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Gesellschaft der Freunde der Humanität

auch: Litterarische Gesellschaft (Name bis 1797), Sonnabend-Gesellschaft, Humanitäts-Gesellschaft

Gründung: 10. oder 11. Januar 1796

Auflösung: 1861

Zweck: angenehme geistige Unterhaltung

Ort und Zeit der Zusammenkünfte: Haus der Freimaurerloge Royal York, Letzte Straße 24, immer sonnabends

Mitglieder: siehe unten

Nach der Gründung der Feßlerschen Mittwochsgesellschaft im Herbst 1795 erreichte diese schnell die statutenmäßig festgelegte Höchstzahl von fünfzig Mitgliedern. Allen weiteren Interessenten wurde der Beitritt verwehrt. Im Januar 1796 versammelten sich auf Initiative des Stadtsekretärs Schlicht zwanzig dieser Ausgeschlossenen und gründeten die „Litterarische Gesellschaft“.
Bereits die Satzung des neuen Vereins zeigte die anfänglich enge Verbundenheit mit der Mittwochsgesellschaft. Wie bei jener wurden auch hier die Zusammenkünfte in „gesetzförmige“ und „gesetzfreie“ eingeteilt, wobei während ersterer nur eigene Abhandlungen, die Themen aus den Gebieten der schönen Wissenschaften und Künste und der Mathematik zum Inhalt hatten, vorgetragen wurden, während letztere zur gemeinsamen Darbietung von Gedichten und Schauspielen, sowie zur Diskussion über Vereinsinterna genutzt wurden.
Zudem wurde ein Kooperationsangebot an den Schwesterverein gerichtet. Man solle die Vereinssitzungen der jeweils anderen Gesellschaft regelmäßig als Gäste besuchen. Die Mittwochsgesellschaft lehnte jedoch mit der Begründung, nur Auswärtige könnten laut ihrer Satzung als Gäste zugelassen werden, ab. Daraufhin kam es zu einigen Übertritten. So wechselte unter anderem der Gründer der Mittwochsgesellschaft, Ignaz Aurelius Feßler, im Spätsommer 1797 zum Nachbarverein, der sich inzwischen „Gesellschaft der Freunde der Humanität“, oder einfacher „Humanitäts-Gesellschaft“ nannte.
Zu den Gründern hatten, neben dem Initiator und ersten Vorsitzenden Schlicht noch vier Geistliche, fünf Philologen, zwei Kriegsräte, ein Artillerie-Hauptmann, ein Musikdirektor (Bernhard Anselm Weber), ein Arzt und fünf in Handwerk und Industrie Tätige gezählt. Auch in der Zukunft gehörten die Mitglieder unterschiedlichen Ständen, Schichten und Religionen an. Die Humanitäts-Gesellschaft war einer der wenigen Vereine, in denen auch Juden gleichberechtigt mitwirken konnten. Frauen jedoch blieb die Mitgliedschaft verwehrt - sie konnten lediglich als Gäste an den Vorträgen und Diskussionen teilnehmen.

„Zur Belebung der Sitzungen“ bestand die Einrichtung des „Moniteurs“. In diesen Kasten konnten anonym Fragen, Hinweise und Kritik eingeworfen werden, über die der Verein zu diskutieren und eventuell abzustimmen hatte. Da jedoch jedes Mal Anregungen zur Verfassung der Gesellschaft vorgefunden wurden, befanden sich die Sitzungen bald im destruktiven Kreislauf einer andauernden Satzungsdiskussion, der zu einer starken Fluktuation der Mitglieder führte und zeitweise sogar den Verein zu sprengen drohte. Abhilfe schafften erst die überarbeiteten Statuten von 1801, die jegliche Satzungsdiskussion nur noch einmal im Halbjahr gestatteten und nach welchen der „Moniteur“ ausschließlich zur Anmeldung eigener Vorträge, von denen jedes Mitglied mindestens einen jährlich halten mußte, zu nutzen war.
Das Interesse der Mitglieder an diesen Vorträgen wuchs in solchem Maße an, daß die „gesetzfreien“ Sitzungen gänzlich zugunsten der „gesetzförmigen“ fortfielen. In den ersten fünfzig Jahren ihres Bestehens wurden in der Gesellschaft über 2000 Vorträge gehalten. Folgende Beispiele sollen die Vielfalt illustrieren:

