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Johann Heusinger (Wolfenbüttel 1769-1846 Braunschweig)

Sepiakopist und -porträtist, Porzellanmaler, Zeichenlehrer in Braunschweig, Wolfenbüttel, Berlin, Königsberg/Neumark, Stargard, Stettin. Mitglied des Berlinischen Künstler-Vereins

Quellen: Autobiographie, Manuskript, Niedersächsisches Staatsarchiv Wolfenbüttel, VI Hs 11, Nr. 120 (Teil 1 entstanden in Berlin 1819, Teil 2 Braunschweig 1834); Neues allgemeines Künstler-Lexikon ... Bearb. v. G. K. Nagler, Leipzig 1835-1852; Thieme/Becker 1907-1950; Ausst.kat. ‘... und abends in Verein’. Johann Gottfried Schadow und der Berlinische Künstler-Verein 1814-1850. Berlin Museum 1983; Braunschweigisches Biographisches Lexikon. 19. und 20. Jahrhundert. Hrsg. v. Horst-Rüdiger Jarck und Günter Scheel, Hannover 1996

Werke: Stadtmuseum Berlin, graph. Slg.; Kupferstichkabinett Berlin; SPSG, graph. Slg.; Städtisches Museum Braunschweig

Biographie, 1819,[1] kommentiert von Reimar F. Lacher 

Johann Heusinger, Tuschzeichner und Portraitmaler, wurde 1769 zu Wolfenbüttel gebohren, wo sein Vater, Jakob Friedrich, durch mehrere philologische Arbeiten bekannt, Rektor der herzoglichen großen Schule war.[2] In seinen frühesten Jahren weckten bei ihm die Ridingerschen Jagden, die in seines Vaters Garten-Zimmer hingen, den Sinn für die Kunst.[3] Er erinnert sich noch mit Vergnügen aus seiner Kinderzeit des Genusses, den ihm diese Kupfer gewährten, wenn er oft mit Gefahr auf die Stühle kletterte, sie genauer zu besehen. Er fing an, mit der Schere Bäume, Hirsche und Jagdten in Papier zu schnitzen und fand schon als Kind durch diese Spielereyen manchen Bewunderer. Ihm fehlte in seiner kleinen Vaterstadt die Gelegenheit, diese Anlage zur Kunst weiter zu bilden, und man suchte sie bey ihm zu unterdrücken, da er zum Studiren bestimmt war und durch sie vom Lernen abgehalten wurde. Als er in seinem 9ten Jahre seinen Vater verlohr, nahm ihn sein um 17 Jahre älterer Bruder Konrad,[4] der nach seines Vaters Tod Konrektor wurde, zu sich und wurde nachher in der ersten Klasse der Wolfenbüttelschen großen Schule sein Lehrer, dem er sein Latein und seinen Geschmack an den Dichtern verdankt.

Bey dem Rektor Christian Leiste trieb er mit großem Eifer Naturgeschichte,[5] welche sein Lieblingsstudium wurde, und ihr zu Liebe fing er an, Insekten und andre in dies Fach einschlagende Gegenstände mit Gummifarben zu malen.[6] Er hatte mehrere Male Gelegenheit, die Salzdahlumsche Bildergallerie zu sehen,[7] aber er erinnert sich, daß damals nur die Gemälde, die Jagdten und Thiere vorstellten, seine Aufmerksamkeit auf sich zogen.

