Maler in Braunschweig, Kassel, Düsseldorf, Holland, Italien, Hamburg, Berlin, Dresden, Stettin. 1798 preuß. Hofmaler und Rektor der Berliner Kunstakademie. Gründungsmitglied des Berlin-ischen Künstler-Vereins, stellvertr. Vorsitzender
Quellen: Hans Heinrich Füssli (Hrsg.): Allgemeines Künstlerlexikon ... 2. Teil, 1820, S. 6083-6088; Friedrich Wilhelm Gubitz: Friedrich Georg Weitsch. In: Der Gesellschafter oder Blätter für Geist und Herz, 2. Jg., 1828, Nr. 95, S. 475 f., Nr. 96, S. 479 f. und S. 481; Thieme/Becker 1907-1950; Ausst.kat. ‚... und abends in Verein’. Johann Gottfried Schadow und der Berlinische Künstler-Verein 1814-1840. Berlin Museum 1983 abends in Verein, S. 212; Reimar F. Lacher: Friedrich Georg Weitsch (Braunschweig 1758-1828 Berlin). Maler, Kenner, Sammler, Akademiker. Diss. im Druck
Werke: Stadtmuseum Berlin, Gemäldeslg. u. graph. Slg.; Nationalgalerie Berlin, Stiftung Preußische Schlösser und Gärten etc.
Autobiographie, 1818/20,[1] kommentiert von Reimar F. Lacher
Friederich Georg Weitsch, wurde gebohren in Braunschweig den 8. August 1758. und getauft in der Kirche zu St. Andreas. ob sich schon in seinen Kinder Jahren die Neigung zur Kunst zeigte so ist davon doch nichts merckwürdiges zu sagen als daß seine Eltern ihn schon frühe in die Schule schickten, wo er dan genug mit den nöthigen Wissenschaften bis in sein 16.tes Jahr zu thun hatte, ob er gleich, (da seine Neigung besonders zu Wilden und Zahmen Thieren sich hin neigte) des Abends bey Lichte oft nach seines Vaters, oder andern Meistern Zeichnungen, aber besonderst nach Gipsköpfe über die Natur geformte Thirköpfe, als Schafs, Kalbes, Ziegen, Rehbock, u. a. m., so sein Vater selbst sich zu seinem Studium gemacht hatte, zeichnete in allen möglichen Lagen und Stellungen wurden diese gewandt und gekehrt. - so hatte sein Vater sich auch Beine und Füße nach der Natur geformt, u ausgegoßen, die nachgezeichnet wurden. nachdem er 1774. confirmirt war,[2] entschlos er sich zur Thier und Landschafts malerei - weil er eben so große Lust zur Bildhauerey, und Forstwissenschaft, in Hinsicht der Jägerey, empfand. Nun saß er mit Fleiß beym Zeichnen und fing schon zu seinem eigenen Vergnügen des Sontags an zu Malen. - ein Jahr darauf kam Wilhelm Tischbein,[3] von Cassel, und beredete den Vater unsers Fried: Georg, den Sohn nach Cassel auf die Accademie zu schicken, welches auch im Frühjahr 1776. geschah. - Hier fand er Nahrung für seinen Geschmack, besonderst die Bilder von P. Potter und Rosa de Tivoli sprachen ihn an. er zeichnete viel darnach und copirte auch einige. er wurde leider sehr verhindert, durch ein kaltes Fieber, welches er den ganzen Sommer hatte. indeßen war der Auffenthalt für ihn dennoch von großem Nutzen, wegen der schönen Galleri, um seine Bilderkenntniß, immer mehr zu erweitern, und zu befestigen, durch die Vergleichungen, so wohl derjenigen, so er in der Salzdahler Galleri, als auch mit denjenigen so sein Vater in Handel hatte. - wodurch er die Gelegenheit hatte, die verschiedenen Zeiten sowohl im Stiele, als der Bearbeitung kennen zu lernen. - nach seiner Zurückkunft von Caßel malte er Landschaften, wo er sich, bey der damals noch nicht viele Jahre entstandene Stopwassersche Laquir Fabrick,[4] auf Teller und Tischplatten üben konnte. so wurde das Studium fortgesetzt, bis anno 1780. er durch einen Zufall zur Portrait Malery gleichsam gezwungen wurde.[5]
Es war in Braunschweig ein Stadt-Major mit Nahmen Curdes, welcher zu Zeiten seinen Vater besuchte. selbiger sahe daß unser junger Maler einst einen Orden verändern muste, der halb Preußisch halb der Englische Hosenband Orden war, welchen der Maler Ziesenitz in Hannover auf ein Portrait des Herzogs fälschlich gemalt hatte.[6] Curdes glaubte, daß da er den Orden ändern u so artig malen konte, es ihm auch leicht seyn müste ein bildniß darzustellen / Zu dem Ende bath er ihn sein Bildniß zu malen, er wolle es seiner Tochter zum Geburtstage schencken - Alle die Wiederrede unsers jungen Künstlers halffen nichts - am Ende um ihn nur loß zu werden, versprach er ihm es zu versuchen. - den andern Tag nach Tisch war unser Curdes wieder dort, und daß Quelen began von neuem, bis er dan halb unwillig sagte, - Nun so wollen wir es gleich beginnen - er zeichnete es auf, und er fand selbst, daß die Gleichheit schon vorhanden sey / nun wurden die Farben aufgetragen, aber wie verlohr unser junger Freund den Muth - den alle Farben wurden kalt und grau, ohne Leben. ein Glück daß die rothe Kreide noch durch schimmerte womit es aufgezeichnet war. Der Major Curdes muste nach zwey Stunden gehen, weil er beym Theater für 5 Uhr sein muste. jetzt fiel unserm Weitsch ein seine Arbeit zu verbeßern. er nahm zu dem Ende einen Kopf von Mirefeld, den sein Vater unter seinen Gemälden hatte, und copirte alle die Farben Thöne daraus in sein so traurig sehendes Bild hinein, ohne die Umriße zu verletzen. dadurch gewan daß Bild gleich mehr Leben. - nach einigen Tagen ließ er ihn wieder sitzen, ob er sich gleich alle die nöhtigen Dinten auf seine Ballete gemischt hatte, so dauerte es doch nicht lange so waren, alle die Vorarbeitungen wieder verschwunden und daß Bild, sahe beynahe eben so schlecht aus als bey der ersten Sitzung - die Zeit war abermals verfloßen. - jetzt schon mehr Muth durch die erste Verbeßerung gefast, nahm er wieder den Kopf von Mirefeld vor, und es gelang ihm, es in zimlicher Ordnung zu bringen, den es lag nun schon mehr Farbe darauf, weil er zu zaghaft und mit zu kleinen Pinseln gearbeitet hatte. - zum dritten mal der über malung gelang es ihm, noch durch ein Portrait von Denner, so ein Officir vorstelte, der Hauptmann Biers, daß er sich auch als Farben Model bediente, auch in den Thon des blauen Rocks mit rothem Kragen, daß Brustbild fertig zu machen. - die große Ähnlichkeit die daß Gemälde hatte, reitzte bald mehrere Persohnen ihre Bildniße zu haben, sein zweytes Gemälde war daß Portrait, des würdigen Pastor Berckhan für die Andreas Gemeinde, in deßen Kirche es auch aufgestelt steht. - so suchte er nun durch die oben erwähnte Arth noch einige Bildniße zu malen. den kommenden Sommer ging er nun nach Salzdahlen, und copirte auß einem großen Familien Bilde von Ravenstein die schönsten Köpfe, die von einer unübertreflichen Wahrheit sind, ohne gesuchten Effeckt oder Farben. - sie sind rein in der Zeichnung / bey nahe ganz ohne Schatten, dabey doch rund und schön collorirt. - diese Studien haben auf sein ganzes Leben im Colloriren ein festes Sistem gebildet, sowohl in der Harmonie als in der flachen Behandlung. - auch copirte er im selben Sommer, daß Portrait des Admiral Spinola in Harnisch oder Cüraß, ein sehr brillantes Bildniß von PP Rubens - auch copirte er eine schlaffende Bachantin wegen des schönen warmen Fleischton von Jacob Backer -[7] Von 5. Uhr des Morgens bis 8 Uhr wurde für die Fabrick gearbeitet, welches mehrentheils die Idillen von S. Gessner vorstelten auf Tischplatten die reißend abgingen. auch hierdurch gewan unser Künstler den nothwendigen flachen Auftrag der Farben.
Der alte Profeßor Eding,[8] an dem Colegium Carolinum der als Zeichen Lehrer dabey angestelt war, ein Schüler und Schwiegersohn des berühmten Preusler aus Nürnberg,[9] besuchte zu Zeiten in seinem hohen Alter noch den Vater unsers jungen Künstlers. Einstens als unser junger Freund hinter der Staffeley sich bey einem Bildniß beschäftiget trit er hinter ihn sieht ihm zu, und sagt nach ein Weilchen, „höre mal Fritz! Ich zweifle nicht daran daß du mal ein recht geschickter Mann werden kanst, aber dennoch werde ich dir einen guten Rath geben, daß ist dieser. Gib den Leuten Farbe genung fürs Geld. - dieses hat er auch nachero treulich befolgt, nachdem ihm sein Vater die Deutung nachero sagte. - es will eben daß sagen was ich dir schon oft bemerckt habe daß du nicht mit keinen kleinen Pinseln große Theile machen solst, weil die keine Farben halten. - dieser würdige alte Freund der Prof: Eding, warnte unsern jungen Freund auch einst für dem Hoff oder Hoffleben, daß er sich nicht mögte blenden laßen, durch die Herabgelaßenheit der großen, die dadurch sich ihn anzögen - aber bald würde der Neid von andern Höfflingen ihn sehr unangenehm entfernen.
Er müße sich den Hoff auf die Weise versinlichen, sich ihn als einen Eißberg vorstellen auf dessen Spitze der Fürst jeden seiner unterthanen, mit Freundlichkeit, und Milde zu sich hinauf einlüde, aus seinem Füllhorn, jeden der sich im näherte, mit Belohnung an Gelde, Orden, Gütern Lorber und Eichenkränze beschenckte, genug er wolle so zwar jeden beglücken. - aber wie schwer ist zu dieser Spitze zu gelangen, um nur etwas zu erlangen. - doch ein junger Künstler findet in seiner jugend viele Bewunderer wen er nicht gewöhnliche Fähigkeiten besitzt. er wird zu diesem Berge eingeladen, man hilft ihm auf allen Seiten, auf dem Eise gehen zu lernen, man hilft ihm den Berg zu ersteigen / er rückt vorwertz, er wird schon von oben bemerckt. - man winckt ihn näher. - aber leider wird auch alles um ihn her aufmercksam, er wird beneidet, nun verneiget man sich, ihn auf der glatten Bahn anzustoßen, er gleitet, schon tieffer. - einige halten ihn noch, er sucht wieder empor zu streben, es glückt ihm, es wird ihm etwas Geld gespendet, er erhält sich. - aber die Hydra bescheftigt sich nun gedoppelt, er wird zurück geschoben, er muß gleiten, und leider ist er wieder da unten, wo er früher ohne die großen Anstrengungen stand, beynahe vergeßen, wenigstens von denen die den glatten Eißberg blockirt halten. - ich rathe dir strebe nicht zu sehr nach Gunst der großen, sie ist selten daurend. die Kunstgeschichte lehrt es in allen Ländern, wie viel Verdruß die Künstler haben oft erdulden müßen, wen sie von großen Fürsten geachtet werden, was man alles angewandt hat ihnen die Gunst zu entreißen.
