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Gesellschaft deutscher Nation zur Versorgung wahrer Hausarmen in Berlin mit Brennholz - später: Deutsche Gesellschaft zur Versorgung verschämter Armer mit freiem Brennmaterial

Gründung: November 1779

Auflösung: nach 1920

Zweck: Verteilung von Holz als Winterfeuerung an „verschämte Arme“

weitere Regeln: jede Person, die nur einmal eine Spende entrichtet, wird als Wohltäter angesehen

Vorsteher: Geheimer Oberfinanzrat Johann Ehrenfried von Meyerenfeld (von der Gründung bis 1830)

Die Deutsche Gesellschaft zur Versorgung verschämter Armen mit freiem Brenn-Material verdankt ihre im Jahre 1779 erfolgte Stiftung dem am 23sten Januar 1830 als Geheimen Ober-Finanz-Rath im 84sten Lebensjahre verstorbenen Herrn Johann Ehrenfried Joachim von Meyerenfeld. - Der Umstand, daß die französische Kolonie zu Berlin Feuerungs-Materialien an ihre Armen vertheilte, rief bei seinem frommen Gemüthe den Entschluß in ihm hervor, eine ähnliche Anstalt für die deutschen Armen zu errichten.

Unterm 10ten November 1779 wandte er sich daher, in Verbindung mit seinen gleichgesinnten Freunden, den Herren Ernst und Ulrici, an das damalige Königliche General-Directorium mit der Bitte: die der französischen Kolonie mittelst Rescripts vom 19ten September 1776 bewilligte Erlaubniß, Beiträge zum Einkaufe von Feuerungs-Materialien sammeln, und letztere an pauvres honteux vertheilen zu dürfen, auch ihnen zugestehen und die Errichtung einer deutschen Armenholz-Gesellschaft gestatten zu wollen. Dieser Antrag wurde mittelst Rescripts des damaligen Königlichen General-Directorii vom 13ten November 1779 genehmigt.

Der Herr von Meyerenfeld gab hierauf zur Gründung der Gesellschaft zur Versorgung wahrer Hausarmen mit freier Feuerung - wie sie ursprünglich genannt worden ist - den ersten Geldbeitrag. Der Zweck der Gesellschaft wurde dahin festgestellt, daß sie für die von menschenfreundlichen Wohlthätern gewährten Geldbeitrage Feuerungs-Materialien ankaufen, und diese während des Winters vorzugsweise an verschämte, d. h. solche Arme, die nicht zu der Klasse der Almosen-Empfänger gehören, vertheilen sollte. Der seelige von Meyerenfeld übernahm das Amt eines Dirigenten der Gesellschaft. Im Verein mit seinen Freunden wirkte derselbe unabläßlich für jenen edlen Zweck, wenngleich in den ersten Jahren des Bestehens der Gesellschaft die Erfolge nur unbedeutend waren.

Der göttliche Segen, welcher guten Handlungen folgt, blieb indessen nicht aus. Seine Majestät der König und die Mitglieder des Allerhöchsten Königlichen Hauses, sowie das zum Wohlthun geneigte Publikum überzeugten sich aus den öffentlich bekannt gemachten Jahres-Berichten der Gesellschaft von deren nützlichen Wirksamkeit, und es flossen derselben viele bestimmte jährliche Beiträge zu. - Auch blieben die Königlichen Ministerien, Dikasterien und sonstigen öffentlichen Institute hierbei nicht zurück, und leisteten ebenfalls derartige nicht unbeträchtliche Beiträge. Menschenfreunde setzten der Gesellschaft Legate aus, mit der Bestimmung, die davon aufkommenden Zinsen zum Ankauf von Brenn-Material für die Armen zu verwenden. So hatte der würdige Stifter die Freude, die Geld-Beiträge sich jährlich vermehren und dadurch die Mittel zur Wohlthätigkeit vergrößert zu sehen.

Dies machte die Vermehrung des Hülfs-Personals und besonders die Bestellung eines eigenen Rendanten erforderlich, zu welchem letzteren ein im Mittelpunkte der Stadt ansässiger wohlhabender Kaufmann gewählt wurde, um den Wohlthätern leichter Gelegenheit zu geben, ihre Beiträge zu jeder Tageszeit beliebig einzahlen zu können. Der auf das gedeihliche Fortbestehen der Gesellschaft eifrigst bedachte Stifter erwirkte es bei des hochseligen Königs Majestät, daß, so lange in Berlin ein Holzhandel für Königliche Rechnung betrieben wurde, ein bestimmtes Brennholz-Quantum zu den damals bestehenden geringen Preisen von den Königlichen Holzhöfen an die Gesellschaft überlassen wurde. Seine Majestät der König geruhten auch, als später der Holzhandel freigegeben wurde und die Holzpreise stiegen, der Gesellschaft der damals erforderlichen Mehrkosten-Betrag für das von ihr an Arme zu vertheilende Holz in einem dauernden baaren Zuschuß von jährlich 2180 Rthlr. 20 Sgr. aus Staatsfonds zu bewilligen, welcher Betrag fortwährend in Gnaden gewährt wird. Auf Vorschlag des Stifters wurde festgesetzt, daß aus den aufkommenden extraordinairen Einnahmen allmählich ein disponibler Fonds gebildet werde, welcher im Sommer zum Ankaufe des Holzes für den nächsten Winter verwendet und aus der Jahres-Einnahme demnächst wieder, zur Benutzung für das nächstfolgende Jahr, ergänzt werden sollte, sowie, daß während des Winters immer nur so viel an Feuerungs-Material unter die Armen vertheilt werde, als für den Betrag der Jahres-Einnahme angekauft werden kann.

Der würdige Stifter von Meyerenfeld stand 51 Jahre an der Spitze der Gesellschaft, und hatte bei seinem Ableben die Freude, alle Angelegenheiten derselben geordnet und die Verwaltung in treuen Händen zu sehen. Einzeln in der Welt dastehend, trat Herr von Meyerenfeld schon frühe aus dem Königlichen Staatsdienst zurück, um sich ganz den Geschäften des Berliner Armen-Directorii und der von ihm gestifteten Armenholz-Gesellschaft zu widmen. Bei seinem Ableben schenkte er der Gesellschaft ein Kapital von 700 Rthlr. in Staatsschuldscheinen, mit der Bestimmung, die davon aufkommenden Zinsen für die erforderliche Schreiberhülfe zu verwenden. [...]

Statut 1847, S. 3-5. 

Quellen

LArchB, A Pr. Br. Rep. 200-01, Nr. K 51
LArchB, A Pr. Br. Rep. 200-01, Nr. K 52

In diesen Akten finden sich gedruckte Jahresberichte 1848/49-1918/19 (mit Lücken) sowie das Statut der im Jahre 1779 gestifteten und durch die Allerhöchste Kabinets-Ordre vom 14. Juni 1847 mit den Rechten einer Korporation belegten Deutschen Gesellschaft zur Versorgung verschämter Armen mit freiem Brenn-Material; nebst einem Vorworte über die Entstehung, Entwickelung und die bisherigen Leistungen der gedachten Gesellschaft; Berlin 1847.

Jahresberichte für 1785/86, 1791/92, 1796/97 und 1797/98 finden sich in: BER 1: Td 3208 (eventuell Kriegsverlust). Zudem veröffentlichte die Vossische Zeitung bis in die 1850er Jahre regelmäßig Spendenaufrufe, Einladungen zu Wohltätigkeitskonzerten und Tätigkeitsberichte der Gesellschaft.

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