Architekt, Architekturtheoretiker, Manufakturunternehmer. Initiator und Gründungsschriftführer des Berlinischen Künstler-Vereins
Quellen: Neues allgemeines Künstler-Lexikon ... Bearb. v. G. K. Nagler, Leipzig 1835-1852; Allgemeine Deutsche Biographie. Hrsg. v. d. Historischen Commission bei der Königl. Akademie der Wissenschaften, 1875-1912; Thieme/Becker 1907-1950; Ausst.kat. ‘... und abends in Verein’. Johann Gottfried Schadow und der Berlinische Künstler-Verein 1814-1850. Berlin Museum 1983; Uwe Kieling: Berliner Baubeamte und Staatsarchitekten im 19. Jahrhundert. Biographisches Lexikon. Berlin 1986 (Miniaturen zur Geschichte, Kultur und Denkmalpflege Berlins 17); Saur Allgemeines Künstlerlexikon. Die bildenden Künstler aller Zeiten und Völker. Begr. v. Günter Meißner, München u. a. 1992 ff.; Rolf H. Johannsen: Ludwig Friedrich (Louis) Catel. Biographie, Schriften- und Werkverzeichnis. Onlinepublikation unter www. berliner-klassik.de
Schriften (Ergänzung zu R. H. Johannsen): Darstellungen von merkwürdigen Gegenden und berühmten Bauwerken in der Arte der Panoramen. In: Haude & Spenersche Zeitung, 29.12.1808; H. J. v. Wallhausen [Peudonym]: Über das Exercitium mit der Pike, im Anfange des 17ten Jahrhunderts. In Hinsicht auf den Gebrauch der Pike bei dem Landsturm. Berlin und Salfeld 1813; Versuche mit Dampf-Feuerungen. In: Vossische Zeitung, 8.2.1816
Werke: Zeichnungen: Stadtmuseum Berlin, graph. Slg.; SMBPK Kunstbibliothek; Privatbesitz Wolfenbüttel. Farbrikerzeugnisse: Stiftung preußische Schlösser und Gärten; Kunstgewerbemuseum Berlin; Altar in St. Laurentius Havelberg. Bauten: Schloß Owinsk bei Posen (von Schinkel umgebaut, erhalten); Badehaus in Putbus (verändert 1820, umgebaut 1833, erhalten); Welpersches Badehaus, Berlin (nicht erhalten, Abbildungen vorhanden); Orangerie in Pankow, Breite Straße 44 (nicht erhalten, Abbildungen vorhanden)
Biographie, vermutlich von der Witwe Henriette Friederike geb. Schiller, 1819/20,[1] kommentiert von Reimar F. Lacher
Ludwig Friedrich Catel, gebohren in Berlin am 20ten Juni 1776, war der älteste Sohn des Herrn Peter Friedrich Catel, Assessors bei dem damaligen französischen Gericht. Im Jahr 1774 hatte sich derselbe verheiratet mit Elisabeth Wilhelmine, der ältesten 17jährigen Tochter des Kaufmanns Herrn Rousset in Berlin. Beiderseits Großeltern waren aus Frankreich vertrieben, als Refugies eingewandert in den Brandenburgischen Staaten.[2]
Unser Ludwig Catel war ein schwächliches Kind, und bedurfte deshalb umso mehr der mütterlichen Pflege. Die Mutter, die ihren Erstgebohrenen innigst liebte und ihn sich zu erhalten wünschte, hatte endlich die Freude, ihre Mühe belohnt, den Kleinen kräftiger werden und ihn mehr und mehr sich entwickeln zu sehen. Ihr liebevoller, freundlich heiterer Sinn, verbunden mit aufrichtiger Gottesfurcht, theilte sich ihrem Sohne mit. Sie hatte eine sehr sorgfältige Erziehung erhalten, ihr Geist war gebildet und mit schönen Kenntnißen ausgestattet; indessen durfte sie in späteren Jahren doch nicht eigentlich an der Erziehung ihrer Söhne theilnehmen, weil der sehr ernste und verständige Vater seine eigenen Ansichten hierüber hegte. Er war ein recht geschickter Mechaniker, verfertigte Uhren, Termometer, Globusse und dergl. mehr zu seinem Vergnügen. Zuletzt fand er so viel Gefallen an diesen Beschäftigungen, daß er sein Amt niederlegte und eine Handlung etablirte, die sich von Jahr zu Jahr mehr durch sinnreiche Erfindung auszeichnete, so wohl im Großen als besonders auch im Kleinen. Diese Handlung bestand viele Jahre blühend in Berlin in der Brüderstraße; sie gewährte vorzüglich zur Weihnachtszeit für Groß und Klein die angenehmste Unterhaltung.[3] Er ließ seine beiden Söhne, unsern Ludwig und den zwei Jahre später gebohrenen Franz,[4] theil nehmen an den künstlichen Zusammensetzungen der allerlieblichsten Spielwercke, die er dem Publikum lieferte, und suchte so ihnen nicht allein Geschicklichkeit zu Handarbeiten beizubringen, sondern auch einen merkantilischen Sinn in ihnen zu erwecken. Er bestimmte seine Söhne zu Handwerker, weil er diesen Stand als einen der nutzbaarsten ehrte, und der, wenn er zweckmäßig behandelt wird, ein sicherer Broderwerb ist. Der älteste Sohn sollte Buchdrucker, der Jüngere ein Holzbildhauer werden. Er ließ ihnen daher wohl die nöthigen Schulkenntniße lehren, aber keine wissenschaftliche Bildung geben.
Zwölf Jahre alt wurde Catel zu einem Buchdrucker in die Lehre gegeben. Er war höchst mißvergnügt in diesem Verhältniß! Das Geschäft gefiel ihm nicht, sein lebhafter Geist verlangte nach mehr und anderer Beschäftigung. Wenn er dies auch der Mutter klagte, durfte er es dem Vater nicht hören lassen, der streng auf das einmal gefaßte Vorhaben hielt und sein Wort nicht wieder zurück nahm. In dieser drückenden Lage, von der er sich nicht befreien konnte, fing er an, mit Aufmerksamkeit zu lesen, was in die Druckerei geliefert ward. Ganz besonders zogen ihn Bücher der Mathematik, die damals viel gedruckt wurden, an, so daß diese nicht allein seine liebste Unterhaltung, sondern sein Studium wurden, welches er ganz in der Stille trieb.
Sein Vater, der Jahre lang gekränkelt hatte, starb einige 40 Jahr alt an der Auszehrung, als Catel eben 16 Jahr alt war [1791].
Jetzt zersprengte er die Bande, die ihm immer peinlicher geworden waren. Er erklärte seiner Mutter: „daß er nach dem Willen des Vaters das Buchdrucker-Handwerk zwar erlernt habe und jetzt auch ausgeschrieben worden sei, es ihm aber nicht möglich wäre, hierbei zu verbleiben.“ Die Mutter war heftig erschrocken, wurde aber bald weich und nachgebend, als der Sohn ihr von seinen Studien in der Mathematik sprach und sie bat, ihn von einem bewährten Lehrer dieses Faches hierinn examiniren und weiter unterrichten zu lassen, weil er gesonnen sei, das Baufach als sein künftiges Studium zu erwählen. Nachdem die Mutter und der Vormund nach einigen Kämpfen ihre völlige Zustimmung gegeben hatten, war er sehr froh, ging [um 1792] tüchtig an das Werck und wurde ein fleißiger Schüler mehrerer ausgezeichneter Lehrer.
Auch in anderen Wissenschaften hatte er viel nachzuholen, aber sein reger Geist strebte zu etwas Höherem herann; und so ließ er seiner Thätigkeit keine Ruhe. Seine Studien im Baufache begann er bei dem damaligen Assessor Herrn Meinicki;[5] später arbeitete er bei dem Herrn Geh. Ober Bau Rath Gilly, der ihn liebgewann und ihm sein Wohlwollen schenkte.[6] Mit Gillys talentvollem Sohne befreundete er sich sehr und suchte ihm nachzustreben in der Kunst.[7] In dieser Zeit entstand auch seine Freundschaft mit Schinkel, Rabe und mehrern andern ausgezeichnete Männer, die sich auf Achtung gestützt, bis zu seiner lezten traurigen Krankheit, treu in ihm erhielt.[8]
Nachdem er einige Jahre sich ununterbrochen dem Studium des Baufaches gewidmet hatte, wurde er nach vollbrachter Prüfung vom Geh. Ober Baurath Gilly auf Diäten als Conducteur bei dem Schleusenbau des Bromberger Canals angestellt.[9] Während seinen Geschäften hatte er daselbst mit einem hartnäckigen Fieber zu kämpfen. Als ihn dies verließ, stellte sich eine Art von Hypochondrie ein.[10] Dieser Zustand machte ihn sehr unglücklich! Mit Freuden nahm er daher seine Zurückberufung nach seiner Vaterstadt an, wo bald in der Ausarbeitung seines größeren Examens seinem Geiste neue Anstrengung und Zerstreuung ward,[11] so daß die Hypochondrie verschwand und auch nie wieder gekehrt ist.
