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Jean Barthélemy Pascal (1774 – Berlin - 1853)
Seidenfabrikant und Maler in Berlin. 1815 tätiges Mitglied des Berlinischen Künstlervereins, dessen langjähriger Schriftführer. Landschaften mit Volkstum aus der Umgebung Berlins. Nicht zu verwechseln mit dem Kunsthändler Pascal vom Ende des 18. Jh.

Quellen: Thieme/Becker 1907-1950; Ausst.kat. ‚... und abends in Verein’. Johann Gottfried Schadow und der Berlinische Künstler-Verein 1814-1840. Berlin Museum 1983

Schriften: Claude Gelée, genannt Claude Lorrain; eine Schilderung. In: Berliner Kunst-Blatt, 1828, 7. Heft, S. 201-206 (hervorgegangen aus einem Vortrag im Künstlerverein)

Werke: Stadtmuseum Berlin, Gemäldeslg., graph. Slg.; Stiftung Preußische Schlösser und Gärten; Stiftung Weimarer Klassik

Autobiographie, um 1820,[1] kommentiert von Reimar F. Lacher

Ich bin am 6. Februar 1774 hier in Berlin gebohren. Mein Vater, dessen einziger Sohn ich bin, war ein Handschumacher, sein Vater war es ebenfals gewesen, u so wünschte er, daß auch ich es werden mögte; allein ich fühlte nicht die geringste Neigung zu diesem Stande. Von Kindesgebein an zeigte sich dagegen in mir ein Sehnen nach dem Leben auf dem Lande u. eine große Liebe zum Landschaftzeichnen. Die erste Nahrung erhielt diese Neigung während einer Reise, die meine Mutter nach Leipzig machte u. die mitzumachen mir versprochen worden war. Hindernisse aber vereitelten dies, u. um mich zu trösten, schenkte mir mein Vater während der Abwesenheit meiner Mutter täglich einen Groschen. Diesen hatte ich nicht sobald erhalten, als ich damit zum Bildermann, der seinen Kram unterm Thorwege des Stallgebäudes in der breiten Straße feil bot, wanderte u einen Bogen Landschaften kaufte, an dem ich mich nicht satt sehen konnte. Den ersten Schulunterricht erhielt ich in der Schule des H. Dubois, eines abgedankten Husaren, zu dem aber die Kinder der besten Bürger aus dem Viertel vertrauensvoll geschickt wurden.[2] Zeichnen wurde dort nicht gelehrt. Im 10ten Jahre kam ich in’s Französische Gymnasium u. bald darauf auch auf die Königl. Zeichen academie.[3] So groß nun meine Liebe zum Zeichnen auch war: so entsprach der Unterricht, den ich dort erhielt, meinen Neigungen dennoch nicht. Ich wollte Landschaften u. was dazu gehört zeichnen, statt dessen aber mußte ich Gesichtstheile nachbilden, wobey ich die schrecklichste Langeweile empfand. Wie nützlich dies dem angehenden Zeichner ist, sah ich nicht ein. Es dachte aber auch niemand daran, es mir begreiflich zu machen. Nach einigen Jahren kam ich endlich in die Landschaftsklasse,[4] und nun arbeitete ich mit vieler Liebe; aber dies genügte mir noch nicht. Ich bat meine Eltern, mich zu Herrn Barbiez zu schicken,[5] wo die Landschaftszeichnung weit mehr nach meinem Sinn getrieben wurde, indem man dort tuschte und wohl gar auch mit Deckfarben mahlte. Meine Eltern gewährten mir meine Bitte, obgleich die vermehrten Ausgaben ihnen, bey einer beschränkten Lage, nicht gleichgültig seyn konnte. Als nun die Zeit herannahte, daß ich einen Stand wählen sollte, wollte ich ein Landschaftsmahler werden. Dieser Gedanke aber paßte nicht in die Ansichten meiner Eltern, denn von Kunst war in deren Hause nie die Rede; sie betrachteten die Kunst nur als einen angenehmen Zeitvertreib, u. wenn sie vollends einen Blick auf die beschränkte Lage vieler Künstler warfen: so durfte vom Landschaftsmahler nicht mehr die Rede seyn. Das französische Sprichwort „gueux comme un peintre“ wurde mir fleißig vorgehalten, u. einer meiner Lehrer, Magister Schultz, der einen großen Einfluß auf meine Bildung gehabt hat, erklärte mir rund heraus, daß ich den Gedanken, ein Künstler zu werden, je eher desto lieber fahren lassen solle, indem es mir an dem dazu erforderlichen Talent durchaus fehle u. ich mich troz aller Anstrengungen nie über die Mittelmäßigkeit erheben würde. Diese Erklärung kränkte mich so tief, daß ich nun nicht mehr an’s Zeichnen dachte, sondern zu meiner Erhohlung den Bleystift mit dem Klavier vertauschte, und als ich das 16te Jahr erreicht hatte, ließ ich mich durch den Willen meiner Eltern bestimmen u. erlernte die Handlung. Ich kam in die Lehre zu meinem Vetter, dem Kaufmann und Seidenwaarenfabrikanten Blanc,[6] u. obwohl dieser mich sehr lieb hatte, so wurde ich doch, nach damaligem Gebrauch, mit Hausknechts oder wenigstens sehr langweiligen Arbeiten beschäftigt, u. ich mußte stundenlang an der Ladenthür stehen u. Achtung geben, bis ein Käufer kam, wobey mir das Lesen als etwas Unschickliches untersagt wurde. Diese Beschäftigungen waren nicht geeignet, die Abneigung, die ich vor dem kaufmännischen Stand hatte, zu verscheuchen, auch blieb sie meinem Lehrherrn nicht verborgen, u. da er mir wohl wollte u. Neigung zum Studieren in mir wahrzunehmen glaubte, so erbot er sich, mich in Gemeinschaft mit seinem zweyten Sohn studieren zu lassen u. mich so lange als ich auf der Universität seyn würde gleich seinem Sohne zu unterhalten, da er wohl wisse, daß meine Eltern diese Ausgabe nicht bestreiten könnten. Ich nahm dies großmüthige Anerbieten mit innigster Freude an, sah mich im Geiste schon auf der Universität, allein- das Schicksal wollte es anders.