Um auf das Leben und Kunsttreiben unsers Künstlers zurück zu kommen, so wollen wir nur noch bemerken, daß er es sich obgleich wieder seinen Willen oder Neigung vornahm, daß Bildnißmalen recht geflißentlich zu erlernen, weil er wohl einsahe, daß er dadurch die Quelle zu seinem künftigen Unterhalt eröfnen könnte. jetzt studirte er fleißig alle die guten Portrait Maler, indem er ihr Sistem, Vortrag, und Behandlungsarth untersuchte, daher er bey jedem Bildniß so er malte bald diesen bald jenen Meister zu imitiren suchte. dadurch gewan er den Vortheil, daß er nicht nach einer bestimmten Ballete arbeitete, in dem er von der Natur auf ein, oder andern Meister schloß, der diesen Thon aus der Natur am glücklichsten dargestelt hatte.
Anno 1780 hatte er Gelegenheit für den Herzog Carl Wilh: Ferdinand einige Portraits von hohen Persohnen nach Anton Graff zu copiren.[10] diese Elegante Färbung die damals in Deutschland sehr gefiel, gab unserm Künstler den Gedancken ein, es were wohl gut, wen man etwas mehr Eleganz zu der gewöhnlichen Fleischfarbe beysetzte, ohne jedoch ins Manierirte zu verfallen. dieses war nun wohl leicht gedacht, um sich der Modemalerey mehr zu nähren, aber die Ausführung ist sehr schwer. doch seine Neigung zog ihn immer wieder nach van Dyck, und seinen Liebling v Ravenstein - bey allen guten Willen, und jedesmaligen Vorsatze wen er ein Bild anfing oder ehe er es anfing, stelte er sich daß Gemälde als fertig vor seine Seele wie er es zu machen gesonnen war, aber sehr oft und häuffig erfuhr er die Kränckung, das die Anlage oft grade daß Gegentheil ihn zeigte / sollte es warm in Thon seyn, so wurde es kalt, und so umgekehrt, worüber er oft mit sich so unwillig wurde, daß er nicht selten in Thränen ausbrach.-
Anno 1783. starb seine trefliche Mutter die er inniglich verehrte im Frühling wo er sich anschickte nach Düsseldorff abzugehen, welches auch einen Monath nachero erfolgte. jetzt war unser junger Freund schon so weit, durch sein angebohrnes Tallent, und durch die sorgsame Anleitung seines Kunstfeurigen Vater, und durch die Gelegenheit, beständig unter schöne Gemälde auferzogen zu seyn, und um sich zu haben, daß er schon nach einer Accademie gehen konte ohne nöthig zu haben Malen zu lernen.
Die gute Aufnahme in Düsseldorff bey dem Director Krahe, dem Galleri Inspektor Brulliot und mehrern andern,[11] die alle Verehrer und Freunde unsers Künstlers Vater waren, machte daß er gleich dort als zu Hause war. er malte gleich nach guten Meistern, wo er nicht ganze Bilder copirte, die er zu verkauffen gedachte sondern nur Theile, die zu seinem Nutzen waren. nur daß Ecce Homo Bild von Corregio copirte er ganz.[12] - nach Titian den schönen Kopf des Pietro Arettino, malte er noch mit allen den Fineßen, daß der Direktor Krahe die Copie nicht genug bewundern konte. Er suchte jedes mal von dem was er copirt hatte eine Anwendung zu machen. - er malte deshalb, seinen Wirth den Postmeister bey der Kaiserlichen Post van Gehmen, der eine ähnliche warme Olivenfarbe hatte. er stelte ihn in groß Bruststück dar, mit einem Huth auf dem Kopfe, und einem weißen Mantel um, mit einer Hand. er bedinte sich seine frühere Methode, daß er nach der Sitzung, die Copie nach Titian neben sich stelte und daß brauchbahre dahinein arbeitete. dadurch erhilt daß Bild schon den Carackter der Meisterschaft und unser Künstler machte sich jedes mal die Arth von jeden Collorit zu eigen. auf diese Weise hat er viele Bildniße seiner Freunde ohnentgeldlich gemalt. den Winter besuchte er fleißig die Accademie, um nach dem Leben zu zeichnen. - schon in seines Vaters Hause in Braunschweig hatte er mit mehrern jungen angehenden Künstlern eine Accademie errichtet, wo nach Gipsköpfe und nach kleinen Figuren als dem Appolino, der Venus, und dem Faun oder Beckenschläger gezeichnet wurden, und auch nach lebenden Modellen.
anno 1784 Im Frühling hatte der Director Krahe aus Brüßel für den Graffen Truxes, ein Gemälde von Spaniolette (Ribera) verschrieben, welches einen betenden Petrus vorstelte. das Gemälde kam durch Düsseldorf, mußte 2 und einen halben Tag dort, wegen Postenaufenhalt liegen bleiben. der D.[irektor] K.[rahe] ließ unsern jungen Künstler sehr früh des Morgens sagen zu ihm zu kommen, um daß schöne Bild zu sehen, daß er sich hatte von der Post kommen laßen. als er nach einer halben Stunde bey ihm kam, fand er noch ein paar Freunde, den Profeßor Schmitz den Kupferstecher und den Rath Bislinger,[13] in voller Bewunderung. auf unsern Weitsch machte daß Bild gleiche Würckung, den es war mänlich kräftig gezeichnet, von großen Formen, schöne Haltung in Stellung, die Farbe so schon wie van Dyck u Rubens zusammen geschmolzen, in Efeckt, als Rembrandt. - der Auftrag der Farbe systematisch kühn und dick wie ein Meßerrücken starck aufgetragen ohne die Formen, oder conturen zu verletzen. vielmehr waren selbige mit der größten Genauigkeit schmelzend gemalt. dieses Bild muste einen wahren Kenner wohl natürlich ansprechen, wieviel mehr einen jungen Künstler der, die Schwürigkeiten schon einsah, um in der Arth was darzustellen.
Nun wurde unser Weitsch aufgefordert dieses Bild zu copiren, - wozu er sich aber durchaus nicht verstehen wollte, weil er sich scheute an einer solchen kräftigen Klippe Schifbruch zu leiden. - auch die Zeit von zwey und einem halben Tag war zu kurz, es schien ihm ganz ohnmöglich. Für dem [Farb]Auftrag fürchtete er sich eben so sehr, weil er nie mit der Farbe so zusagen bossirt hatte. er schlug es also remie [?] aus. - Indeßen half alles wiederreden nichts. - der alte Direcktor behauptete daß er es sehr gut machen würde, selbst die Kürze der Zeit würde sein Feuer noch mehr in Flamen setzen. und wen er es auch nicht fertig bekeme so schadete es doch nichts, so würde er aber gewiß recht viel dabey lernen. dieses half u er lies es sich gefallen, daß es ihm zugesandt wurde.
Ein altes Tuch wo mal ein Schüler des Krahe, den heilgen Johanis nach Raphael auf angelegt hatte, kam gleich dabey an. darauf könne gemalt werden, daß die Zubereitung zu der Leinwand keine Zeit wegnehme. Kaum war es in seiner Behausung es war 10 Uhr des Morgens, so gings gleich an daß Aufzeichnen, und Malen, so daß der Kopf und eine Hand mit dem Gewande, u Hintergrund schon den Abend beynahe fertig da stand.
So arbeitete er fort, mit feurigem Muth, und um 11 Uhr des dritten Tages, wo daß Orginal wieder abgeholt wurde, waren auch die letzten Pinselstriche gemacht. der alte Krahe war ausser sich vor Freude, daß er die Fähigkeit des jungen Künstler geweckt, und vorher gewust habe. - Weitsch reiste nach 8. Tagen nach Amsterdam, um dort seinen Vater zu erwarten, der von Braunschweig mit seinem zweiten Sohn hin kommen wolte.[14] er machte Bekantschaft mit den dortigen Künstlern, unter welchen ihn der dortige Stadtbildhauer Zisenitz besonderst gefiel,[15] sowohl als geschikter Mann, als auch wegen seiner Orginalitet. er war dabey in allen Hausern bekant wo Kunstsachen zu sehen waren. dadurch bekam Weitsch alles Sehenswehrte zu sehen. - Ziesenitz war es auffallend daß ein junger mann von 25. bis 26. Jahren in Deutschland sich eine solche Bilderkentniß könne erworben haben, und so richtig über die Kunst urtheilen. er war offenherzig genug, ihm einst auf einem Spaziergang zu sagen, mein guter Freund! ihr sprecht über die Kunst mit so vieler Kenntniß, aber ich fürchte sehr, daß es mit der Ausübung desto schlechter stehen wird wie ich daß so oft von den deutschen schon erlebt habe. - Weitsch Antwort war „Ihr könt wohl recht haben, den in den Wissenschaftlichen Kentnißen, ist man leicht 10. Jahre vor der Pracktischen voraus. es gehört nur ein wenig Gedächtniß dazu, und Lust, so auch für Kunstsachen ein richtiges Auge, ob gleich lezteres weit mehr wil geübt seyn.