Sein Bruder, der das Fach des Bildhauers mit dem des Zeichners vertauscht [hatte], hatte während unsers Catels Abwesenheit einen Ruf nach der Schweitz erhalten, um dort Gegenden aufzunehmen. Er befand sich unter annehmlichen Bedingungen sehr glücklich daselbst und wünschte bei der herzlichen Liebe, die beide Brüder stets verband, nichts so sehr, als mit seinem Bruder vereint arbeiten zu können. Seine dringend auffordernden Briefe bestimmten endlich unsern Ludwig, seinen vollendet ausgearbeiteten Examen zusammenzupacken, sich zur Reise zu rüsten und das Examen selbst bis zu seiner Rückkehr zu verschieben. Seinen Vorgesetzten war dies nicht recht! Indessen er hatte die Erlaubniß seiner Mutter zur Reise, und mit ihren Segenswünschen machte er sich auf den Weg.
Diese Reise machte freilich einen sorglosen Abschnitt in Catels Lebens Verhältniße, sie unterbrach den ruhigen Wirkungskreis, welchen er durchschreiten sollte! Aber – er lebte ein freies, fröhliches Leben in der Schweitz, half seinem Bruder wo er konnte und vernachläßigte sein eigenes Studium auch nicht. Interessante Bekanntschaften mit älteren und jüngeren würdigen Männern erhöhten ihm den Lebensgenuß in der schönen Natur der Schweitz, so daß ihm dieser Aufenthalt in den fröhlichsten Tagen des Jugendlebens immer idillisch reizend im Gedächtniß blieb.
Die Nähe von Italien erregte natürlich in den beiden Brüdern den sehnlichen Wunsch, das schöne Land heimzusuchen. Erlaubniß von Berlin aus ward ihnen dazu ertheilt, aber die Kriegs-Unruhen, von denen damals Italien ergriffen war, verhinderten ihr Vorhaben. Nachdem der jüngere Bruder sein Geschäft in der Schweitz vollendet hatte, entschloßen sie sich anders, gingen von Zürich nach Basel und verschafften sich dort Pässe nach Paris.
Eine neue Welt voll regen Lebens ging unserm Catel in Paris auf! Das französische Volck befand sich damals (es war im Jahr 1798) im letzten Taumel ihres Freiheitsrausches, als die beiden Brüder in Paris eintrafen. Lebhaft und geistvoll, wie Catel war, gewährte ihm jedes Neue Freude, es ergriff ihn wohl auch heftig (wie das bei jungen Gemüthern leicht der Fall ist), ohne ihn fest zu halten. Sein genialer Sinn entwickelte sich nur mehr dadurch.
Für sein Fach arbeitete er mit großer Lust in Paris; er traf die reichsten Sammlungen vortrefflicher Wercke dort an, wonach er seine Kenntniße erweitern und seinen Geschmack bilden konnte.
Das gesellschaftliche Leben gab ihm ebenfalls Veranlassung, sich fort zu bilden. Durch gute Empfehlungen fand er Eingang bei mehreren ausgezeichneten und berühmten Männern. Auch der damalige Preußische Gesandte in Paris, Herr Baron von Humboldt, sah ihn gern in dem sehr angenehmen und geistreichen Cirkel seines Hauses.[12]
Im Jahr 1799, nach einjährigem Aufenthalt in Paris, kehrte Catel nach Berlin zurück, um als nützliches Mitglied seinem Vaterlande seine Kräfte zu weihen.
Ein unbezwinglicher Sinn für Freiheit und Ungebundenheit bestimmte ihn aber, nicht um eine Anstellung bei dem königl. Bau-Departement nachzusuchen.[13] Er war thätig für sich in der Baukunst und machte daneben Versuche, ein Projeckt auszuführen, was ihm einen dauernden Broderwerb gewähren und seine freie Existenz sichern sollte. Seine Bemühungen gelangen: mit dem Anfange des Jahres 1801 eröffnete er dem Publikum ein Warenlager von schönen, in Stuck musivisch eingelegten Arbeiten.[14] Seine Musivische Stuck-Fabrik erregte der geschmackvollen Arbeiten wegen, die sie lieferte, bald die Aufmerksamkeit Sr. Majestät des Königs, von dem Catel ein Patent auf 10 Jahr für die alleinige Anfertigung dieser Arbeiten erhielt. Das Königl. Paar selbst beehrte die Fabrik mit einem Besuche und machte als Beweis ihrer Zufriedenheit mehrere Bestellungen.[15]
Auch das kunstliebende Publikum des Inn- und Auslandes fand Geschmack an diesen Arbeiten, so daß die Fabrik viel beschäftigt ward.
Sr. Königl. Hoheit der Großherzog von Sachsen-Weimar war damals im Begriff, das Weimarsche Residenz-Schloß auszubauen. Bei der Anwesenheit desselben in Berlin machte der Herzog, nachdem er die Fabrik in Augenschein genommen, dem Besitzer so bedeutende Bestellungen, daß diese Arbeiten, von denen viele im Schlosse zu Weimar selbst angefertigt werden mußten, Catels Gegenwart in Weimar nothwendig machten. Länger als zwei Jahre hielt er sich nun so lange, als diese Arbeiten währten, abwechselnd in Weimar und Berlin auf. Unabläßig war er in dieser Zeit bemüht, seine musivische Stuck-Arbeiten durch neue geschmackvolle Erfindungen zu verbessern, und nebenbei arbeitete er an Bau-Plänen, die ihm bestellt wurden.[16]
Im Winter des Jahres 1801 gab ihm der Bau des Schauspielhauses in Berlin Veranlassung zu der Herausgabe seiner ersten Schrift, betitelt: „Vorschläge zur Verbesserung der Schauspielhäuser“ von Louis Catel Architect, 1802.
Im Sommer des Jahres 1802 verheirathete sich Catel in Berlin mit Henriette Friederike Schiller, ältesten Tochter des Herrn Canzlei Director Schiller bei der Königl. Ober-Rechen-Kammer.
Der Aufenthalt in Weimar war für ihn höchst genußreich. Die persönliche Bekanntschaft mit Göthe, Schiller, Wieland und mehreren der geistreichsten Männern unserer Zeit, die damals in Weimar versammelt waren, ward ihm hier.[17] Von allen wurde Catel mit Güte, ja mit Achtung und Auszeichnung behandelt, mit einigen befreundete er sich herzlich, so daß er tief gerührt mit reichen Erinnerungen im Herzen im Sommer 1803, nachdem sein Geschäft vollendet war, Weimar verließ. Als sich Catel dem Gr. Herzoge empfahl, war der edle Herzog so gnädig, ihm noch Dank zu sagen für die schönen Arbeiten, die er in seinem Schlossen geliefert.
Er reiste mit seiner Frau von Weimar zuerst nach Dresden und erfreute sich ein paar Wochen lang des ungestörtesten Genußes der Kunstschätze dieser Stadt und ihrer reizenden Naturumgebungen, dann ging er nach Berlin zurück, wo ihm bald das interessante Geschäft ward, unter Hofrath Hirt’s oberer Leitung, die Zimmer für Sr. Königl. Hoheit dem Prinzen Wilhelm im Königl. Schloße einzurichten.[18] –
Im Frühjahr 1804 reiste er nach Pohlen, um nach Plänen, die er im Winter ausgearbeitet, ein Schloß für den Herrn v. Treskow in Owinsk bei Posen zu erbauen.[19] Dieser Bau beschäftigte ihn von 1804 bis im Sommer 1806. Neben der Leitung des Schloß-Baues legte er zugleicherzeit dem H. v. Tresk. eine Ziegelei und Kalckbrennerei in Owinsk an. – Nach Beendigung dieser Geschäfte im Spätsommer des Jahres 1806 wollte er für sich eine Ziegelei auf den Rollbergen bei Berlin erbauen, wozu er bereits mehrere Vorkehrungen getroffen, als der Krieg ausbrach und diesem Vorhaben Schranken setzte.
