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Carl Friedrich Hampe (1772 – Berlin – 1848)

Historien- und Architekturmaler und –zeichner. Akademiebeamter und Gründungsmitglied des Berlinischen Künstlervereins

Quellen: H. H. Füssli (Hrsg.): Allgemeines Künstlerlexikon …, 2. T., 1806 ff.; Katalog der Berliner Akademieausstellung 1850, Vorwort; Thieme/Becker 1907-1950; Ausst.kat. ‘... und abends in Verein’. Johann Gottfried Schadow und der Berlinische Künstler-Verein 1814-1850. Berlin Museum 1983

Schriften: Beiträge zu einer Kunstgeschichte der Mark Brandenburg. In: Berliner Kunst-Blatt, 1828, 5. Heft, S. 139-148 (über mittelalterl. Architektur und Malerei; vermutlich aus einem Vortrag im Künstlerverein hervorgegangen); Biograph. Notiz über den verstorbenen Kupferstecher Eberhard Siegfried Henne. Ebd., 1828, 12. Heft, S. 361-364 

Werke: Stadtmuseum Berlin, graph. Slg.; Alte Nationalgalerie Berlin

Autobiographie, um 1820,[1] kommentiert von Reimar F. Lacher

Carl Friedrich Hampe, gebohren zu Berlin den 13 July 1772, wurde den 11 Juny 1788 als Schüler der Academie aufgenommen. Ohne zu wissen, was eigentlich zum Studium eines Künstlers gehöre und ohne alle Bekanntschaft mit Künstlern, wurden zu Hause die eigenen auf der Academie gemachten Zeichnungen nachgemacht, bis 1790 der Professor Gottfried Niedlich sich meiner freundschaftlich und ohne allen Eigennutz annahm und mein Studium so lange zweckmäßig leitete, bis er Berlin verließ und seine Reise nach Italien antrat.[2] Eine entschiedene Abneigung gegen das Bildnißmalen bestimmte mich, mich mehr auf Compositionen zu beschränken, von welchen die ersten im Jahre 1796 (Scenen aus dem siebenjährigen Kriege) im Publikum erschienen.[3] Der Wunsch, meine eigenen, für Buchhändler gemachten Zeichnungen in Kupfer zu stechen, bewog mich, mehrere Versuche darin zu machen, die aber aus Mangel an Zeit und Geduld bald wieder eingestellt wurden.

Die unglückliche Epoche von 1806, welche so vielen verderblich war und so große Umwälzungen bewirkte, änderte auch meine ganze Laufbahn. Der Buchhandel stockte gänzlich, mit ihm waren auch die Mittel zu meiner Erhaltung verlohren. Ohne Geld, ohne Aussichten, meine vorigen Geschäfte wieder anfangen zu können, widmete ich meine Zeit allein dem Unterricht. So scheinbar nachtheilig dies für mein Studium sein mußte, so wohlthätig wirkte es auf dasselbe zurück; durch ihn meine schwächsten Seiten kennen lernend, suchte ich mir das Fehlende zu ersetzen. Über die vom Professor Wagner erlernten Elemente der Perspective dachte ich reichlicher nach und brachte es darin durch angestrengte Bemühungen zu einer Klarheit, von welcher ich vorher nur eine Ahndung hatte.[4] Ein eigener Trieb, das Erlernte anzuwenden, und eine vorherrschende Liebe zur Perspective bewogen mich, in Öhl zu malen und 1810 die ersten meiner Bilder auszustellen.[5]

Mehrere, größtentheils Fußreisen nach Schlesien, Böhmen, den Harz, Braunschweig, Naumburg, Dresden u. s. w. trugen viel zur Erweiterung meines Ideenkreises bey, besonders in Hinsicht der alten Bauwerke, deren Studium mir vorzüglich nützlich wurde. Im Jahre 1816 wurde ich von der Academie zum ordentlichen Mitgliede aufgenommen.[6]


[1] Manuskript von unbekannter Hand, 2 Seiten, 2°, als Leihgabe des Vereins Berliner Künstler in der Stiftung Archiv der Akademie der Künste Berlin, VBK Nr. 46, aus dem Bestand des Berlinischen Künstlervereins.

[2] Johann Gottfried Niedlich (1766-1837), Historienmaler. Seit 1786 Schüler der Berliner Kunstakademie, zur fraglichen Zeit noch keineswegs Prof., sondern seit einem unbekannten Zeitpunkt Hilfslehrer in einer der Zeichenklassen, bis er 1789 auf eigene Bitte aus dieser Funktion entlassen wurde. 1794/95-98 in Italien. 1802 Prof. an der Akademie.

[3] Hampe wählte Stoffe aus der vaterländischen Geschichte, noch bevor sich die Mehrheit der Berliner Künstler ab 1799 dieses Motivgebiets annahm. An frühen Stichvorlagen von Darstellungen aus dem sienbenjährigen Krieg von der Hand Hampes sind bekannt: Friedrich bei Kollin, gest. v. Bollinger; Friedrich nach der Schlacht bei Roßbach, 1796, gest. v. Haas, 1799; Friedrich und Ziethen bei Leuthen, gest. v. Haas, 1799; Friedrich in Lissa, gest. v. Wachsmann; Friedrich nach der Schlacht bei Kunersdorf, gest. v. Peschke; Friedrich vor der Schlacht bei Liegnitz, 1797, gest. v. Ponhaimer; dasselbe gest. v. Ringk; Friedrich nach der Schlacht bei Liegnitz, gest. v. Ringk 1799. 1798 machte sich Hampe einen Namen als Zeichner eines Doppelporträts des jungen Königpaars, Arm in Arm durch das Brandenburger Tor promenierend, gest. v. Nettling.

[4] Johann Friedr. Wilhelm Wagner (1722-1808), seit 1746 Mitglied der Akademie, Prof. f. Architektur, Geometrie, Perspektive (bis 1805).

[5] Seit 1795 war Hampe nicht mehr in den Akademieausstellungen vertreten gewesen. Ab 1810 präsentierte er regelmäßig Ölgemälde, meist mit mittelalterlicher Architektur, was auch im Nachruf im Ausstellungskatalog des Jahres 1850 hervorgehoben wurde. Damit gehörte Hampe zu den frühesten Vertretern der bedeutenden Gattung der Berliner Architektur-, auch Interieurmalerei des 19. Jahrhunderts.

[6] Nach der Abfassung der Biografie wurde Hampe 1823 Lehrer an der akademischen Zeichenschule, 1829 deren Vorsteher, 1825 Prof. und Inspektor der Akademie, 1828 Senatsmitglied. Die Autobiografie entstand gemäß dem Beschluß des Berlinischen Künstlervereins aus dem Jahr 1818, daß jedes Mitglied seinen Lebenslauf und sein Portät hier archivieren solle. Hampes Bildnis malten Heusinger und Blechen (aus dem Besitz des Vereins im Stadtmuseum Berlin).


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