Weitsch hatte eine junge schöne Braut zu malen. sein Vater der einige Tage vorher als er daß Portrait anfing angekommen war / ward mit seinen beyden Söhnen zum Mittag Essen bey Herrn Ziesenitz eingeladen. er kam mit dem alten Vater Weitsch um unsern Künstler abzuholen, er traf ihn auf dem Boden, in dem Ärcker, wo er wegen des Lichtes hatte hinauf steigen müßen. die Braut, war schon angelegt / Ziesenitz war neugirig trat gleich vor daß Bild - O! mein Gott! daß habt ihr schon in die paar Stunden gewerckt? dat is warhachtig het moye! nun fiel er unserm Weitsch um den Hals, küste ihn - und sagte Nein, - wahrhaftig ihr seid ein Mann, und kein windiger Fent. - so führte er ihn an der Hand zu Tische in seine Behausung, redete seine Knaben an, die 10 bis 14 Jahre alt waren. Jungens! seht dieser jungen Mann, der kan Zeichnen, und Malen. versprecht mir auch so zu werden! wo nicht, Gott verdamme mich, bräche ich euch die Hälse. - er war seelen vergnügt, er wollte seinen jungen Freunde, die etwaige Kränckung wieder vergütigen, den mit Worten hatte er es schon gethan. Weitsch malte noch einige kleine Pastel Bilder in seinem Wirtshause. er solte ein großes Bild malen von dem alten Bürgermeister de Witt. derselbe wurde aber unpäßlich - so daß er nicht dazu kam und die Reise mit seinem Vater und Bruder durch Holland vortsetzte. - der Vater brachte beyde Söhne nach Düßeldorf, wo der ältere schon über ein Jahr früher studirt hatte.
werend der Zeit daß unser Friedrich Georg in Holland sich aufhilt, hatte Carl Schröder,[16] ein Freund von unserm Weitsch der auch mit ihm von Braunschweig nach Düßeldorf gereist war um die Kupferstecher Kunst unter Schmitz zu erlernen, und späterhin sein Schwager wurde, die Copie nach Spaniolette, in einen alten vergoldeten Rahmen gesetzt, - und mit etwas Laqueritzen Saft überzogen, wodurch daß Gemälde daß Ansehen, eines alten Bildes erhilt, daß Galleri Inspektor Brulliot hatte es auf die Galleri gesetzt, um es Liebhabern zu zeigen, die alle glaubten, daß es daß Orginal und nicht eine Copie sey - auch unser Vater Weitsch bey seiner feinen Kentniß sahe daß Bild. - Brulliot der seinen Schertz mit ihn haben wolte redete ihn an, wollen Sie nicht ein hübsches Bild kauffen, es ist hier her gesetzt, es werden nur 12. Carolinen davor gefordert. Vater W. betrachtete es, ging mit der Brille näher, schüttelte den Kopf - und sagte, daß Bild ist von Spanioletto eben der Auftrag, - aber doch zu neu. - von seinem Schüler dem Luca Giordano ist es nicht, und Copie noch weniger, ich werde es nachero noch einmal besehen. - als er die Galleri durchgesehen hatte, besah er daß Bild noch einmal genau und sagte, - were es mir nicht zu neu, so were es Spagnioletto, genug! wer es gemacht hat, ist im Malen ein Husar gewesen, - wen ich nach Braunschweig zurück komme werde ich ihnen gleich schreiben ob sie es mir schicken sollen, ich habe in Münster noch Zahlung für Gemälde zu leisten. - da der Galleri Inspecktor Brulliot nun sahe, daß er seinen Zweck nicht erreichte, mit den 12. Carolinen eine Lustbarkeit zu veranstalten, so sagte er dem Vater Weitsch nun der Husar der es gemacht steht neben Sie, - welches dem alten Manne Freude machte, - ob er gleich in fröhlicher Arth sagte, ihr Schäcker, was vexirt ihr mich dan so lange.-
Im nehmlichen Herbste dieses Jahr bekamen beyde Brüder die Order nach Italien zu gehen von ihrem Vater. unser Friederich Georg malte noch vor die Accademi ehe er abreiste sein Receptions Stück, weil er als Mitglied aufgenommen war. es stelte daß Grabmahl von Anton Raphael Mengs vor in einem Alten Germanischen Eichenhein.[17] - gleich darauf reisten beide Brüder Fritz und Anton den 16. 8ber von Düßeldorff ab, über Franckfurth, Manheim, Speier, Augsburg, München über Inspruck nach Italien. sie hilten sich aller Orten so lange auf, um mit Muße alles Sehenswürdige zu betrachten. Acht Tage waren sie in Speier, in dem Zirckel der sich um die Liebenswürdige Schriftstellerin Sophie La Rosch versamelte.[18] unser Fritz W. malte noch für sich ihr Bildniß. - in diesem Zirckel wäre aber bald, mit unserm Künstler eine große Veränderung vorgegangen, daß er sich zum Geistlichen Stande gewidmet hätte. - eines Abend wurde in der Gesellschaft über den glücklichsten Stand viel geredet, wo der eine diesem der andere jenem, eine Eloge machte. da die Reihe an unsern Fritz W. kam, schilderte er den Landpredigerstand in einer Romantischen Gegend, mit Entusiasmuß, setzte aber besonderst voraus, daß der Prediger die schönen Wissenschaften nicht allein Lieben sondern auch wo nicht zur Vollenkommenheit, dennoch in einem mehr, oder weniger, ausüben müße. dabey Kentniß und Liebhaberey zur Landwirthschaft, in so weit sie sich mit seiner Lage vertrüge - die Gartenbenuzung, Bienenzucht einige nothwendige Medicinische Kentniße zur Nothdurft, - als er daß alles, als ein Glück sowohl für den Geistlichen selbst, als für den Landman deßen Vater er in der Gemeinde er durch solche Kentniße werden müste, und dadurch zugleich auf die Bildung und den Herzen seiner Bauern mehr würcken würde, als durch Kanzelreden. So fiel derSeel Domherr von Beroldingen,[19] der Kammer President von Speier war ein. Haben sie Lust W...h noch drey Jahre zu Studiren die Theologie auf einer Unifersitait? so habe ich Gelegenheit, sie an eine sehr gute Pfarre in Elze nicht weit von Hildesheim zum Pfarrer zu machen, wovon ich die Prebende zu vergeben habe. - auch stehen grade 350 rt Stipendien Gelder offen, die will ich Sie auch geben. wie bald studiren sie sich wieder in die Schulkentniße ein. unser Weitsch nahm das anerbiten an, zumal da er hörte daß es keine armseelige Stelle war, sondern 1100 rt bares Geld eintrüge, - die Pfarre war zwar noch besetzt, aber von einem unwürdigen Manne, der sich täglich betranck, und den die Gemeinde wolte abgesetzt wißen.
Allein die würdige Frau Sophie von La Rosch nahm unsern jungen Künstler den andern Tag vor, und machte ihm so viele Vorwürffe und Vorstellungen daß er ihr versprechen muste von dem Projekt abzustehen. - sie stelte ihm vor wie es seinem Vater kränckend seyn würde die Hoffnung aufzugeben, einen guten Künstler in ihm aufkeimen zu sehen, der schon auf der Reise nach Italien begriffen sey, von seiner so gut angefangenen Laufbahn abgesprungen zu wißen, auch alle die Beschwerden, und Unannehmlichkeiten so der Stand mit sich führte ihm recht lebendig vorzustellen, daß sie ihn zum Wancken erst, dan aber zum Entschluß brachte, daß er seine angefangene Laufbahn nicht verließ.
die Reise war für beyde Brüder sehr lehrreich, indem sie sich über daß Gesehne und Gehörte unterhalten konten. manches Interressantes viel auf ihrer Reise vor, darüber wir hier weggehen wollen, und sie nur erst beym Eintrit in daß Thor Porta Populo in Rom wieder begleiten wollen, welches den 15. 10ber [Dezember] 1784 um Mittag bey einem heftigen Gewitter geschah. es schien zwar die Sonne noch bey einer drückenden Hitze, so daß der Anblick von dem Platze, mit dem schönen Obelisk, und den drey Straßen, wo der Anfang des Corssos, von beyden Seiten, mit Kuppelkirchen besetzt sind, hatte einen vielversprechenden Eindruck machen sollen. - daß war aber ganz und gar nicht der Fall. unser FGW. nahm das Werk beym freien sehen. Aber wie hat Piranesi so Lügen können? daß ist ja alles so klein, und bey ihm erscheint alles so groß. nun gings den Corsso entlang zur Mauth oder Duggane. alles schin unserm Künstler so eng, so schmutzig, daß Getreibe der mancherley Mönche, - große und kleine Esel, bepackt und unbepackt, vornehme Herren zu Fuß, und in schweren Carossen, Fremde, und Bettelgesinde mit kaum bedeckter Blöse, Kröpel, zum Schaudern, dazu unscheinende Juden, die alte Lumpen und verostete Eisen trugen, - der unangenehme Aufenthalt bey dem Durchsuchen, des Koffers, - dan von dort wieder hin zum spanischen Platz, nach der Strada Babuini, gegen den Aquita Nera gegen über, wo daß Quartir war, wo sie absteigen solten, bey dem Sohn des Director Krahe aus Düßeldorff welches nicht so gleich zu finden war.[20] endlich gefunden und sich mit dem Viturin abgefunden, lösten sich die Banden, des Unmuhts, und der äusern Täuschungen, daß er sich auf einen Stuhl warff, und sich erst mit seinen gefühlen, die sich so sehr durchkreutzen, durch einen Thränenstrom abfinden muste. Zu dieser Empfindung geselten sich zwey buckliche alte Jungfern die Töchter der Wirthin waren, mit Ihrer gellenden Stimme. Zu gleicher Zeit, ihre Dinste, ihr Bedauren, einer Wirrede zu sahm [zusammen], mit einer Schnelligkeit äußerten, daß kaum jemand im Stande war an zu hören, viel weniger noch zu denken was sie eigentlich sagen wolten, - wen man nicht durch die Gebärde und Jesten einiges errahten könen. - eine schmerzliche Stunde war so vergangen, so wurde etwas Toilette gemacht und Hr. Wilh. Tischbein, aufgesucht auf Trinita di Monte. - Man fand ihn zu Hause, und den jungen Architeckt Krahe bey ihm. frühere Bekantschaft mit Tischbein, machte nun auf unsre jungen Künstler, und die neue mit Krahe eine wohlthätige Würkung, daß sie sich nun nicht mehr so verlaßen wähnten. - es wurde zum Mittags Eßen gegangen, wo mehrere Deutsche zusamm speisten. die alte Bekandtschaft mit H Knip aus Hildesheim gebürtig wurde erneuert,[21] und mehrer andre Intereßante Bekandtschaft am Tische gemacht.
Krahe (jetziger Kamerrath Baumeister in Braunschweig) wolte zuerst sehen welchen Eindruck die Peters Kürche, auf unsere neu angekommenen machen würde. er fand aber bey ihnen daß nehmliche Gefühl welches bey den meisten ist, daß man nicht Inponirt wird, wen man sie zum ersten mal sieht. von da wurde nach dem Panteon der Rotondo geschritten. hir standen unsre Freunde überrascht, sowohl durch die Pracht volle Wölbung als auch durch den majestatischen Lichtefeckt, der von oben so ruhig mistisch [mysthisch] herab fält. sie konten sich nicht erst davon trennen, und nie ging unser Fritz W. vorüber ohne nicht einige Augenblicke hinein zu gehen, wo er durch manig fältige Lichteffeckte belohnt wurde. so traf es sich einigemal, daß ein Platzregen, in die große öfnung herab fiel, durch eine Wolcke, wo auch seitwärtz die Sonne stand, und den Strahl schräg beleuchtete. vor einem der 12. Altäre wurde grade Meße gelesen, und ein andermal ein Kind getauft, - wo die Chor Knaben Wachs Kärtzen hilten, welches bey dem Regenbogenschimmer an dem Waßerstrahl unbeschreiblich zaubrisch aussah.
