Maler in Pastell, Miniatur, Aquarell und Öl, in Berlin, Dresden, Karlsbad, Wien, Warschau, Riga, St. Petersburg. Malereivorsteher an der KPM. Gründungsmitglied des Berlinischen Künstler-Vereins
Quellen: J. G. Meusel: Teutsches Künstlerlexicon, 2. Ausg. 1808/09; H. H. Füßli: Allgemeines Künstlerlexikon ... 2. Teil, 1820; Allgemeine Deutsche Biographie. Hrsg. v. d. Historischen Commission bei der Königl. Akademie der Wissenschaften, 1875-1912; Friedrich v. Boetticher: Malerwerke des 19. Jahrhunderts. 1901; Thieme/Becker 1907-1950; Ausst.kat. ‘... und abends in Verein’. Johann Gottfried Schadow und der Berlinische Künstler-Verein 1814-1850. Berlin Museum 1983; Arnulf Siebeneicker: Offizianten und Ouvriers. Sozialgeschichte der Königlichen Porzellan-Manufaktur und der Königlichen Gesundheitsgeschirr-Manufaktur in Berlin 1769-1880. Berlin u. a. 2001; sowie die übrige Literatur zur KPM
Werke: Stadtmuseum Berlin, Gemäldeslg. u. graph. Slg.; Kunstsammlung der Akademie der Künste Berlin; Nationalgalerie Berlin
Autobiographie, 1834,[1] kommentiert von Reimar F. Lacher
In Berlin am 24. Juli 1755 geboren, und der zweite Sohn meiner Eltern: dem Miniatur Maler Frie: Taubert[2] und Antoi: Reuter, verflossen meine Kinderjahre – da Vater und Mutter ihren Einzigen, indem mein älterer Bruder gestorben war – sorgfältig pflegten, in harmloser Zufriedenheit. Aus dieser Zeit, erinnere ich mich lebhaft, daß mein Vater oft krank war.
Ein Knabe von 6.7 Jahren, brachte man mich zu einem französischen Schulmeister, nach dessen Tod: zu einem Zweiten. Was ich bei beiden gelernt habe, das weiß ich heute noch nicht; denn in meinem nachherigen Leben in der Welt: unter Menschen, habe ich wenigstens keinen Gebrauch davon machen können. Für den Aufbau guter Grundsätze: Rechtlichkeit und Frömmigkeit, bin ich allein meinem treflichen Vater und meiner guten Mutter verschuldet. Auch hat meine Danckbarkeit – die ich später mittelbar darbringen konnte – mir beiderseits Seegen erworben. Bis zum 10.ten Jahre herangewachsen, ward ich der damaligen Realschule – jetzt Fried. Wilhelms-Gimnasio – anvertraut; auch wußte mein guter Vater freilich nicht, ob ich zu einem Schreiber oder Schneider zu gebrauchen seyn werde. Hier kam ich bald – in der Zeichenklasse – in Prima, während ich in anderen Dingen wohl in Quinta, und auf der lezten Bank mag gesessen haben. Unter meinen Mitschülern hatte ich indessen viel Anhänger; diese liebten und prügelten mich, je nachdem; denn wo es galt, einen lustigen Schwang mit zu machen, da war ich gewiß nicht der lezte. In dieser Zeit wurde denn schon auch manche Fratze von mir gezeichnet.
Mein guter Vater gewahrte indessen auch bald, daß auf diesem Wege mein anständiges Fortkommen eben auch nicht für mich zu finden seyn dürfte; was war aber zu thun? Zum Soldatenstande hatt ich – wie fast alle lebhaften Knaben – große Lust, wogegen sich aber meine Mutter gänzlich wiedersezte; wahrscheinlich fürchtend: ihre Pflanze möchte zu schnell um die Ecke kommen.
Da beschloß mein Vater, mich an einen seiner Bekannten: dem Musiek-Unterricht gebenden Herrn Trasch zu übergeben, und einen „Flöte blasenden Musikanten“ aus mich zu machen; wo ich denn auch in meinem 14.ten Jahre diesem seinem Willen mich unterziehen mußte. Sollte ich niederschreiben, auf welche Weise dieser Trasch mein Dortseyn bei sich – und dies währte leider zwey Jahre – benuzte: welche Zumuthungen ich mich zu unterziehen hatte, so dürfte die heutige Zeit an der Wahrheit zweifeln. Noten mußte ich schreiben, wie man sagt noch „nach Noten!“ Dabei erhielt ich Unterricht in Flöte, Bradsche und Klavier – mit lezteres wollte es durchaus mir nicht gelingen, weshalb ich denn auch manche ganze Note an die Ohren bekam – Mit der Flöte gings etwas besser; aber [über] Quanzens Tabello / Ti Tittirie/ tiris für die Zungenbewegung – die ich studieren und einüben sollte, gerieht ich oft in Verzweiflung.[3] Nun empfand ich aber eine Leere die mir drückend wurde, und am Ende meinen guten Vater bitten mußte, mich dieser Bürde zu entlasten.
Mein Vater hatte selbst auch wohl schon beachtet, welche unmusikalische Bescheftigung Herr Trasch mich noch aufbürdete, und da er also hier seine gute Absicht nicht erreicht sah, nahm er mich denn auch von diesem Peter [?] zurück. Freilig war guter Rath nun auch theuer, und was aus mir werden, schwierig. Mein Vater war Miniatur Maler, und gewann: größtentheils – sein Brod mit Anfertigen kleiner Portrait’s von Friedrich II.; hatte gar keine Bekanntschaft mit wirklichen Künstlern – deren Anzahl in dieser Zeit auch gering in Berlin war – und stand in durchaus keiner Verbindung, die mir hätte nüzlich werden können.
So konnte ich also: und das in meinem siebzehnten Jahre – nur unter der Aufsicht und Lehre meines Vaters, die ersten practischen Übungen in der Malerkunst betreiben. Mit copieren nach in Kupfer gestochnes, des rühmlichst bekannten Da. Chodowiecki, wurde der Anfang gemacht, und diese Dinge – bei deren Fertigung ich zugleich den Zweck eines kleinen Geldgewinns beachten mußte – in bunten Wasserfarben dargestellt. Mein guter Vater selbst, hatte nur spärliche Einnahmen. Da wollte ein günstiger Zufall, daß in dem Hause wo meine Eltern wohnten auch ein Bildhauer aus dem Sigisber’schen [Einfügung: oder schon Tassar, weiß ich nicht sicher] Attellie, Namens Gousseau,[4] Einwohner war; mit diesem spann sich bald eine nähere Bekanntschaft an, und bei ihm sah ich zum Erstenmale in meinem Leben, groß gezeichnete, in Rothstein manier gestochne, nackte Figuren und Köpfe von Piere Bouscher u. A.[5] An dergleichen Dingen fand ich nun um so mehr Geschmak in der treuen Nachahmung derselben, als p. Gousseau sich hierüber beifällig äusserte, und ich mich dadurch angefeuert fand. Hierzu kam ferner auch noch eine zweite Bekanntschaft, die ich den beiden Brüder Selvinos – beide Bildhauer – zu machen Gelegenheit fand.[6] Der Älteste von diesen – Gehülfe in Tassar’scher Werkstätte – ward ebenfalls bald mein Freund, und verschafte mir Gelegenheit, die von mir angefertigten kleinen Bilder in Wasserfarben auf Papier, einige Landschaften nach Dietrich, Hirschmann u. A.[7] – die ich bei dem Bilderhändler Sauermann copiert hatte, und wofür ich 16 gr. pro Stük erhielt – zu veräußern.