Um die Zeit, da er zur Universität gehen sollte, wurde der Professor Trapp vom Herzoge nach Braunschweig berufen.[8] Dieser ermunterte ihn, sein Kunsttalent auszubilden, und versprach ihm Empfehlungen nach Berlin, wo damals beym Antritte der Regierung Friedrich Wilhelm des zweiten die Akademie der Künste nach allen Zeitungsnachrichten große Begünstigungen und Unterstützung erhielt.[9] So kam er im Juni 1787 nach Berlin mit dem Vorsatz, seine Kunst für die Naturgeschichte auszubilden und dem Vorbilde des durch seine Insektenbelustigungen bekannten Rösel von Rosenhoff zu folgen.[10] Der Prediger Herbst, der das Jablonskysche Insektenwerk fortsetzte, ließ ihn die Insekten dazu malen, womit er sich, da er von seiner Mutter nur geringe Unterstützung hatte, in den ersten Jahren seines Aufenthalts in Berlin seinen Unterhalt nothdürftig verdiente.[11] Er kaufte um diese Zeit oft mit den größten Entbehrungen alle Ridingerschen Kupferstiche, deren er habhaft werden konnte, und bedauerte in seinem Wahne alle seine Mitschüler in den Zeichenklassen der Akademie, die seinen Geschmack an diesen höchsten Gegenständen seiner Bewunderung nicht mit ihm theilen wollten. Durch das Zeichnen nach akademischen Figuren fand er nach und nach Geschmack an historischen Gemälden, da ihn bis jetzt nur Chodowieckis Kalenderkupfer interessirt hatten, und Bernhard Rodes Gemälde und radirte Blätter traten nun bey ihm an die Stelle der Ridingerschen Kupfer, für die sein Enthusiasmus abzunehmen anfing.[12] Er zeichnete viel nach diesem Meister und sammlete radirte Blätter, bis das Zeichnen nach Gips den Geschmack an den Antiken und den Sinn für edle Formen in ihm entwickelte. Die Freundschaft eines sehr wohlhabenden Mannes, in dessen Hause er zehn Jahre ohne Nahrungssorgen lebte, setzte ihn in den Stand, den sparsamen Verdienst des Insektenmalens aufgeben zu können. Die Naturgeschichte wurde nun von ihm mehr vernachlässigt, da ihm bey Berlin überdem die insektenreichen Wälder seiner Vaterstadt fehlten und er einsah, daß ihn dies Studium zu sehr von dem Studium der höhern Kunstwerke entfernen würde. Das sorgenfreye Leben, welches er nun genoß, hätte für seine Ausbildung zum Künstler sehr wohlthätig werden können, aber er bedauert zu spät, daß er in diesen, für die Entwicklung seiner Talente so wichtigen Jahren, ohne Führer, ohne Plan zu einem bestimmten Fache, sich zu sehr seinen Liebhabereyen überließ. Er fing an, Versuche in Öhlfarben zu machen, und gab es wieder auf, zeichnete auf der königlichen Bildergallerie[13] Pferde und Kühe nach Wouwermann und Roos in Tuschfarben, fing dann das Kupferstechen mit Grabstichel und Radirnadel an, schabte selbst einige Platten in schwarzer Kunst und ging so von einem Fache zum andern über,[14] bis ihn endlich die Übung, die er sich schon früher in Behandlung der Gummifarben erworben hatte, und die Gelegenheit, eine Sepiazeichnung von Seydelmann zu kopiren,[15] seine ganze Neigung zu dieser Art zu zeichnen hinzog. Er zeichnete zuerst in dieser Manier auf der königlichen Gallerie die Vestalen nach Lairesse, und da er diese Zeichnung an die Chalkographische Gesellschaft zu Dessau verkaufte, und sie überdem Gelegenheit gab, daß er als Zeichenlehrer bey der königlichen Porzellanfabrik und nachher bey den beiden jüngsten Söhnen des Königs, den Prinzen Heinrich und Wilhelm K.[önigliche] H.[oheiten] angestellt wurde, so munterte ihn dies auf, und er zeichnete nachher die vorzüglichsten Gemälde der königlichen Sammlung in Sepia.[16] Als im Jahre 1796 der taubstumme Maler Hoffmann auf königliche Kosten nach Italien geschickt wurde, war er vom Minister Heinitz vorgeschlagen, diesen zu begleiten.[17] Der Unterricht der königlichen Prinzen hielt ihn in Berlin zurück. Beym Antritte der Regierung des jetzigen Königs[18] verkaufte er Teile seiner Sepiaarbeiten an die Königin und andere Mitglieder der königlichen Familie und arbeitete so in diesem Fache immer fort, ohne jedoch sein Vorbild, die Zeichnungen des Professor Seydelmann in Dresden je erreichen zu können. Er suchte die Farbe der Seydelmannschen Sepia durch Zusatz von Kassler Erde hervorzubringen. Dadurch verlohr sie aber an Klarheit, daher er gezwungen war, das Helldunkel immer sehr mühsam zu bearbeiten.