Von der Rotonda ging darauf der Zug nach San Lateran. der modernere Geschmack machte keinen Eindruck auf die jungen Künstler wie wohl zu erwarten stand, aber desto mehr ein Blitzstrahl, der mit dem heftigsten Krachen und Donner plötzlich herab fuhr, doch nicht in die Kirche selbst, sondern daß Gesimse von der äusern Fassade beschädigt hatte daß ein Stück von 14 Fuß herabgeschmettert war.
Nun wurden die Wanderungen, die andern Tage fortgesetzt, um alles zu sehen was Rom sehenswerthes dar bitet. - und daß findet man jeden Augenblick wen man auf der Straße nur geht. wir wollen hier nicht alles wiederholen was schon tausendmal gesagt ist, sondern nur bemercken, daß nach drey Wochen ihres Aufenthalts in Rom, der Graff Brabeck von Söder bey Hildesheim auch in Rom eintraf.[22] mit diesem Herrn muste nun täglich von des Morgens 9. Uhr bis den Nachmittag 3 Uhr unser Fritz W. die Kunstwanderungen machen, welches 3. Monath unausgesetzt fortwerend dauerte. nur drey oder 4. Tage hatte er Ruhe, weil der gnädige nicht wohl wurde. bey dieser Gelegenheit bekam er so viel zu sehen, wo nur sehr selten Fremden der Zutrit erlaubt ist weil es kleine ausgesuchte Privat Samlungen waren, von ohngefähr ein oder zwey Dutzend Bilder. - Zu dieser Zeit versicherte unser Künstler, sey ihm wie bey einem hitzigen Fieber zu muhte gewesen, die Nacht in einem beständigen Fantasiren, so daß er am Ende höchst abgespant gewesen sey. Neu zur Ruhe gekommen, wählte er sich nach seiner Empfindung und zu seinem Zwecke, die jenigen Kunstwercke, und Meister, die nützlich werden solten. - er studirte nun daß Historische Fach ausschließlich, mehr Theoretisch als daß er die Zeit mit Bildermalen hatte verbringen sollen, ob er gleich sehr viel nach den Stantzen von Raphael, und in dem Museo Clementino arbeitete. - seine Lieblings Statüen waren der Torso im Museo, die große Muse Melpomene, Pyrus und eine Ceres und Luna. einige der kleineren Musen - so war für seinen Geschmack der Discus werfer, aber vorzüglich stand der Colos auf Monte Cavallo bey ihm von allen diesen oben an, den er sehr fleißig studirte. - er sagte oft wen er von dieser schönen Phidaßischen Figur wieder in daß Museum Clementino zurück gekommen sey, so were es ihm allezeit vorgekommen, als wen es ein Held von der französischen were, den er in Amsterdam hatte spielen sehen, oder als ein Tambur Major französischer Truppen. - es were für ihn auch kein Ideal eines Appollo, sondern es sey ein Portrait, des Lesimachus, das zum Appollo hin affecktirt were. überhaupt wolte er sich nichts wieder seine Empfindungen aufdringen laßen, - weil er allezeit ehe er anfing zu tadlen oder zu loben, jederzeit erst untersuchte was es vorstellen solte, - welche Handlung welchen Außdruck! und zu welchem Stiel oder Claße das Dargestelte eigentlich gehöre. manchen Kunststreit muste er bestehen, wen er nicht nach der gewöhnlichen Sitte nach beten wollte, welches besonderst bey den sontaglichen Wanderungen von mehreren jungen deutschen Künstlern in den Gemäldesamlungen gescha.
In den drey Gallerien, waren beyde Brüder Weitsch engagirt durch ein halbjähriges Geschenck an den Custode, zu jeder Zeit in die Galleri zu kommen diese waren Printz Burgehse, Doria, und Collonna, im Vorübergehen wurde hir eine halbe Stunde oder wohl eins zwey Stunde bey ein oder ander Gemälde verweilt, oder um des Vergleichens, wen man ein Bild von dem nehmlichen Meister gesehen hatte.- hirdurch wurde die Gemälde Kenntniß befästiget, oder vervollenkomt, und unterhalten. Weitsch hatte hatte noch ein ander Studium damit verbunden, nemlich alle Gemälde sowohl Historische, als auch daß Landschaftsfach, zu klaßifiziren, in den Heroischen, den Historischen, Idillen und Natur Stiel.
Zu dem erstern Stiel fand er nur sehr wenig wo sich aber besonders Hanibal Carasch [Annibale Carracci], Savator Rosa, und Guercino da Cento auszeichneten.
In den eigentlichen Historischen Darstellungen ist bey den Itallienern eine große Anzahl die in dieser Arth den Gegenstand Rein behandelt haben.
Im Idillenstiel fand er den Zamp[i]eri Dominicino [Domenichino] Albano und einige andere sehr gefellig.
der letztere Stiel gehört nur für gute Nachahmer.
Bey der Landschaftsmalerey steht in dem Herroischen Stiel, Salvator Rosa oben an, Carasch, und N. P[o]ussin folgen. andere gibt es weiter keine
Im Historischen Stiel aber in der Landschaftsmalerey steht N. Pussin oben an.
Beym Idillenstiel, Claude Lor[ra]in, ob er gleich selten ganz Rein ist, so ist er doch der eigentliche Idillen Maler, deßen ganzes Gemüht sich dahin neiget. - diese Bemerkungen waren ein Lieblings Studium, welches er grade durch oben benanten Meistern, in ein Sistem bringen wolte.
So studirte unser Weitsch die Antiquen und die besten Meister der Malerey. Zum Malen kam er wenig außer im Winter bey regnigen Tagen malte er mehrer Bildniße. anno 1786 besuchte er Neapel, und die Umgegend bis Paestum. den Vesuv besuchte er mit seinem Bruder zweymal, nahm dort viele Gegenden auf. Schlief schon 11. Nächte auf einem Schiff so eine Englische Fregatte war und als Packetboh[t] von Neapel nach Sicilien ging, um auch Sicilien zu sehen. aber da daß Schiff wegen Windstille oder contra Wind nicht aus dem Haffen kommen konte, so entschloßen sich die Halfte von der deutschen Geselschaft zu Lande vorhero nach Evoli und Paestum zu gehen. bey ihrer Rückkunft war daß Schiff schon 4 Stunden früher abgesegelt als sie wieder in Neapel angekomen waren. ihre Überfahrt wurde vorausbezahlt, also verlohren beyde Brüder 18 Unzen Gold. - indeßen hatte schon in Iani [?] die Hitze sehr zugenommen. sie waren von Rom im April ausgereist, daß sie fürchteten zuviel davon zu Leiden, weil man die Reise ihnen wiederrith. nach zwey Monath Aufenthalt in Neapel kehrten sie nach Rom wieder zurück und gingen im Frühling 87. nach Florentz, blieben daselbst 9. Monath, wo daß Studiren nach den schönen Antiquen, der Niobe u ihren Töchtern nebst den vielen andern Kunstwercken, ihnen viel mehr Bequemlichkeit darboth. die schöne Galleri del Pallatzo Veccio, und der Pallazzo Pitti wurden täglich besucht. in ersterm copirte unser Fried Georg. Weitsch mehrer Bildniße von Mahlern, so ihn interressirten, - besahe in den Sommer Mohnathen taglich nachmittig ein paar Stunden Handzeichnungen, und wen der Direktor Pelli Zeit hatte,[23] geschnittene Steine, dem er über so viele Theile der Kunst viel zu danken hatt. so wie er stets den Bildhauer Trippel in Rom rühmte,[24] daß er für ihn ein sehr belehrender Man gewesen sey, in dem Stiel der Antiquen. Im Pallast Pitti copirte er die Madonna della Sedia von Raphael. - der Großherzog nachmahliger Keyser Leopold, sah ihn oft an dem Bilde beym durchgehen durch die Zimmer, ohne jedoch je ihn zu stören. aber wen er nicht zugegen war hat er die copie lange betrachtet, gab dem Graffen Turi den Auftrag dem Künstler zu sagen daß wen daß Bild geendet sey, er der Künstler, es an den Großherzog zeigen möchte. auch bekam er den Auftrag des Großherzogs Bildniß in Lebensgröße für den Audientz Saal in Pisa zu malen wozu eine Scitze anfertigte, und nach Beendigung solche dem Großherzoge vorzeigte. es war nach Beendigung der Carnevals Zeit, der Großherzog empfing ihn außerordentlich gnädig, und beorderte ihn die Copie auf einen Stuhle zu setzen. er selbst nahm sich einen Stuhl rückte ihn vor daß Bild, und setzte seine Brille nachdem er sie abgerieben und dabey daß Bild angesehen bedächtlich auf und fing daß Gemäld von oben bis unten nach allen Theilen an durchzusehen.
Weitsch, der mit dem Klockenschlag ¼ auf 11 Uhr eingetreten war, stand in einiger entfernung und hatte Muße genug alle Umgebungen in dem großherzoglichen Wohnzimmer zu betrachten. der Großherzog betrachtete bald nahe bald ferne, und sagte kein Wort. es schlug halb, ¾, und noch stund Weitsch auf dem nehmlichen Platz bald auf diesem bald auf dem andern beine.