Wie Berlin von den Feinden besetzt war, wurde Catel aufgefordert, weil er sehr geläufig französisch sprach und schrieb, an den Geschäften des Einquartierung-Büreaus Antheil zu nehmen. Dies that er gern und willig unentgeldlich, er diente und half, wo er konnte. Sein zum Wohlthung geneigter Sinn ließ ihn sich auch thätig der Armen annehmen, die bei der damaligen traurigen Lage der Stadt sehr litten. Eifrigst bemühte er sich mit, Suppenanstalten für die Armen zu errichten, wodurch ein großer Theil von ihnen den Winter über ernährt wurde. Das innigste Mitleid flößten ihm die vielen verarmten Handwercker ein, deren unglückliche Kinder er mit Jammer ansah, da sie in den Waisenhäusern keine Aufnahme fanden! Dies gab ihm die Idee ein, einen Plan auszuarbeiten für ein Institut von 60 Knaben verarmter Eltern, um diese Knaben auf der mindest kostspieligen und zweckmäßigsten Weise vom 6ten bis 14ten Jahre zu erziehen und zu tüchtige Handwercker zu bilden. Er gebrauchte diesen Plan zu einer Vorlesung in der Humanitätsgesellschaft, deren Mitglied er seit dem Jahre 1802 war.[20] Er hoffte und wünschte, wenn bessere Zeiten einträfen, diesen Plan vielleicht realisirt zu sehen. Indessen der wohlausgearbeitete Plan fand so vielen Beifall, daß einige würdige Männer den edlen Zweck des Wohlthuns in den großen Drang der Zeiten fest im Auge haltend, Catel aufforderten, seinen Plan nicht für bessere Zeiten aufzusparen, sondern mit ihnen vereint sogleich dafür zu würken. So entstand ein würdiger Verein ehrenwerther Männer aus verschiedenen Ständen. Ihren Zweck, Gutes zu thun, segnete Gott! Am 9ten September 1807 wurde das Institut zuerst mit 30 Knaben begründet und durch eine feierliche Rede vom Herrn Probst Hanstein eingeweiht. Ihre Majestät die Königinn gab als Beschützerin dem Institute den Nahmen Luisenstift. Sie übernahm höchstselbst für die Erziehung dreier Knaben in diesem Stifte die Kosten, neben anderen Beweisen ihrer Huld, die sie dem Stifte auch bis zu ihrem Tode nicht entzogen hat. Auf diesem Stifte, welches in den trübsten Zeiten der Noth entstanden war, ruhte so augenscheinlich Gottsegen, daß es in wenigen Jahren 60 Knaben aufzunehmen und zu erziehen im Stande war. Catel hatte große Freude am Gedeihen dieses Stiftes! So lange es seine Zeit und seine Anwesenheit in Berlin erlaubte, gab er den Kindern selbst Unterricht im Zeichnen und nahm überhaupt thätigen Antheil an allen Einrichtungen dieser Anstalt.[21]
Die vielen vom Kriege verheerten Dörfer veranlassten Catel in dieser Zeit, nachdem er früher über Verbesserung der Ziegelsteine geschrieben hatte, auch ein Buch „Guter Rath für denjenigen Landmann, welcher durch die Folgen des Krieges sein Wohnhaus, seine Ställe und Scheunen eingebüßt hat“ heraus zu geben.
Bald nachdem dieses Buch erschienen war, kam ihm der Antrag von einem Herrn v. Arnstädt, das abgebrannte Dorf Löwenberg nach seinen Vorschlägen wieder aufzubauen. Dieser Bau, den er im Sommer 1808 auch würcklich begann, mußte späterhin liegen bleiben, weil Verhältniße dem Gutsbesitzer nicht erlaubten, den Bau fortzusetzen.[22]
Im Frühjahr 1809 fand seine Stuck-Fabrik zuerst wieder Beschäftigung. Selbst nicht reich, hatte er dennoch in den traurigen Zeiten einigen Arbeitern seiner Fabrik beständig Unterstützung gereicht und manche sehr hübsche neue Erfindung in diesem Fache gemacht, um nur die Arbeiter zu beschäftigen, da keine Bestellungen waren, bis im Frühjahr 1809 sich wieder einiges Leben zu regen begann, und er besonders für die Zimmer Ihro Majestät der Königinn, die ihn persönlich kannte und wohlwollte, mehrere Arbeiten zu liefern bekam.[23]
Im Sommer 1809 bekam Catel einen Antrag von der Schloß-Bau-Commission in Braunschweig, die innere Einrichtung ihres Stadt-Schloßes zu übernehmen.[24] Er reiste darauf im September dieses Jahres nach Braunschweig und übernahm das schwierige, weitläuftige, aber ehrenvolle Geschäft. Mit der angestrengtesten Thätigkeit arbeitete er hier und mit dem aufrichtigsten Wunsche, dem Vertrauen der Schloß-Bau-Commission zu genügen. Nach seiner Angabe und seinen Zeichnungen sind die Zimmer des Braunschweigischen Schloßes eingerichtet. Wenn auch das allegorische Prinzip, welches Catel der ganzen Einrichtung zur Basis gab, nach und nach erloschen und jezt in unseren Tagen selbst nicht mehr ganz anwendbar ist, so werden diese Zimmer doch gewiß noch lange dem Auge des Beschauers wohlgefällig erscheinen, und Catels Gefühl für Schönheit in der Anordnung wird dem Kenner nicht entgehen.
Catels unermüdlich reger Geist fand, während er diesen Schloß-Bau leitete, noch Muße für manche andere Nebenarbeit. So machte er in Braunschweig Pläne und ausführliche Zeichnungen zu einem großen Schauspielhause in allen seinen Theilen für eine Residenzstadt. Auch für ein kleineres Theater machte er einen Entwurf. Landhäuser wußte er besonders artig zu erfinden; er zeichnete mehrere in dieser Zeit und ließ sich sogar auf eine Restauration einer Villa des jüngeren Plinius Tusci ein.[25]
Während er in Braunschweig war, starb im November 1809 seine vortreffliche Mutter in Berlin.
Seit dem Jahre 1801 hatte Catel das Studium der Philosophie lieb gewonnen, vielleicht durch die persönliche Bekanntschaft der beiden Brüder August Wilhelm und Friedrich v. Schlegel dazu aufgeregt, deren Vorlesungen er in Berlin hörte.[26] Er hatte zuerst die Kanntsche Philosophie sich zu eigen zu machen gesucht und wurde, auf diese gestützt, später ein eifriger Schüler von Fichte.[27] Er wußte in diesem Sinne mit seinen Freunden lange und ernste Gespräche zu führen. Sonst war er ein heiterer Mensch und ein angenehmer Gesellschafter durch sein vielseitiges Wissen. Sein Scharfsinn machte ihn oft witzig, doch jemanden dadurch wehe zu thun, war gewiß nie seine Absicht, dafür war sein edles, menschenfreundliches Herz Bürge.
Wohlaufgenommen in den angesehendsten Häusern Braunschweigs, in einigen herzlich geliebt und befreundet, schloß er daselbst unterandern ein inniges Freundschaftsband mit ein, dem seinigen verwandten Gemüth. Dieser Freund war der regierende Graf von Solms-Rödelheim, der sich damals in Braunschweig aufhielt.[28] Ist jemals Catels Werth erkannt worden, so wurde er es in Wahrheit von diesem herrlichen, höchst ausgezeichneten Mann. Wie er Catels tiefes, schönes Gefühl und sein edles Streben für die Kunst zu schätzen wußte, und wie sehr er bis an seinem Tode, der im Februar 1818 erfolgte, sein treuer Freund geblieben ist, beweißt die Sammlung sehr gehaltvoller Briefe von ihm, die sich unter Catels Papieren befindet. – In den traulichen Stunden des Gesprächs über Kunst und Wissenschaft weilte beider Geist oft sehnsüchtig auf italienische Fluren, und mit diesem würdigen Freunde entwarf er zuerst den festen Plan zu einer Reise nach Italien, die immer der schönste Punkt aller seiner Wünsche blieb. Der Graf konnte späterhin nicht, wie er wünschte, diese Reise zum Theil mit ihm gemeinschaftlich machen, andere Verhältniße hielten ihn in Deutschland zurück. Catel aber, nachdem er einmal den festen Vorsatz gefaßt hatte, arbeitete unabläßig ihn auszuführen. So gelang es ihm mit der Einrichtung der Zimmer des Braunschweigischen Schlosses bis zum Sommer 1811 so weit vorgerückt zu sein, daß seine persönliche Gegenwart nicht mehr nothwendige Bendingung dabei war.
Steine Stuck-Fabrik in Berlin hatte, während er in Braunschweig war, ganz aufgehört zu arbeiten. Nichts band ihn weiter in dieser Zeit; er ordnete seine Angelegenheiten und machte sich heiteren Sinnes im August 1811 in Begleitung seiner Frau von Braunschweig aus auf den Weg nach Italien. Zuerst ging er über Cassel, Wetzlar u. s. w. nach Coblenz den Rhein entlang nach Frankfurth, von da über Carlsruh auf Strassburg, durch den Schwarzwald nach Schaffhausen und weiter über Constanz nach Zürich. Von Zürich ging er auf Bern bis Vevai, von wo aus er seinen Weg durch das Wallis Thal über den Simplon nach Italien nahm. Er erlaubte sich so viel Zeit zur Reise, um was Natur und Kunst darbot in Augenschein nehmen zu können. Auch manchen alten werthen Freund sah er auf dieser Reise wieder! Und mancher neuen interessanten Bekanntschaft erfreute er sich. Nachdem er in Italien die Borromäischen Inseln besucht, wandte er sich nach Mailand, wo er mit seinem Bruder zusammen traf, der seit dem Jahre 1807 abwechselnd im Elsaß und in Paris gelebt hatte. Die Brüder gingen nun vereint weiter über Bologna nach Florenz, wo einige Zeit verweilt wurde, von da trafen sie über Siena am 28ten October 1811 in Rom ein.