Meine Eltern verfielen über mein Vorhaben in tiefe Betrübniß; mein Lehrer Schultze, der mich privatim so weit bringen sollte, daß ich wieder in die oberen Klassen des College eintreten könnte, rechnete mir die Zeit vor, deren ich bedürfte, um auf die Universität zu kommen, mein 3jähriges Verweilen dort, und dann die Aussicht, 10-12 Jahr als Referendarius oder Supernumerarius zuzubringen, dabey die Verlegenheit, vielleicht die Unmöglichkeit meiner Eltern, mich so lange zu erhalten, wogegen ich, wenn ich bey der Handlung bliebe, in wenig Jahren wenigstens als Diener mein Auskommen finden würde.

Meine Mutter hatte auf meine Erziehung mehr Einfluß gehabt als mein Vater, u. da ich zuletzt befürchten mußte, daß bey entstehenden Verlegenheiten die Eintracht zwischen beyden gestört werden dürfte: so entschloß ich mich, bey der Handlung zu bleiben. Mein Lehrherr nahm mich mit Freuden wieder in’s Comptoir. In den Abendstunden trieb ich Musik u. schöne Wissenschaften. Mittlerweile war die Französische Revolution ausgebrochen, u. mit ihr ging eine große Veränderung in der Ideenwelt vor. Die Politik beschäftigte alt u. jung, u. auch ich wurde vom Freyheitstaumel dergestalt ergriffen, daß ich nichts als politische Schriften las. An Ausübung der Kunst dachte ich nicht, einige wenige Zeichnungen, die ich behufs meines Fabrikengeschäfts machte, ausgenommen. In den eigentlichen Fabrikenstyl konnte ich mich nicht hinein denken, sondern ich begnügte mich, die Franzosen zu copiren oder zu parodiren. Sie haben die Gabe, den Geschmack des Publicums in der Regel zu trefen u. besitzen eine große Fertigkeit, ihre Muster mit Grazie u. Leichtigkeit zu entwerfen.