Endlich schlug es 11. Uhr, so wandte sich der Großherzog zu und sagte, Es ist war Herr Weitsch ihre copie ist die schönste, die seit den langen Jahren so ich hier bin gemacht worden ist. Ich mache ihnen mein complment darüber, sie haben sie con amore gemacht. Mengs, und Zoffani, haben sie auch als große Maler hir copirt aber nicht con amore wie sie sondern vor Geld und in ihrer Manir. daß eine war ein Mengs und daß andre ein Zoffani. bey dieser copie habe ich erst gelernt wie man daß Bild betrachten muß, wie es bearbeitet ist. ich habe ihre Arbeit täglich besehen. - Nun frage ich Sie wollen sie mir daß Bild überlaßen ich wolte es meiner Schwester nach Spanien schicken. Weitschs Antwort war, daß es ihm sehr schmeichelte, wenn er die Erlaubniß wieder erhalten würde es noch einmal zu copiren. - allerdings, und bequemer / sie sollen den Schlüßel dazu haben, um es nicht nöhtig zu haben durch daß Spiegelglaß zu malen. auch laßen sie es sich von der Wand nehmen, warum haben sie daß nicht schon gethan? Ew Keyserliche Hoheit, ich als ein junger unbekannter Mann, konte darauf keine Ansprüche machen der hir Fremder war. - Es soll beßer für sie angerichtet werden. - die Scitze gefiel ihm dem Großherzog ebenfalls sehr wohl. er selbst stand an einen Spinx von schwarzem Basalt gelehnt. der Hintergrund stelte daß Innere eines Saals vor, wo eine große Decke von Goldstoff den Hintergrund bildete in dem die Kayserlichen Adler eingestickt waren. - darneben einige Säulen so auf ein Altane führte, von welchem man unten den Pallast Pitti im Garten sehen konte, und über demselben die schöne Aussicht von der Stadt Florenz und ihren Bergen. vorne zur linken lag über einen Globus der Fürsten Mantel gebreitet unter welchem anbey dem Globus Kunst und Wissenschafts atribute lagen. der Großherzog äuserte sein Gefallen über die anordnung, und bestimte die Sitzungen bey seiner Rückkehr von der Reise so er durch Toskana zu machen habe welche ihn wohl 4 Monath Zeit erfordern dürften, so lange heben sie mir die schöne Copie sorgfältig auf. - H Petroni damaliger Director und Maistro del collorito bey der Ackademie hatte den Graffen Turri zum Freunde,[25] der beschäftigte sich mit Entwürffen zu dem großen Bilde zu machen, welches unserm Weitsch aufgetragen war. dieser sahe schon die neidische Cabale heran wachßen, und sich an die Lehre des Eißberges erinnernd, reiste er mit seinem Bruder von Florenz in der Abwesenheit des Großherzoges Leopold über Venedig nach München, Wien, Prag und Dresden nach seinem Vaterlande zurück. er hilt sich an allen Orten einige Zeit auf um alles zu sehen.[26]
anno 1788. wurde sein Vater Galleri Inspecktor zu Salzdahlen bey Braunschweig wo sich damals die Bilder Galleri in dem Fürstl Lustschloße befand. - FGWeitsch bezog die Wohnung seines Vaters wieder, und verfertigte mehrentheils Bildniße. unter denselben war eins von dem würdigen Abt Jerusalem, den er in Häußlichem Anzuge groß Kniestück darstelte.[27] die Portraitmalerey beschäftigte ihn besonderst. 1790 in Ostern fing er seines Vaters Bildniß auf dem Lande in Salzdahlen an, in Kniestück mit der Ballette in der Hand, die rechte, liegt auf einem weißen Pudel, der ein gebohrner Römer war, den er seinem Vater daher mitgebracht hat. - diesen weißen Hund legte er seitwerts im Vordergrund, und gab ihm einen kleinen Eichenzweig mit Früchte unter die Pfote. darneben lag in der Brüstung eine Reißfeder mit Kreide, und eine Brille. im Hintergrunde steht eine Staffeley mit einem Tuche darauf ein Wald aufgezeichnet, ist. der Vater Weitsch ist in einem braunen Schlaffrock, er sieht seitwärts über die rechte Schulter. die Beleuchtung ist hoch angenomen, daß collorit kräftig, die Färbung warm, der Anstand ganz die Edle Figur seines Vaters voll Würde und Feuer.[28] nur wenig Bildniße sind, wie der Künstler selbst sagt, ihm zum Malen so vorgekommen, außer daß Portrait des General Meiendorff in Rußischen Diensten, den er in Pelzrock ganze Figur bey der Belagerung von Okschekoth in einer Bateri vor einem Zelte vorstelte in Winters Zeit wo der General eine Batterie von 90. Kanonen commandirte. - auch daß Bildniß des Marschals Soult, wie derselbe in Stettin war 1808.[29] - auch einige andere noch, jedoch von weniger mänlich schönen Formen.
Weitsch reiste nach Hamburg in Pfingsten in diesem Jahre 1790. und verweilte daselbst 9. Monathe, wo er den Sommer mehrentheils auf dem Lande zubrachte, und in Hamburg in dem Herbste und Winter mehrere Bildniße malte. im Februar kehrte er wieder zurück, weil ihn der Herzog beschäftigen wolte. er solte ihm in dem neuen corp de logis [des Grauen Hofs] ein Zimmer malen, mit außichten von Italien. Weitsch machte einige Zeichnungen nach seinem Geschmack. Mit Arrabesken und Spiegeln, solte es nach der Angabe des Herzogs oder vielmehr des Baumeisters seyn. er befolgte zwar den Willen, legte aber seine Anordung in einigen anderen Blättern, mit den Gegenden von Neapolitanischen Gegenden bey, wo Terragina auf die Hauptwand kommen solte. in dem Zimmer solte ein Fries von 3 Fuß Breite herumlauffen, wo die Schlacht des Hanibal in gelblichem Camage [Cirage/en camaïeu] Thon solte bearbeitet werden. die Thür und Fenster Verziehrungen waren auch geschmackvoller angeordnet als die des Baumeisters / dem Herzoge gefiel die Anordnung ungemein wohl. - weil sich unser Weitsch nicht auf einen bestimten Preiß zu fordern, einlaßen wolte und konnte, so glaubte der Fürst daß es ihn zu hoch komen würde. - vorzüglich aber arbeitete der Baumeister darwieder, weil sein Plan nicht ausgeführt werden solte, weil so viele neue Spiegel vorrähtig waren. - Weitsch bemühte sich weiter nicht darum, und so wurde am Ende nichts aus dieser Arbeit.
Er malte in dieser Zeit die Prinzen von Oranien die sich in Braunschweig aufhilten, den Erbprinzen an eine Kanone gelehnt, den Prinzen Friedrich in der Preußischen Ascherslebenschen Cavalleri Uniform,[30] auch den Erbprinzen lebensgroß mit einem Pferde so er vom Herzoge hatte geschenkt erhalten, ein brauner Engländer mit einer Bleße. Auch der nehmliche Prinz mit seiner Gemahlin wie sie an der Staffeley sitzt und daß Bildniß ihrer Frau Mutter in Pastel malt,[31] alles Lebens groß. mehrere Portraits wurden von dem Oranischen Haus gemalt. - Zur Landschaft Malerey hatte er nun nicht Zeit, ob ihn gleich oft die Finger danach juckten. so malte er einst einen Waßerfall, wo hinter eine Mühle lag. der Abbe Denis[32] hatte eine große Freude über diesen Gegenstand, weil wie er selbst sagte, dieses Bild ist ganz in meinem Genro, er macht auch gleich einen sehr angenehmen Verse darauf.-
Sein Bruder Anton Weitsch, der sich damals mit der Miniatur Malerey bescheftigte, war im Jahre 1794. in Berlin. derselbe schrieb seinem Vater und Bruder, daß der Minister Heinitz wünschte daß sie mögten mal von ihrer Arbeit zur Ausstellung nach Berlin senden.[33] - daß geschah in diesem nehmlichen Jahre. der Vater schickte einen schönen großen Wald, u der Sohn F.G.W. schickte seines Vaters Bildniß mit dem Pudel, und die copie der Madonna della Sedjula [Seddia] dorthin. sowohl die Arbeiten des Vaters, als des Sohnes fanden algemeinen Beyfall. - die Accademi schickte ihnen die Deplome als würckliche Mittglieder mit Sitz und Stimme. unser Friedrich Georg erhilt dabey die Einladung von dem Minister Heinitz der Curator der Accademi war, doch mal nach Berlin zu kommen.
Im Jahre 1794. vermählte sich FGW. mit Christiane Elisabeth Schröder, Tochter des Herzogl. Braunschweigischen Haußverwalter, den 24.ten August. sie war die jüngste von drey Schwestern, davon die älteste dem Maler Schwartz, so meistens in Pastel malte verheirahtet, war und sich Caroline nante. die zweyte Louise, war nach Amsterdam verheirahtet an den Landschaftsmaler Daniel Du Prée.[34]
Weitsch lebt in einer äuserst glücklichen Ehe doch ohne Kinder, mit ihr. daß Tallent der Muse, und die schöne Stimme, hatten ihr in Braunschweig alle Herzen gewonnen. dabey ihr anspruchloses Wesen machte sie bey alle Menschen beliebt. - ihr Körperbau und Haltung und ohngekünstelter Gang gibt sie ein Jugendliches ansehen. ihre feine Gesichtsbildung, schöne Schwarze Augen, und Gesunde blühende Farbe machen daß sie nach 25 Jähriger Verheirahtung noch immer als eine schöne junge Frau von besten Jahren angesehen wird, ob sie gleich daß 53.ste Jahr zurück gelegt hat.-
Weitsch brauchte sie oft zum Model seiner weiblichen Hände, hat oft ihr Bild gemacht, und fühlt sich glücklich durch sie, weil sie ihm eine getreue Gattin und verständige reinliche Haußfrau ist, die von allen Menschen geachtet und geliebt wird.
anno. 1795. machte Weitsch eine Reise nach Berlin wo er seinen Bruder Anton W. antraf. bey dem Minister Freyhern von Heinitz hatte er sich eines sehr Ehrenvollen Empfang zu erfreuen so auch von den Herrn Künstlern der Accademie von denen mehrere alte Bekante aus Italien waren, als Schadow, Lütke, Graetsch.[35] Er muste gleich einige Bildniße malen, und wurde von dem Minister Heinitz dem damaligen Kronprinzen und der Kronprinzes, vorgestelt / der Kronprinz Konigl: Hoh: frugen den M. Heinitz „wir behalten doch H Weitsch bey uns in Berlin? - Ich hoffe es, daß es H Weitsch wohl bey uns gefallen wird. ich habe schon darauf gedacht - er erhilt den Auftrag, die Kronprinzes und ihre Schwester, die Prinzeß Louis auf ein Bild zu malen, lebensgroß.[36] auch daß Bildniß des Minister Heinitz, ganze Figur. auch den damaligen Minister Hardenberg, der aus Anspach in Berlin war. diese Bilder wurden zur Ausstellung fertig - werend der Ausstellung holte er seine Frau von Braunschweig ab. er blieb bis in Frühjahr in Berlin, und kehrte dan nach Braunschw zurück, weil ihm viele Kabalen, von einem zimlich mittel mäßigen Maler, ein gewißer Pro: D. gemacht wurde,[37] der ihm ohn verholen bey seiner ersten bekandtschaft, in schärzendem Thon sagte, sind sie der Mann, der seines Vaters Bildniß mit dem Pudel so schön gemalt hat? so mache ich Ihnen mein Compliment. - sie werden hier bleiben? nur einige Zeit war die Antwort. nein! mein H man läst sie nicht fort. - aber nehmen sie es mir nicht übel. - wen daß ist, so sind wir übrige, alle in Dreck, den sie malen nicht allein Portraits, sondern Historien, Landschaften, Vieh, ja alles was Sie wollen. - daher können sie es uns nicht übel nehmen, daß wir suchen müßen, sie in den Dreck zu bringen. - so sehr es einem Compliment ähnlich sahe, so hatte er doch mit seiner, und durch seine Bekandtschaft, alles zu hintertreiben gesucht, was der Minister Heinitz beym Könige, Friederich Wilhelm dem II. einzuleiten suchte. -
Weitsch hatte versprochen wieder nach Berlin zu kommen. - er Reiste zu dem Ende im Jahre 1797. im Sommer nach Berlin [Herbst 1798], weil er glaubte in Braunschweig gekränkt zu seyn, dahin ab. - er war kaum dort 14. Tage, so war der Minister Heinitz gleich bey der neuen Regierung thätig gewesen ohne daß er mit Weitsch mal gesprochen hette, daß er sich für Ihn verwenden wolle. Er ließ ihn einen Tag zu sich bescheiden und übergab ihm, daß von Sr. Majestät des Königes eigenhändig volzogene Deplom als Königl Preußischen Hoffmaler, und Rector bey der Accademi.[38] - zwar mit einem sehr geringen Jahrgehalt von 400 rt / eine freye Wohnung war ihm gleich bey seinem ersten dortsein in der neuen Münze eingeräumt. - er muste es annehmen und wurde mit dem versprechen, daß ihm jahrlich 600 rt aus den Ausstellungs Geldern für ein Gemälde so er dafür anfertigen müße, förmlich installirt. -
jetzt fand unser Weitsch einen neuen Würckungskreis, die für seine Fähigkeiten sehr anpaßend war. - die Freundschaft des seel Director Chodowietzki - Meil / Frisch, und Schadow, - waren ihm sehr wichtig, und er genoß ihre Achtung und Liebe.[39]
Er arbeitete sehr fleißig in mehreren Fächern und hatte viel zu thun, ob ihn gleich der Neid stets verfolgte den eine Gesellschaft an deren Spitze oben benamter Prof: D.... war und einige seiner Freunde, machten schon Recensionen, ehe seine Gemälde ausgestelt waren, die aber auch gleich mit dem Bilde am nehmlichen Tage gedruckt erschienen. - meist speiste er bey dem Minister Heinitz zu Tische, beym Caffe umher reichen frug derselbe, haben sie schon eine Kritique über Gemälde den Todt der Komala gelesen?[40] er bejahte es, „nun was sagen sie dazu? - was soll ich sagen? nichts anderst als wofür jeder es halten würde, für ein neidisches Bosqut [Bouquet], so bey den Haaren herbey gezogen ist, den daß Bild selbst wiederlegt es ja auf den ersten Anblick. „werden sie keine anticritique schreiben? Nein Ihr Excellenz! „doch! daß würde ich thun. - wen ich daß thäte, so müste ich ehrlich genug seyn, diejenigen schwachen Theile so ich selbst darin finde mit bemerken, von denen ist aber nicht einer gerügt. „Nun welche sind den daß? frug der H Minister. Ihr Excellenz diese erlauben sie mir, für mich zu behalten. - ich werde es mir aber mercken damit ich sie nicht wieder mache. - den der Künstler sieht immer erst seine Fehler im Bilde wen er sie nicht mehr verbeßern kann. es ist beßer, und es thut wohl lieber ein ander Bild zu mahlen, als viel zu corrigiren.
