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Leopold Ludwig Müller (Berlin 1767- nach 1838)

Inhaber eines Ladens für Spezerei- und Farbwaren, und Maler. Mitglied des Berlinischen Künstler-Vereins seit 1814

Quellen: Neues allgemeines Künstler-Lexikon ... Bearb. v. G. K. Nagler, Leipzig 1835-1852; Thieme/Becker 1907-1950; Ausst.kat. ‘... und abends in Verein’. Johann Gottfried Schadow und der Berlinische Künstler-Verein 1814-1850. Berlin Museum 1983

Werke: Stadtmuseum Berlin, Gemäldeslg. u. graph. Slg.; SPSG; Nationalgalerie Berlin; Kupferstichkabinett Berlin (4 Klebebände historische Berlin-Topographie, Kostüm- und Sittengeschichte, Berliner Denkmäler, teils Zeichnungen von Müller, teils Zeichnungen anderer Meister, teils Drucke; hier auch das ‚Album L. L. Müller, in Sachen der Freundschaft und der Kunst’ mit Zeichnungen befreundeter Künstler)

Autobiographie, 1820,[1] kommentiert von Reimar F. Lacher

Im Jahr 1768 den 21. Jannuar wurde ich zu Berlin gebohren, mein Vater war Kaufmann, hatte eine Materialhandlung und war großer Kunstliebhaber. Er sammlete viele gute Mahlereien, Kupferstiche, Zeichnungen, Naturalien und mehreres, was in diesem Fache von Liebhaberey gehöret. Die Veranlaßung dazu gab ihm der Mahler Johann Martin Falbe. Jeden Sontag um 11 Uhr nach dem Gottesdienst war bei Falbe eine Künstler Versammlung, daran mein Vater auch Theil nahm, außer ihm waren noch folgende Mitglieder: Bernhardt Rode / Joh. Wilh. Meil / Daniel Chodowieky / Daniel Berger / Rosenberg / Glume und / Georg Fr. Schmidt der Kupferstecher.[2]

Es wurden Kupferstiche besehen, auch darüber gesprochen, und hatte jemand eine Mahlerey gekauft, so wurde dieselbe dort aufgestellt u. s. w.

Dieser Verein erhielt sich lange Zeit und lößte sich nur mit dem Absterben des Falbe auf. Ich hörte gern davon erzählen und bekam schon in meiner Jugend ein geheimes Gefühl zur Kunst, denn ich sahe sehr gerne Kunstwerke, versuchte auch wohl manchmal, dergleichen zu copiren, es wollte aber niemals recht gelingen,

In meinem 10ten Jahr kam ich auf die hiesige Klosterschule und erhielt meinen ersten Unterricht im Zeichnen von Joh. Otto Christ. Sahler.[3] Sein sehr methodischer Unterricht war mir von vielem Nutzen. An Fleiß ließ ich es nicht fehlen und hätte gern allen andern Unterricht gegen die Zeichenstunden vertauscht, wenn mir die freie Wahl dazu gelaßen wäre.

Im 14ten Jahre wurde ich in die Handlung meines Vaters als Lehrling aufgenommen, mit dem Bedeuten, daß nun alles Zeichnen aufhören und an deßen Stelle ich mich diesem Geschäft ganz widmen müße. Ich versprach, hielt aber nicht mein Wort. Denn ein unaufhörlicher Drang zum Zeichnen trieb mich und machte mir meine obliegenden Geschäfte weit schwerer, als sie wirklich waren. Jeder Augenblick wurde benutzt, wo ich meiner Leidenschaft zum Zeichnen im stillen Genüge leisten konte, wozu mir den auch Familienfeste, nahmentlich Geburtstage Gelegenheit zum Zeichnen oder Malen gaben, überzeugt, daß mein Vater mir an solchen Tagen keinen Verweis gab, was sonst jedes mal geschah, wenn er etwas von meinen Kunstwerken entdekte.

Unter solchen Umständen verfloßen meine Lehrjahre. Er sahe wohl ein, daß mir die Handlung nicht recht zusagen und alle Ermahnungen nicht helfen wollten, meine große Neigung zu unterdrücken. So sann er auf Mittel, mir die Handlung von einer glänzenden Seite vorzustellen.