Die Erwartungen meiner Eltern, daß ich bey der Handlung schnell selbstständig werden würde, gingen mittlerweile in Erfüllung. Mein Lehrherr erließ mir das letzte Lehrjahr, und zu Ende des Jahrhunderts übertrug er seinem ältesten Sohn u. mir seine Handlung, nachdem er schon ein Jahr zuvor mir einen Antheil in derselben zugestanden hatte.[7] Ich betrieb mein Geschäft mit großer Anstrengung, bis im Jahr 1806 der unglückliche Krieg diesem Erwerbszweig eine ganz andere Richtung gab und es fast gänzlich zerstörte. Zu meinem Unglück war ich Gilde Ältester geworden, u. da ich der französischen Sprache mächtig war: so wurde ich bey allen Verhandlungen mit französischen Behörden von meinen Collegen vorgeschoben. Kummer über das Unglück, welches unser Vaterland damals niederbeugte, wie über bedeutende Verluste, die mich trafen, besonders aber Ärger mit französischen Behörden zogen mir drey bösartige Nervenfieber zu.[8] In dem letzten erwachte, als ich auf dem Krankenlager lag u. oft an mein vergangenes Leben zurückdachte, die alte Liebe zur Kunst, die unterdrückt bis dahin geschlummert hatte. Im Jahr 1808 machte ich die Bekanntschaft der Frau Prediger Henry, einer geb. Chodowiecka.[9] Ich wohnte mit ihr in einem Hause im Thiergarten.[10] Sie war bekanntlich eine fleißige Mahlerin, u. wie sie sah, daß ich mich bemühte, Baumstudien nach Günthers Vorlegeblättern zu zeichnen,[11] rieth sie mir zu dem H. Pr. Rösel zu gehen und dort Unterricht zu nehmen.[12] Ich that’s, u. Rösel sagte mir in seinem scherzhaften Ton „Komm’ er nur zu mir, ich wird’ ihn lehren & & machen“, womit er das Geknackerte seines Baumschlags miemte. So nahm ich nun alle Sonntag Morgen eine Stunde.

Im Winter von 1809 zu 10 erkrankte ich abermals, u. nun entschloß ich mich, wenn ich das Frühjahr erleben sollte eine Reise nach der Schweiz u. dem südlichen Frankreich zu machen und 1 Jahr in gänzlicher Abgeschiedenheit von Geschäften zuzubringen. Ich verließ Berlin im Frühjahr 1810. In Leipzig traf ich um die Zeit der Messe ein, jedoch in so elendem Zustande, daß niemand glaubte, daß ich die Schweiz erreichen würde. Ich erreichte sie indessen doch. Beym Anblick der prachtvollen Natur wollte ich zeichnen, allein theils war ich zu wenig vorbereitet, theils konnte ich diese große ungeheure Natur nicht auffassen. Dies also ging nicht, u. ich begnügte mich, mich nach Wagenbauers Anleitung im Zeichnen zu üben.[13]

Im Herbst 1810 verließ ich die Schweiz, um den Winter in Nismes oder Montpelier [Nîmes oder Montpellier] zuzubringen. Allein der Mistral und das dürftige, nackte u. fahle Äußere der Provence u. des Languedoc machten mir den Aufenthalt daselbst so unangenehm, daß ich Nismes verließ, u. nach Nizza wanderte. Hier fand ich ein so herrlich mildes Clima, eine so üppige Vegetation u. so graciose Formen u. Maßen von Gebirgen einerseits, andererseits den Anblick des Meeres, das die Häuser der Stadt bespült, daß, wenn ich mehr Fertigkeit im Zeichnen gehabt hätte, ich hier die nützlichsten Studien würde haben machen können. Auch blieb ich nicht müßig, sondern zeichnete so viel ich konnte.