anno 1804. malte er wieder ein großes Bild den Todt der Bosminna, nach dem Ossian. er ward hiebei nicht wieder so mitgenommen weil die Neider sahen, daß er sich sehr ruhig ohne sich zu ärgern, bey der Arth wie sie ihm zu kräncken suchten, nahm. der Herzog Friederich von Braunschweig Öhls[41] frug ihn bey der Ausstellung „an dem Bilde müßen Sie ja wohl sehr lange an gearbeitet haben? - Zwey Jahre Ihro Durchlaucht, - aber wie es fertig war, habe ich nur 7. Wochen Zeit gebraucht auf die Leinwand zu bringen. - Wie ist daß aber möglich? - weil ich wußte was ich zu machen hatte, war seine Antwort. und dabey habe ich noch zwey Portraits gemacht. - Weitsch hatte sich aber an diesem Bilde überarbeitet, so daß er eine Nervenschwäche bekam. vieleicht auch Folgen von dem frühern vielen sitzen, da er früher Jagt liebte da er noch in Braunschweig war, ob er gleich die in Berlin auch hette noch fortsetzen können, so waren ihm die Gegenden, im Sande, sowohl, als auch die Fichten Wälder mit ihren Flächen, sehr zu wieder, dabey fand er kein Wild, so er so gerne beobachtete. - Weitsch reiste daß folgende Jahr 1805. nach Dresden mit seiner Frau. hir wurde er schwach an Cörper. er muste sich führen laßen - oder auch oft sich auf seinen Stock stützen wen er allein ging welchen er seinen dritten Fuß nante. - sein Geist und muntere Laune jedoch behilt er. Vier und einen halben Monath blieb er in Dresden, copirte seiner Frau zu gefallen die Heilige Cecilie nach Carlo Dolce in kurzer Zeit zur verwunderung der dortigen Künstler. - er kehrte in kranckem Zustand nach Berlin zurück, wo er zwar nicht bettlägrig aber doch wenig beßer wurde, je nachdem die Wittrung auf ihn würckte. - die schöne Wittrung im Jahre 1806. veränderte in etwas seinen Zustand, aber leider im Herbst machte die Spanung wegen der Krigesgerüchte, keine gute Würckung auf ihn. er war von der Schule an den Franzosen abholdt, wie er den Julius Cesar transponiren muste. und so blieb er es, weil er sehr consequent dachte und handelte. - Er nahm sich vor bey dem Einrücken die Regimenter, und selbst den Napoleon nie zu sehen, wen er ihm nicht auf seinem Wege begegnete. - der Winter war für ihn sehr traurig beym anfange. er entschloß sich daher, weil alle Bestellungen aufhörten, kein Mensch an Malerey dachte, sich die Zeit auf eine angenehme Arth zu verkürzen, und die vielen Lamentabile nicht muthwillig anzuhören die täglich und stündlich von seinen Freunden und Bekanten ihm gebracht wurden. Er malte am Tage Idillen. die eine stelt vor wie die Arkadischen Schäfer ein Grab eines jungen Mädgens finden an dem die Inschrift stand, auch ich war in Arkadien. - daß andere war ein Schäffer Karren, auf welchem ein junger Schäffer die Schalmey bläst und ein junges Mädgen neben ihm steht und libkooset. die Herde ist hinter der gruppe eine angenehme Gegend, in der Abendbeleuchtung. neben der Grupe ligt ein Hund der zu ein paar sich paarenden Lerchen hinauf sieht. vorne ein paar Eimer [?] mit meßingnen Reiffen. - diese beyden Bilder wurden im Winter am Tage gemalt. sein Musicalisches Tallent wurde auch mit gewalt aufgefordert ihm seine Abende von den wiederwertigen Neuigkeiten so am Theetisch seiner Frau erzählt wurden, schadloß zu halten. er componirte daß schöne Gedicht von Ramler[42] den May, Daphnis und Rosalinde für zwey Stimmen für daß Piano forte ganz durch und schrieb es auf, auch einige Arien. schrieb für die Guitarre die er mit seiner Frau spielte, ebenfals mehre Sachen. - und so vergingen ihm die Abende schneller und angenehmer, ob er sich gleich oft in Trübsinn, bey seine Geschäfte machte.-
die Music, hat meine Malery ausgebildet hette ich sie weniger geübt, ich hette die Harmonie auch in den Farben nicht verdeutlichen können. die Wißenschaft der Optik, und das Prißma liegen noch zu weit von der Pallette und den Begriffen. - man sieht bey allen Berechnungen sie wohl ein, die Theorie, aber man fühlt sie, oder empfindet sie nicht, daß aber wohl durch die Musik.- er behauptet daß ein Kenner von Musik beßer Malen, und ein Kenner der Malerei beßer Musikalisch componiren kan und muß, wen er daß richtige Gefühl da zu hat, welches aber erst muß gebildet und ausgebildet werden.
Weitsch muste 1808. nach Stettin um den Marschal Soult zu malen für den Marschal Saal in Paris, worin ein schlechtes Bild von ihm war welches Napolion fortnehmen ließ.[43]
es wurde zur höchsten Zufriedenheit vollendet. Er malte auch den General Compan vom Corps de Genis, den General Candras, General Ferion, und mehrere Obersten daselbst, einige Bilder malte er in Berlin fertig
Es wurde ihm auch aufgetragen, von Marschal Soult eine große Par forc Jagd zu malen von 16 Fuß breit und 12 fuß hoch. - die Scitze hatte er auch angefertiget - und die Bildniße von Menschen Pferden und Hunden appart gemacht. - es wurde aber aufgeschoben, weil der Marschall nach Spanien muste / auch war eine jallusie in Paris deshalb ausgebrochen, daß sich der M. S. in einer Par force Jagd wolle malen laßen, da er doch kein Souverainer Herr sey. - Napoleon soll sich desfals geäusert haben, er hette sich immer mal wollen so malen laßen - daher wurde es nachero Lau betrieben, und gar aufgeschoben weil er nach Spanien muste.
Weitsch hatte daß Glück sich dadurch etwas schadloß zu halten, den die vielen Einquartirungen und andere Krigeslasten hetten ihn vielleicht ganz Ruinirt. - den er hat über 10 000 rt sowohl von seinem Verdienst, als väterlichem Erbteil verlohren. doch freut er sich des Glücks, daß er seine schöne Gemälde Samlung, Zeichnungen von alten Meistern, u Kupferstiche erhalten hat, worinnen sehr schöne Bilder von den grösten Meistern sich befinden als Cimabue, Masatcio, Joh Bellino, Titian Leonardo da Vinci Raphael, And: del Sarto, Fra Bartholomeo de St: Marco, Mantegna, Garofolo, Rubens, C: Creyer, Potter Rubens, v. Dyck, Bergheim, Rysdehl, Pynacker, Everdingen, Carlo Dolce, N. Pussin, Dürer, Miris, G. Daw, J. Steen und mehrer andre Meister. um so reicher ist die Samlung an Handzeichnungen von großen Meistern.[44]
anno 1811. machte er eine Reise nach Holland mit seiner [Frau] um seinen Schwager D. Du Prée in Amsterdam zu besuchen. - und ging von da durch ganz Holland um nochmals die Kunstschätze zu sehen. Auch kaufte er mehrer schöne Bilder zu seiner Samlung ein.
anno 1803. wurde auf comession von der Regirung nach Westphalen ins Hildesheimische geschickt, um Kunstwercke in den Klöstern aufzusuchen, wo er aber weniges vorfand, so der Mühe wehrt war, außer zu Neuhaus bey Paterborn einige wenige Gemälde.[45] bey seinem Aufent[halt] im Bade zu Trieburg [Bad Driburg] war sein Vater in Salzdahlen erkranket den er noch recht wohl und heiter 3. Wochen vorhero besucht hatte. als er von dort abreiste bey der Nachricht und nach Salzdahlum kam fand er ihn nicht mehr am Leben.
Weitsch lebt noch gegenwärtig in rastlosem Fleiße und Liebe zur Kunst, in seinem 62.ten Lebensjahre
1/ Seine Werke sind überall zerstreut, die großern historischen Wercke, befinden sich in Berlin. bey der Ackkademi befinden sich daß Opfer des Crodo, so auf der Harzeburg verehret wurde, dem man die Erstgeburth opferte. kleines Verhältniß mit vielen Figuren.
2/ die Schule des Plato, wie der Diogenes den gerupften Han laufen läst, und ruft ecce homo Platonem. 3/4 Lebensgroße.
3/ Zu Potzdam in der Königin ihren Zimmern der Todt der Komala, wie die Barden bey Fackel Beleuchtung ihr Lob besingen, lebensgroß.
