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Karl Franz Jakob Heinrich Schumann (1767 – Berlin – 1827)

Porträt- und Historienmaler in Berlin. Gründungsmitglied des Berlinischen Künstler-Vereins

Quellen: Neuer Nekrolog d. Deutschen, 5.1827 (1829) (nach Haude & Spenersche Ztg. 1827, Nr. 230); Allgemeine Deutsche Biographie. Hrsg. v. d. Historischen Commission bei der Königl. Akademie der Wissenschaften, 1875-1912; Thieme/Becker 1907-1950; Ausst.kat. ‘... und abends in Verein’. Johann Gottfried Schadow und der Berlinische Künstler-Verein 1814-1850. Berlin Museum 1983 S. 217 f. 

Werke: Stadtmuseum Berlin, Gemäldeslg. u. graph. Slg.; SPSG; Kirche Paretz; Universität Göttingen

Autobiographie, wohl um 1820, ergänzt von C. F. Hampe, 1827 oder später,[1] kommentiert von Reimar F. Lacher
Copie nach dem von Schumann selbst aufgesetzten Originale

Ein Gesetz des Berliner-Künstler-Vereins, dem zufolge jedes Mitglied desselben seine Biographie u eigenes Bildniß zur Aufbewahrung liefern soll, erheischt dies auch von mir als Mitglied des Vereins.[2]

Wenn ich diesem zu genügen, die verschiedenen Epochen meines Lebens gleichsam wie in einer Zauberlaterne in der Erinnerung vor mir vorüber gehen lasse, bietet sich mir so mancher Stoff zum Nachdenken dar; Erinnerung zaubert mir so manches Bild glücklich verlebter Augenblicke hervor, und trüber Zeiten düsteres Andenken erfüllet mein Gemüth mit Wehmuth und zugleich mit Dank gegen die Vorsehung, welche sie vorüber gehen ließ und mir Kräfte verlieh, ihnen nicht zu unterliegen. Wenn auch manches von dem, was sich mir bei dieser Gelegenheit wieder vergegenwärtigt, für mich von mannigfachem Interesse sein kann, so ist es doch meist nicht von der Art, daß es der Aufbewahrung kommender Zeit eigentlich angehören könnte und um so weniger hier einen Platz finden kann, da es doch hier meist nur das Leben des Künstlers, in so weit es Bezug auf die Kunst, der er sich bestimmt, gelten kann.

Ich entsinne mich, irgendwo ein allweises Gedicht gelesen zu haben, worinn es im Wesentlichen hieß: auf dem Erdboden befänden sich Gegenstände umher gestreut, symbolisch das Treiben des Menschen im Leben deutend, das neugeborene Kind würde gleichsam auf einen durch Zufall bestimmten Ort darauf geworfen, griffe nach den ihm zunächst liegenden dieser Gegenstände und somit nach seiner dereinstigen Bestimmung. Wenn dem so sein sollte, hatte mir, dem neugeborenen Kinde, wohl ein Pinsel zunächst gelegen, nach dem ich gegriffen und hierdurch mein Loos, die Malerei, im Leben zu treiben bestimmt. Sei es nun, daß in der Fackel des Genius der Kunst, als er diese über mich schwang, soeben der Funken sich nicht viel vorräthig befanden, um über mich ausgestreut werden zu können, war der von mir ergriffene Pinsel gerade nicht in altdeutscher Farbe getaucht gewesen, oder war es, daß ich auf der Bahn des Lebens nicht den Rockzipfel eines bebänderten soi disant Kunstkenners u Gönners erhaschen konnte oder wollte, um durch Protektion das wenige Talent, was mir etwa zutheil geworden, geltend zu machen, genug die Göttin des Ruhms fand es nicht für gut, meinetwegen ihre Lungen in Bewegung zu setzen, und die Muse der Malerei blieb mir stets die sprödeste Geliebte u hat mir außer dem Streben ihre Gunst nicht geschenket.

