von: Zur Geschichte des Berliner Montags-Klubs. Ein Beitrag zur preußischen Kulturgeschichte des vorigen Jahrhunderts. In: Zeitschrift für preußischen Geschichte und Landeskunde 16 (1879), S. 328-352.
BER 1: St 238-16

Sonnenfels, J. v.: An die Freunde des Montagklubs zu Berlin. In: Berlinische Monatsschrift 10 (1787), S. 350-355.
BER 1: Ad 150a-10

Steffen, Erich: Ein Klub im alten Berlin (Montagsklub). In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins 27 (1910), S. 119-121.
BER 1: Tc 6580a-27

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