4/ Nebenbild - der Todt der Borminna ebenfals aus den Gedichten des Ossians. befindet sich noch bey dem Künstler.
5./ Darstellung der drey Stände, wie sie an dem Altar des Vaterlandes, mit Gott für König und Vaterland schwören, mit einem allegorischen Gemälde im Hintergrunde vor welchem der Altar steht.
6./ Christus, als Salvator Mundi groß Kniestück.
7./ Ein schlaffender Amor in einer Landschaft unter einem Rosenbausch, auf welchem eine Nachtgal singt. noch beym Künstler.
8./ Ein kleines Bild, die Maria, vor ihr auf ein Ruhebetgen der kleine Christus, der vom Schlaffe erwacht ist, und den Johanes durch seine Erzählung vom überirdischen als auch durch die eine Hand, an sich zieht in alt Itallienischer Manier gemalt. Befindet sich beym Prinzen Friedrich von Preußen.
9/ Eine Anbetung der Hirten, Nachtstück, wo vom Jesuskinde die Beleuchtung als Tages Licht ausgeht, von einer warmen Glorie wird der Stall demmernd erleuchtet. - in der Garnison Kirche zu Potzdam. lebensgroß mit 15. Figuren.
10/ Die Dorothen Post, eine Batterie vor Anklam in welcher der große Kuhrfürst Frid: Wilhelm mit seiner Gemahlin Dorothea sich befindet. zwischen den Schanzkörben sieht man Anklam - klein Verhaltniß, mit vielen Figuren. befindet im Königl Pallais, zu Berlin
Landschaften
1/ Eine große Landschaft von 8. ½ Fuß Breite, stelt den Chimborazzo in Süd-Amerika vor, nach der richtig vermeßenen Contur des Herrn Alexander von Humboldt, worauf derselbe mit seinem Freunde Bonblang [Bonpland] dem Botaniker aus Paris sich im Vordergrunde mit Indianern sich befindet.
2/ Nebenbild, der Peter und Pauls Haffen auf Kamschatka, Küste von Asien, die Einsicht im Haffen wo ein großer Eißberg die Landschaft schließt. - daß Schiff womit der Capitain Krusenstern die Welt umsegel ligt am eingange des Haffens. vorne in einem Both befindet sich der Cap: Krusenstern, der Botaniker Thilesius, der Astronom Horn [Horner], die von Kamschadalen, um die Bay herum gefahren werden. - im Königlich Schloße zu Berlin
3/ Eine Landschaft, Idillenstiel, bey Sonnenuntergang - stelt vorne neben hohe Beume, den in Felsen verwandelten Batus vor, der mit Hülffe des Merkur, dem König Admethus, die [Herde] stahl. - vorne hütet Appolo die Rinder auf dem Berge, die außicht über daß Meer nach der Stadt, mit Felsen auf der Seite. der Hintergrund ist gleichfals bergigt hinter der Stadt. - doch unter der Sonne begrenzt daß Meer den Horizont. dieses Bild besitzt der Kreiß-Marschal von Sivern [Peter Reinhold v. Sivers] zu Heimthal bey Riga.
4/ Eine bergigte Waldgegend mit großen Eichen wo ein Bach sich hinab schlengelt an welchem eine Mühle in der Tiefe ligt, - mit einem angenehmen Thal und Ferne. es ist mit Vieh staffirt. - 5½ Fuß breit und 4. Fuß hoch. befindet im Schloße zu Potzdam, in Königin ihren Zimmer.
5./ Eine große Landschaft sehr reich componirt, bey Sonnenuntergang, wo die Sonne in, sich generirende Gewitterwolken steht. vorn eine gebirgigte Gegend, wo sich im Thale ein Fluß durch die Gebirgsgegend windet. man siht über daß niedrige Gebürge der Meeres Linie zu. auf der Seite ist eine verfallene Burg im Mittelgrunde. gemalt 1800. befindet sich bey dem Künstler.
6. Eine Landschaft von Mitler Große von 4 Fuß lang, wo in der Mitte eine schöne Eiche aus dem Gebürge bey Paterborn bey gesundbrunen von Driburg, neben welcher ein Weg sich vorbey zieht, auf welchem eine Herde Kühe vorbey getrieben wird. hinter der Eiche zieht sich ein Wald durch, in welchem ein paar Hütten sich zeigen. dieses zeigt sich zur rechten Hand. links fliest ein breiter Fluß, so sich neben einem Landstädtgen vorbey zieht mit einem gotischen Thurm, und an der Ecke der Stadt ein Zwinger hart am Fluß, der sich nach einer großen Stadt hin zieht. Gebürge von flacher Natur schließen den Grund. im Vordergrund sitzt ein hübsches Bauer Madgen an einem Stein halb sitzend halb stehend, und hält zwey Lämmer unter den Armen. Neben ihr steht ein Jäger mit einem Schweißhunde. - einige Kühe sind ans Waßer von dem Wege abgegangen um zu trincken. am Waßer in einem Nachen den der Man abstost vom Uffer steht eine Bauerin, und hält eine weiß mit gelbgefläckte Kuh am Stricke, welche neben dem Kahn nachschwimt. ihr Kalb steht im Kahn neben einem Knaben der sitzend es hält. unter der großen Eiche sitzt ein alter Bauersman der mit seiner Tochter redet in dem er vertraulich die Hand auf ihre Schulter legt. vileicht ertheilt er ihr einen väterlichen Rath. - auf dem Fluß sieht man einen Oder Kahn, mit Heu beladen. und neben der kleinen Landstadt, zwey Kähne mit Fischer die ihr großes Netz ans Uffer ziehen wollen - die Beleuchtung ist gegen Abend. ein Gewitter ist vorübergezogen, und es zeiget sich ein Stück des Regenbogens.
Mehrere kleinere Landschaften, theils mit theils ohne Vieh hat unser Künstler verfertigt, meist in Idillenstiel. - weil dieser Stiel mehr gefälliges hat, und seinem Carackter mehr angemeßen ist.
Portraits.
von dieser Gattung Malery hatt Weitsch eine sehr große Anzahl verfertiget die hier wohl nicht benamt werden könen. schade daß er den Numerus nicht aufgezeichnet hat
In seiner Färbung, ist er der Natur sehr treu, abwechßelnd in der Farbe wie die Natur. - kraftig doch so wenig dunckel als schmutzig sondern selbst in den Schatten klahr und durchsichtig. sein Auftrag der Farben ist flach, in den Lichtern Pastos, durchsichtig im Schatten. er hat die Niederländische Arth zu malen sich bedint daher verändern sich seine Bilder nicht. er hat sich jeder Zeit für harte, und bunte Farben gehütet. in seinen Anlagen ist schon die völlige Harmonie. - daß sie das ansehen von Fertigkeit haben. -
Auf seinen Gemälden steht meistens sein Nahmen entweder so geschrieben FGW [ligiert]: f. und die Jahrs Zal oder FGW[ligiert]eitsch. f. mit dem Jahre.
Er hat viele Zeichnungen gemacht, entweder mit schwarzer Kreide auf weiß Papier, oder auf culeurtem Papier mit weiß und schwarz, meistens estompirt. - auch mit brauner Tusche und der Feder, auch auf culeurtem Papier mit brauner Tusche und der Feder oder auch mit Rothstein. auf solchen Zeichnungen steht seine Ziefer so geschrieben FGW [ligiert] f. oder FW [ligiert]. f gezeichnet.
er arbeitet sehr schnel, sowohl mit dem Pinsel als mit der Krajon oder Feder. er flegt wohl zu sagen wen ich so arbeitete, wie die meisten maler, so hette ich schon lange müßen betlen gehen. aber wen ich so anhaltend arbeiten könte als mein Schwager Du Prée in Amsterdam so were ich ein reicher Mann. - er malt, und zeichnet alles, was er sieht, den er behauptet alles ist in seiner Arth schön, und ob er die Linien so oder so zieht, ob es die Formen eines schönen Menschen oder eines Pferdes, sind, so haben beyde gleiche Schwürigkeiten und gleiche Schönheiten. - man lernt aus dem Menschen, eben so gut ein schönes Thier kennen als aus einem schönen Thire den Menschen. - er malt auch gerne Früchte und blumen, geflügel, und thiere, weil er alles schöne liebt, und es ist ihm in der Natur, alles erfreulich. - so auch alle Genre in der Kunst, jedes macht ihm Vergnügen wen es nur wahr und gut vorgetragen ist. -
[1] Autograf, 31 S., gebunden, 2°, als Leihgabe des Vereins Berliner Künstler in der Stiftung Archiv der Akademie der Künste Berlin, VBK Nr. 61, aus dem Bestand des Berlinischen Künstlervereins. Redigiert veröffentlicht in Füssli 1820, hier auch (Auto)biografien von Weitschs Bruder Johann Anton August und des Vaters Pascha Johann Friedrich Weitsch. Mit dem guten Dutzend weiterer (Auto)biografien von Mitgliedern des Berlinischen Künstlervereins entstanden auf den Vereinsbeschluß aus dem Jahr 1818, daß jedes der Mitglieder sein Porträt und seine Biographie im Verein archivieren solle, damit „einem künftigen Geschichtsschreiber der Kunst die Materialien vorgearbeitet werden“ (M. Wiese: Geschichte des Berlinischen Küstlervereins … Typoskript in der Stiftung Archiv der Akademie der Künste, Zitat aus den Protokollbüchern des Vereins). Nach Schadows Schreibkalender wurde Weitschs Vita nach dessen Tod (30.5.1828) von seinem Freund und Schüler Pascal im Protokollbuch des Künstlervereins durch eine Beschreibung der letzten Lebensjahre ergänzt (siehe Gubitz 1828) und beides am 4.6. im Verein vorgelesen. Die Lebensbeschreibung des stellvertretenden Vereinsvorsitzenden Weitsch ist um ein Vielfaches ausführlicher als diejenigen seiner Vereinsbrüder – mit der Ausnahme des Vorsitzenden J. G. Schadow, dessen autobiografische Schriften jedoch unabhängig vom Verein entstanden und nicht dort archiviert wurden. Gemeinsam mit der Lebensbeschreibung Weitschs befindet sich unter den Archivalien die Lebensbeschreibung von dessen Vater, des Braunschweiger Landschaftsmalers, der nicht Mitglied des Vereins war. Dieses Manuskript von der Hand Friedrich Georg Weitschs weicht in der Reihenfolge und in einzelnen Details von dem Manuskript eines unbekannten Schreibers im Besitz der Familie Weitsch, München, ab, das die Grundlage des Eintrags in Füsslis Künstlerlexikon bildete (außerdem veröffentlicht in: Ausst.kat. Nichts als Natur und Genie. Pascha Weitsch und die Landschaftsmalerei in der Zeit der Aufklärung. Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig, Braunschweig 1998, S. 9-24). Beiden Fassungen dürfte eine gemeinsame Quelle zugrunde liegen, vermutlich Aufzeichnungen von Pascha Weitsch selbst.