Catel blieb ein halbes Jahr in Rom. Er fühlte sich sehr glücklich in dieser erhabenen Kunstwelt! Er sah, er studierte und arbeitete mit großem Fleiße. Neben den vielen Skizzen, die er auf dieser Reise sammelte, von denen er manche, wenn er ruhte, weiter ausführte, machte er in Rom Pläne und Zeichnungen zu einigen sehr hübschen Landhäusern. Die beiden Landhäuser des jüngeren Plinius, Laurentinum und Tusculum, von denen freilich keine Spur mehr vorhanden, restaurirte er, begeistert von den Boden, worauf sie ehemals standen, höchst genial und lieferte eine Beschreibung dazu.[29] Ganz besonders beschäftigte ihn auch in Rom eine Sammlung von Gipsabgüssen aus dem Verzierungs-Fache, die er für sich mit nach Berlin nahm. Diese Sammlung zweckmäßig zu wählen, abformen zu lassen und das Fehlende durch Zeichnungen zu ergänzen, kostete ihm viel Zeit.[30]
Den ganzen Monath April 1812 brachte er in Neapel zu. Von dort aus besuchte er die paradiesischen Küstenländer, bestieg den Vesuv, war einige male in Pompeji und sah die Tempel zu Pestum. Dies war das weiteste Ziel seiner Reise! Nachdem er noch Ischia und Procida besucht, trennte er sich in Neapel von seinem Bruder und traf am 3ten Mai mit seiner Frau wieder in Rom ein. In den letzten Tagen des Mai’s verließ er Rom. Mit sehnsüchtiger Schwermuth sah er die Kuppeln und Thürme der großen Stadt seinen Augen immer mehr entschwinden, bis die Liebe für sein deutsches Vaterland wieder mächtig genug in seinem Inneren ward, ihm den Abschied von Rom erträglich zu machen!
In Rom traf ihn ein Ruf nach Strassburg, als Wasser-Bau-Director, den er nicht annahm, so wie er frühere Anträge, sich in Paris niederzulassen, abgelehnt hatte.[31] Seinem Vaterlande nur und nicht Fremden wollte er dienen, dies war immer sein Wunsch und sein Streben!
Seine Rückreise von Rom ging über Terni, Peruggia nach Florenz, wo er ein paar Wochen blieb. Ende Juni reiste er von dort nach Venedig, dann über Verona auf Mailand. Hier wählte er den Weg über den Comer See, über den Splügen, zuerst nach der Schweitz und dann über Augsburg, Nürnberg und Weimar (wo man ihn, den früher Gekannten, sehr herzlich aufnahm) nach Braunschweig. Am 30ten September 1812 traf er in Berlin ein.
Da er jetzt ohne Geschäfte war, faßte er den Entschluß, ein Werck über Landhäuser und Wohnhäuser mit zweckmäßigen Zeichnungen heraus zu geben, jedoch hieran wurde er bald durch die Ereigniße der Zeit gehindert.
Das Vaterland war in Gefahr! Einjeder wollte und that das seinige, so auch Catel. Gern wäre er mit in die Reihen der Krieger getreten, hätten Ärzte ihm nicht davon abgerathen, weil seine Gesundheit keinesweges dauerhaft war. Er litt seit seinen Jünglingsjahren alle Winter an einem sehr heften Husten und anderen Übeln, so daß seine Gesundheit stets einiger Pflege bedurfte, besonders da er in seiner künstlerischen Zerstreutheit wenig Achtsamkeit auf sich selbst hatte. Um nun auf eine andere Art seinem Vaterlande zu nützen, unterahm er leidenschaftlich das Studium der Kriegs-Wissenschaft, die er als eine der Baukunst verwandte ansah, und arbeitete mehrere Pläne und Entwürfe aus, von denen er einiges Sr. Majestät dem Könige, anderes pracktischen Kriegskünstlern zur Prüfung sandte.
Dieses Streben veranlaßte auch den Druck zweier kleiner Schriften im Jahr 1813: „Über das Exercitium mit der Pike“ und „Der Heliopol der Neueren“.[32] Später im Jahr 1815 erschien von ihm „Umriß eines Sistems der Vertheidigungs- und Befestigungs-Kunst geographisch und geschichtlich bedingter Grenzen eines Landes“, als Handschrift gedruckt und an Freunde des Vaterlandes vertheilt. Er kam hierdurch in Berührung mit Fürsten und Heerführer der großen, an Begebenheiten reichen Zeit.-
Die Kunst lag in dieser Zeit in Berlin erstorben, keine Anregung, sie wieder aufblühen zu machen, war für das Erste zu hoffen. Er, der aus dem schönen Lande der Kunst nicht lange erst heimgekehrt war, konnte sich nicht begnügen (schwang auch die Zeit ihr eisernes Scepter), ohne irgend ein Streben für sie, ruhig zu bleiben. Er kam mit einigen Freunden überein, wöchentlich einen Abend künstlerischen Unterhaltungen zu widmen. Die erste Zusammenkunft dieserhalb geschah in seiner Wohnung im Spätherbste 1814, wo man Punkte für den Zweck dieser Zusammenkünfte entwarf. Diese wurden nachher zu einem Plan ausgearbeitet, einer größeren Versammlung von Künstlern vorgetragen, von ihnen genehmigt, und die Begründung eines Künstler-Vereins in Berlin hierdurch veranlaßt.[33]
Wie groß Catels Freude über das Entstehen dieses Vereins war! Und wie sehr er thätiges Mitglied ihm gewesen ist, wird der Künstlerverein, auf dessen Verlangen ich es unternommen, Catels Biographie zu schreiben, am besten selbst zu würdigen wissen.[34]
Für seine Kunst arbeitete er in dieser Zeit an Plänen zum Wiederaufbau der abgebrannten St. Petri Kirche in Berlin. Da diese Pläne in den Kriegszeiten nicht ausführbar waren, gebrauchte er sie zum Kupferblatte zu einem Wercke: „Grundzüge einer Theorie der Bauart protestantischer Kirchen“, welches im Jahre 1815 von ihm erschien. Dieses Buch wurde verschiedentlich sehr gut recensirt, und Göthe, dem Catel es überschickt und um sein Gutachten ersucht hatte, schrieb ihm unter andern: „Ew. danke verbindlichst für die Mittheilung des wohlausgearbeiteten Heftes, wodurch ich auf die angenehmste Weise an Gegenstände erinnert wurde, mit denen ich mich früher viel beschäftigt. Leider bin ich jezt so weit davon abgekommen, daß ich ein Gutachten und zwar in einem so wichten Falle zu geben, mich nicht getraue. so viel darf ich jedoch gestehen, daß ich völlig ihrer Meinung bin u. s. w.“ Zulezt sagt er noch: „Nehmen Sie indeß meinen Dank für die mannigfaltigen schönen Beobachtungen, an denen Ihr Aufsatz reich ist.“-[35]
Nachdem Preußens Scharen mit Sieg gekrönt in ihre Heimath zurück kehrten, regte sich auch bald wieder Kunstsinn unter den Einwohnern Berlins. Catel bekam viel zu thun. Er baute ein Landhaus nach seiner Erfindung im gothischen Styl in Pankow für den Kaufmann Herrn Möhring und wurde der Baumeister des Badehauses an der Neuen Friedrichsbrücke in Berlin.[36] Daneben beschäftigte er sich mit Verbesserung der Dachziegel und suchte die Dampfheitzung, die man nur in England kannte, in Deutschland anwendbar zu machen. In dem von ihm erbauten Land- oder sogenannten Orangerie-Hause in Pankow machte er die ersten Versuche damit.