Im Jahre 1767 den 8ten August ward ich, Carl Franz Jacob Heinrich Schumann, in Berlin geboren. Mein Vater, ein Rechtsgelehrter, im ganzen Sinne des Worts ein rechtlicher Mann, wohl wissend, was die ersten Eindrücke vermögen, übernahm es nach den von mir verlebten ersten Kinderjahren dem noch weichen kindlichen Gemüthe diejenige Richtung zu geben, welche seiner Ansicht nach in der Zukunft die Freuden des Lebens erhöhen u in den Stürmen desselben mir Standhaftigkeit geben sollten, zu tragen, was vieleicht ein widerwärtiges Geschick mir noch zubereiten dürfte.[3]

Mein Vater hatte die schönen Wissenschaften auf der Universität Leipzig, seinem Geburtsorte, fleißig getrieben und war ein Freund der Künste; Musik und Dichtkunst übte er selbst praktisch, er hatte eine sehr lebhafte Phantasie u träumte sich das Leben des Künstlers als in einer idealen Welt lebend als das glücklichste Loos, welches dem Menschen hienieden beschieden sein dürfte u der Wunsch, daß auch mir das Loos werden möchte, bestimmte ihn zuerst dahin zu arbeiten, daß mein Gemüth für das Schöne empfänglich werde. Von Natur war ich zur Schwärmerei geneigt, war empfänglich für alles, was auf mein Gefühl zu wirken vermogte, daher ward es ihm nicht schwer, meine Aufmerksamkeit auch für die Dichterwerke zu gewinnen, welche meinem Alter verständlich waren. Ein Schüler Gellerts, gab mir mein Vater zuerst die Werke dieses gemüthvollen Dichters in die Hände, und zwar seine Fabeln.[4] Die erste Thräne des Mitleids floß dem Philax, so wie die ersten Gefühle der Erbitterung gegen die Undankbarkeit des Europäers in Inkle u Yariko in dem kindlichen Busen sich erhoben. Doch beschränkte sich mein Vater nicht darauf, mein Gefühl für das Schöne zu wecken, auch für alles, was recht ist, bemühte er sich, mir solche Liebe einzuflößen, welche mich nie verlassen sollte u auch nie verließ. Die gewissenhafteste Erfüllung aller meiner Pflichten in allen Verhältnissen meines Lebens sind die Früchte seiner Lehren, welche er auf Moral und Religion gründete. Bis in meinem zehnten Jahr stand mir mein väterlicher Freund als Erzieher allein zur Seite, bei Vermehrung seiner Familie vermehrten sich auch die Bedürfnisse desselben, und bald mangelte es ihm an Zeit, sich meiner Erziehung so anzunehmen als er wünschte und anfänglich sich vorgenommen hatte. Ich ward nun zur Schule geschickt, war ziemlich fleißig, und nichts konnte mich mehr beglücken, als wenn mein Vater manchmal noch eine Stunde Zeit fand, sich mit mir zu beschäftigen. Ein Künstler sollte ich werden, diesen Wunsch hatte mein Vater noch nicht aufgegeben, u nichts schien ihm von Seiten der Richtung, welche er meinem Geiste gegeben zu haben vermeinte, der Erfüllung desselben entgegenzustehen. Doch welcher Kunst ich mich einst zu widmen geneigt sein würde, dies hatte ich noch nicht dargethan, bis ich endlich, um Rechnen zu lernen, eine Tafel erhielt. Das Rechnen hat mir von je an Langeweile gemacht, dies mag vieleicht der Grund sein, warum ich mich bemühte, auf der Tafel, statt zu rechnen, allerley Gegenstände nachzubilden, wovon die mehresten wohl zu erkennen sein mogten. Mein Vater fand sogleich heraus, daß ich mich für die Malerei entschieden hätte, welches um so erwünschter schien, da sich durch die Bekanntschaft meiner Eltern mit Lesueur, damaligem Direktor der Akademie, am ersten Gelegenheit finden würde, mich in dieser Kunst zu vervollmommnen.[5] Da ich aber noch nicht das Alter erreicht hatte, um aufgenommen werden zu können, so ward, um mich dazu vorzubereiten, einstweilen der Bildhauer Selvino als Zeichenlehrer bestimmt.[6]