Dieser ältere Selvino – ein etwas leichtfüßiger Patron – aber auch ein guter Mensch, war intimer Freund des rühmlichst bekannten Malers Jos. Bardou;[8] an diesen ward ich – und das nun schon ins 20te Jahr meines Alters – empfohlen, und dieser brave Mann gestattete mir, in seiner Wohnung und unter seiner Leitung zu Zeichnen; was aber nur ein Jahr möglich zu machen war, da er selbst eine längerdauernde Reise zu machen hatte.[9] Bekanntlich war die Hauptbescheftigung des Herrn Bardou, die Pastel-Malerei, und Fertigung von Portraits in klein Format, und wenn ich gleich nun bei ihm in Rothstein, schwartz und weisser Kreide – nach Vorbildern von Lesuer u. A. zu zeichnen bekam,[10] so regte sich doch stark der Wunsch in mir – was denn auch verzeihlig seyn mag, da ich Geld verdienen mußte um meine Bedürfniße an Kleidern etc. zu bestreiten – auch in dieser Art Gesichter ab zu schreiben, und dadurch mir die Mittel zu einem besseren Fortkommen zu erleichtern.
Mein Aufenthalt bei Meister Bardou war aber nur ein Jahr, und in Beziehung auf wirkliche Kunst von wenig Einfluß, ich aber hatte auf Geldverdienst starke Rücksicht zu nehmen, und von da ab, malte ich so viele Gesichter in Pastel als sich nur dazu hergeben wollten. In dieser Zeit besuchte ich oft den ältern Selvino. Eines Tages fand ich bei ihm in seiner kleinen Wohnung, einen jungen Knaben, der, sitzend auf einem Fusschemel, ein – wahrscheinlich Küchenhackebret – auf einen Sitzschemel gelehnt, große Nasen und Ohren ab konterfeite. „Wer ist dieser Kleine“ frage ich. Antwort: Hm! es ist der Sohn eines Mannes dem ich Geld verwandt bin, und der seine Zahlung für die von mir schon wieder abgetragne – Kleider dadurch zu erhalten hofft, daß ich meinen Kunstgeist über diesen seinen Sohn, leuchten lassen möge.[11] (Über diesen kleinen Musje [Monsieur] werde ich im Verfolg meines Malerlebens noch Großes zu sagen haben). In dieser Zeit ohngefehr, war bei mir bereits eine Art von Selbstständigkeit eingetreten; ich malte in Pastel nach dem Leben, gab Zeichenunterricht an solche, die noch weniger wußten als ich; machte Bekantschaft in achtbaren Häusern, und fand hier Freunde und Beschützer, so wie in deren Umgang Geselligkeit und feine Sitte. Dabei befand ich mich denn ganz behaglich: ich konnte mich zierlich kleiden, besuchte die guten Geselschaften, und war dabei vorzüglich zu frieden, daß ich meine theuren Eltern um keine Sorgen mehr, wegen mein anständiges Fortkommen veranlaßte. An etwas Höheren in der Kunst dachte ich freilig auch nicht in dieser Zeit, sahe und berührte mich nicht mit Künstlern und größeren Kunstwerken, und war schon so 25 Jahr alt geworden ehe ich die Bildergallerie in Potsdam zu sehen bekam.[12] Wie soviel Anders ist es doch in der jetzigen Zeit, und welche Mittel und Ermunterungen genießt doch heut der werdende Künstler!
Wie der Unterricht auf der Akademie unter Lesuer in dieser Zeit beschaffen war, ist später sattsam erkannt worden.[13] Indessen traten einige junge Leute – worunter ich wohl der Ältere seyn mochte – zusammen und baten den Dire. Lesuer, uns einen Raum in der Akademie zu gestatten, um nach einem lebendes Model zu zeichnen. Nach Abgüssen in Gips hatte wohl Jeder von uns sich schon versucht, aber die Natur! sie konnte ohne anatomische Kenntniß nicht verstanden werden. Und so machte denn auch Jeder seinen Krüppel; auch belehrte der brave Künstler Lesuer uns eben nicht dabei.[14]
Da fiel mir ein, einen Versuch zu machen, ob ich nicht in Dresden meinen Zweck, Studiren, und dabei mit kleinen Pastelbilder malen Geld zu verdienen – auch dort erreichen könnte.[15] Mit dem Vorrath von dem, zu einer Reise und längern Aufenthalt in einem fremden Lande nöthigen Gelde – stand es eben nicht glänzend; ich überlegte daher sorgfältig, wie ich mich einigermaßen für etwanigen Mangel schützen könne. Mit diesen Gedancken bescheftiget, glaubte ich versuchen zu sollen, an König Friedrich d II.ten nach Potsdam zu schreiben, und diesen um Unterstützung zu einem – wie es mir erschien – so löblichen Zweck zu bitten. Und in dieser hoffnungsvollen Ansicht schrieb ich denn auch unter d 5ten May 1780, worin ich um Genehmigung und Unterstützung zu einer Kunstreise nach Italien bat.
Hierauf erhielt ich unter d. 8ten May schon – durch einen Expressen – die hier abschriftlich angefügte Königliche Antwort.
„Le dessin du jeune Taubert, annoncé dans sa requette du 5, paroit trop precöse au Roi. Pour se perfectionner dan la peinture, il est dune necessité absolué de savoir bien dessiner. Cest la premiere & principale Qualité dune habile peintre, san la quelle l’on nesauroit jamois se flatter de faire propres dans cette art. & cest pourquoi Sa Magesté veut aussi ancourager le jeune Taubert, de redoubler ses efforts, pour aquerir cette perfection á Berlin, avant que de penser á son voyage en Italie. Potsdam ce 8. de May. 1780. / Fred”[16]
Dies Mittel hatte ich ja nun auch noch, aber ohne glücklichen Erfolg – versucht; und begab mich daher ohne weitere Anfrage, und mit 50 Rt erspartem Gelde, am folgenden Jahre im Frühling 81 nach Dresden. Einige Empfehlungen brachten mich in Bekanntschaft mit wackren Künstlern. Graff, Zing u. a. Seydelmann kannte ich bereits früher.[17] Die Akademie unter Direction von Casanova und Schenau, wurde Abends zum Aktzeichnen besucht; die Bildergallerie, welche der gute liebe Riedel als Inspektor vor stand – wurde am Tage möglichst benuzt, und dort die Bekanntschaft mit Klengel und mehrer Künstler angeknüpft.[18] Hier copirten auch damals einige meiner früheren Bekannten; Reinhart und Darbes kamen das folgende Jahr auch noch hinzu; ich lebte hier in angenehmen Berührungen mit Leuten von höheren Ständen, wie auch mit die Capel-Meister Schuster und Seydelmann, in recht freundlichen.[19]
Geld! mußte aber auch verdient werden. Meine Kunstfertigkeit, ähnliche Portraits in Pastelfarben zu fertigen, verschaffte mir bald einigen Ruf; ich hatte manche einträgliche Beschäftigung, deren Beifall mir, unter Künstlern meines Gleichen – auch manchen Neider wekten.
Durch Ersparniße jedoch vors Erste gesichert, verließ ich Dresen im May 1783 wieder, fand eine bequeme Gelegenheit nach Carlsbad und dort Bescheftigung, welche meine Reisekosten dreifach deckten.
Unter den dortigen Kurgästen gefand sich auch Herr Graf Fri. All v Brühl, Starost von Warschau, dessen Portrait in Pastel ich auch malen mußte; einige Jahre später aber noch mein großer Beschützer geworden ist.[20] Von diesem Herrn nach Prag empfohlen, kam ich daselbst am Ende des Mo. Juli an, und ward mit vielem Portrait malen bis in die lezten Tagen Mo. October dort aufgehalten. In einigen Tagen kam ich nach Wien.
Hier gedacht ich, mich ernstlich vor zu bereiten auf meiner Reise nach Rom, und besuchte sonach Akademie und Bildergallerie fleißig, in welcher ich denn auch Mehres copiert habe. Auch fand ich bald eine kleine Zahl Freunde unter dortigen Künstlern, machte die nähere Bekanntschaft der dort lebenden achtbaren Männer wie Füger, Schmutzer, Zauner, Rosa – damals Galleriedirektor,[21] von ihm ward ich bei den berühmten Musiker Gluck eingeführt -;[22] unter denen von meinem Alter, fanden sich viele, die ich später wieder sah, als der berühmt gewordene Lampi und Grassi, wovon lezt’rer – der in Dresden seit 20 Jahr lebt – mir noch heute lieber treuer Freund geblieben ist.[23] Der Tod hat sonst alle von mir getrennt. – Noch kam ich in diesem Kunstzirkel mit Mozart und dem – durch seine Gedichte rühmlichst bekannten – Blumauer in öftere freundliche Berührung,[24] und mein Leben theilte sich stetz in fröhlichen Genüßen und Treiben der Kunst.