Die gesammten Stuck-Arbeiten der Königl. Schlösser wurde ihm in dieser Zeit ebenfalls übertragen, so daß er seine Musivische-Stuck-Fabrik noch einmal in Gang setzen konnte. Fast zugleicherzeit, im Frühjahr 1816, erhielt er den Auftrag, in dem Palais Sr. Königl. Hoheit des Prinzen August zwei große Säle und mehrere Zimmer mit Stuck-Marmor und anderen Verzierungen zu bekleiden.[37]
Er war in diesem Jahre also außerordentlich beschäftigt! Der Bau des Badehauses, der in allen seinen Theilen nach Catels Angaben und Zeichnungen geschah, schritt vorwärts. Das neu zu erbauende Museum in Berlin gab ihm Veranlaßung, hierzu Zeichnungen zu entwerfen und zulezt sie nebst einer Schrift im Herbste 1816 dem Gutachten des Publikums zu übergeben, betitelt „Museum“ 1816.[38] Während des Winters von 1816 bis 1817 bekam Catel Streitigkeiten mit dem Bauherrn des Badehauses an der Neuen Friedrichsbrücke in Berlin. Die Construcktion der Bedachung des Hauses war eine andere wie die gewöhnlich übliche Art. Das Dach war mit, nach italiänischen Mustern geformten Steinen gedeckt. Diese Steine hatte Catel zu liefern übernommen. Der Töpfer aber, der die Steine formen und brennen mußte, hatte dies nicht mit der Treue gethan, die Catel von ihm sich zu versehen glaubte, da er bei seinen vielen Geschäften hierbei nicht stets gegenwärtig sein konnte. Das Dach gewährte, als es fertig war, einen sehr gefälligen Anblick. Nachdem der Winter aber mit großer Nässe eintrat, kamen Klagen über die Steine. Catel war entrüstet über die Nachläßigkeit des Töpfers! Er that dem Bauherrn sehr zweckmäßige Vorschläge zur Verbesserung für die Dichtigkeit des Dachs. So wie nun aber jede Neuerung angefeindet wird, bis sie sich bewährt hat, so war dies auch hier der Fall. Einige seiner Kunst-Verwandten feindeten ihn gewaltig an und regten den Bauherrn vielleicht noch mehr auf, so daß er das Dach herunter werfen ließ und einen Proceß gegen Catel einleitete.[39]
Catel, der sich sehr an seiner Ehre gekränkt fühlte, griff dieser Streit gewaltig an. Er trug den Schmerz in sich und zwang sich, äußerlich heiter, ja lustig zu scheinen. Das einzige, was ihm während dieses Winters unter alle den Wiederwärtigkeiten erfreulich war, war ein Patent als Professor, welches ihm der Gr. Herzog von Weimar übersandte.[40] Der Gr. Herzog war aufmerksam geworden auf Catels vielseitiges Würcken; er hatte einige seiner Schriften und auch Nachricht und Zeichnungen von ihm über die Dampheitzungs-Einführung früher verlangt.[41] Als Beweis seiner Zufriedenheit sandte er ihm das Patent. Sr. Majestät der König bestätigten es und ertheilten ihm die Erlaubniß zur Führung dieses Titels in ihren Staaten. Im Sommer 1817 beschäftigte ihn ein Altar in der Stadt-Kirche zu Havelberg, zu dem er eine schöne Zeichung geliefert hatte. Wegen der Ausführung dieser Zeichnung war er zweimal in Havelberg gegenwärtig. Der Altar ist wohlgelungen eine Zierde der Kirche geworden.[42]
Eine Schrift: „Die Heitzung mit Wasserdämpfen“ erschien auch im Laufe dieses Sommers von ihm.
Im Herbst 1817 begann seine Gesundheit aber zu wanken! Der gehabte fürchterliche Verdruß mit dem Bauherrn des Badehauses, der sich ihm stets durch den fortgehenden Proceß erneute, hatte sein innerstes Leben geknickt. Es hatte sich seitdem eine Reizbarkeit bei ihm eingefunden, die bis zum Winter 1817 heftiger ward; sein gewöhnliches Zerstreutsein wurde bedeutender, er konnte nicht mehr anhaltend arbeiten, und mehrere körperliche Übel, die sich einfanden, bedingten die Hülfe des Arztes. Mit unbeschreiblicher Sorge sah seine Frau und seine Angehörigen diesen Zustand!
Während des Winters arbeitete er an Plänen zu einem Badehause für Puttbus auf der Insel Rügen.[43] Seine lezte Arbeit im Frühjahr 1818 waren einige Entwürfe zu einem Denkmal für D. Luther, die aber unvollendet geblieben sind.[44] Seine letzte Schrift, die auch in dieser Zeit erschien, diente dem Plane eines Schauspielhauses zur Erläuterung, welche er bei Veranlassung des neu zu erbauenden Berliner Theaters entworfen hatte.
Anfangs Sommer 1818 arbeitete er fast gar nicht mehr. Eine heftige innere Unruhe schien ihn von einem Orte zum andern zu treiben. Er führte ein sich immer mehr selbst zerstöhrendes Leben, so daß es im Juni 1818 nothwendig ward, ihn unter ärztlicher Aufsicht zu geben, wenn man irgend noch für dies zerstörte Sein auf die Zukunft Hoffnung gewinnen wollte.
Aller Bemühungen der Ärzte ohnerachtet, war und blieb die Blüthe seines Geistes, seines Lebens vernichtet! Die Lust zum Arbeiten und alle Thätigkeit erlosch in ihm endlich ganz. Er zeichnete, er las, er schrieb nicht mehr; sein Zustand ging zulezt in Dumpfsinn und Gefühllosigkeit über. Sein Körper litt dabei fortwährend, ohne daß er Schmerz empfand. Im sommer 1819 stellte sich zuerst Wassersucht und darauf eine Abzehrung ein, die seinem sonst thätigen Leben am 19ten November 1819 in einem Alter von 43 Jahren ein Ende machte.
[1] Manuskript, 18 Seiten, gebunden, 2°, als Leihgabe des Vereins Berliner Künstler in der Stiftung Archiv der Akademie der Künste Berlin, VBK Nr. 43, aus dem Bestand des Berlinischen Künstlervereins. Der Kommentar beschränkt sich hier auf Ergänzungen zu der quellenkundlichen und materialreichen Studie von R. H. Johannsen (auf den Netzseiten der AG ‚Berliner Klassik’). Hintergründe und bibliografische Angaben, die dort angeführt sind, werden hier nicht noch einmal angegeben.
[2] Catels Vater (1747-1791) nach anderen Angaben in Stargard geboren, Catels Mutter (1757-1809) in Berlin geboren als Tochter des Kaufmanns François Rousset und der Marie Elisabeth Gervaisot. Auf den Polterabend des Paars stach Chodowiecki ein Festblatt. Die Großeltern waren Anfang des Jahrhunderts als Protestanten aus Frankreich vertrieben worden. Entgegen anderen Angaben war der Musiker in Paris Charles Simon Catel nicht der Bruder des Louis.
[3] Zu den Eigentümlichkeiten des volkstümlichen Kunstgeschehens des damaligen Berlin zählten die Weihnachtsausstellungen in den Läden, insbesondere in Konditoreien und Buchhandlungen, wo große Malereien mit manchmal beweglichen Figuren arrangiert oder sonstige Schaustellungen dargeboten wurden. Der Vater Catel machte seine Arbeiten in zwei Druckschriften bekannt: P. F. Catel: Mathematisches und physikalisches Kunstkabinet, dem Unterrichte und der Belustigung der Jugend gewidmet. Mit 126 Figuren auf 9 Kupfertafeln. Nebst einer zweckdienlichen Beschreibung der Stücke und Anzeige der Preise, für welche sie bey dem Verfasser zu bekommen sind. Berlin und Liebau 1790 (Fortsetzung mit 50 Figuren auf 4 Tafeln ebd. 1793); ders.: Anweisung zu einem von ihm neu erfundenen historisch-chronologischen Spiel, nebst 480 dazu gehörigen Biographien aus der alten und neuen Geschichte. Ebd. 1791.
[4] Franz Ludwig Catel (1778-1856), über Holzbildhauerlehre und Buchillustrationsstiche zum Landschaftsmaler geworden. Ab 1807 abwechseln in Paris und im Elsaß, seit 1811 als international gefragter Künstler meist in Italien.
[5] Georg Meinecke, Architekt, Anfang der 1790er Jahre Conducteur, Mitte der 90er Bauinspektor beim Oberhofbauamt, Mitte der 90er auch Lehrer an der von Becherer gegründeten Architekturschule der Kunstakademie.
[6] David Gilly (1748-1808), Architekt. Nach Landbaumaßnahmen in der Provinz seit 1788 als Oberbaurat und Mitglied der Oberbaudeputation in Berlin. Unterhielt hier 1793-96 private Bauschule, maßgeblich an Gründung der Bauakademie 1799 beteiligt, bis 1804 deren Direktoriumsmitglied und Lehrer.
[7] Friedrich Gilly (1772-1800), seit 1787 zum Architekturstudium in Berlin, 1789 Anstellung beim Oberhofbauamt, 1793 in Paris, 1793-96 Zeichenlehrer an der Schule seines Vaters, 1798 Reise nach England und Frankreich, 1798/98 Gründung der ‚Privatgesellschaft junger Architekten’ gemeinsam mit Gentz, 1799 Prof. an der Bauakademie. Erregte Aufsehen durch kühnen Entwurf zum Denkmal für Friedrich II. (1796) und streng-klassizistische Bauten.