Durch einen Zufall schien es meinem Vater doch zweifelhaft, ob ich mich wirklich zur Malerei hinneigten. Meine Familie bezog nähmlich eine andere Wohnung im nähmlichen Hause; auf demselben Flure wohnte auch der berühmte Musiker Kirnberger;[7] mit Entzücken hörte ich auf sein Spiel, welches, wie ich mich noch jetzt besinne, meist in Anschlagen der Accorde u Übergänge in die verschiedenen Tonarten, auch Spiel von Figuren bestand. Ich konnte dies nur durch die zugemachte Thür hören, an welcher ich denn, wenn ich nur irgend Gelegenheit fand, seinem Spiele zuhorchte, denn mich ihm selbst zu nähern, wagte ich nicht, denn der Mann sah gar zu ernst aus. Doch bald fand ich auch hierzu durch Vermittelung einer Verwandten und Schülerin von ihm, einer Demoiselle Freundten, Gelegenheit. Diese sah viel freundlicher als ihr Lehrer aus, sie hatte mein Horchen auf Kirnberger’s Spiel zu öftern bemerkt u mich hierdurch lieb gewonnen. Sie nahm mich mit in ihr Zimmer, und nun konnte ich mich in die offene Thür stellen und zuhören, wenn er spielte. Er bemerkte mich nicht, denn er war dazu viel zu vertieft in den Harmonien, welche er schaffend hervorrief. In mir erwachte diesmal ein sonderbar Gefühl, ich sah nun auch den Mann, der mir sonst so ernst schien. Sein Gesicht schien mir verklärt, ich fühlte Zuneigung, Vertrauen, zu ihm. Ich hätte es wagen können, ihm mein Wohlbehagen zu verkünden, wenn ich nicht befürchten mußte, ihn zu stören u so mir seinem Unwillen auszusetzen. Doch als sein Spiel verstummte, näherte ich mich ihm u noch ehe er es bemerkte, küßte ich seine Hand, ohne ein Wort hervorzubringen. Er selbst, hierdurch überrascht, sahe mit forschenden Blicken auf den Knaben, der es nicht wagte, die Augen aufzuschlagen und von dem ihm strenge scheinenden Mann Verweise über sein Benehmen erwartete. Doch zum Glück trat meine Gönnerin, welche diesen Auftrit nicht ohne Wohlgefallen mit angesehen hatte, herein. Wer ist der Knabe? fragte Kirnberger. Sie sagte es ihm und schilderte ihm mein Wohlgefallen und meine Freude an seinem Spiele. - Er muß doch ein gutes Ohr für Musik haben, sagte er, versuchen Sie es doch mit ihm, und geben Sie ihm vorläufig einige Unterweisung u so verließ er mich mit einem freundlichen Händedruck u gab mir die Erlaubniß, öfter zu ihm kommen zu dürfen. Ich benutzte diese Gelegenheit u [nahm], um ihn nicht zu stören, meinen gewöhnlichen Platz an dem Flügel, wenn er spielte. Auch meinem Vater war es nicht entgangen, wie ich jetzt an’s Zeichnen nicht mehr dachte u meine ganze Neigung der Musik zugewandt hatte. Es war ihm auch recht, wenn ich mich der Musik widmete. Er suchte daher Bekandtschaft mit Kirnberger anzuküpfen, u so war es nun bestimmt, daß ich mich in seiner Schule als Musiker ausbilden sollte. Doch Kirnberger starb nach kurzer Zeit darauf[8], u ich hörte nun beinahe jar [gar] keine Musik mehr, da auch die Freundten das Haus verließ, welches wir bewohnten. Ich genoß noch einigen Unterricht von ihr in der Musik, doch bald hörte dieser auch gänzlich auf, da sie, soviel ich mich erinnere, Berlin verließ. Genug, ich kehrte nun zum Zeichnen zurück und ward im Monat Juli 1787 als Schüler in die Akademie aufgenommen.[9]

Sein Vater gab ihn später zu dem damaligen Hofmaler Frisch in die Lehre, wo er mit Niedlich zugleich Schüler dieses verdienstvollen Künstlers war. Als Schüler der Akademie erwarb er sich durch einen 1788 gemachten Versuch in der Composition die silberne Medaillie und zeichnete sich durch eine 1794 ausgestellte Abnahme vom Kreuze so aus, daß der damalige Curator der Akademie, der Staatsminister Freyherr von Heinitz, ihn 1795 nach Italien schickte. Das Bild verblieb der Akademie der Künste, wo es noch aufbewahrt ist.[10]