Ein Verwandter, welcher Kaufmann in Königsberg N/M. war, besuchte uns. Mein Vater klagte ihm, daß ich keinen Geschmack an seinem Geschäft finden wollte, und statt deßen nur meinen ganzen Sinn auf das Zeichnen verwendete. Darauf wurde beschloßen, daß ich mit diesem Mann nach Stettin reisen sollte, um dort das wahre Leben und Treiben des Handels zu sehen, in der Meinung, daß meine Gedanken dadurch eine andere Richtung bekommen würden. Die Reise ging also zu erst nach Königsberg N/M. Hier wurde meine Neigung recht rege gemacht, denn ich war noch nie von meiner Vaterstadt gekommen und sah hier vieles, was mir fremd war. Die alten Stadtmauern und Thorthürme, war es gleich für andere etwas gewöhnliches, so war es doch in meinen Augen neu, erregte auch bald die Lust in mir, es nachzuzeichnen. Ich versuchte es und hatte große Freude über das Gelingen meiner Arbeit, die doch aber vor meinem Vetter geheim zu halten werden muste, aus Furcht, daß er diese Beschäftigung nicht gut heißen möchte.

Jetzt war Stettin mein Hauptaugenmerk geworden und mit Sehnsucht erwartete ich den Tag meiner Abreise. Wir machten die Reise zu Schiffe. Die Ufer der Oder fesselten meine ganze Aufmerksamkeit, auch wäre zum Zeichnen Gelegenheit genug gewesen, wenn ich nicht zu genau von meinem Reisegefährten beobachtet worden wäre. Wir kamen gegen Abend in Stettin vor der großen Baumbrükke an und wurden von vielen Kaufleuten empfangen, welche daselbst in einem Garten Abends ihre Erholung fanden. Mein Führer zeigte mir den folgenden Tag alle Speicher von außen und innen, [wir] sahen Heringe pakken, Eisen wiegen, Hanpf verlahden und dergleichen mehr. Kaufleute wurden besucht, Lustfahrten auf Gondeln gemacht, Seeschiffe bestiegen u. s. w. Kurz, ich wurde in immerwährender Bewegung gehalten, so daß ich nicht zu mir selbst kommen, noch weniger an Zeichnen denken konte.

Als ich nach Berlin zurück kam, und meine Geschäfte wieder antreten muste, wollten sie mir noch weniger gefallen, und ich fühlte nun erst einen wahren Wiederwillen dagegen. Die Lust zur Kunst wuchs mit jedem Tage, bis ich zuletzt meinem Vater völlig erklärte, daß ich der Handlung entsagen und mich ganz der Kunst widmen wollte. Es kostete harten Kampf, indessen berathete er sich mit seinen Freunden, welche einstimmig der Meinung waren, meiner Neigung nichts entgegen zu setzen.

Im Jahr 1790 im Fbr. kam ich auf die Academie und erhielt meinen ersten Untericht bey dem jetzigen Professor Collmann.[4] Mittwoch und Sonnabend Vor- und Nachmittag. Ich war fleißig und kam den folgenden Monath in den großen Saal zum Professor Grätsch.[5] Zu Hause benutzte ich das Zeichenbuch von Abraham Blömart und was ich sonst bekommen konte.[6] Dabey ging ich meine academischen Studien durch, hörte die mir nöthigen Collegia, zeichnete Bäume und Landschaften nach der Natur.

Später versuchte ich Landschaften nach Gemählden von de Fries, Dietrich, v. Goyen aus meines Vaters Sammlung zu radiren,[7] auch in aqua tinta zu ätzen, dazu mir der Rector Wilhelm Meil Anleitung gab. Den Direktor Frisch bat ich, mir Zeichnungen zum copiren zu leihen, welches er auch mit großer Bereitwilligkeit that.[8] Nachdem ich einige Zeit nach seinen Zeichnungen gearbeitet hatte, stieg in mir und meinen Mitschülern der Wunsch auf, in den Abendstunden nach Gips zu zeichnen. Da ich nun viele Abgüße besaß, so konte ich meinen Mitschülern sehr leicht damit aushelfen. Es bildete sich also ein kleiner Verein, deren Mittglieder folgende waren: Aldenrath aus Lübeck / Hampe / Bussler der jetzige Hofrath / Irre / Jaquier / Heidenreich / [Klammer von Irre bis Heidenr.:] sind gestorben / und Schlesinger.[9]

Diese kleine Gesellschaft hatte doch mit einigen Unannehmlichkeiten zu kämpfen, weil uns keiner, des üblen Öhlgeruchs wegen in seinem Zimmer behalten wollte. Wir zogen also alle 2 Tage aus und versuchten es bey einem andern, machten aber jedes mahl die bittere Erfahrung, daß wir keine bleibende Stätte finden konnten. Ich klagte es meinem Vater, welcher mir gleich ein Zimmer in seinem Hause anwies, wo wir unser Studium zwey Winter ungehindert fort setzen konten. Sobald wir zum Zeichnen nach dem lebenden Modell zugelaßen wurden, lößte sich die Gesellschaft auf.