Das Portraitiren nach der Natur trieb er als Liebhaberey daneben und zeichnete von Zeit zu Zeit manches Portrait in Sepia auf Pergament mit Beyfall. Im Jahre 1803 wurde zum Geschenk für den russischen Kaiser von Sr Majestät dem Könige ein großes Porzellanservice auf der königlichen Porzellanfabrik bestellt, von welchem er auf Verlangen der Königin zwölf Teller mit historischen Gegenständen und Antiken in brauner Farbe zu malen übernahm. Er arbeitete auf diese Art auch noch nachher mehrere Portraits von königlichen Personen auf Tassen und fand diese Malerey, der großen Freiheit wegen, die man beym Ändern hat, sehr zum Portraitiren nach der Natur geeignet, machte darin mehrere glückliche Versuche und würde in diesem Fache fortgearbeitet haben, wenn er es damals gekonnt hätte, ohne mit der Porzellanfabrik in nähere Verbindung zu treten, welches er aus Vorliebe für seine Künstlerfreiheit nicht wollte. Er ging also wieder zum Sepiazeichnen über. Der Unterricht der Brüder des Königs 1795, nachher der jungen Prinzen von Oranien 1799,[19] des Kronprinzen und Prinzen Wilhelm k. H. 1801,[20] dann des Prinzen Friedrich[21] 1802 gaben ihm Unterhalt, den ihm seine mühsamen Sepiaarbeiten nicht würden verschafft haben. Er machte ein paar Mal die Reise nach Dresden und im Jahre 1804 nach Paris, wo er ein paar Monate die damals dort vereinigten Kunstschätze studirte.

Im unglücklichen Jahre 1806, als der Hof Berlin verließ und sein Unterricht aufhörte, fing er zuerst an, fürs Publikum zu portraitiren. Er gab im Jahre 1807 seine Stelle als Zeichenlehrer bey der Porzellanfabrik auf und ging auf anderthalb Jahre zu seinen Verwandten nach Braunschweig, wo er bloß Portaits nach der Natur machte. Er zeichnete diese Bilder in Sepia auf Pergament, und ihre Ähnlichkeit erhielt Beyfall. Bey den Bildern der jungen Frauenzimmern hörte er jedoch immer den Vorwurf, daß sie nicht vortheilhaft wären, welches ihn bewog, Versuche auf Elfenbein in Miniaturfarben zu machen. Durch langes Arbeiten in einer Farbe war sein Auge vieleicht verwöhnt, ihm fehlte der feinere Sinn für Farben, und das Koloriren nach der Natur wurde ihm sehr schwer. Er hat auch in diesem Stück nie die Arbeiten der besseren Miniaturmaler erreichen können und überläßt es den Kunstkennern, ob sie die vielen Portraits, die er nachher nach der Natur in Farben verfertigte, Gemälde oder kolorirte Zeichnungen nennen wollen. Er erreichte wenigstens den Zweck, daß er den größten Theil des Publikums damit befriedigte und verdiente 1813 und 14 in Königsberg in der Neumark, in Stargard und Stettin damit seinen Unterhalt. Das Portraitiren war nun sein Lieblingsfach, und es wurde für ihn Bedürfniß, immer nach der Natur zu arbeiten. Seine glücklichsten Stunden waren die, wo er durch die Ähnlichkeit seiner Bilder in Familien Freude erregte, und da durch die Rückkehr des Hofs in den folgenden Jahren die Sorge für seinen Unterhalt wieder geringer wurde, so malte er eine Menge Portraits für Freunde und Bekannte ohne alle Rücksicht auf Verdienst, und bey weitem über die Hälfte der vielen von ihm gezeichneten und gemalten Portraits sind bloß für Freunde oder zu seiner eignen Unterhaltung und Übung verfertigt.[22] Die von ihm gemalten Bilder der mehrsten Personen, die ihm werth waren, besaß er selbst, und sie machten ihm den Aufenthalt in seinem einsamen Arbeitszimmer gesellig und angenehm. Er hatte die Gewohnheit, die Köpfe erst möglichst ähnlich zu machen, und die Figur so lange als rohe Skizze zu lassen, bis er mit dem Gesicht ziemlich zu Stande war, um nachher freye Hand zu haben, die Stellung des Körpers nach dem Ausdruck des Gesichts abändern zu können.