Prediger Mila: Versuch einer Geschichte der deutschen Dichtkunst
Lehrer Dittmar: Über anständiges und sittliches Betragen der Frauenzimmer im 16. Jahrhundert
Langhans: Über die Größenverhältnisse verschiedener Hauptstädte Europas
Davidsohn: Beiträge zur Seelenkunde
Feßler: Charakterzeichnung Philipps von Mazedonien
Rambach: Vortrag seines eigenen Schauspiels "Die Freunde"
Hirt: Hauptgrundsätze bei den bildenden Künsten
Bendavid: Über Elektrizität in Bezug auf die Salomonischen Tempelspitzen
Heinsius: Ostereier, Osterhase, Ostergelächter, Pfingsthenne, Michaelishahn
Koch: Vier erotische Gedichte von Kandidat Kinderling

Ende 1799 schrieb die Humanitäts-Gesellschaft erstmals eine mit 20 Dukaten dotierte Preisfrage in öffentlichen Zeitungen aus. „Welche inneren und äußeren Hindernisse erschweren die Umschaffung der überflüssigen sogenannten gelehrten oder lateinischen Schulen in zweckmäßig eingerichtete Bürgerschulen? Wie lassen sich diese Hindernisse, vorzüglich in den Königl. Preußischen Staaten, am leichtesten aus dem Wege räumen? Und auf welche Weise können die Garnisonschulen mit den Bürgerschulen vereinigt werden?“ lautete die Aufgabe. Noch zwei Preisaufgaben folgten, mit 25 bzw. 40 Dukaten dotiert, wobei 1801 gefragt wurde: „In welchem Verhältnis steht der gegenwärtige Zustand der Philosophie, der Gesetzgebung, der schönen Künste und der Literatur zur Humanität?“ Am 11. Oktober 1806, nach der Katastrophe von Jena und Auerstedt, spendete der Verein 30 Thaler Courant zur Anschaffung von Winterkleidung für die preußische Armee. Die Mitgliederzahl erreichte ihren Höchststand um 1835 mit über 80 Mitgliedern, danach sank sie kontinuierlich. 1850 gehörten 35, 1855 nur noch 22 Personen der Humanitäts-Gesellschaft an. Aus finanziellen Gründen mußte man die Räume im Logenhaus der „Royal York“ aufgeben und in ein öffentliches Lokal, das Café National des Gastwirts Fr. Maeder, Unter den Linden 23, umziehen. 1861 schließlich fand die letzte protokollierte Sitzung statt. Einer der vier Anwesenden, Dr. August Wilhelm Ferdinand Schultz, übernahm die Vereinspapiere in Verwahrung. Aus seinem Nachlaß wiederum gelangten sie 1893 an das Märkische Museum.

Mitglieder

Bendavid, Lazarus (1762-1832) - Publizist, Privatdozent. Direktor 1799-1809
Davidsohn, Dr.
Feßler, Ignaz Aurelius (1756-1839) - Publizist. Direktor 1798-1799.
Heinsius, Dr. Theodor (1770-1849) - Philologe. Sekretär zu Beginn des 19. Jahrhunderts
Hirt, Aloys - Hofrat
Koch - Prediger
Langhans - Geheimer Ober-Bau-Rat
Mila - Prediger
Oppenheimer, Dr.
Rambach, Professor
Schlicht - Stadtsekretär. Direktor 1797-1798
Weber, Bernhard Anselm - Musikdirektor, Komponist

Quellen

Landesarchiv Berlin, A Rep. 060-40: Gesellschaft der Freunde der Humanität, 1797-1855 (23 Akteneinheiten)

Gesetze der Humanitäts-Gesellschaft vom 26. Juni 1813 (1813). Enth. u. a.: Originalunterschriften der Mitglieder.

Gesetze der Humanitäts-Gesellschaft, undatiert, mit Nachträgen (1816-1845). Enth. u. a.: Originalunterschriften der Mitglieder.

Mitgliederverzeichnis (1816-1845). Enth.: Mitglieder bis Nr. 204.

Mitgliederverzeichnis (1798-1845). Enth.: Mitglieder bis Nr. 308, chronologisch und alphanumerisch aufgelistet; Verzeichnis der Direktoren, Sekretäre und Rendanten der Gesellschaft.