So war ein ganzes Jahr [ab Okt. 83] verflossen, und ich schon vorbereitet nach Triest zu fahren, als ich einen Brief von meiner Mutter erhielt, der mir das nahe Hinscheiden meines lieben Vaters und deshalb meine nothwendige Gegenwart in Berlin – anzeigte.
Zwischen zwei Pflichten nun die Wahl, folgte ich lieber der Auffodrung meiner bedrängten Mutter, reiste sogleich nach Berlin, und kam auch hier noch zeitig an, um meinen Vater noch lebend zu finden. Den Tag darauf aber verschied mein guter Vater, zufrieden, mich noch gesehen zu haben, und meine Mutter nicht ohne Stütze zu verlassen. Dadurch ward nun meine Absicht nach Rom zu reisen aber auch gänzlich vereitelt; ich mußte nun für meine eigene und die anständige Erhaltung meiner Mutter sorgen.
Die in Carlsbad gemachte Bekanntschaft des Herrn Grafen v Brühl veranlaßte mich eine Reise nach Warschau zu unternehmen; und nachdem ich ein Jahr in Berlin verweilt, und auch hier viel Bescheftigung mit Portrait malen gefunden, versah ich meine gute Mutter mit gehörigem Geldbedarf auf ein Jahr, und reiste im October 1785 nach Warschau.
Daß ich mich gleich nach meiner Ankunft daselbst – es war ein Freitag – dem Herrn Grafen vorstellte, das versteht sich von selbst; daß ich aber über alle meine Erwartungen empfangen wurde, das erfüllte mein Herz mit freudigen Hoffnungen; ich ward als ein täglicher Tischgenoß ein für allemal eingeladen. Die Bereitwilligkeit Sr. Exellenz, mir nützlich zu werden, erwies sich auch zur Stelle. Ich hatte in Dresden die bekannte Venus von Titian in kleinern Format kopiert,[25] und mit mir genommen; und da der Herr Graf beschlossen, mich Sr. Majestät dem König - Stanislaus August Poniatofski von Polen[26] - vor zu stellen, so ward Sonntag der zweite Tag nach meiner Ankunft hierzu bestimmt. Sr. Majestät empfingen mich – bei der mündlichen Empfehlung des Herrn Grafen, mit Güte und Herablassung, besahen das von mir mitgebrachte Bild – die Venus- und schenkten selbiges Ihren freundlichen Beifal in den freundlichsten Äußerungen, führten uns alsdann Höchstselbst zu Herrn Batchiarelli – dessen Werkstätte dicht neben die Königlichen Zimmer war, und der bei Sr. Maj. in hoher Achtung stand.[27]
Hatte ich nun so das Glück gehabt, meine neue Bekantschaft von dem höchsten Standpunkt aus zu machen, so war es für mich auch wohl einer Lebensklugheit angemäßen, wenn ich fortan mich nur in solchen Zirkeln bewegte, und einen reichen Gewinn – in jeglicher Beziehung – finden konnte.
Ich müßte viele Seiten Papier anfüllen, wollte ich meine Arbeiten wie meinen Verkehr in den ersten Familien in Einzeln hier verzeichnen. Und daher nur so viel. In Warschau fand ich zwei frühere Bekannte: den Preuß. Ministerresidenten v. Buchholz[28] und den – viel Berührung habenden Banquir Herrn Blanc; von beiden ward ich mit herzlichem Wohlwollen aufgenommen, von leztrem in den noch vorhandenen vier Banquir-Häusern – Töpper etc. eingeführt, wo ich denn stets wilkommen war.
Dabei war mein Kunsttreiben von nun an aber auch blos dem Geldgewin gewitmet; ich malte Portraits in Pastel, Miniatur, Silberstiftzeichnungen, in verschiedenen Größen, und fand dabei gutes Einkommen und anständige Lebensweise, dachte aber auch an die kommenden Tage, und die meiner Versorgung mir überlaßene Mutter in Berlin.
Der Polnische Reichstag von 1786 – berühmt durch seine nachherigen Folgen – trat ein, wo denn auch so Mancher von den in Warschau anwesenden Landboten sich bei mir abkonterfeien ließ, und mir dadurch eine Gelegenheit mehr sich darbot, mein Kunsttreiben einträglich zu machen. Er dauerte bis 1791. Was alles in dieser Krysis sich begeben, geht nicht meine Kunst, sondern die Geschichte an;[29] sie betheilt mein dazwischen Segen [?] nur in in sofern, als mir der Versammlungssaal mit den darin vorhandenen eine Veranlaßung ward, ein Bild des Ganzen davon auf zu zeichnen, und dabei eine der wichtigsten Scenen „die Beschwörung der neuen Constitution vom Könige“ besonders bemerkbar zu machen. Sr. Majestät, schon gewohnt, daß ich Ihm dergleichen Dinge zur Ansicht überreichte – nahmen diese Zeichnung beifällig auf. In dieser Zeit – Jahr 1792 – ward ich veranlaßt, eine Reise nach Berlin zu machen, deren Dauer eine längere Zeit bedingte. Ehe ich aber dies Unternehmen in Ausführung brachte, erhielt dieser trefliche Fürst Kunde davon: ich ward gerufen. Was sich bei diesem Zusammentreffen in meinem Innern über die herzlichen Äußerungen Sr. M. für Empfindungen gestalteten, erlauben mir meine Gefühle heute noch nicht lebendig genug zu bezeichnen; ich schweige darüber.
Sr. Majestät ertheilten mir noch den Auftrag, diese Zeichnung mit zu nehmen und selbige in Kupfer stechen zu lassen, was ich den auch zu thun versprach. Indem ich mich nun beurlauben und entfernen wollte und mich Hochdenselben näherte, ergriff dieser trefliche Mensch, im Sinn des Wort’s –! meine linke Hand, steckte mir Selbst einen reichen Brillandring mit seines Namens-Schiffer auf den Finger und sagte „lebe wohl, und komme bald wieder“. Hier möge der Vorhang fallen; denn der, welcher ein Herz voll Zahrtgefühl in seinem Busen trägt, der wird auch Worte zur Bezeichnung derselben finden.
In Berlin – im Monat August 1792 – eingetroffen, beauftragte ich Herrn Bolte auch sogleich mit der Anfertigung der Kupferplatte des Gegenstandes,[30] während ich mich damit bescheftigte, die Arbeiten zu verrichten, die mir aufgetragen wurden und in Emaillemalen bestanden, worunter auch einige Portraits sich fanden, die ich natürlich nicht zurück wies. Eine Zeichnung in Sepia „Allegorie auf S. Majestät“ ward mit einer Anzahl Abdrücke von der Bolt’schen Platte nach Warschau gefördert und beides gnädigst aufgenommen, auch bald darauf mir die goldene Medaille mit dem Bildniß des Königs überschickt.
Bei diesem meinem Aufenthalt in Berlin, lebte ich nach der gewohnten Weise bis Frühjahr 1793, in welcher Zeit ich denn auch den oben genannten Kleinen, als hochgeachteten Künstler und Freund wieder gefunden hatte, und den ich jetzt, in den großen Schadow, tausend Veranlassungen zur Verehrung seiner Talente finde, die - wie seine dauernde Freundschaft für mich – auch heute die Quelle herzlicher Gefühle sind, welche für die Dauer meines Lebens, mich begleiten sollen.