Im Frühjahr 1811 verließ ich Nizza, durchzog das ganze südliche Frankreich, ging nach Paris, wo ich um die Zeit der Taufe des Königs von Rom ankam.[14] In Paris besuchte ich fast täglich das Museum. Unter der Unzahl von Gemählden, die dort aufgestellt waren, fesselte mich, nächst den Meistwerken Rayhoets [?], besonders eine Landschaft von Both.[15] Ich hatte diesen Künstler nie nennen gehört, wußte daher nicht, als welch einen leuchtenden Stern man ihn anerkennt, konnte mich also nicht genug verwundern, daß man von einem Manne, der so herrliches leisten konnte, nicht mehr Erhebens machte. Je mehr ich nun hier in der Beschauung von Kunstwerken lebte, desto fester wurde mein Entschluß, nach meiner Rückkehr alle mir freystehenden Augenblicke der Kunst zu weihen und mich recht bald wieder unter die Leitung meines lieben Freundes Rösel zu begeben.

Wie groß war daher nicht mein Kummer, als bey meiner Rückkehr im Sommer 1811 ich diesen Freund mit den Vorbereitungen zu seiner Abreise, die im Herbst desselben Jahres erfolgte, beschäftigt fand.[16] Rösel wies mich an den H. Prof. Kuhbeil;[17] da ich aber dessen Verdienste damals nicht zu schätzen verstand, so betrachtete ich mich als verwaist. Indessen folgte ich seiner Leitung, suchte nach einiger Zeit, wieder auf Anrathen der Frau Henry, die Bekanntschaft des H. Rektor Weitsch nach,[18] u. erhielt von diesem, mir nachher so lieb gewordenen Freunde ein kleines Gemälde von Pynacker zum copiren. Nach seiner Meynung sollte ich es nachtuschen. Als ich aber damit im Thiergarten bey meinem Mentor, der Frau Henry ankam, sagte mir diese, daß mir solches nimmermehr gelingen würde, es sey denn, ich copire es mit Ölfarben, daß mir H. Weitsch gewiß das Gegentheil gesagt haben würde, daß ich mich aber daran nicht kehren möchte, weil dieser brave Künstler, dem man übrigens blindlings folgen müsse, die vorgefaßte Meynung habe, Dilettanten dürften nicht in Ölfarben mahlen. H. Prof. Fregewise,[19] der in unserer Nähe im Thiergarten eine Besitzung hatte, bestätigte dies und erbot sich, mir bey diesem ersten Versuch nach besten Kräften behülflich zu seyn. Ich copirte diese kleine Landschaft also unter seinen Augen und nach seiner gütigen Anleitung. Diese Arbeit wurde mir unendlich schwer, indessen ließ ich nicht los u. brachte endlich meine Copie, so gut ich konnte, zu Stande. Mein lieber Freund Kuhbeil ermüdete aber auch nicht, sondern stand mir ausdauernd bey. Je mehr ich ihn kennen lernte, desto mehr gingen mir die Augen auf, u. ich sah endlich ein, daß mir nichts besseres hätte wiederfahren können, als an ihn gewiesen zu werden. Nach diesem ersten Versuch copirte ich mehrere Sachen nach Hess, Joh. Hackert, Phil. Hackert u. Pynacker.[20] So erreichte ich das Jahr 1813. Die großen politischen Begebenheiten dieses ewig denkwürdigen Jahres machten, daß sich vieles anders gestaltete u. daß ich es dahin bringen konnte, mich im Jahr 1814 aus der Handlung zurück ins Privatleben zu ziehen.[21]

Nun erst wurde ich Herr meiner Zeit u. konnte einen großen Theil auf meine Kunstbildung verwenden. In den Winterabenden benutzte ich das Studium nach dem Nackten in der Academie, und im Februar 1815 wurde mir die Ehre zu Theil, Mitglied dieses Vereins zu werden, wo mir nach dem ersten Feste, welches im Januar 1816 gefeyert worden war, das Amt eines Sekkelmeisters, und späterhin während der Krankheit des verstorbenen Catel das eines Schreibers übertragen wurde.[22] Die nähere Berührung, in welche ich hier mit vielen mit Recht verehrten Künstlern kam, besonders aber die Anleitung, welche mir mein lieber Freund Weitsch angedeihen ließ, dem ich hiermit den schuldigen Dank abstatte, haben mir die Richtung gegeben, die Sie kennen.