Er hat nie aus der Phantasie gearbeitet, da ihn kein innerer Trieb dazu begeisterte, so wagte er aus Furcht der Mittelmäßigkeit niemals Versuche, doch gehörten ein paar Familiengruppen, die er zusammensetzte und wozu er die Personen zu Stellungen sitzen ließ, nicht zu seinen schlechtern Arbeiten. Er war genauer Kopist und Nachahmer der Natur, nur die Arbeiten, wo er treu nachahmen konnte, sind seine bessern, und er hielt ein jedes Bild für mißlungen, wo er nur das geringste aus der Phantasie hinzuzusetzen gezwungen war. Er sah daher zu spät ein, und seine frühern Versuche mit dem Grabstichel überzeugten ihn, daß, wenn er sich gleich in den ersten Jahren ganz dem Kupferstechen gewidmet hätte und treu dabey geblieben wäre, er in diesem Fache etwas besseres würde geleistet haben, da sein ganzes Kunsttalent zur Kupferstecherkunst geeignet war. Was er sich von Kunstkenntnissen erworben hat, verdankt er mehr dem Sehen guter Kunstwerke und dem Arbeiten danach, als der Lektüre. Im Kunstfache hat er nur wenig gelesen, da ihn sein früherer, vielleicht vom Vater geerbter Geschmack mehr zum Lesen der Dichter und der alten lateinischen Klassiker hinzog.

Er litt von Zeit zu Zeit an Hypochondrie[23] und erhielt seine Gesundheit nur durch eine strenge Diät, von der er immer mehr abhängig wurde und die ihn vom geselligen Leben immer mehr entfernte. Ob er gleich bei wenigen Bedürfnissen nie Mangel litt, so war seine Einnahme doch immer zu gering und ungewiß, da ihm überdem ganz das Talent fehlte, seine Kunst lukrativisch anzuwenden, als daß er es, seiner früheren Neigung gemäß, hätte wagen können, sich zu verheirathen. Er sah in späteren Jahren, da er sich selbst mehr kennen gelernt hatte, ein, daß es ein Glück für ihn war, daß ihn keine Sorge für eine Familie drückte, ob er gleich die Unannehmlichkeiten des ledigen Standes in vollem Maße empfand. Die Liebe zu seinen Verwandten in Braunschweig, die er, wenn er irgend konnte, jährlich besuchte, hielt ihn dafür schadlos, doch war diese Liebe zur Heimath schuld, daß er in Berlin nie einheimisch wurde und die 32 Jahre, die er hier verlebt hat, sich immer als Fremdling betrachtete.[24]

In den Jahren der allgemeinen Umwälzung, da alles in der Politik Parthey ergriff, hatte auch er seine eignen Ansichten und herzliche Wünsche für die künftige dauerhafte Ruhe und Sicherheit aller Nationen Europens, ohne alle Vorliebe oder Haß gegen irgend eine einzelne, und wenn er empfand, daß er nicht ganz Preuße seyn konnte, wenn er ganz Braunschweiger war, so wurde oft der Wunsch in ihm rege, die Völker Deutschlands zu Einer Nation vereinigt zu sehen, doch waren die Maßregeln, die man dazu ergriff, nicht nach seinem Sinn, und der Enthusiasmus fürs Altdeutsche in Sitte, Kunst, Kleidung und Sprache, der in den ersten Jahren des Friedens alles ergriffen hatte, führte nach seiner Meinung eher zur Lächerlichkeit als zum Zweck.

Seine Freude an allen Gegenständen der Natur und sein Hang zur Naturgeschichte blieb immer derselbe, ob er gleich ihr Studium nicht ausübte. Ihre Wunder füllten ihn immer mit den heiligsten Gefühlen, und bey ihrer Betrachtung ehrte er den Urheber des Daseyns lieber als in der Kirche. Er wünschte, daß dieser warme Eifer für das Studium der Natur nicht bey ihm schwächer werden mag, um vieleicht, wenn er länger leben sollte, als er seine Kunst mit Liebe treiben kann, seine spätern Jahre zu versüßen. Jetzt in seinem 50sten Jahre ist ihm beständige Ausübung seiner Kunst und besonders des Portraitirens zur Freude des Lebens nothwendig geworden, und ihm fehlt aller Frohsinn, wenn er nicht arbeiten kann. Sein herzlichster Wunsch ist, bis zu seinem letzten Tage seine Kunst mit Beyfall und eigner Freude daran treiben zu können, und wenn ihm dieser gewährt ist, mag diesem Lebenslaufe hinzugefügt werden, daß er mit seinem Schicksale zufrieden gestorben sey.


[1] Manuskript von unbekannter Hand, nach eigenhändigen Aufzeichnungen, 7 Seiten, 4°, geheftet, als Leihgabe des Vereins Berliner Künstler in der Stiftung Archiv der Akademie der Künste Berlin, VBK Nr. 49, aus dem Bestand des Berlinischen Künstlervereins.