Mein Gescheft in Berlin war beendet, und nachdem ich meine gute Mutter wieder sicher versorgt hatte, trat ich meine Rückreise nach Warschau wieder an. Bei meinem Wiedereintreffen daselbst fand ich leider Alles ganz anders gestaltet.[31] Russische Regimenter unter General Igelström, halten Stadt und Land besezt. Mehrere sonst anwesende vornehme und reiche Familien aus allen Ständen fand ich nicht wieder in Warschau; und den trefflichen König Stanislaus in höchst bedrückter Lage. Eine völlig trübsinnige Stimmung herrschte, Mistrauen und Schweigsamkeit war Tagesordnung überall. Zwei Tage nach meiner Ankunft begab ich mich zum König, ward nach der Anmeldung auch sogleich vorgelassen, überreichte Sr. Majestät meine Zeichnung samt der gefertigten Kupferplatte von Herrn Bolte, welches beides der liebe, gute König entgegennahm, zugleich aber auch sagte „von solchen Dingen kann jetzt nicht mehr die Rede seyn“ und beide Sachen dann in Ihrem Arbeitstisch verschlossen. Seit diesem, für mich schmerzlichen Ergebniß, sah ich diesen Fürsten erst zwei Jahr darauf in Riga wider.
Mit dem Russischen General en chef, Graf Igelströhm, und dessen militairischer Umgebung kam ich bald durch meine Kunst in vielseitige Berührung. Den General selbst mußte ich zweimal in Miniatur malen, wobei ich viel Zeit opferte, weil, wenn derselbe zu sitzen gehindert war, ich nicht weggehen, sondern stets bei ihm zur Mittagstafel bleiben mußte. Dabei kam ich denn freilich auch mit vielen Ofiziren des Generalstabes in nähere Verbindung; malte mehrere und sahe daher auch Menschen – darunter vorzüglich den Obrist Bauer, welcher Kommandant der Stadt und ein junger galanter Mann war – in meiner Wohnung; eine Sache, welche beim Ausbruch der bald erfolgenden Revolution sehr nachtheilig für mich hätte werden können; denn ein häufiger Verkehr mit diesen, den Einwohnern bedrückenden Russen, ward nicht leicht verziehen.
Nun war ich in dieser Epoche zwar weniger als früher beschäftiget, aber doch auch bedacht gewesen, etwas für die kommenden Tage aus jener Zeit zurück zu legen. Von dem in der lezten Zeit gemachten Gewinn, blieb ein guter Vorrath von Ducaten in meinem Vewahr, denn ich sahe voraus, daß ich Warschau bald werde verlassen müssen; denn unter meinen Bekannten fanden sich viele junge und reiche Leute, welche alle Vorbereitungen trafen, um eine andere Gestaltung der Dinge zu bewirken, welche ihren aufgeregten Köpfen zusagten.
An der äußeren Gränze von Galicien bis Krakau, stand der oft rühmlichst genannte Koscinsko mit dem Rest der polnischen Armee. Er fochte gegen den Ruß. General Kutusow für die Freiheit seines Vaterlandes. General Igelström stand in Warschau und mochte in schwieriger Stellung seyn. Da brach – wie ein Blitzstrahl – für mich ganz unvermuthet, der Morgen des 17ten April und grün Donnerstag, an, wo ich durch Geschrei und Schießen auf den Gassen um 5 Uhr Morgens erweckt ans Fenster trat und hier erschauerte: wie ein Haufen bewafneter Menschen aus allen Ständen alles, was Russe war oder dafür galt – niedergeschossen oder gestochen wurde. Die nachherigen traurigen Erfolge gehören weder meiner Bezeichnung noch einem Urtheil an, und ich schweige hierüber. Der General Igelström fand sich mit seinem Generalstab des comissions Gebäudes gleichsam belagert; jedoch entzogen sich diese Herrn am Ostersonnabend ihrer weiteren Verfolgung. Das aufgeregte Volk blieb unter Bewafnung, und die Feiertage vergingen in fortdauerndem Geschrei und Trunkenheit des Pöbels, wo Niemand mehr seines Lebens sicher war; denn alle die, welche mit den Russen einigen Verkehr gehabt – er mogte so unschuldich seyn, wie möglich – waren vorzüglich Gegenstand des Raubes und Mordens der losgelassenen Rotte.
Da erschien auf einmal Kosinzko – in etwas fabelhafter Tracht – in Warschau, und Alles nahm eine andere Gestalt an. Dem ohngeachtet war für mich und meine Kunstbescheftigung in dieser Zeit wenig oder nichts zu erwarten. Indessen hatte mein Freund Grassi – welcher sein Talent auch in Warschau benuzte – Veranlassung gefunden, diesen nachher berühmten Feldherrn zu malen. – Der gute König Stanislaus war bereits nach Grodno sich zu begeben, von den Russen gezwungen worden. Von diesem Bilde machte ich mir eine Copie in bunter Kreide und verjüngtem Maaßstab, welche ich nachher in London von Fiesinger in punktierter Manier habe stechen lassen.
Eigene Verhältniße machten es jedoch nothwendig, mich noch drey ganzen Monaten in dieses Kaos zu verweilen; und wenn ich die Gräuel, welche in dieser Zeit noch geschahen, nicht weiter erwehne, so beachte ich sie als hier nicht hergehörend. Nachdem ich mein Reitpferd verkauft und meine Möbel bei Freunden zurück gelassen hatte, verließ ich Warschau am 18. Juli 1794 und zwar als Begleiter von vier vollen Wagen mit Frauen von ansehnlichen Familien und deren Kinder – in meinem eigenen Wagen, ohne Bedienten, wieder.
So hatte denn mein Aufenthalt in Polen – mit Inbegriff von dreien Monaten in Krakau, wo ich viel Bescheftigung und in der Familie Graf Ozarotski eine ehrenvolle Aufnahme und Gaßtfreundschaft fand – Neun Jahre gewehrt. Ich ging einerseits betrübt, andrerseits zufrieden, denen noch voraussehenden Gefahren entgangen zu seyn – mit leichtem Hertzen hinaus.
Als wir die Preuß. Gränze erreicht hatten, verließ ich die vollen Wagen mit Weibern und Kindern, nahm meinen Weg über Thornu nach Danzig, wo ich Ende Juli 1794 eintraf. Ich kann nicht umhin, etwas über die Fahrt bis zur von Preußischen Soldaten besezten Gränze (ohngefehr 5 Meilen) zu erwehnen, nämlich das Begegnen einzelner Bauern zu Pferde mit Senzen bewafnet, andre arme K ... [!] mit Spaten und Hacken, alle in einer resspektvollen Stellung, was manche Carikatur darbot – die jedoch, wenn sie einmal zu fragen „Woher und wohin“ den Muth gehabt hätten, die ganze Geselschaft in Schrecken gesezt haben würden. Zum Zeichnen von dergleichen lächerlichen Formen fehlte es mir aber ganz an froher Laune. Ich war froh, auf sichrem Boden zu seyn und diese Sorte nicht wieder zu sehen. In Danzig fand ich einen Warschauer Freund mit seiner Familie, meiner schon erwarttend. Sonach wehrte es auch nur einige Tage, und ich ward in den bedeutesten Handlungshäusern bekannt und Gaßtfreundlich aufgenommen.
Hier ward ich bald reichlich bescheftiget, malte viele Portraits in meiner Art, war täglich in angenehmer Geselschaft, wo ich denn die beste Unterhaltung und das, was ich in Warschau in dieser Beziehung verlohren hatte, auch wiederfand und in dankbarer Erinnerung sagen kann, daß ich in Danzig eine der fröhligsten Epochen meines Wanderlebens genossen habe. Bis Monat October 1795 wehrte mein Aufenthalt dort, in welcher zwischen Zeit ich eine Reise nach Warschau machte -wo der General Suwaroff bereits die Stadt Prage gänzlich zerstört, die Russen Warschau verlassen, und einer Preuß. Besatzung eingeräumt hatten[32] - um meine zurückgelassne Angelegenheiten zu Regulieren, was mir auch ziemlich glückte.
Bei meiner Rückehr nach Danzig, dacht ich nun ernstlich an meiner Reise nach Rußland, und nachdem ich dort noch einige Portraits in Miniatur und Creyon gefertigt hatte, ging ich Monat Sept.ber 1796 – über Wildenhoff zum Erbkämmerer Grafen v. Schwerin,[33] wo ich mehre Bilder der Familie in Pastel und Miniatur malte – nach Königsberg und Riga, wo ich denn auch die ersten Tage des M. November ankam.