Im Jahr 1819 wurde mir die unverdiente Ehre, in die Academie als außerordentliches Mitglied aufgenommen zu werden, zu Theil. Je mehr ich fühlte, daß ich dieser Auszeichnung unwerth war, desto größer wurden meine Bemühungen, mich nach besten Kräften zu vervollkommnen. In dieser Absicht geschah es, daß ich im Frühjahr des vergangenen Jahres Berlin verließ u. eine Reise nach dem mittäglichen Deutschland, dem venetianischen, der Lombardei u. der Schweiz unternahm. Die Beschauung der herrlichen Natur in jenen Gegenden wie der treflichen Kunstwerke, die dort oft aufgehäuft zu finden sind, hat mir den reinsten und größten Genuß im Leben gewährt, sie hat mir aber auch gezeigt, daß es leichter ist, die Kunst zu lieben, als sie mit Erfolg zu üben, besonders wenn ein wirkliches Studium erst im 40. Jahre angefangen werden kann, wie leider es bey mir der Fall gewesen ist, wie ich es aber bis an das Ende meines Lebens fortzusetzen gedenke.

J. B. Pascal.


[1] Autograf, 8 Seiten, 4°, gebunden, als Leihgabe des Vereins Berliner Künstler in der Stiftung Archiv der Akademie der Künste Berlin, VBK Nr. 53, aus dem Bestand des Berlinischen Künstlervereins.

[2] Winkelschulen gehörten, aller Klagen und Gegenmaßnahmen zum Trotz, bis zum Ende des 18. Jh. fest zur preußischen Schulwirklichkeit; „das Schulhalten [ist hier] eine zu freie Kunst“ (Gedike 1784).

[3] Wenn Pascal die Kunstakademie ‚Königl. Zeichen academie’ nennt, so wird er diese noch vor deren Wiedererrichtung im Jahr 1786 besucht haben; bis dahin bestand die Akademie tatsächlich nur aus einigen Zeichenklassen. Doch dauerte sein Studium bis über diesen Termin hinaus; 1787 zeigt er als Akademieschüler vier Landschaftszeichnungen in der Ausstellung.

[4] Die Klasse für Landschaftsmalerei wurde 1789 eingerichtet; die Professur hatte der kürzlich aus Italien zurückgekehrte Peter Ludwig Lütke inne. Allerdings wurde auch hier wie an allen Akademien nur gezeichnet, wodurch der im nächsten Satz geäußerte Wunsch verständlich wird.

[5] Fr. Barbié, als Aussteller von Landschaften in Tusche und Aquarell auf der Akademieausstellung 1787 nachweisbar; im Katalog ‚Zeichenmeister’ genannt.

[6] Isaak Blanc, fabrizierte seit 1772 in der Breiten Straße 6, anfangs mit Ferdinand Beyrich, spätestens 1786 separat, „Sammet und alle Arten seidene Zeuge auf 60 Stühlen“ (Nicolai 1786); damit gehörte das Unternehmen zu den größeren Seidenmanufakturen Berlins. Berlin war ein Zentrum der deutschen Seidenproduktion.

[7] 1799 traten Pascal und Peter Louis David Blanc in die Kaufmannschaft der Tuch- und Seidenhändler Berlins ein; vermutlich war dies auch das Jahr der Geschäftsübernahme. Blanc & Pascal hatten ihren Sitz wie zuvor in der Breiten Straße 6. Sein Compagnon betrieb die Firma nach Pascals Ausscheiden 1814 allein weiter. Noch um 1820 zählte sie zu den bedeutenderen ihrer Art in Berlin.

[8] Nervenfieber = Typhus.

[9] Susette Henry (1763-1819), Porträt- und Genremalerin. Tochter Chodowieckis, verheiratet mit Jean Henry (1761-1831), Prediger der franz. Gemeinde Berlin, seit 1795 auch Kustos der kgl. Kunstkammer und kgl. Bibliothekar.

[10] Der südliche Rand des Tiergartens entwickelte sich seit 1790 zu einem exclusiven Wohngebiet. Staatsmänner, Bankiers, Kaufleute, Künstler und andere errichteten sich hier Land- oder auch nur Sommerhäuser. Pascal ist im Berliner Adresskalender von 1812 als Eigentümer des Grundstücks Thiergarten 43 (1831 umbenannt und –numeriert in Tiergartenstraße 3) geführt. Im Jahr 1800 hatte sich hier ein Justizkommissar Matthies ein eingeschossiges Landhaus mit fünfachsiger Vorderfront erbauen lassen (1833 erweitert, 1875 abgebrochen).