[2] (1719-1778), namhaft durch Arbeiten über griechische und lateinische Literatur.

[3] Johann Elias Ridinger (1698-1767), Maler, Grafiker und Grafikverleger in Augsburg. Berühmt insbes. für seine zahlreichen Folgen von Jagdwild-, Jagd- und Tierkampfdarstellungen mit meist moralischem Hintergrund.

[4] (1752-1820), Philologe, 1778 Konrektor des Gymnasiums in Wolfenbüttel, 1790 Direktor des Katharineums in Braunschweig. Namhafter Übersetzter römischer Autoren.

[5] (1738-1815), Schulmann. 1761 am Pädagogium Halle, 1766 Konrektor des Gymnasiums Wolfenbüttel, 1778 als Nachfolger von Heusingers Vater Rektor. Führte Mathematik und Physik in den Lehrplan ein.

[6] Aquarellfarben, nach ihrem Lösungsmittel Gummiarabicum benannt.

[7] Die herzoglich-braunschweigische Gemäldegalerie im Schloß Salzdahlum, auf halbem Weg zwischen Wolfenbüttel und Braunschweig.

[8] Ernst Christian Trapp (1745-1818), Pädagoge. Nach Lehrtätigkeit in Dessau, Halle und Hamburg als Mitarbeiter Basedows und Campes 1786 als Mitglied des Schuldirektoriums nach Braunschweig berufen, 1790 Übersiedlung nach Wolfenbüttel. Verbindungen nach Berlin, wie im folgenden erwähnt, hatte Trapp insbesondere zu Nicolai.

[9] Die herabgekommene Berliner Kunstakademie erhielt noch unter Friedrich II. in der Person des Freiherrn v. Heinitz einen Kurator, der ihre Wiedererrichtung betrieb. Von Friedrich Wilhelm II. (Regierungsantritt im August 1786) wurde ihr Etat bedeutend erhöht.

[10] August Johann Rösel von Rosenhof (1705-1759), Zoologe, Maler Kupferstecher. Sein Hauptwerk ‚Monatlich herausgegebene Insectenbelustigungen’ erschien 1746, 49 und 55. Bereits im Juni 1787 wurde Heusinger als Schüler der Zeichenklassen der Berliner Akademie angenommen. Ab 1789 beteiligte er sich mit Schülerarbeiten an den Ausstellungen.

[11] Johann Friedrich Wilhelm Herbst (1743-1807), Theologe und Zoologe. Nach Studium in Halle Feldprediger in Berlin, 1792 an St. Marien. Carl Gustav Jablonskys (1756-1787) ‚Natursysteme aller bekannten in- und ausländischen Insecten als eine Fortsezzung der von Büffonschen Naturgeschichte’ erschien seit 1783 in Berlin. Herbst setzte sie bis 1806 fort; das Werk blieb Torso. Heusinger ist durch die Bezeichnung im Druck als Zeichner der Vorlagen für die Tafeln des 3. und 4. Teils des 2. Bandes (Käfer) nachweisbar.

[12] Daniel Chodowiecki (1726-1801), Maler, Zeichner und Stecher, führender Meister des Buch- und Kalenderkupfers der dt. Aufklärung. Nach dem Tod Rodes 1797 Direktor der Berliner Kunstakademie.
Bernhard Rode (1725-1797), Maler und Radierer. Schüler von Pesne. Umfangreiches Schaffen für Hof, Adel, Kirchen; Dekorationen ebenso wie Historiengemäle, Porträts und Radierungen. 1783 Direktor der Kunstakademie; auf deren Ausstellung (seit 1786) stets mit einer großen Zahl von Historiengemälden vertreten. Exponent des friderizianischen Rokoko.

[13] Die Gemäldegalerie im 2. Geschoß des Berliner Stadtschlosses, nach langer Vernachlässigung 1787 der Aufsicht der Akademie unterstellt und neu geordnet.

[14] Die ‚Schwarz-’ oder ‚Schabkunst’ (auch ‚englische Manier’) wurde in Berlin bis dahin wohl nur von dem Italiener Domenico Cunego und dem Engländer Charles Townley, die beide bis 1789 einige Zeit hier gearbeitet hatten, ausgeübt.

[15] Jacob Seydelmann (1750-1829), Dresdner Maler und Zeichner, um 1800 Mitdirektor der dortigen Kunstakademie. Berühmt für originalgroße Altmeisterkopien und lebensgroße Porträts in Sepia.