In Riga, wo ich zwei Berliner Freundinnen, die Frau Weyrauch und deren Schwester Amalia Österlein – zu finden vorher wuste, fand ich eine günstigere Aufnahme als ich gehofft hatte und genoß in dem Hause meines jetzigen Schwagers, Staatsrath v Weyrauch, alle Familienfreuden und Gastfreundschaft, die zur Annehmlichkeit meines Lebens so viel beitrug.[34]
Meiner Hoffnung, hier Bescheftigung zu finden, ward über Erwartung genügt; bald ward ich vielseitig angeregt, meine Kunst zu verwenden, indem ich mehrere Portraits in Pastl, Miniatur und Creyon zu fertigen bekam, so meine Zeit nützlich und einträglich benüzte, und mich wohl dabei fand.
Der tägliche Aufenthalt in der Familie v Weyrauch ward für mich um so anziehender, der ich von Berlin aus in früherer Zeit schon - im Älterlichenhause die Frau v Wey. und deren Schwester Amali noch als Kind – umgeben hatte, und deshalb auch natürlich wenn ich eine herzliche Zuneigung zu Amalien faßte, und dieser meine Hand zu einer geselligen Wanderung durch’s Leben anbot. Wie hätte ich aber dabei auch nur ahnen können, daß diese Verbindung mein höchstes Glück auf Erden bewirken werde.
In dieser Zwischenzeit war die Kaiserin Catharina II. Monat December 1796 gestorben. Ihr Sohn Paul hatte den Russischen Thron besezt. Polen lag in Zwing-Herrschaft.
Ein Befehl des Kaisers Paul brachte den König von Polen, Stan. August, von Grodno, wo ihm sein Aufenthalt angewiesen war, nach Riga zur weiter Reise nach St. Petersburg, Januar 1797. Dieser edle Fürst mit einem großen Gefolge, das eher einer Wache als einer ehrenden Begleitung glich, hielt in Riga zwei Rasttage, wehrend welcher Zeit alle dortigen Behörden ihre Aufwartung machten. Diese Gelegenheit ließ auch ich nicht ungenuzt vorüber, ging mit mehreren Herren meiner Bekanntschaft nach dem Schloß, wo ich tief gerührt nach zwei verfloßnen Jahren S. Majestät erst wieder in die Nähe sahe. Von meinen Gefühlen bei dieser Ansichtigwerdung muß ich schweigen.
Ende April selbigen Jahres ging ich selbst nach St. Petersburg, und da ich wußte, hier meinen künftigen Schwager, den Etaatsrath v Hahn zu finden und in dessen Familie gut aufgenommen zu werden, so ging ich leichteren Herzens von Riga.
Die Stadt St. Petersburg zu beschreiben, gehört nicht hierher; also nur so viel als der erste Überblik dieser imensen Größe, für mich überraschend war, und ich zu fürchten anfing, daß sich hier wol manche Schwirigkeit meinem Kunsttreiben entgegenstellen dürfte; denn, wenn gleich mein Geldbeutel die Anzahl von 400 Ducaten in sich trug, so ward mir doch bange, wenn ich dachte, daß diese Goldvögel hier schnell davonfliegen dürften, wenn ich nicht auch petersburger Gesichter ab zu schreiben bekommen sollte.
Mein günstiges Geschick leitete mich indessen auch hier; ich ward bald reichlich beschäftget, und berührte mich mit Leuten aus den höheren Ständen zu meinem Vortheil, sahe alles sehens-, vieles bewundernswerthe, und war, wenngleich genöthget, der weiten Wege halber, fast alle Tage die Lohnkutschen zu brauchen, sehr zufrieden mit meinem dortigen Aufenthalt.
Daß ich S. Majestät dem König von Polen, Sta. August, meine Aufwartung machte, das versteht sich von selbst. Man hatte diesem guten Fürsten das Orloffsche Marmorpalais zur Wohnung angewiesen. Er war mit allem, was seinem Rang gebierte, ja selbst mit einer Ehrenwache von Kavalerie, umgeben, so daß diesem Herren nichts zu fehlen schien als – die Freiheit! – Wie mir übrigens bei diesem Wiedersehen zumuthe war, will ich verschweigen.
Unter dessen hatte man in Berlin daran gedacht, eine Anstellung auf Lebenszeit für mich zu bewirken, und mich dadurch zu veranlassen, daß ich meinen künftigen Aufenthalt hier nehmen solle. Mein – nachheriger – Schwager, der Geheimfinanzrath v Faudel – dessen edles Herz so Manchem nützlich geworden, wofür ihn Gott segnen möge, war bemüht gewesen, zu bewirken, daß der Minister v Heinitz eine Anstellung bei der Akademie für mich, mit ein jährliches Gehalt von Zweihundert fünfzig Thaler beschloß, und mir von diesem Beschluß, Monat May 1797, Kunde nach St. Petersburg überschikte. Die, in diesem Schreiben mir gemachte Hoffnung „daß ich bei der Akademie activ gemacht werden sollte“ haben Sr. Exellenz indessen nie verwirklicht.[35]
Bekennen muß ich jedoch auch, daß dies Anerbieten mich etwas unheimlich ergrif, und ich mich frug, ob es in meinem jetzigen Verhältniß zur Kunst, wo ich oft wöchentlich 250 Rt. gewann – nicht vielleicht besser seye, dis Engagement ab zu weisen. Auch glaube ich noch heute, daß, hätte sich mein Herz nicht ganz der Liebe zu meiner Erwählten hingegeben gefühlt, ich schwerlich darauf eingegangen wäre, und meine bis daher so glücklich verlebte Freiheit verkauft haben würde.
Jedoch, voll des Vertrauens auf Gott! der Liebe Seeligkeit im Herzen für meine Amalia, und in dem Besitz eines kleinen Vermögens, nahm ich den Berliner Antrag an, zugleich auch bedenkend, daß man im 42sten Lebensjahr nicht mehr zu wählen habe. Anstalten zu meiner Abreise wurden sogleich getroffen, ein hübscher Reisewagen gekauft und so der Tag meiner Rückehr, für erst nach Riga, bestimt.
Bevor ich aber meine Abreise unternahm, wollte ich mich doch auch beim König von Polen beurlauben und begab mich in dieser Absicht in dessen Wohnung, wo ich gleich angemeldet und von Sr. Maj. empfangen wurde. Nachdem ich Hochdieselben mit meinem Vorhaben bekand gemacht und eine halbe Stunde verweilt hatte, ward ich freundlich entlassen und mit einer Goldnen Dose beschenkt. Tief gerührt, verließ ich einen Fürsten, der mir so lieb geworden, und dem ich so viele Verbindlichkeit hatte.
Nun hielt mich kein Gegenstand mehr in St. Petersburg zurück. Ich fuhr d. 26ten September 1797 ab und war am 3ten Tage in Riga. Meinen Empfang und meine Freude, das wieder zu sehen, was auf der Welt mir das Liebste war, will ich nicht bezeichnen. Wer Ähnliches empfunden hat, der allein mag es versuchen.
Da alle Vorbereitungen zu meinem Ehebündniß bereits getroffen waren, so schloß ich meine Geliebte am 6ten October als Gattin in meine Arme und reiste dann die lezten Tage des Monats October von Riga, nicht ohne schmerzliche Trennung meiner Frau von ihrer liebsten Schwester v Weyrauch, ab und trafen den 6ten November 1797 gesund und froh in Berlin ein.
Wir stiegen ins Anspachsche Palais, wo mein Schwager v Faudel wohnte, [36] ab und wurden, meine Frau von drei ihrer Schwestern, mit herzlicher Liebe empfangen. In den täglichen Umgang meines Schwaagers fanden sich die berühmtesten Staatsmänner, und meine Berührung mit solchen wurde denn auch für mich nützlich und angenehm, ja gleichsam die selben, welche ich in Warschau und andren Ort erfahren hatte.