Mitgliederlisten, teilweise undatiert (1850-1853).

Denkschriften und Jahresberichte mit Inhaltsverzeichnis und Namensregister (1797-1821). Enth. u. a.: Eine fortgesetzte Geschichte der Gesellschaft von 1802, 1809 und 1810.

Denkschriften und Jahresberichte mit Inhaltsverzeichnis und Namensregister (1821-1844).

Denkschriften und Jahresberichte (1822-1837). Enth. nur: Jahresberichte.

Denkschriften und Jahresberichte mit Inhaltsverzeichnis und Namensregister (1844-1847). Enth. u. a.: Eine Geschichte der Gesellschaft von 1847.

Denkschriften und Jahresberichte (1847-1855). Enth. u. a.: Protokolle von Stiftungsfesten und Jahresberichte.

Verhandlungen und Protokolle (1797-1798).

Verhandlungen und Protokolle (1798-1799).

Verhandlungen und Protokolle (1800-1801).

Verhandlungen und Protokolle (1802-1806).

Verhandlungen und Protokolle (1806-1813).

Verhandlungen und Protokolle (1814-1823).

Verhandlungen und Protokolle (1824-1833).

Verhandlungen und Protokolle (1833-1855).

Gästebuch „Hospites“ (1804-1861).

Briefwechsel der Gesellschaft (1821-1840). Enth. u. a.: Briefwechsel mit der Humanitäts-Gesellschaft in Posen.

Kassenbuch der Gesellschaft (1797-1806).

Kassenabschlüsse und Rechnungsbelege (1837, 1848-1854).

Inventarium.

Märkisches Museum, Konvolut „Gesellschaft der Freunde der Humanität“, 1801-? (8 Akteneinheiten).

Literatur

Beaulieu-Marconnay, Carl von: Berliner Skizzen vom Jahre 1797. In: Im neuen Reiche. Wochenschrift für das Leben des deutschen Volkes in Staat, Wissenschaft und Kunst 6,2 (1876), S. 65-75.
BER 1: Ac 7290-6,2.1876a

Buchholz, Rudolf: Die Humanitäts-Gesellschaft von 1797 in Berlin. In: Brandenburgia 10 (1901/02), S. 385-387.
BER 1a: 110 065

Dittmann, S. C.: Humanitäts-Sozietät in Preußen; in: Berlinische Monatsschrift 26 (1795), S. 419-426.
BER 1: Ad 150a-26

Gädicke, Johann Christian: Gesellschaft der Freunde der Humanität. In: Ders.: Lexicon von Berlin und der umliegenden Gegend. Enthaltend alles Merkwürdige und Wissenswerthe dieser Königsstadt und deren Gegend. Ein Handbuch für Einheimische und Fremde. Berlin: Gädicke 1806, S. 243.

Merkel, Garlieb H.: Was heißt Humanität? Eine Rede, bei der öffentlichen Stiftungsfeier der Humanitäts-Freunde zu Berlin. In: Eunomia 1,1 (1801), S. 193-208.
BER 1: 50 MF 25; Lfg. 3

Michaelis, C. F.: Versuch einer Beantwortung der Frage der von der Berliner Gesellschaft der Freunde der Humanität aufgegebenen Preisfrage: In welchem Verhältnis steht der gegenwärtige Zustand der Philosophie, der Gesetzgebung, der schönen Künste und der Literatur zur Humanität? In: Eunomia 2,1 (1802), S. 289-306 und S. 385-410.
BER 1: 50 MF 25; Lfg. 3

Mittel wider den Biß toller Hunde, von der preußischen Humanitäts-Sozietät bekannt gemacht; in: Berlinische Monatsschrift 28 (1796), S. 70-77.
BER 1: Ad 150a-28

Streckfuß, Karl: Vom Werden, Wachsen, Wirken und Vergehen der zu Berlin am 10. Januar 1797 gestifteten literarischen Gesellschaft, welche sich seit Anfang des Jahres 1798 Gesellschaft der Freunde der Humanität nannte. In: Beiträge zur Geschichte Berlins. Berlin 1939, S. 92-104.
BER 1: Tc 6606/215a : KD; BER 1a: 111 788

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