Er traf in Italien mit seinem Freunde und Mitschüler Niedlich, der schon 1794 dahin gereißt war, zusammen, wo sie wieder ihre Studien gemeinschaftlich fortsetzten, und kehrte nach einem Zeitraum von drei Jahren über Florenz nach Berlin zurück.[11]

Durch ein großes Bild, die Auffindung des Julius Sabinus vorstellend, welches er 1800 ausstellte, erwarb er sich auf Verwendung des Minister v. Heinitz die Mitgliedschaft des Senats und nachdem der Rektor Heinrich Meil emeritirt worden war, erhielt er dessen Professur im Fache der Anatomie, wozu er die Tafeln in Lebensgröße zeichnete.[12] Als sich 1814 der Berliner-Künstlerverein gestaltete, war er einer der ersten, die an der Stiftung desselben Antheil hatten.[13] Im Jahre 1815, nach dem Ableben des Direktor Frisch, wurde ihm der Unterricht im Malen auf der Königlichen Bildergallerie in Berlin übertragen, und 1816 erhielt er das Amt des Sekretairs bei der Akademie.

Zu einem von ihm 1800 ausgestellten Bilde, Friedrich von Hohenzollern u die schöne Else, welches sich in den Zimmern der Königin befindet, stellte er 1802 ein Gegenstück aus, wozu er den Stoff ebenfalls aus der brandenburgischen Geschichte genommen, wie Friedrich der vierte von Hohenzollern dem Kaiser Ludwig von Baiern den gefangenen Gegenkaiser Friedrich von Österreich überliefert.[14] Ein 1816 ausgestelltes Bild: Christus wird zu Grabe getragen, kaufte der König u schenkte es der Kirche zu Paretz.[15] Zu einem Cyklus von sechs Bildern, welche der König für die Garnisonkirche zu Potsdam von Mitgliedern der Akademie fertigen ließ, malte er 1817 die Auferstehung Christi, dargestellt durch den heiligen Thomas, welcher Christus an den Wundmalen erkennt.[16] Im Jahre 1818 malte er für den Baron von Frauendorf die Schlacht bei Culm.[17] Sein letztes, 1826 ausgestelltes Bild, der Übergang der, den Feind verfolgenden preussischen Armee bei Caub über den Rhein, kaufte der König.[18] Er befand sich im Monat Juni 1827 so unwohl u schwach, daß er um einstweilige Dispensation seiner Ämter bat. Dem Professor Kretschmar wurde deshalb der Unterricht im Malen auf der Königlichen Bildergallerie übertragen, und der Professor Tieck übernahm die Sekretariats Geschäfte bei der Akademie.[19] Allein das zu schnelle Dahinschwinden seiner Kräfte erlaubte ihm nicht, seine Ämter wieder zu übernehmen. Er starb den 27. September 1827. Sein Leben war das eines guten Gatten, Vaters, Lehrers und Freundes. Er hat 18 Jahr in zufriedener Ehe gelebt u hinterließ eine gebeugte Wittwe, eine erwachsene Tochter u einen noch unmündigen Sohn Albert, der sich der Kupferstecherei widmen will.[20]

CFr.Hampe


[1] Handschrift von K. F. Hampe, Kopie von Autobiografie Schumanns mit Ergänzung Hampes, 4 Seiten, 2°, als Leihgabe des Vereins Berliner Künstler in der Stiftung Archiv der Akademie der Künste Berlin, VBK Nr. 56, aus dem Bestand des Berlinischen Künstlervereins.

[2] Beschluß des 1814 auf die Initiative von L. Catel gegründeten ‚Berlinischen Künstlervereins’, dessen Gründungsmitglied Schumann war, aus dem Jahr 1818. Ein Bildnis Schumanns von unbekannter Hand (vermutlich ein Selbstporträt) aus dem Besitz des Vereins im Stadtmuseum Berlin, graf. Slg.