Das Jahr 1797 verging, ohne weitere Kunst-Bescheftigung für mich. Meine Bestallung als Besoldeter von der Akademie hatte ich erhalten, von Anstellung bei derselben aber war nicht die Rede. Indessen erhielt ich im folgenden Jahr Kunstbescheftigungen aller Art, genoß dabei den täglichen Umgang mit der Familie im Hause des braven v Faudel und konnte wol mit meiner Stellung zufrieden seyn. So kam denn auch das Jahr 1802 heran, in welcher Zwischenzeit mir durch ein unvorsichtiges Vertrauen ein großes Unglück über kam und mich beinah gezwungen hätte, mein Vaterland aufs Neue zu verlassen. Ich schweige jedoch darüber um so leichter, da Fleiß und sorgsame Wirthlichkeit den Verlust wieder ausgeglichen haben.
Indessen unterließ ich doch auch nicht, Sr. Exellenz v. Heinitz anzugehen, mich in Thätigkeit bei der Akademie – weshalb ich doch eigendlich nach Berlin gerufen worden – zu setzen, was jedoch unterblieb. Doch im selbigen Jahr – 1802 – ward ich aufgefordert, die Stelle eines Malerei-Directors im Fache der Figurenmalerei bei der Königl. Porcelan-Manufaktur zu übernehmen. Nach reiflichem Überlegen nahm ich diesen Vorschlag an und trat im Monat maerz s. J. – bereits in meinem 52sten Lebensjahr – meine nunmehrige mir zugetheilten Geschefte an. Mit Fleiß und Treue unterzog ich mich diesem; von Ausübungen der höheren Kunst, oder Gewinn durch derselben im Publiko, konnte nun aber auch nicht mehr die Rede seyn, da ich durch Verwaltung meines Amtes täglich und stündlich bescheftigt wurde, wobei ich an 400 Vorzeichnungen zu Pfeifenköpfen, Tassen und Vasen gefertigt und so bis 1825, wo man mich entließ – treulich ausgedauert habe. In dieser Zeit, und nachdem ich mich mehrmals über die Wirkung der Porzelanfarben, die im Emallie-Feuer sich unglaublich verändern, Kenntniß verschafft hatte, versuchte ich größre Arbeiten als man bisher auf Porzellan gesehen, zu unternehmen. Ich fertigte demnach auch zwei große runde Platten, eine von 8’’ [ca. 21 cm] mit dem Bildniß der Königin nach Schröder und eine dergleichen von 12 Zoll [ca. 31,3 cm] Durchmesser: Helena und Paris nach Bild von Hetsch“ in dieser Art und hatte die Freude, diese Dinge als Erstlinge in der Berliner Porzellan-Manufaktur anerkannt zu sehen.[37] Indessen war denn auch der Neid nicht unthätig; und wenn ich glaubte, daß der Schatten eines Rosenstok’s mir wohlthun werde, empfand ich nur die Dornen desselben.
Doch nicht’s mehr über das längst Verlebte. Die Zeit hat ja auch schon Manches zuschanden gemacht, Erfolge haben sattsam erwiesen, daß man in der Zurükgezogenheit und ohne amtliche Berührung sich Freunde und Achtung erwürbt, wenn man die Bahn der Wahrheit und Rechtlichkeit nicht verläßt.
Was ich an Kunstleistung – der Zahl nach – gefertigt habe, ist Vieles; ob auch des Werthes nach? Das mögen die unpartheiischen Richter bestimmen und würdigen, welche wissen, in was für einer Kunstepoche ich meine Studien begann. Sonst noch von meinen Kunstproduktionen übrig bleibendes, ist in einem groß 8tav Band, „Gedankenspäne betitelt“ aufbewahrt, bestehend in Zeichnungen eigener Erfindungen, von verschiedenartigen Vortragsweisen, als kleine Bilder in Oelfarben, und Versuche in lithographiren.[38]
Wenn ich mich nun so in allen Genren der Kunst – die Fresco Malerei ausgenommen – versuchte, so möge dies wenigstens Zeugnis ablegen, daß ich den besten Willen mit mir trug, um von allen Kunsthervorbringungen einige Kenntniß zu haben.
Sollte ich nun aber in diesen, mein Kunsttreiben bezeichnenden Aufsatz – welcher jedoch nur bestimmt ist, einem Verein von Künstlern, dessen Mitstifter auch ich war, zu einer persöhnlichen Karakterschilderung zu dienen –[39] zu weitschweifig gewesen seyn, nun, so verzeihe man auch dies dem / Alt gewordenen / Gu. Taubert / Berlin / d. 28ten December 1834 /
Noch will ich bemerken, daß ich die Namen aller derer, welche von mir portraitirt worden, aufgezeichnet bewahr, und deren Anzahl nahe an 600 sind.[40]
[1] Autograf, 17 Seiten, gebunden, 4°, Stiftung Archiv der Akademie der Künste, Archiv Bildende Kunst, Verein Berliner Künstler Nr. 59 (aus dem Bestand des Berlinischen Künstlervereins).
[2] Johann Friedrich T. (gest. 1784).
[3] Johann Joachim Quantz (1697-1773), Komponist, Flötenvirtuose und -bauer. Seit 1728 Lehrer des Kronprinzen Friedrich (II.) v. Preußen, 1741 dessen Hofkomponist. Sein Lehrwerk ‚Versuch einer Anweisung die Flöte traversiere zu spielen’ (1752) war bis ins 19. Jh. maßgeblich, die von Taubert genannte Übung hier als Tafel IV.
[4] Sigisbert Michel (1728-1811), Angehöriger einer Bildhauerfamilie aus Lyon, seit 1764 Leiter des Hofbildhauerateliers Friedrichs II., kehrte 1771 nach Kritik des Königs an seiner Statue Schwerins auf dem Berliner Wilhelmsplatz nach Berlin zurück. Als sein Nachfolger wurde 1775 der Flame Jean Pierre Antoine Tassaert (1727-1788) eingestellt. Claude Goussaut (1740-1799) war seit Ende der 50er Jahre Gehilfe im Hofbildhaueratelier und wurde als Marmorarbeiter noch von Schadow hochgeschätzt und beschäftigt.
[5] François Boucher (1703-1770), Modemaler des franz. Rokoko; mytholog. und galantes Genre.
[6] Von den Brüdern Selvino ist nur der im folgenden genannte Giovanni Battista (um 1744-1789), der seit 1760 im Hofbildhaueratelier beschäftigt war, biografisch faßbar. Zusammen mit seinem Bruder arbeitete er 1773/76 für die Gebr. Räntz am Denkmal Winterfelds für den Wilhelmplatz. Später wurde er, anstatt dessen Vater den Schneiderlohn zu bezahlen, Schadows erster Zeichenlehrer.
[7] Christian Wilhelm Ernst Dietrich, gen. Dietricy (1712-1774), Dresdner Maler, 1731 Hofmaler, 1748 Galerieinspektor. Malte in der Stilistik verschiedener Malerschulen, bevorzugt der italianisierenden Niederländer; einer der populärsten Maler seiner Zeit. Johann Hieronymus Hirschmann (1708-1765), Landschaftsmaler, tätig in Nürnberg und Berlin.
[8] Joseph Bardou (1745-1814), Angehöriger einer Berliner Künstlerfamilie. Tüchtiger Pastellporträtist, Überraschungserfolg als Historienmaler mit ‚Die tugendhafte Nonne’, einem der Hauptwerke der Akademieausstellung 1804 (spätere Replik in der SPSG).
[9] Bardou reiste 1775 nach Warschau und war dort am Königshof tätig; seit 1780 in Rußland.