[16] Die Chronologie und damit die Ursache-Wirkung-Relationen sind in Heusingers Darstellung etwas verunklärt. 1793 zeigte er in der Akademieausstellung erstmals eine Altmeisterkopie in Sepia (Wahrsagerin von F. Bol), wurde für diese von der Akademie ausgezeichnet und galt seither bereits als Spezialist für Sepiaarbeiten. Ebenfalls 1793 wurde er von Heinitz, dem die Akademie und die KPM unterstanden, als Zeichenlehrer an die Porzellanmanufaktur verpflichtet, für die er später auch als Entwerfer und Maler gelegentlich tätig war. Die jüngsten Söhne Friedrich Wilhelms II., Heinrich und Wilhelm, deren Unterricht ihm um 1795 übertragen wurde, waren 1781 und 1783 geboren. ‚Marcus Bassanius bei den Vestalinnen’ von Lairesse aus der Galerie im Berliner Schloß zeigte er 1795 in Sepia. Die Zeichnung (heute in der Albertina Wien) erschien allerdings erst 1801, gest. v. W. Arndt, in der ‚Chalcographischen Gesellschaft’. Das Unternehmen wurde 1796 in Dessau von Moritz Freiherr von Brabeck mit Unterstützung von Leopold Friedrich Franz von Anhalt-Dessau als anspruchsvoller Grafikverlag gegründet. Bis 1801 erschienen dort rund 80 Einzelblätter und einige Stichfolgen. Ab 1798 war Heusinger auf den Akademieausstellungen stets mit einer größeren Zahl von Kopien nach Gemälden in den Galerien von Berlin und Dresden in Sepia vertreten, darunter einiges nach Sepiakopien Seydelmanns.

[17] Georg Andreas Hoffmann (1752-1799 [nicht 1808]), Porträtist und Kopist aus Franken. Nach Studium in Leipzig und Dresden seit 1788 in Berlin, 1793 Mitglied der Akademie. Bat schon 1791 vergeblich um Unterstützung zu einer Reise nach Rom. 1797/98 hielt er sich gemeinsam mit einem seiner Brüder auf Kosten der Gräfin Lichtenau, für die er zahlreiche Altmeisterkopien zu malen hatte, in Rom auf.
Friedrich Anton Freiherr von Heinitz (1725-1802), Staatsmann, 1786 Kurator und Erneuerer der Kunstakademie.

[18] Friedrich Wilhelm III. (1770-1840), Luise (1776-1810), Regierungsantritt am 16.11.1797.

[19] Der Erbprinz Wilhelm (I.) von Nassau-Oranien war infolge der Revolutionskriege ins Exis gegangen; er hielt sich überwiegend in Berlin auf. Dessen Söhne unterrichtete Heusinger: Wilhelm (1792-1849) und Friedrich (1797-1881). Diese wiederum waren die Spielkameraden der im folgenden genannten preußischen Prinzen.

[20] Kronprinz Friedrich Wilhelm (1795-1861) und sein Bruder, der spätere Kaiser Wilhelm (1797-1888)

[21] (1794-1863), Sohn des Prinzen Ludwig und der Friederike, Neffe Friedrich Wilhelms III., Gefährte des Kronprinzen und seines Bruders; im Familienkreis Fritz Louis genannt.

[22] Zu diesen aus Gefälligkeit entstandenen Sepiaporträts gehört auch die Reihe von Brustbildnissen von Mitgliedern des Berlinischen Künstlervereins, die Heusinger 1819 bis 1821 für den Verein, für den auch seine Biografie entstanden ist, malte: Selbstporträt, Levezow, Riese, Kretschmar, C. F. und L. W. Wichmann, Zelter, Rungenhagen, Kuhbeil, Hampe, Müller, Völcker, Pascal, Schadow (größtenteils im Stadtmuseum Berlin erhalten).

[23] Hypochondrie, auch ‚Milzbeschwerung’ oder ‚Gelehrtenkrankheit’, beim weibl. Geschlecht ‚Hysterie’, Bezeichnung für allgemeines Unbehagen, insbes. des Unterleibs, auf Nervenschwäche und Bewegungsmangel zurückgeführt.

[24] Durch diese Zeitangabe ist die Biografie auf 1819 zu datieren. 1827 siedelte Heusinger in seine Heimat zurück.


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