auch: Gesellschaft edler Vergnügungen, Feßlersche Mittwochsgesellschaft, Feßlersche Lesegesellschaft, Literarische Mittwochsgesellschaft
Gründung: September oder Oktober 1795
Auflösung: nach 1806
Ort und Zeit der Zusammenkünfte: Englisches Haus, immer mittwochs, 17-22 Uhr
weitere Regeln: Mitgliederhöchstzahl 50; auch Frauen und Juden als reguläre Mitglieder zugelassen; Aufnahme neuer Mitglieder nur bei weniger als vier Gegenstimmen
Mitglieder: siehe unten
Die Versammlungen der von Ignaz Aurelius Feßler gegründeten Mittwochsgesellschaft, während derer sowohl das Tabakrauchen als auch jedwedes Spiel verboten waren, wurden in „gesetzförmige“ und "gesetzfreye“ eingeteilt. Während der „gesetzförmigen“ Sitzungen wurden Abhandlungen aus allen Teilen des humanen Wissens vorgetragen, wobei Politik und die Fakultätswissenschaften ausgeschlossen bleiben sollten. Die „gesetzfreyen“ Sitzungen wurden genutzt, um gemeinschaftlich Schauspiele, Gedichte, Musik- oder Gesangstücke vorzutragen. Anschließend gab es stets um 20 Uhr ein mäßiges Abendessen, bevor das Beisammensein mit einem gemeinsam gesungenen Lied beschlossen wurde.
Da bald nach der Gründung die Mitgliederhöchstzahl von 50 erreicht war, gründeten Berliner, denen der Zugang zur Mittwochsgesellschaft daraufhin verschlossen blieb, im Januar die „Litterarische Gesellschaft“ (später „Gesellschaft der Freunde der Humanität“) und boten der Mittwochsgesellschaft eine enge Kooperation an, was von dieser jedoch abgelehnt wurde.
Primärquellen des Vereins sind bisher nicht bekannt. Die letzte Erwähnung in der Literatur stammt aus dem Jahr 1806. Der Zeitpunkt der Auflösung ist unbekannt, jedoch wird in den 1840er Jahren berichtet, daß diese Mittwochsgesellschaft „schon lange“ nicht mehr existiere.
Mitglieder
Berger, Ludwig
Bertholdy, Herr
Euchel, Isaak Abraham (Publizist)
Fischer, Ernst Gottfried
Fleck, Johann Friedrich Ferdinand
Friedländer, David (Unternehmer)
Frisch, Johann Christoph
Herz, Henriette
Herz, Markus (Arzt)
Hirt, Aloys (Hofrat)
Iffland, August Wilhelm (Theaterdirektor)
zwei Töchter Daniel Itzigs
Irwing, Carl Franz von (Oberkonsistorialrat)
Lewy, Frau
Rambach, Friedrich Eberhard (Professor)
Rosenstiel (Geheimer Rat)
Sander, Johann Daniel (Verleger) und Frau
Schadow, Johann Gottfried (Bildhauer) und Frau
Schlegel, Friedrich (Publizist)
Schleiermacher, Friedrich Ernst Daniel (Theologe)
Spener, Johann Carl Philipp
Wolff, Frau
Zelter, Karl Friedrich (Komponist) und Frau
Quellen
Informationen zur Mittwochsgesellschaft enthalten höchstwahrscheinlich die Briefe Johann Daniel Sanders an Böttiger in Weimar.
Literatur
Beaulieu-Marconnay, Carl von: Berliner Skizzen vom Jahre 1797. In: Im neuen Reiche. Wochenschrift für das Leben des deutschen Volkes in Staat, Wissenschaft und Kunst 6,2 (1876), S. 65-75.
BER 1: Ac 7290-6,2.1876a
Davidson, Wolf: Briefe über Berlin. Landau: Emanuel Francini 1798, vor allem S. 17-20.
BER 1: Tc 7254 (V) bzw. Tc 8900 no. 1 (V); BER 11: Ri 20046; BER 188: 38/78(23048 (1) (LS); BER 188: Microficheausgabe: B. 52/F. 20349 (Bibliothek der deutschen Literatur)
Herz, Henriette: Lesegesellschaften. In: Dieselbe: Henriette Herz in Erinnerungen, Briefen und Zeugnissen. Leipzig/Weimar: Gustav Kiepenheuer Verlag 1984, S. 46-52.
Herz, Markus: Fragmente aus einer Abendunterhaltung in der Feßlerschen Mittwochsgesellschaft. In: Der neue teutsche Merkur 2/1798, S. 305-311, 3/1798, S. 3-10 und S. 215-222.
BER 1: 7/41 PA 36-1798; BER 11: 119h 8°-1798
Löschburg, Winfried: Die Berliner Mittwochsgesellschaften. Bemerkungen zur Berliner Kulturgeschichte. In: Berliner Heimat, Berlin (Ost) 1957, S. 53-55.
BER 1: 12 Per 2476
Hinweis
In Berlin wurden im 18. und 19. Jahrhundert mindestens fünf Mittwochsgesellschaften gegründet. Sie sollen hier kurz aufgezählt werden, damit einer Verwechslung vorgebeugt wird.
Mittwochsgesellschaft, gegr. 1783 - siehe Kurzportrait.
Mittwochsgesellschaft, gegr. 1796 - siehe oben.
Mittwochsgesellschaft, gegr. am 26. Oktober 1824 durch Julius Eduard Hitzig, musisch-literarisch orientiert - siehe: Geiger, Ludwig: Die Berliner Mittwochsgesellschaft. In: Der Bär 14 (1888), S. 570-573 und 15 (1889), S. 48.
BER 1: Tc 6582-14 bzw. -15
Liederbüchlein der Mittwochs-Gesellschaft. Mit einer Nachricht über die Gesellschaft und ihre Verfassung. H. 1-3. Berlin 1827-1837.
BER 1: Bibl. Varnhagen 1893; BER 1a: Yd 5633
Mittwochsgesellschaft, gegr. am 19. Januar 1863 durch Moritz August von Bethmann-Hollweg, sehr exklusiv, tätig bis 1945 - siehe: Oncken, Hermann: Geschichte der Mittwochs-Gesellschaft. Festvortrag gehalten bei der 1000. Sitzung am 19. Juni 1940. Berlin 1940.
Mittwochgesellschaft, gegr. im Oktober 1871 im Kreis der Französischen Kirche, tätig bis in den 2. Weltkrieg, Wiederbegründung 1953.
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