[2] Nach dem Kirchenbuch war die Konfirmation 1773, auch der nachfolgend erwähnte Studienaufenthalt in Kassel war ein Jahr früher als angegeben, wohl Frühjahr 1775 bis Spätsommer 1776
[3] Johann Heinrich Wilhelm T. (1751-1829), Maler, durch spätere Begebenheiten ‚Goethe-Tischbein’ genannt; Neffe des ‚Kassler-Tischbein’.
[4] Johann Heinrich Stobwasser (1740-1829) kam 1763 mit seiner Familie aus dem Vogtland nach Braunschweig, um hier eine Lackwarenmanufaktur aufzubauen. Nach schleppenden Anfängen nahm das Unternehmen seit den 70er Jahren einen raschen Aufschwung.
[5] Erste Porträts Weitschs sind schon aus seinen Kasseler Jahren, 1775/76, bekannt.
[6] Johann Georg Ziesenis (1716-1776), Porträtist, hannoverscher Hofmaler, auch in Braunschweig viel beschäftigt.
[7] Die genannten Gemälde sind: Cornelis de Vos: Familienbild; Rubens: Bildnis General Marchese Ambrogio Spinola; Backer: Cimon und Iphigenia – alle im Herzog Anton Ulrich-Museum erhalten.
[8] Philipp Wilhelm Öding (1697-1781), Porträtmaler und Zeichenlehrer, beeinflußt von Kupezky.
[9] Johann Daniel Preißler (1666-1737), Maler, Theoretiker, Direktor der Nürnberger Akademie.
[10] Nachweisbar sind mehrere Kopien nach Graffs Porträt des Herzogs Karl Wilhelm Ferdinand von 1777, sowie eine Kopie von dessen Pendant, dem Porträt des Prinzen Heinrich von Preußen.
[11] Lambert Wilhelm Krahe (1712-1790), Direktor der Gemäldegalerie in Düsseldorf und einer Zeichenschule, aus der 1777 die Düsseldorfer Akademie hervorging.
Joseph August Brulliot (1739-1827), Maler und Galerieinspektor.
[12] Heute als Arbeit aus der Werkstatt des Domenico Fetti angesehen; wie das im folgenden genannte Porträt (eines Unbekannten) von Tizian in der Alten Pinakothek München erhalten.
[13] Heinrich Theodor Joseph Bislinger (geb. 1742), Maler. Heinrich Schmitz (1758-1787), Stecher; beide Schüler Krahes (Schmitz außerdem Schüler von Wille in Paris) und anschließend Lehrer der Düsseldorfer Akademie.
[14] Pascha Johann Friedrich (1723-1803), Landschaftsmaler und später Galerieinspektor in Salzdahlum, und Johann Anton August Weitsch (1762-1841), Miniaturmaler und Amtsnachfolger seines Vaters. Unter den Begleitern befand sich auch der Pastellmaler Johann Heinrich Schröder aus Meiningen.
[15] Anton Ziesenis (1731/41-1801), entfernter Verwandter des oben genannten Johann Georg Z.
[16] (1760-1844), Sohn des Salzdahlumer Kastellans Jacob Sch., Bruder von Weitschs späterer Gemahlin, vielseitiger Stecher in Braunschweig.
[17] In d. Stiftung Museum Kunst Palast Düsseldorf erhalten.
[18] Sophie von Laroche (1730-1807), Sturm-und-Drang-Schriftstellerin, Salonière in Ehrenbreitstein bei Koblenz, ab 1780 in Speyer, später in Offenbach. Intime Freundin Wielands.
[19] Anton Siegmund Frh. v. B. (1738-1816), Domkapitular zu Hildesheim und Speyer, Gemäldesammler
[20] Peter Joseph Krahe (1758-1840), Ausbildung zum Maler bei seinem Vater, in Rom autodidaktisch zum Architekten gebildet. Später Leiter des Bauwesens im Herzogtum Braunschweig.
[21] Christoph Heinrich Kniep (1755-1825), Zeichner. Schüler seines Onkels J. G. Ziesenis. Später mit Goethe in Sizilien, Niederlassung in Neapel.
[22] Moritz Graf von B. (1742-1814), Domherr in Hildesheim, nach Laiisierung 1788 Übernahme der Familiengüter in Söder. Einer der bekanntesten Gemäldesammler seiner Zeit.
[23] Giuseppe Pelli, Maler, seit 1775 Direktor der Sammlungen in den Uffizien
[24] Alexander Trippel (1744-1793), schweizerischer Bildhauer, in Rom tätig.
[25] Pietro Pedroni (1744-1803), 1765 Prof. der Akad., 1781 Hofmaler.
[26] Spätestens im August 1787 war Weitsch zurück in Braunschweig.
[27] Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem (1709-1789), luth. Theologe. Ab 1742 als Hofprediger und Erzieher des Erbprinzen in Braunschweig, 1752 Abt von Riddagshausen, 1745 Gründungsrektor des Collegium Carolinum. International beachteter Aufklärungstheologe. Der Freitod seines Sohnes Karl Wilhelm (1772) bildet den Stoff des ‚Werther’. Das Porträt Weitschs aus Jerusalems Todesjahr in der Nationalgalerie Berlin erhalten.
[28] Das Porträt wurde von der Berliner Kunstakademie aus dem Nachlaß des Malers erworben, seit dem Weltkrieg verschollen; Weitschs ‚legendäres Meisterwerk’.
[29] Gerhard Conrad Casimir Freiherr von Meyendorff (1749-1813), russ. Offizier, verdienstvoll im Krieg gegen die Türken. Entstehungsumstände des verschollenen Porträts unbekannt. Nicolas Jean de Dieu Soult (1769-1851), höchstdekorierter napoleonischer Kriegsheld, Anf. 1808 Herzog von Dalmatien. Nach dem Tilsiter Frieden bei seinen Truppen in Stettin.
[30] Erbprinz Wilhelm (1772-1843) und Prinz Friedrich (1774-1799) von Nassau-Oranien, Söhne Wilhelms V., um 1790 zur militärischen Ausbildung in Braunschweig.
[31] Karl Georg August (1766-1806), Erbprinz von Braunschweig-Wolfenbüttel, Sohn Karl Wilhelm Ferdinands; 1790 vermählt mit Friederike Louise Wilhelmine (1770-1819), Tochter Wilhelms V. von Oranien und seiner Gemahlin Wilhelmine, Schwester Friedrich Wilhelms II. von Preußen.
[32] Gemeint ist wohl Michael Denis (1729-1800), Jesuit in Wien, der sich als Übersetzer Ossians und mit eigenen Bardendichtungen einen Namen machte.
[33] Friedrich Anton Freiherr von Heinitz (1725-1802), Staatsmann. Nach Ämtern in Braunschweig und Sachsen ab 1777 Minister des preußischen Bergbauwesens. Ab 1786 Kurator und Reorganisator der Kunstakademie. Wichtiger Förderer Weitschs.
[34] Christiane Elisabeth Schröder (1766- wohl 1842). Johann Christian August Schwartz (1756-1814), Malerausbildung bei Stobwasser, später Porträtist in Pastell und Miniatur, 1794 braunschweigischer Hofmaler, 1781 mit Henriette Karoline Schröder vermählt. Daniel Dupré (1752-1817), Landschaftsmaler in Amsterdam.
[35] Johann Gottfried Schadow (1764-1850), Bildhauer. 1785-87 in Rom, danach Akademierektor und Hofbildhauer in Berlin; einer der engsten Freunde Weitschs.
Peter Ludwig Lütke (1759-1831), Landschaftsmaler. 1785/87 in Rom, 1789 Prof. der Berliner Kunstakademie.
J. Graetsch (gest. 1805), 1789 Prof. und Lehrer der Gipsklasse an der Berliner Akademie. Starb unerwartet im Januar 1805. Im November des Vorjahres war in einer Ausstellungsrezension im ‚Freymüthigen’ (Nr. 224) sein Gemälde auf der Akademieausstellung als „das misgerathenste Stück, eine wahre gemalte Monstrosität“ verissen worden.
[36] Geschenk der Kunstakademie an Friedrich Wilhelm II., SPSG Berlin-Brandenburg; die nächstgenannten Porträts verschollen.
[37] Gemeint ist der Pastellporträtist Joseph Darbes (1747-1810), der im Frühjahr 1796 eine Professur für Porträtmalerei erhielt, auf die wohl auch Weitsch spekuliert hatte. Der erste Aufenthalt Weitschs dauerte wohl nicht bis zum Frühjahr 1796, sondern nur bis in den Winter; zum zweiten Mal kam Weitsch etwa im Mai 1796, zum dritten Mal im Mai 1798 nach Berlin.
[38] Die Bestallung datiert vom 20.10.1798.
[39] Daniel Chodowiecki (1726-1801), Maler und Kupferstecher. Nach dem Tod Rodes 1797 Direktor der Kunstakademie. Im Amt gefolgt von Johann Wilhelm Meil jun (1733-1805), Zeichner und Kupferstecher, auf den der Maler Johann Christoph Frisch (1738-1815) als Akademiedirektor folgte.
[40] Als der ‚Tod der Comala’ 1802 in der Akademieausstellung gezeigt wurde, war Heinitz schon gestorben. Mit der mißgünstigen Kritike ist vermutlich die Rezension der Ausstellung 1800 in Johann Gottlieb Rhodes Gazette ‚Berlin. Eine Zeitschrift für Freunde der schönen Künste, des Geschmacks und der Moden’ (2. Jg., 1800, 2. Bd., S. 69-87, 103-126) aus der Feder des Herausgebers gemeint, die allerdings kaum bereits vor der Ausstellung geschrieben sein dürfte und außerdem neben Tadel auch Anerkennung enthält.
[41] Friedrich August von Braunschweig-Wolfenbüttel-Oels (1740-1805), Sohn des Herzogs Karl, preußischer Offizier.
[42] Karl Wilhelm Ramler (1725-1798), Dichter, Lehrer und Theaterdirektor in Berlin.
[43] Über die Aufhängung und das weitere Schicksal des Porträts ist nichts bekannt.
[44] Weitschs Gemälde-, Druckgrafik- und Büchersammlung wurde nach seinem Tod versteigert (Verzeichniss der von dem Königl. Hofmaler und Rektor der Akademie der Künste, Herrn Weitsch hinterlassenen Ölgemälde, Handzeichnungen, Kupferstiche, Schnitzwerke und Bücher welche den 1. Octbr. d. Jahres u. folg. Tage hier durch den Königl. Auctions Commissarius Bratring [...] versteigert werden sollen. Berlin 1828). Seine Sammlung von Handzeichnungen war bereits zuvor gegen eine Leibrente an die Akademie gekommen, von wo aus sie 1835 in das neu gegründete Berliner Kupferstichkabinett überwiesen wurde, mit dessen übrigen Beständen sie zu unbekanntem Zeitpunkt verschmolzen wurde.
[45] Das Fürstbistum Hildesheim war säkularisiert worden und an Preußen gekommen.
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