Häufige Unannehmlichkeiten, welche mein Vater mit seinen Gehülfen hatte, zogen mir nicht selten gelinde Vorwürfe zu. Ich sah auch ein, daß da er älter wurde, von mir mit allem Rechte Unerstützung verlangen konte. Aus dieser Ursach beschloß ich, wieder in die Handlung einzutreten, bat mir aber die Erlaubniß aus, mich zu meinem Vergnügen mit der Kunst beschäftigen zu dürfen.[10] Sehr gern willigte er darin und nahm mich nach einiger Zeit als Theilnehmer der Handlung auf. Im Jahr 1802 verheirathete ich mich. Mein neu angetriebenes Geschäft ließ mir nicht so viel Zeit übrig, daß ich das radiren und äzen gehörig abwarten konte. An deßen Stelle malte ich Landschaften mit Waßerfarbe, weil sich diese Arbeit bei oft vorkommenden Störungen leicht bey Seite legen ließ.

Im Jahr 1806, als die Franzosen nach Berlin kamen, starb mein Vater. Ich fühlte seinen Verlust um so mehr, da nun alles auf mich allein beruhete. Zum Malen blieb mir jetzt keine Zeit übrig und Pinsel und Farben blieben eine ganze Zeit verschloßen.

Nachdem ich wieder in einer gewissen Ruhe kam, fand sich doch so viel Zeit, daß ich wieder an die Kunst denken konte. Ich fing an, Landschaften nach meinen Zeichnungen nach der Natur mit Ölfarben zu malen. Es waren aber dabey so viel Schwierigkeiten zu bekämpfen, daß mir oft Hülfe nöthig war. Mein Freund Hampe unterstützte mich mit Rath, so viel damals in seinen Kräften stand, und durch seine freundschaftliche Bereitwilligkeit legte ich den Grund zu dem Wenigen, was ich bisher habe leisten können.

Einige Zeit nachher lud er mich ein, in seiner Wohnung zu malen, welches mir sehr angenehm war. Hier hatte ich Ruhe, die ich zu Hause nicht haben konte, und da es nicht weit von meiner Wohnung entfernt war, so ging ich jeden Nachmittag zu ihm. Hampe hatte auch erst wieder die Ölmalerei vorgenommen, welche er seit seinem ersten Studium auf der Bildergallery nicht fortsetzen konte, weil er sich mit Zeichnungen für Buch- und Kunsthändler beschäftigte. Wir halfen uns gemeinschaftlich fort und brachten im Jahr 1810 unsere Arbeiten auf die Ausstellung.[11]

1814 den 22 Nobr wurde der Künstlerverein gestiftet. Sehr überraschend war es mir, von demselben als Mittglied aufgefordert zu werden.[12]

Im Jahr 1817 legte ich die Handlung nieder und so lebe ich jetzt ganz der Kunst.[13]

Berlin d 22. December 1820 / Leopold Ludwig Müller


[1] Autograf, 11 Seite, 2°, gebunden, als Leihgabe des Vereins Berliner Künstler in der Stiftung Archiv der Akademie der Künste Berlin, VBK Nr. 52, aus dem Bestand des Berlinischen Künstlervereins.