[8] Karl Friedrich Schinkel (1781-1841), Architekt und Maler. Ende 1798 Schüler des jungen Gilly und der Bauakademie. Ab 1801 erste Bauten für den märkischen Adel. Entwickelte sich nach seiner Italienreise (1803-05) bald zum führenden Architekten Preußens mit umfassender Tätigkeit. Bemerkenswert ist die Betonung des Andauerns der Freundschaft mit Schinkel, denn im Laufe seines Lebens war Catel wiederholt öffentlich als Antipode Schinkels aufgetreten.
Martin Friedrich Rabe (1775-1856), Architekt. Studium an der Berliner Kunstakademie, 1795 Mitarbeiter D. Gillys in Paretz, 1800 Anstellung bei Oberbaudeputation, 1806 am Hofbauamt, bis 1821 an Berliner Museumsplanungen beteiligt, 1810-31 Prof. an der Bauakademie.
[9] Mit dem ‚bestandenen Examen’ dürfte das vor dem Oberbaudepartement abzulegende Feldmesserexamen gemeint sein. Der Bromberger Kanal, der eine schiffbare Verbindung von der Oder über Warthe, Netze und Brahe zur Weichsel herstellte, entstand 1773/74 als „das große wasserbauliche Alterswerk Friedrichs des Großen“ (H.-J. Uhlemann 1998). Seit 1787 wurden die Schleusen des Kanals erneuert; D. Gilly war der für den Wasserbau zuständige Beamte des Oberbaudepartements. Catel war eigenen Angaben nach 1797/98 mit dieser Angelegenheit beschäftigt.
[10] Hypochondrie, auch ‚Milzbeschwerung’ oder ‚Gelehrtenkrankheit’, beim weibl. Geschlecht ‚Hysterie’, Bezeichnung für allgemeines Unbehagen, insbes. des Unterleibs. Auf Nervenbelastung und Bewegungsmangel zurückgeführt.
[11] Gemeint ist vermutlich das Baumeisterexamen, dessen Vorbereitung Catel nach den Angaben im folgenden bald unterbrach; ob er es schließlich abgelegt hat, geht aus der Biografie nicht hervor.
[12] Wilhelm von Humboldt (1767-1835), Gelehrter, preußischer Staatsmann. Lebte nach dem Studium und längerem Aufenthalt in Jena von Ende 1797 bis Sommer 1801 in Paris, allerdings – soweit ersichtlich – ohne diplomatischen Auftrag. Von 1802 bis 1808 lebte er dann als preußischer Resident in Rom, bevor er 1809 in die preußische Regierung berufen wurde und an der Reform des Staates mitwirkte. Der Briefwechsel Humboldts mit Goethe bestätigt den Verkehr mit den Brüdern Catel.
[13] In später Zeit bemühte sich Catel doch um eine Anstellung, allerdings nicht bei Baudeputation oder Hofbauamt, sondern bei der Kunstakademie: Mitte 1807 bewarb er sich als Lehrer der mathematischen Fächer, die seit 1806 sein Bruder unterrichtet hatte. Nachdem auch Schinkel für die Professur in Vorschlag gebracht worden war, lehnte Catel die Stellung aus bisher unbekannten Gründen ab, ebenso wie Schinkel auch. Anfang 1812 unterbreitete Catel der Akademie den Vorschlag, eine Unterrichtsklasse der ‚Verzierungs-Kunst’ einzurichten, wurde jedoch abgewiesen, da der Plan unzweckmäßig sei, sich mit den Lehrplänen anderer Fächer überschneide und man Catels Eignung als Lehrer bezweifelte.
[14] Schon im Herbst 1800 hatte Catel sein Verfahren so weit entwickelt, daß er einige Probestücke auf die Akademieausstellung geben konnte (nicht im Katalog) und ihm von der Akademie das Prädikat ‚akademischer Künstler’ verliehen, womit eine Art Patentschutz gewährt wurde.
[15] Ein Besuch des Königspaars und des Herzogs Karl August von Weimar ist durch die Haude & Spenersche Zeitung vom 3.3.1801 bezeugt, kurz nach der Eröffnung der Fabrik.
[16] Siehe hierzu R. H. Johannsen. Nach Briefen des Architekten Gentz an Goethe habe der Herzog bei seinem Besuch der Fabrik Catel gebeten, an der Einrichtung des Weimarer Schlosses mitzuwirken; dieser sei einverstanden gewesen, sofern der Auftrag ein Mindestvolumen von 4000 Talern haben würde.
[17] Johann Wolfgang v. Goethe seit 1775, Christoph Martin Wieland seit 1772, Friedrich Schiller seit 1799 in Weimar, das damalige Dreigestirn der deutschen Literatur.
[18] Aloys Ludwig Hirt (1759-1837), Archäologe. Auf Betreiben der Gräfin Lichtenau 1796 Mitglied und Professor der Berliner Akademien der Wissenschaften und der Künste, 1810 Hofrat. Vielbeachteter Kunsttheoretiker und Architekturhistoriker. Auch als Arrangeur von Festen tätig und Berater der Künstlerschaft in ikonografischen Fragen. Anläßlich der bevorstehenden Eheschließung mit Marianne von Hessen-Homburg wurde für den Prinzen Wilhelm (1783-1851), Bruder des Königs, 1803 eine Wohnung im 2. Stockwerk der südwestlichen Hälfe des Schloßplatzflügels eingerichtet. Am 10.9.1803 besichtigten Hirt, Catel, der Schloßbaumeister Bock und Schadow, der zwei Karyatiden für das Schlafzimmer der Prinzessin schuf, die Räumlichkeiten. Die Stucco lustro-Felder zwischen den Tapeten des Speisesaals dürften aus der Fabrik Catels stammen. Die Öfen gingen auf Entwürfe Hirts zurück. Mit Supraporten und Deckengemälden war auch Niedlich an der Ausstattung der Wohnung beteiligt.
Vom Königshaus war Catel um diese Zeit ferner mit Vasen und Postament für das Schlafzimmer der Königin im Königspalais (Kronprinzenpalais), sowie einem Ofen und Postamenten für das Schreibzimmer des Königs (ebd.) beauftragt; möglicherweise gehören diese Artikel zu den anläßlich des Besuchs des Königspaars in der Fabrik ausgesprochenen Bestellungen. Außerdem war Catel zwischen 1802 und 1804 an der Ausstattung einer Wohnung im Potsdamer Stadtschloß beteiligt (siehe R. H. Johannsen).
[19] Sigismund Otto von Treskow (gest. 1825), Kaufmann und Kanonikus. Seit 1797 Herr auf Owinsk, Kreis Posen (Owi?ska, Wielkopolskie). Traditionell wird Schloß Owinsk Catel und Schinkel bzw. Schinkel allein zugeschrieben. Nach den neuesten Forschungen (Eva Börsch-Supan 2003) ist es naheliegend, in Catel den Architekten der ersten Anlage zu sehen, die noch vor Abschluß der Bauarbeiten nach Plänen Schinkels modifiziert und erweitert wurde. Für das Jahr 1806 ist die Anwesenheit Schinkels in Owinsk anzunehmen.
[20] ‚Gesellschaft der Freunde der Humanität’, auch ‚Humanität’, ‚Litterarische Gesellschaft’ oder ‚Sonnabend-Gesellschaft’ genannt, gegründet im Januar 1796 als Ableger von Feßlers ‚Mittwochsgesellschaft’. Verein von Bildungsbürgern, Verwaltungsbeamten, Künstlern und Gewerbetreibenden zur Belehrung und Unterhaltung, Versammlungen in der Freimaurerloge Royal York. Catel hielt seinen Vortrag hier am 11.4.1807. Bestärkt wurde er unmittelbar nach dem Vortrag insbesondere durch Prof. Theodor Heinsius, der auch im folgenden Jahr die Gründungsgeschichte der Stiftung als Broschüre veröffentlichte. Eine erste formelle Versammlung der Initiatoren fand am 26.5. im Haus des Probstes Gottfried August Ludwig Hanstein (1761-1821) statt. Die Königin billigte auf ein Gesuch der Gesellschaft die Verwendung ihres Namens, übernahm die Schirmherrschaft, gewährte eine finanzielle Beihilfe zur Eröffnung und übernahm die Kosten für die Versorgung von vier Kindern. Ein erstes Domizil fand das Stift im Probsteigebäude, Nikolaikirchhof 7, später war es einige Zeit im Ansbachschen Palais untergebracht, heute in der Königin Luise-Straße, Dahlem.