[10] Blaise-Nicolas Le Sueur (1716-1783), franz. Maler, 1748 vom König nach Berlin berufen, seit 1756 Direktor der Kunstakademie. Seine Aktzeichnungen wurden durchweg gelobt; Schadow 1849: „Seine Vorbilder, insbesondere die weiblichen Akte, dienen bis heute in den Klassen als Vorlegeblätter.“ Gemeint ist damit einerseits Le Sueurs Zeichenbuch ‚Principes du Dessin’ (1765, die Tafel gest. v. Berger), andererseits seine Aktzeichnungen, die über Berger und aus dem Nachlaß Le Sueurs in den Besitz der Akademie kamen und in deren Lehrwerk (‚Elementar-Zeichenwerk ...’ 1806) aufgenommen wurden.
[11] Schadow bei seinen ersten Zeichenstunden, um 1776.
[12] Friedrichs II. als Mittel höfischer Repräsentation in Sanssouci ab Mitte der 1750er Jahre erbaute und eingerichtete Gemäldegalerie.
[13] Die Kunstakademie verfügte seit dem Regnum Friedrich Wilhelms I. nur noch über einen verschwindend geringen Etat. Beim Brand ihres Lokals im Jahr 1743 hatte sie außerdem einen Großteil ihrer Lehrmittel verloren. Bis zu ihrer Wiederherstellung im Jahr 1786 unter der Leitung ihres neuen Kurators Friedrich Anton v. Heinitz wurde hier nur notdürftiger Zeichenunterricht erteilt.
[14] Der Aktunterricht stand traditionell im Mittelpunkt der akademischen Lehre. Seit 1777 wurde in den Räumlichkeiten der Berliner Akademie, finanziert von den Teilnehmenden, regelmäßig Akt gezeichnet. Die Initiative wird dem gebürtigen Potsdamer Maler C. D. F. Bach, zwei Jahre jünger als Taubert, zugeschrieben, in dessen Wohnung das Aktzeichnen zuvor einige Zeit stattgefunden hatte. Neben einer Reihe angehender nahmen auch zahlreiche etablierte Künstler am Aktzeichen teil (u. a. die Maler bzw. Zeichner Le Sueur, Chodowiecki, Rode, Frisch, Meil jun.; die Bildhauer Tassaert, Bettkober, Bardou, Boy; die Schüler Bach, Schadow, Taubert, J. u. H. C. Genelli, Burnat, Bolt, Henne, Abrahamson). Schadows (1849) Ausführungen zu Le Sueur widersprechen denjenigen Tauberts, der wohl Verständigungsschwierigkeiten hatte: „Lesueur leitete die jüngeren Künstler musterhaft. ... Dem Schadow korrigierte er sorgfältig, weil dieser Französisch verstand.“
[15] Dresden, durch seine Antiken-, Gemälde- und Abgußsammlungen sowie die 1764 unter Christian Ludwig v. Hagedorn gegründete Kunstakademie eines der bedeutendsten Kunstzentren Deutschlands.
[16] Die Antwort des Königs, hier wiedergegeben in fehlerhaftem Französisch, lautet übersetzt: „Die Zeichnung des jungen Taubert, die durch sein Gesuch vom 5. angezeigt wurde, scheint dem König zu gekünstelt. Um sich in der Malerei zu vervollkommnen, ist es eine unabdingbare Notwendigkeit, gut zeichnen zu können. Das ist die erste und zentrale Qualität eines geschickten Malers, ohne welche man sich niemals schmeicheln kann, das Passende in dieser Kunst zu tun. Und deshalb will Seine Majestät auch den jungen Taubert ermutigen, seine Bemühungen zu verstärken, diese Vollkommenheit in Berlin zu erwerben, bevor er an seine Reise nach Italien denkt ...“
[17] Anton Graff (1736-1813), schweizerischer Maler, Lehrer an der Dresdner Akademie, häufig in Berlin. Der führende Porträtist Deutschlands, insbes. für das Bildnis Intellektueller.
Adrian Zingg (1734-1816), schweizerischer Landschaftszeichner und –radierer, Lehrer an der Dresdner Akademie.
Jacob Seydelmann (1750-1829), Maler und Zeichner, zu jener Zeit Mitarbeiter am Dresdner Galeriewerk.
Graff 1783, Zingg 1787, Seydelmann 1788 Mitglied der Berliner Kunstakademie.
[18] Giovanni Battista Casanova (1728/30-1795), italienischer Maler und Zeichner. In Rom Schüler und Vertrauter Mengs’, Mitarbeiter Winckelmanns. 1764 Prof. der Dresdner Akademie, seit 1776 alternierend mit Schenau deren Direktor.
Johann Eleazar Schenau, eigentl. Zeissig (1737-1806), Maler und Zeichner, in Dresden und Paris ausgebildet, erfolgreich mit Porträts und insbes. mit Genremalerei. Seit 1770 an der Dresdner Akademie, 1776 mit Casanova alternierender, ab 1795 alleiniger Direktor.
Johann Anton Riedel (1736-1816), in Dresden zum Maler und Radierer ausgebildet, 1755 Unterinspektor, 1757 Inspektor der Galerie, 1765/71 Mitherausgeber des Galeriekataloges.
Johann Christian Klengel (1751-1824), Schüler Dietrichs und der Dresdner Kunstakademie, 1777 deren Mitglied. Um 1800 einer der führenden deutschen Landschaftsmaler.
[19] Der Franke Johann Christian Reinhart (1761-1847) studierte in Leipzig Theologie, erhielt von Öser Zeichenunterricht und begann 1783 ein Kunststudium in Dresden. Zur betreffenden Zeit stand er wie der nächstgenannte Darbes mit dem kurländischen Hof in Verbindung. Später bewegte er sich im Kreis um Carstens und Koch in Rom und machte sich einen Namen mit klassisch-heroischen Landschaften.
Joseph Darbes (1747-1810), Porträtist. Ausgebildet in Kopenhagen, seit Anf. der 1770er Jahre als vielbeschäftigter Porträtist des Adels (später überwiegend in Pastell) in St. Petersburg niedergelassen. 1785 (möglicherweise wiederholt) im Gefolge der Herzogin v. Kurland in Böhmen zur Kur, auf dem Rückweg über Berlin hier hängengeblieben und festgesetzt. 1796 Prof. für Porträtmalerei an der Akademie. Darbes’ Laufbahn ähnelt in vielem derjenigen Tauberts.
Joseph Schuster (1748-1812), Komponist. Seit 1772 Kirchenkomponist in kurfürstlich-sächsischen Diensten, wirkte später auch in der höfischen und der aufkommenden bürgerlichen Musikpflege.
Franz Seydelmann (1748-1806), Komponist und Dirigent. 1772 Kirchenkomponist in Dresden, 1778 kurfürstl. Kapellmeister.
[20] Alois Friedrich Graf v. Brühl (1739-1793), Staatsmann und Komödienschreiber. 1758 polnischer Krongeneralfeldzeugmeister, 1764 Gouverneur (Starost) von Warschau, Verlust seiner Ämter 1785. Vater des späteren Generalintendanten der kgl. Schauspiele zu Berlin.
[21] Heinrich Füger (1751-1818), Porträtminiaturist und Historienmaler. Ausgebildet in Stuttgart, Leipzig, Wien und Rom. 1783 Vizedirektor der Malerklasse, ab 1795 Direktor der Wiener Kunstakademie.
Jakob Matthias Schutzer (1733-1811), Maler und Stecher. 1772 Gründungsdirektor der Wiener Kupferstecherakademie.
Franz Anton Zauner (1746-1822), frühklassizistischer Bildhauer. 1782 Professoradjunkt, 1784 Prof. an der Wiener Akademie.
Joseph (Rosa) Roos (1726-1805), Mitglied einer dt. Landschafts- und Tiermalerfamilie. Seinerzeit hochangesehen als Landschaftsmaler. 1772 Direktor der kaiserl. Gemäldegalerie.
Mit diesen vier Namen nennt Taubert die damalige künstlerische Elite Wiens seine Freunde.
[22] Christoph Willibald Ritter von Gluck (1714-1787), der seinerzeit höchstgeschätzte Opernkomponist, tätig hauptsächlich in Paris und in Wien. Zur Zeit von Tauberts Anwesenheit ein Greis.