[2] Joachim Martin Falbe (1709-1782), Maler und Radierer. Nach Ausbildung bei J. Harper und Pesne, dessen Lieblingsschüler er war, einige Zeit am Hof von Anhalt-Cöthen. Zurück in Berlin etablierte er sich als Porträtist höfischer, aristokratischer und hoher bürgerlicher Kreise. Mitarbeiter an Heineckens Nachrichten von Berliner Künstlern (1768).
Bernhard Rode (1725-1797), Maler und Radierer. Wie Falbe Schüler von Pesne. Umfangreiches Schaffen für Hof, Adel, Kirchen; Dekorationen ebenso wie Historiengemälde und Porträts. 1783 Nachfolger Le Sueurs als Direktor der Akademie.
Johann Wilhelm Meil (1733-1805), Zeichner und Stecher. Seit 1752 in Berlin, 1766 Mitglied der Akademie, 1786 Rektor, 1797 Vizedirektor, 1801 Direktor. Zahlreiche Arbeiten für den Buchdruck sowie Entwürfe für verschiedene kunsthandwerkliche Gegenstände.
Daniel Chodowiecki (1726-1801), Maler und Stecher. Zunächst Maler in Miniatur und Öl, seit den 1770er Jahren führender Meister des Buch- und Kalenderkupfers. 1797 Direktor der Berliner Kunstakademie.
Daniel Berger (1744-1824), Kupferstecher. Schüler seines Vaters, Le Sueurs und G. F. Schmidts. Mitarbeiter Chodowieckis. 1778 Mitglied der Akademie, 1787 Rektor und Lehrer für Kupferstich.
Johann Carl Wilhelm (geb. 1737) oder Johann Georg (1739-1808) Rosenberg, ersterer seit 1766 Operndekorateur und mit Dekorationsaufgaben viel beschäftigt. Daneben Stichvorlagen von Volkstypen und Zeitgeschehen. Sein Vetter J. G. R. lernte ebenfalls in Berlin, bildete sich in England und Paris weiter, anschließen Theatermaler verschiedenenorts. Ab 1775 als Porträtist (auch Reiterporträts) und Maler von Berlinansichten und Pferden wieder in Berlin. 1785 Mitglied der Akademie.
Johann Gottlieb Glume (1711-1778), Porträt-, Genre-, Landschafts- und Dekorationsmaler und -radierer. Schüler Harpers und Pesnes. 1764 Mitglied der Akademie.
Georg Friedrich Schmidt (1712-1775), Kupferstecher. Nach Studium an der Berliner Akademie zur Weiterbildung nach Paris; hier u. a. Stiche nach Lancret und Rigaud, Mitglied der Académie Royale. 1743 Hofkupferstecher in Berlin. Zahlreiche Stiche nach Pesne, Rembrandt und für die Werke Friedrichs II.
Auch Daniel Berger gibt in seiner - ebenfalls für den Berlinischen Künstlerverein verfaßten - Autobiografie einen Hinweis auf diesen ansonsten völlig unbekannten Künstlerverein des Berliner Rokoko. Wie in der Darstellung Müllers erscheint dort Falbe als die zentrale Gestalt.

[3] Gemeint ist das Berlinische Gymnasium, Graues Kloster genannt, im ehemaligen Franziskanerkloster, das institutionell mit dem Cöllnischen Gymnasium verbunden war, an welchem Otto Christian Sahler (1732/33-1810), Wachsbossierer, Pastellmaler, Zeichenlehrer, eigentlich angestellt war. Seit 1770 war er in Berlin, ab Mitte der 80er Jahre unterrichtete er auch in den Zeichenklassen der Akademie. Namhaft durch Profile von Fürstlichkeiten und Gelehrten in Wachs und Gips.

[4] Ferdinand Collmann (1763-1837), Berliner Porträt- und Historienmaler. Seit 1789 Lehrer einer der Zeichenklassen der Zeichenschule, einer Art Vorschule der Akademie, 1794 Professor, 1821 Akademiemitglied. Sein Talent wurde gelegentlich in recht ungünstigem Licht dargestellt.

[5] J. Graetsch, Berliner Maler, 1789 Prof. und Lehrer der Gipsklasse an der Berliner Akademie. Starb unerwartet im Januar 1805. Im November des Vorjahres war in einer Ausstellungsrezension im ‚Freymüthigen’ (Nr. 224) sein Gemälde auf der Akademieausstellung als „das misgerathenste Stück, eine wahre gemalte Monstrosität“ verissen worden.

[6] Abraham Bloemaert, Historienmaler in Utrecht und Amsterdam, 16./17. Jh. Studien Bloemaerts wurden von seinem Sohn Frederick zu Lehrzwecken herausgegeben und bis das 19. Jh. neu aufgelegt.

[7] Roelof Jansz. von (oder de) Vries (um 1631- nach 1681), holländischer Landschaftsmaler.
Christian Wilhelm Ernst Dietrich, gen. Dietricy (1712-1774), Dresdner Maler, malte in der Stilistik verschiedener Malerschulen, bevorzugt der italienisierenden Niederländer; einer der populärsten Maler seiner Zeit.
Jan van Goyen (1596-1656), holländischer Landschaftsmaler.

[8] Johann Christoph Frisch (1738-1815), Porträt- und Historienmaler. Seit 1786 einer der Rektoren der Kunstakademie, erst 1805 Direktor.