[21] In der Literatur findet sich verbeitet die Angabe, Catel habe 1807 zusammen mit seinem Bruder Paris besucht. Franz Catel reiste im August des Jahres mit dem Auftrag, das Schloß des Generals Clark, des Gouverneurs von Berlin, zu dekorieren, nach Frankreich. Die Tatsache, daß sich Louis um die Übernahme des Unterrichts seines Bruders an der Akademie bemühte (s. o.), schließt zumindest die Absicht einer eigenen Frankreichreise aus. Durch die (ergebnislosen) Anstellungsverhandlungen ist seine Anwesenheit in Berlin zumindest bis Oktober nachweisbar. Das Jahr 1808, in dem er zwei Schriften erscheinen ließ und die Arbeiten für Löwenberg aufnahm, wird ebenfalls keine Zeit für eine Parisreise gelassen haben. Übrigens war Franz war spätestens im März 1808 wieder in Berlin, muß aber bald darauf abermals abgereist sein; bevor sich die Brüder 1811 in Italien wiedertrafen, hatte Franz ‚abwechselnd im Elsaß und in Paris gelebt’ (siehe unten).
[22] Herrin des ‚Löwenberger Landes’ (bestehend aus den Gütern Löwenberg, Hoppenrade, Teschendorf, Grüneberg) war Louise Charlotte Henriette geb. v. Kraut (um 1762-1819), Tochter des Hofmeisters des Prinzen Heinrich in Rheinsberg, aufgewachsen ebd., seit der ersten Eheschließung mit dem englischen Gesandten Hugh Elliot in Hoppenrade und Berlin wohnhaft. Über sie ein ausführliches Kapitel in Fontanes ‚Fünf Schlösser’. Demnach heiratete die sogn. Krautentochter Ende 1790, zu dieser Zeit wiederum vorübergehend in Rheinsberg, in dritter Ehe den Rittmeister am dortigen Hof Karl Heinrich von Arnstedt (1767/68-1847). Ein seit 1791 geführter Prozeß um ihr Erbe entschied sich 1809 zu ihren Gunsten. Sollte dies die Veranlassung für die Invesition in den Neubau Löwenbergs sein, das am 9.3.1808 zu zwei Dritteln niedergebrannt war, so wären die Angaben in Catels Biografie (oder aber diejenigen Fontanes) um ein Jahr zu korrigieren. Die Einstellung des Vorhabens dürfte ihre Ursache in der nachlassenden Geisteskraft des Bauherrn gehabt haben: Nach Fontane war aus dem ehemals „lustigen Rat und liebenswürdigen Gesellschafter“ bereits um 1803 „ein Trinker und Spieler“ geworden. Später „zeigten sich Geistesstörungen, und neben einer äußerlichen erwies sich schließlich auch eine gesetzliche Scheidung als unerläßlich“. Die gesetzl. Scheidung wurde spätestens im Herbst 1809 ausgesprochen, v. Arnstedt für den Rest seines Lebens dem Pastor von Hakenberg in Pension gegeben.
[23] Im Königspalais, im Stadtschloß Potsdam und im Schloß Charlottenburg wurden 1809/10 Wohnungen des Königspaars renoviert oder neu ausgestattet; zahlreiche Möbel wurden von Schinkel entworfen.
[24] Bislang ist der Anteil Catels am Umbau des Braunschweiger Schlosses für König Jerôme von Westfalen unklar. Die Oberleitung hatte Peter Joseph Krahe inne; den folgenden Angaben zufolge geht das Bildprogramm und damit ein Teil von Wandabwicklung und Deckengestaltung auf Catel zurück. Als weitere Berliner waren Schadow und der gebürtige Braunschweiger Weitsch im Braunschweiger Schloß tätig (nach Brand von 1830 neu gebaut), die seit etwa jener Zeit zu Catels engsten Freunden zählten.
[25] Siehe unten.
[26] August Wilhelm v. Schlegel (1767-1845). Dichter, Philologe, Kritiker. Seit 1795 mit seinem Bruder Friedrich im Zentrum des Romantikerkreises in Jena (Fichte, Schelling, Novalis, Tieck). 1798-1800 Mithrsg. des ‚Athenäum’. Februar 1801 bis 1804 wie zuvor schon zeitweilig, hält hier ab Dezember 1801 Vorlesungen ‚Über schöne Literatur und Kunst’, die von Berliner Gelehrten und Künstlern fleißig besucht werden. Catel diente in dieser Zeit mehrfach als Überbringer von Briefen von Schlegel an Goethe. Später Prof. in Bonn.
Friedrich v. Schlegel (1772-1829), Schriftsteller, Philosoph. Wie sein Bruder Mitte der 90er in Jena und Hrsg. des ‚Athenäum’. Um 1800 zeitweilig in Berlin, 1801 nach Paris.
[27] Johann Gottlieb Fichte (1762-1814), Philosoph. 1794-99 Prof. in Jena, von Kant ausgehende Wissenschaftslehre. Danach in Berlin, 1806 Emigration nach Königsberg, im Herbst 1808 wieder in Berlin. Hält hier im Winter 1807/08 religiös-patriotische, aufrüttelnde ‚Reden an die deutsche Nation’. 1809 an Universitätsgründung beteiligt und deren erster gewählter Rektor.
[28] Volrat Graf zu Solms-Rödelheim (1762-1818) war bereits 1787 einige Zeit in Braunschweig und hatte hier Freundschaften geschlossen. In einer persönlichen Krise kam er im Januar 1808 wieder dort hin, verkehrte u. a. mit dem Prinzenerzieher Pokels, dem Pädagogen, Schriftsteller und Verleger Campe, der Familie Löbbecke und dem Verleger Viehweg und blieb bis April 1809. Nachdem er eine Bürgerliche geheiratet hatte, hielt er sich seit Ende 1811 wieder einige Zeit in Braunschweig auf.
[29] Plinius d. J., römischer Staatsmann und Grundbesitzer; seine Villen Tuscum (in den Ausläufern des Apennin in der Toskana) und Laurentium (bei Città di Castello an der Küste von Ostia) sind durch die Beschreibungen in seinen Briefen bekannt; seit der Neuzeit zahlreiche Rekonstruktionsversuche, u. a. 1827 von Hirt, 1841 von Schinkel.
[30] Diese Abgußsammlung dürfte wohl die Grundlage der geplanten Lehrklasse der ‚Verzierungs-Kunst’ gewesen sein, um deren Einführung an der Kunstakademie sich Catel nach seiner Rückkehr vergeblich bemühte (siehe oben).
[31] Über den Antrag aus Straßburg ist nichts weiter bekannt. Nach Schadow (Brief an Böttiger, 14.8.1807) hatten die Besatzer Catel zugeredet, seine Fabrik nach Frankreich zu verlegen. Im Elsaß lag der Landsitz des oben genannten Generals Clark.
[32] ‚Das Exercitium mit der Pike’ erschien unter dem Namen H. J. v. Wallhausen. J. v. Wallhausen, Militärschriftsteller des frühen 17. Jahrhunderts; die Autorschaft Catels war bisher unbekannt.
[33] Der ‚Berlinische Künstlerverein’ – Völlig unstatthaft ist die bisher übliche Annahme, Schadow, der seit der Gründung des Vereins den Vorsitz inne hatte, sei selbst dessen Initiator und nenne in seinen Memoiren (Kunstwerke und Kunstansichten 1849/1987, S. 105 und ebd. 304) nur aus Bescheidenheit Catel als solchen. Dabei ist unbestritten, einerseits, daß Catel zu Aktionismus neigte (Gründung des Luisenstifts), und außerdem, daß er der Verfasser eines Rundschreibens an die Berliner Künstlerschaft war, in welchem die Idee der Vereinsgründung vorgestellt wurde, sowie daß ein erstes Treffen in seiner Wohnung stattfand. Die hier versammelten Künstler dürften ungefähr identisch sein mit den Unterzeichnern eines Inserates in den Berliner Zeitungen (Haude & Spenersche Ztg. 17.11.1814), mit welchem Ort und Zeit der Gründungssitzung bekannt gegeben wurde: „Die Herren Künstler, an welche das bewußte Cirkulare ergangen ist, werden ergebenst gebeten, sich zu einer allgemeinen Versammlung Dienstag den 22sten November Abends um 5 Uhr, im englischen Hause einzufinden. Die unterschriebenen Künstler. Schadow. Weitsch. Schumann. Freidhoff. Catel. Hampe. Kolbe. Dähling.“ Dieser Einladung kamen insgesamt 32 Künstler nach. Es zeugt von charakterlichem Format, wenn Catel, im Dienst seiner Idee, den Vorsitz Schadow, der integrativen Gestalt der Berliner Kunst, überließ. Ein Exemplar des 1817 gedruckten Statuts ist in der Staatsbibliothek zu Berlin vorhanden.