[3] Der Vater Karl Schumann (1735- um 1798), nach dem Studium Justizrat in Schlesien, spätestens seit den 60er Jahren Justizkommissarius und Notar am Kammergericht in Berlin. Hatte in jungen Jahren die Lyrikbände ‚Stunden der Einsamkeit’ (Leipzig u. Aurich 1760) und ‚Gedichte’ (Leipzig 1761) veröffentlicht.

[4] Christian Fürchtegott Gellert (1715-1769), meistgelesener Dichter seiner Zeit, seit 1751 Prof. für Poesie, Rhetorik und Moral in Leipzig. Die ‚Fabeln und Erzählungen’ erschienen 1746 und 1748, hierin die im folgenden genannten Stücke ‚Inkle und Yariko’ sowie ‚Der Hund, eine Fabel’, über den Hund Phylax.

[5] Blaise-Nicolas Le Sueur (1716-1783), franz. Maler, 1748 vom König nach Berlin berufen, seit 1756 Direktor der Kunstakademie.

[6] Das Mindestalter für Schüler der Akademie dürfte bei 14 Jahren gelegen haben. Schumann wird also etwa zwischen 1777 und 1781 einige Zeit Schüler des Bildhauers Giovanni Battista Selvino (um 1744-1789), der seit 1760 im Hofbildhaueratelier beschäftigt war, gewesen sein. Um 1776/77 erhielt auch Schadow seinen ersten Zeichenunterricht bei Selvino.

[7] Johann Philipp Kirnberger (1721-1783), Komponist und Musiktheoretiker. Bach-Schüler, seit Anf. der 50er Jahre in Berlin, Hofmusiker der Prinzessin Amalia. Die Familie Schumann ist um 1780 in das Keilsche Haus in der Brüderstraße gezogen.

[8] Ende Juli 1783.

[9] Bis hierher reicht Schumanns Autobiografie. Fortgesetzt von Hampe, der sein Studium an der Kunstakademie 1788 begonnen hatte und später wie Schumann zu den Gründungsmitgliedern des Künstlervereins gehörte.

[10] Johann Christoph Frisch (1738-1815) Porträt- und Historienmaler. Schüler Rodes, 1786 einer der Rektoren der Akademie, 1801 Vizedirektor, 1805 Direktor.
Johann Gottfried Niedlich (1766-1837), Historienmaler. 1786 Schüler der Berliner Kunstakademie, 1788 bis 1789 vorübergehend Hilfslehrer in der Zeichenklasse Eckerts. Schumann und Niedlich, deren Lebenslauf von Anfang an über weite Strecken parallel verlief, wurden während ihres Studiums mehrfach für ihre Leistung ausgezeichnet, zählten um 1790 zu den hoffnungsvollsten Eleven, fielen aber ebenso durch Unbescheidenheit auf: Ende 1791 waren sie für Unordnung im Aktsaal verantwortlich gemacht worden. Der Akademiekurator selbst versuchte darauf, ihnen „ihr Unrecht fühlend zu machen“, doch hätten „selbst glimpfliche Vorstellungen und Zurechtweisungen nichts bey ihnen gefruchtet“. Vielmehr hätten sie, was wie eine Vorwegnahme der späteren Kontroverse zwischen Carstens und der Akademie klingt, „die trotzige Antwort gegeben, daß sie keine Eleven, sondern freye Leute wären“ (Protokoll der Senatssitzung vom 7.1.1792).
Friedrich Anton Freiherr von Heinitz (1725-1802), Staatsmann. Nach Ämtern in Braunschweig und Sachsen seit 1777 Minister des preußischen Bergbauwesens. Seit 1786 Kurator und Reorganisator der Kunstakademie mit absoluter Entscheidungsbefugnis in allen ihren Belangen. Die erwähnte Kreuzabnahme im Krieg verloren gegangen.

[11] Nach anderen Quellen war N., sofern es sich nicht um einen Namensvetter handelt, noch Anfang 1795 in Berlin und bat um Unterstützung für eine Reise nach Italien, worauf ihm von der Akademie geraten wurde, damit noch zu warten. Im November 1795 erhielt die Akademie von ihrem Korrespondenten in Rom, Rehberg, die Nachricht von der Ankunft Schumanns und Niedlichs. 1801 wurde Niedlich Mitglied und Prof. der Kunstakademie; er unterrichtete die Gipsklasse.