[9] Heinrich Jakob Aldenrath (1775-1844), Maler und Zeichner aus Lübeck, mit seinem Lehrer und Freund Gröger Anfang der 90er Jahre an der Berliner Akademie. Später in Dresden, Paris, Lübeck, Kopenhagen und Hamburg. Ausstellungsbeteiligung 1791. Beide machten sich später als Porträtlithografen einen Namen.
Karl Friedrich Hampe (1772-1848), Porträt-, Historien-, Landschafts- und Architekturmaler. Schüler der Berliner Akademie, mehrfach ausgezeichnet, Ausstellungsbeteiligung seit 1791. 1816 Akademiemitglied, 1823 Lehrer, 1829 Vorsteher der akad. Zeichenschule.
Ernst Friedrich Bussler (1773-1840), Beamter, Maler- und Zeichnerdilettant, Archäologe. Beteiligung an den Berliner Akademieausstellungen 1812-24, 1819 Ehrenmitglied der Akademie.
Irre, spätestens 1790 Schüler der akad. Zeichenschule, mehrfach ausgezeichnet, hat offenbar den Beruf gewechselt.
Jaquier, biografisch nicht faßbar.
Heidenreich, J. D., Beteiligung an den Berliner Akademieausstellungen 1791 und 1793 mit Zeichnungen und Stichen. Hat offenbar danach den Beruf gewechselt.
S. Schlesinger, nur durch Beteiligung an den Berliner Akademieausstellungen 1791-1804 nachweisbar (Landschaft und Architektur in Aquarell).
Auch an der Akademie wurde zur Vorbereitung auf das Aktstudium nach Gips gezeichnet (Gipsklasse 1789-1804 unter der Leitung von Grätsch). Doch legte die Gruppe um Müller offenbar Wert auf die Lampenbeleuchtung.

[10] Von 1789 bis 1795 beteiligte sich Müller unter der Bezeichnung ‚Akademieschüler’ bzw. ‚angehender Künstler’ an den Berliner Akademieausstellungen. Der Entschluß zum Kaufmannsdasein fiel vermutlich kurz nach dieser Zeitspanne. Als er sich 1804 mit einer getuschten Landschaft und einem Ätzdruck erneut an der Ausstellung beteiligte, lautete die Bezeichnung ‚Dilettant’.

[11] Nach dem Abbruch seines Akademiestudiums hatte sich Müller nur 1804 mit einigen Landschaften in Tusche bzw. Ätzdruck an den Akademieausstellungen beteiligt. Seit 1810 zeigte er regelmäßig Landschaften, darunter einige Ansichten aus der Umgebung Berlins sowie Stimmungsbilder, später auch Darstellungen des Volkstums. Ebenso war Hampe, der bereits oben als Kommilitone Müllers genannt wurde und unter dessen Arbeiten für Buchdruck und Kunsthandel besonders das von Nettling gestochene Doppelbildnis des Königspaars von 1798 erfolgreich war, seit 1810 regelmäßig mit romantischen Landschaften und Darstellungen mittelalterlicher Architektur vertreten. Müller wohnte zu dieser Zeit in seinem Haus Markgrafenstraße 74, Hampe in der Neuen Friedrichstr. (heute Littenstr.) 58. Eine Zeichnung Müllers in seinen Klebebänden im Berliner Kupferstichkabinett zeigt die Aussicht aus einem Fenster der Wohnung Hampes, 1804.

[12] Die Initiative zur Gründung des ‚Berlinischen Künstlervereins’ war von L. Catel ausgegegangen; in seinem Haus versammelten sich einige Künstler, die dann durch ein Rundschreiben Catels die Gründung eines Vereins ankündigten. Darauf erschien der Aufruf in den Berliner Zeitungen: „Die Herren Künstler, an welche das bewußte Cirkulare ergangen ist, werden ergebenst gebeten, sich zu einer allgemeinen Versammlung Dienstag den 22sten November Abends um 5 Uhr, im englischen Hause einzufinden.“ (Haude & Spenersche Ztg. 17.11.) Zu den Unterzeichnern des Aufrufs gehörte auch Müllers Freund Hampe. Mit der Abfassung seiner Autobiografie kam Müller einem Vereinsbeschluß aus dem Jahr 1818 nach, wonach jedes Mitglied seine Lebensbeschreibung und sein Porträt hier archivieren solle. Aus dem Besitz des Vereins gelangten an Porträts Müllers ein Selbstbildnis von 1819, sowie Porträts von der Hand Heusingers (1820) und Blechens (1831) in das Stadtmuseum Berlin.

[13] Nach einem Brief Schadows an Goethe vom 12.11.1816 (Goethe-Schiller-Archiv Weimar, Abschrift in Nachlaß Mackowsky, Kunstbibliothek SMBPK, Sign.: Mack kl.) beteiligte sich Müller um diese Zeit am Aktstudium in der Akademie.


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