[34] Zur Vortragstätigkeit Catels im Verein siehe Ausst.kat. ‚… und abends in Verein’ 1983. Ein Vereinsbeschluß aus dem Jahr 1818 forderte jedes Mitglied auf, sein Porträt und seine Biographie im Verein zu archivieren, damit „einem künftigen Geschichtsschreiber der Kunst die Materialien vorgearbeitet werden“ (M. Wiese: Geschichte des Berlinischen Küstlervereins … Typoskript in der Stiftung Archiv der Akademie der Künste, Zitat aus den Protokollbüchern des Vereins). Schadow empfing die Biografie Catels zwei Monate nach dessen Tod von der Witwe (Schreibkalendereintrag 19.1.1820), die auch als deren Autorin in Frage kommt, und nahm sie abends mit in den Künstlerverein. Catels Porträt zeichnete Stürmer (undat., aus dem Besitz des Vereins in das Stadtmuseum Berlin gelangt).
[35] Der Brief Goethes vom 10.5.1815 im Goethe und Schiller-Archiv Weimar; hier auch Catels von Zelter übermittelter Brief an Goethe vom 18.3.1815 in dem er an Goethes Jugendschrift „Von deutscher Baukunst“ sowie an ein Kapitel in „Dichtung und Wahrheit“ erinnert, worauf sich Goethe in seiner Antwort ebenfalls bezieht. Schon 1802 hatte Catel Goethe seine Schrift über die Verbesserung der Schauspielhäuser übersandt (Brief vom 17.2.1802 im Goethe und Schiller-Archiv Weimar).
[36] Bei dem Bau in Pankow handelt es sich nicht um ein Landhaus, sondern um eine Orangerie. Carl Philipp Möring (1753-1837), Kaufmann und Ältermann der Kaufmannschaft von der Materialhandlung, erwarb 1810 das heute ‚Kavaliershaus’ oder nach dem späteren Besitzer, einem Schokoladenfabrikanten, ‚Villa Hildebrandt’ genannte Anwesen in Pankow mit umliegenden Parzellen (heute Breite Straße 44-46). 1810/11 ließ er hier von Zelter ein Gartenhaus errichten, 1814/15 die 50 Fuß lange und 21 Fuß breite Orangerie mit 5 kreuzgratgewölbten Jochen nach Plänen Catels. Das Kavaliershaus ist erhalten, die Orangerie, nach 1936 abgerissen, stand ungefähr auf der Stelle des heutigen Hauses Breite Straße Nr. 44. Eine Abbildung auf einer Untertasse aus dem Kaffeeservice der Familie Möring im Kunstgewerbemuseum Berlin.
Dr. Georg Adolph Welper (1762-1842), Stadtpysikus und später Obermedizinalrat in Berlin, betrieb seit 1803 die erste öffentliche Badeanstalt Berlins, ein Badeschiff auf der Spree an der Langen Brücke, das er 1817 durch das nach Plänen Catels errichtete Badehaus an der Friedrichsbrücke links der Spree (ungefähr an der Stelle der heutigen Alten Nationalgalerie) ersetzte. J. D. F. Rumpfs Beschreibung Berlins (Berlin und Potsdam. Eine Beschreibung aller Merkwürdigkeiten dieser Städte und ihrer Umgebungen. 5. Aufl. Berlin 1833) enthält eine ausführliche Beschreibung des Baus: „Das Ganze besteht aus einem Haupt- und einem abgesonderten Nebengebäude. Beide Gebäude sind massiv, mit Zink gedeckt, und ersteres ist ionisch verziert. Am vorderen Giebel desselben, über dem mit vier ionischen Säulen eingeschlossenen Bogenfenster, steht die Inschrift: in balneis salus. Eine frei liegende Treppe am Ende des Gebäudes führt zwischen zwei ionischen Wandsäulen zum Eingang in einen mit Blumen geschmückten Korridor, aus welchem man in einen kleinen Garten zwischen der Spree und dem Hause geht. Vom Korridor rechts tritt man in das Gesellschaftszimmer, wo man die Karte zu dem bestimmten Bad empfängt. Das Hauptgebäude besteht aus einem Kellergeschoß und zwei Geschossen. Die Bäder der Männer sind im ersten und die der Frauen im zweiten Geschoß; im Keller geschoß sind die Bäder der vierten Klasse. … hiernach richten sich auch die damit verbundenen Bequemlichkeiten, so wie die in den Zimmern herrschende Eleganz der Meubeln, als Sophas, Spiegel u. s. w. Desgleichen sind die Badewannen erster Klasse aus glasiertem Thon, aus der hiesigen Feilnerschen Ofenfabrik …, die der zweiten Klasse sind von Zink, die übrigen von Holz. In jedem der beiden obern Geschosse befinden sich 11 Bäder, im untern aber 12 … Im untern Geschoß sind 3 Bäder ausschließlich für die Armen bestimmt, welche unentgeldlich ertheilt werden. … In dem Nebengebäude befinden sich 4 Schwefelbäder, ein Schwefeldampfbad und hierbei Wasserdampfbäder. … Sämtliche Zimmer der beiden Geschosse des Hauptgebäudes sind tapeziert; sie werden im Winter durch die im Souterrain befindliche Dampfmaschine auf eine sehr angenehme und gleichmäßige Art erwärmt; die Wärme verbreitet sich durch das Innere der ganzen Anstalt, und giebt derselben einen besondern Vorzug vor allen andern Anstalten der Art. Besonders angenehm ist es, daß nicht nur jedes Geschoß, sondern auch jede Seite desselben nach Willkühr mehr oder weniger erwärmt werden kann. Sowohl für die Damen, als auch für die Herrn, ist ein Eintrittszimmer vorhanden; worin Erfrischungen genossen werden können; der kleine Garten an der Spree dient zum Spatzierengehen vor oder nach dem Bade. Unter dem Dache des Hauptgebäudes befinden sich zwei große Wasser-Reservoir, für das aus der Spree herausgepumpte Wasser, wozu die Röhren unter dem Bette des Flusses entlang, bis unter den dritten Bogen der Friedrichsbrücke, in den Hauptstrom geführt worden sind. …“ Zwei radierte Ansichten des Badehauses aus den frühen 1820er Jahren in der Berlin-Topografie L. L. Müllers im Kupferstichkabinett Berlin, Bd. 1, Bl. 23 f., das Badeschiff ebd. Bd. 4, Bl. 34.
[37] Prinz August (1779-1843), Sohn des Prinzen Ferdinand, Onkel Friedrich Wilhelms III, Held der Befreiungskriege. Sein Palais Wilhelmstraße 65 wurde ab 1816 nach Plänen Schinkels überaus kostspielig ausgebaut und eingerichtet.
[38] Entwurfszeichnungen Catels zum Museum für Berlin jüngst von der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin erworben.
[39] Später war das Dach mit Zink gedeckt.
[40] Im Vorwort seiner Schrift über die Dampfheizung zeichnet er im April 1817 mit dem Titel.
[41] Unter den Besuchern der oben genannten Orangerie Mörings, die mit der ersten Dampfheizung Deutschlands ausgestattet war, war auch eine Delegation des Großherzogs von Sachsen-Weimar.
[42] Am Ort erhalten, Stadtkirche St. Laurentius; Altarziborium auf vier Säulen mit Stuck illustro und gotisierendem Oberteil, darin älteres Altarblatt von Rode.
[43] Wilhelm Malte I. zu Putbus (1783-1854) legte ab 1808 Putbus als Residenzort an, ab 1815 betrieb er den Ausbau zum Seebad (eines der frühesten). Im August 1817 wurde mit dem Bau eines Badehauses im zwei Kilometer entfernten Goorer Wald (später Lauterbach genannt) begonnen. Der Baukomplex, dessen Architekt bislang unbekannt war, bestand aus drei Giebelhäusern (Bäder und Logis, Wirtschaftsräume, Stallungen). Er wurde 1819 fertiggestellt, aber bereits 1820 erweitert und durch eine Schaufassade nach Plänen eines Baurats Schulz verändert, da der Fassadenentwurf Catels „den Erwartungen nicht entsprach“ (anonymer zeitgenössischer Bericht). 1833 erfolgte ein Umbau des Inneren und Äußeren; in dieser Form erhalten.
[44] Catel hatte die Eigenart, sich in bereits entschiedene Ausschreibungen oder laufende Arbeiten publizistisch einzumischen oder erst durch solche zu eigener Beschäftigung mit der Aufgabe und (Phantasie-) Entwürfen angeregt zu werden, so etwa im Falle des Schauspielhauses (1802 und 1818), des Museums (1816) und der Petrikirche (1815, 1818). Die Planungen für ein Denkmal für Luther in dessen Heimat, der Grafschaft Mansfeld, hatten 1804 begonnen, waren durch den Krieg unterbrochen, Ende 1816 von Schadow wieder aufgenommen und obrigkeitlicherseits einer Kommission, bestehend aus Schadow, Schinkel und Rabe übertragen worden. Im Oktober 1817 wurde Schadows Entwurf vom König zur Ausführung bestimmt. Das Denkmal wurde 1821 auf dem Marktplatz in Wittenberg enthüllt (am Ort erhalten). Über Catels Entwurf ist bislang nichts weiter bekannt.
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