[23] Johann Baptist Lampi d. Ä. (1751-1830), Angehöriger einer südtirolischen Malerfamilie, seit 1783 in Wien, bald gefragter Porträtist des Hofs und der Gesellschaftsspitzen. Wie Taubert Ende der 80er Jahre in Warschau tätig; anschließend in Petersburg, seit 1797 wieder in Wien.
Joseph Grassi (1757-1838), 1768 Schüler der Wiener Kunstakademie, anschließend erfolgreicher Porträtist in Öl und Miniatur. Um 1790 in Warschau, hier neben Lampi der bevorzugte Porträtist des Hofs und der Aristokratie. 1800 Professur für Porträtmalerei an der Dresdner Akademie neben Graff.
Etwa gleichen Alters wie Taubert war auch der oben genannte Füger, doch war dieser ihm im Können noch weiter voraus als Lampi und Grassi.
[24] Alois Blumauer (1755-1798), vielbeachteter Lyriker und Publizist, zur betreffenden Zeit Herausgeber des ‚Wiener Musenalmanachs’, Redakteur der aufklärerischen ‚Realzeitung’, Zensor.
[25] Die ‚Liegende Venus mit dem Lautenspieler’, später als Schulwiederholung des Originals in Madrid identifiziert.
[26] S. A. Poniatowski (1732-1798), reg. 1764-95, zur Abdankung gezwungen. Der Aufklärung verpflichtet, kunstsinnig, hierbei durch enge Verbindungen mit Dresden angeregt.
[27] Marcello Bacciarelli (1733-1809), italienischer Maler, Mitschüler Mengs’ bei Benefial. 1750 in Dresden tätig, danach in Warschau mit Porträts des Adels und Dekorationen für den Hof beschäftigt. 1764 Hofmaler und Kunstberater des Königs. Von bedeutender Schulwirkung.
[28] Heinrich Ludwig v. Buchholz (gest. 1811), Staatsbeamter. In den 1770er Jahren als Kriegsrat Geheimsekretär im Regierungsdepartement des Ministers v. d. Schulenburg, 1780 Legationsrat und preuß. Resident in Warschau, 1784 Adelsstand, 1787 außerordentlicher Gesandter in Polen, 1789 vorübergehend in Berlin im Kommerzialdepartement, 1792-94 wieder als Gesandter in Warschau, später in Südpreußen und Sachsen. Sein ganzfiguriges Pastellporträt von Taubert 1788 auf der Berliner Akademieausstellung; setzte sich für Tauberts Akademiemitgliedschaft ein.
[29] Der ‚vierjährige Reichstag’ 1788-92 hatte einen Bündnißvertrag mit Preußen und die weiter unten genannte Verfassung vom 3.5.1791 zum Resultat.
[30] Johann Friedrich Bolt (1769-1836), Zeichner und Kupferstecher. Schüler und Mitarbeiter Bergers. Altmeisterreproduktionen, vieles nach zeitgenössischen Berliner Meistern, vieles für den Buchdruck, viel Porträtgrafik. Mit Schadow befreundet.
[31] Die Verfassung von 1791 wurde im Zuge der unter russ. Einfluß gebildeten Adelsreaktion wieder aufgehoben. In der Folge kam es 1793 zur 2. polnischen Teilung zw. Russland und Preußen. Otto Heinrich Graf von Igelström (1737-1823), der sich zuvor Verdienste u. a. in den Türkenkriegen erworben hatte, war seit 1794 Statthalter von Warschau. General Tadeusz Ko?ciuszko (1746-1817) rief 1794 in Krakau den Aufstand aus, darauf kam es im April in Warschau zum Volksaufstand.
[32] Der polnische Aufstand wurde unter Marschall Alexander Suworow niedergeschlagen; im November 1794 war Praga, ein Vorort Warschaus, gefallen, die Hauptstadt hatte kapituliert, der König war zur Abdankung gezwungen worden. Im Zuge der dritten polnischen Teilung fiel Warschau an Preußen.
[33] Ludwig Gottfried Leopold Reichsgraf von Schwerin(-Wildenhoff) (1756-1810), nach preußischem Militärdienst 1782 Assessor bei der kurmärkischen Zoll- und Accisedirektion in Berlin. 1795 Übernahme der Familiengüter, Wohnsitz Wildenhoff, 40 Kilometer südlich von Königsberg. Die Linie Schwerin-Alt-Landsberg hatte seit 1654 die Erbkämmererwürde der Kurmark inne.
[34] Sophie Albertine Österlein hatte im Sept. 1786 den livländischen Gouvernementpostmeister Friedrich Wilhelm v. Weyrauch (1746-1817) geheiratet.
[35] Bereits in den ersten Jahren seines Aufenthaltes in Warschau hatte Taubert die Verbindung mit der Berliner Akademie gesucht. Er beteiligte sich an den ersten Akademieausstellungen (1786-89), hatte 1788 um die Mitgliedschaft gebeten und war zum außerordentlichen Mitglied ernannt worden. Bei seinem Aufenthalt in Berlin 1792 hatte er vergeblich um eine Pension nachgesucht. 1797 suchte Taubert von St. Petersburg aus, den preußischen König durch die Zusendung eines Bildes für sich zu interessierten; gleichzeitig bemühte er sich offenbar durch seine Verbindungen um eine Anstellung an der Akademie. Seit Ende des Jahres plante die Akademie – mit unbekanntem Resultat - die Errichtung einer Kunstschule im einige Jahre zuvor erwobenen Warschau, deren Leitung Taubert übernehen sollte. Der Staatsmann Friedrich Anton Freiherr von H. Heinitz (1725-1802) war der Kurator und faktische Direktor der Akademie.
[36] Das Ansbachsche Palais in der Wilhelmstraße, 1772-87 der Sitz der Prinzessin Amalia, anschließend bis 1791 des Markgrafen Karl Alexander von Ansbach-Bayreuth, danach für unterschiedliche Zwecke genutzt (u. a. für Ateliers des Lithografen Wilhelm Reuter, später der Maler Wilhelm Ternite und Karl Begas, zur Unterbringung der Sammlung Solly, als Domizil verschiedener Wohltätigkeitseinrichtungen). Ab 1829 von Schinkel für Prinz Albrecht umgebaut. Tauberts Schwager Tobias Faudel war in den 80er Jahren Legationsrat des Markgrafen v. Ansbach-Bayreuth und hatte wohl durch diese Funktion eine Anwartschaft auf eine Wohnung in dessen früherem Palais erworben.
[37] Die genannten Arbeiten 1804 in der Akademieausstellung.
[38] Samt einer Abschrift seiner Autobiografie wurde dieser Band vom Künstler 1838 der Akademie vermacht. Hieraus düften die beiden Blätter Tauberts in der Kunstsammlung der Akademie stammen; der Verbleib des Rests unbekannt.
[39] Der ‚Berlinische Künstlerverein’, für dessen Archiv die Autobiografie gemäß eines Vereinsbeschlusses aus dem Jahr 1818 geschrieben wurde, war 1814 auf die Anregung Louis Catels gegründet wurden. 1830 zeichnete Taubert den Verein bei einer Sitzung (Stadtmuseum Berlin).
[40] Seit seiner Anstellung an der KPM war Taubert auf den Akademieausstellungen überwiegend nur mit Pastellporträts sowie Entwürfen für Porzellanmalereien, meist in Sepia oder Aquarell, vertreten. Nach seiner Pensionierung begann er 1826, sich mit Genrebildern, auch in Öl gemalt, zu präsentieren. Bemerkenswert ist, daß Taubert in seiner Autobiografie diese Arbeiten, darunter so bedeutende Werke wie das höchst zeithaltige „Alles liest alles“ oder auch das Korporationsporträt des Berlinischen Künstlervereins, beide um 1830 entstanden, beide in der Stiftung Stadtmuseum Berlin, unerwähnt läßt. In den Arbeiten für den Künstlerverein (Stadtmuseum Berlin) läßt er ein humoristisches Talent erkennen.
zurück
diese Seite drucken
© 2007 Berliner Klassik | Top | << Seite 11 von 14 >>