[12] Johann Heinrich Meil (Meil sen., 1729-1820), Zeichner, Medailleur. 1786 einer der Rektoren der Berliner Akademie, gleichzeitig Lehrer der Gipsklasse, die er bereits 1789 an Graetsch abgab, und für anatomisches Zeichnen. Schumann erhielt 1801 die Mitgliedschaft der Akademie; die Ernennung zum Prof. und damit zum Senatsmitglied erfolgte 1802.

[13] Schumann gehörte zu den Unterzeichnern eines Inserates, womit zur Gründungsversammlung des ‚Berlinischen Künstlervereins’ am 22.11.1814 im ‚Englischen Haus’ eingeladen wurde (Haude & Spenersche Ztg. 17.11.).

[14] Die beiden Gemälden waren in der ‚Gallerie vaterländisch-historischer Darstellungen’ zu sehen, einer auf die Anregung des Königs hin eingerichteten Abteilung innerhalb der Akademieausstellungen von 1800 und 1802. Das letztgenannte in der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten erhalten.

[15] Am Ort erhalten.

[16] Die Garnisonkirche in Potsdam war mit den Särgen Friedrich Wilhelms I. und Friedrichs II. sowie Kriegstrophäen an den Wänden eine nationale Weihestätte. Friedrich Wilhelm III. ließ sie 1817 mit einem Zyklus großformatiger Darstellungen aus dem Leben Jesu ausstatten. Die Maler der fünf übrigen Gemälde waren Hummel, Niedlich, Dähling, Kolbe und Weitsch. Die Arbeiten Weitschs und Niedlichs wurden später duch Gemälde gleicher Thematik von Wilhelm Schadow und Karl Begas ersetzt.

[17] Charles de la Rivallière-Preignac Freiherr von Frauendorf, im Gefolge der französischen Truppen 1806 nach Schlesien gekommen, kaufte 1812 im Rahmen einer Kampagne zum Landkauf als Beistand reicher Franzosen zur Tilgung preußischer Kontributionsschulden die Domäne Frauendorf bei Frankfurt a. d. Oder. Erreichte 1815 die Erhebung in den preußischen Freiherrenstand unter Beilegung des Namens seiner Domäne. Betrieb in der Folge dubiose Hypoteken- und andere Finanzgeschäfte. Nach den Kriegen Aufbau einer Galerie von preußisch-patriotischer Kunst, Feldherrenbüsten und Schlachtengemälde von namhaften Berliner Meistern. Nach Scheitern des Versuchs, die Sammlung im Universitätsgebäude in Frankfurt unterzubringen, Verpfändung einzelner Stücke an Schuldner und schließlich Versteigerung der Sammlung 1824 in Frankfurt oder Berlin. Erhob nach Bankrott 1825 öffentlich Angriffe auf die preußische Justiz und Verwaltung, die in allen Einzelheiten widerlegt, von einigen Stimmen jedoch als insgesamt zutreffend bezeichnet wurden.

[18] In der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten erhalten.

[19] Johann Karl Heinrich Kretschmar (1769-1847), Porträt- und Historienmaler. Ausbildung bei P. J. F. Weitsch bzw. in der Stobwasserschen Lackkunstmanufaktur in Braunschweig, seit Ende der 1780er Jahre an der Berliner Akademie. Um 1800 Erfolge als Historienmaler. 1806 Mitglied, 1817 Prof. der Kunstakademie.
Christian Friedrich Tieck (1776-1851), Bildhauer. Schüler S. Bettkobers und Schadows, später Mitarbeiter Schinkels und Rauchs. 1819 Mitglied, 1827 Sekretär, 1839 Vizedirektor der Akademie, 1830 Direktor der Skulpturen am Berliner Museum.

[20] Albert Schumann zeigte 1836-42 als Schüler Buchhorns in den Akademieausstellungen druckgrafische Arbeiten. Möglicherweise identisch mit dem Maler eines Stillebens auf der Ausstellung 1844.


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