[11] Christian August Günther (1759-1824), Maler, Zeichner u. Kupferstecher in Dresden. Veröffentlichte einige Folgen von Prospekten aus Sachsen sowie 1796 ein Baumschlag-Vorlagenwerk von 6 Tafeln in Aquatinta.

[12] Johann Gottlob Samuel Rösel (1768-1843), Landschaftszeichner. Seit 1787 mit Unterbrechungen Schüler der Berliner Akademie, spätestens ab 1790 für KPM tätig. 1804 Lehrer für Freies Handzeichnen an der Berliner Bauschule, später an der Bauakademie, 1802 Prof. Bekannt für eine sachliche, etwas pedantische Manier, welche im folgenden ironisiert wird.

[13] Max Josef Wagenbauer (1774-1829), Landschafts- und Tiermaler und –lithograf. Seit Anfang des Jahrhunderts spezialisiert auf bayerische Landschaftsvedute. Seit 1805 erschienen von ihm mehrere lithografierte Vorlagenwerke für Landschaftszeichnung (Anleitung zur Landschaftszeichnung in Handzeichnungsmanier; Neue Vorlagezeichnungen für Landschaftszeichner etc.).

[14] Napoleons Erstgeborener aus der Ehe mit Erzherzogin Marie-Louise, Napoleon François Charles Joseph Bonaparte (20.3.1811-1832).

[15] Jan Both (um 1618-1652), sehr produktiver italianisierender holländischer Landschaftsmaler, an Lorrain geschult.

[16] Rösel reiste im Herbst 1811 für zwei Jahre in die Schweiz und nach Italien.

[17] Carl Ludwig Kuhbeil (1766-1823), Landschafts- und Historienmaler und Radierer. Um 1788 Schüler der Berliner Akademie, 1796 in Italien, 1805 Lehrer an der akad. Zeichenschule, später auch an der Kunst- und Gewerkschule. Vorstandsmitglied des Berlinischen Künstlervereins. 1616 Mitglied der Akademie. Gab 1822 Radierungen von ‚XII Ansichten von Rom und der Gegend umher’ mit einer Widmung an Pascal heraus.

[18] Friedrich Georg Weitsch (1758-1828), Porträt-, Landschafts- und Historienmaler, Gemäldekenner und –sammler aus Braunschweig. Seit 1798 als Hofmaler, Rektor der Akademie und einer der tonangebenden Maler in Berlin. Stellvertr. Vorsitzender des Berlinischen Künstlervereins seit dessen Gründung.

[19] Friedrich Fregevize (1770-1849), Porträt-, Historien- und Landschaftsmaler sowie Porzellanmaler aus Genf, spätestens seit 1810 in Berlin, für KPM tätig, 1820 Mitglied der Akademie, 1829 zurück nach Genf. Besitzung im Tiergarten bislang nicht zu ermitteln.

[20] Ludwig Heß (1760-1800) Maler in Zürich, italienische und schweizerische Landschaft, auch Gebirge. Überwiegend regional wirksam, vielleicht eine ‚Entdeckung’ Pascals auf der Schweiz-Reise.
Johann Gottlieb Hackert (1744-1773), aus Prenzlau, Bruder des Philipp, mit diesem Schüler der Berliner Kunstakademie. Später Mitarbeiter seines Bruders in Paris und Italien.
Jacob Philipp Hackert (1737-1807) aus Prenzlau, Schüler der Berliner Akademie, später international gefragter Landschaftsmaler in Italien.
Adam Pynacker (1622-1673), italienisierender Holländer. In Weitschs Samlung befanden sich zwei seiner Gemälde.

[21] Pascal konnte es sich wohl leisten, sein Geschäft aufzugeben; in späteren Jahren ist er nach den Adresskalendern nicht nur Eigentümer seines Berliner Hauses Burgstr. 7, sondern auch Rittergutsbesitzer.

[22] Der ‚Berlinische Künstlerverein’, gegründet 1814 auf die Initiative von Louis Catel (1776-1819), Architekt und Architekturtheoretiker.


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