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Johann Friedrich Bonte (Berlin 1781-1832)

Seidenbandfabrikant, Gutsbesitzer, Malerdilettant in Berlin und Neuhardenberg

Quellen: Ausst.kat. ‘... und abends in Verein’. Johann Gottfried Schadow und der Berlinische Künstler-Verein 1814-1850. Berlin Museum 1983 S. 232

Werke: Stadtmuseum Berlin, graph. Slg.; Nationalgalerie Berlin (Kopien nach Schinkel) 

Autobiographie, 1819,[1] kommentiert von Reimar F. Lacher

Johann Friedrich Bonte, geboren in Berlin, den 28ten Februar 1781.

Als Knabe besuchte ich acht Jahre lang die Schule, während welche Zeit ich bei anderem Privatunterricht, auch den im Zeichnen, von einem Lehrer Nahmens Zoll erhielt. Unter allen Beschäftigungen war die des Zeichnens mir die liebste, und deshalb ließ mich mein Vater in den Jahren 1793 und 94 die Akademie besuchen, wo ich den Unterricht des Herrn Professor Cellmann genoß,[2] aber leider wenig Fortschritte machte, denn mein zu unruhiges Temperament wollte dem einförmigen Studium viererley Arten von Gesichtstheilen, mit denen ich mich zwey volle Jahre beschäftigen mußte, keinen Geschmack abgewinnen. Darum verlor ich aber nicht die Lust zum Zeichnen, denn als ich bald darauf nach Magdeburg ging, um dort die Handlung zu erlernen, füllte diese Beschäftigung den größten Theil meiner müßigen Stunden aus, und ich ergriff stets mit mehr Lust den Tuschpinsel oder den schwarzen Kreidestift, als die Feder.

Bis hierher war der Raum, in welchem ich die Kunst getrieben hatte, von sehr engen Grenzen umschlossen gewesen, denn meine Ansicht derselben war noch wenig über die Größe und den Werth der Bilder hinausgegangen, die ich nachzuahmen mich befleißigte. Doch nach beendigten Lehrjahren begann eine Epoche für mich, die außer mannigfaltigen Eindrücken und besondern Eindrücken auf mein geistiges Wesen, auch dem bey mir vorherrschenden Sinn für die Kunst eine vortheilhafte Richtung gab. Mein Vater schickte mich nehmlich im Anfange des Jahres 1802 auf Reisen und zwar nach solchen Ländern, wo dieser Sinn fast täglich neue Nahrung fand, und durch die Menge von Naturschönheiten, die ich mit einer, bis zur Begeisterung steigenden Wärme auffaßte, stets rege erhalten wurde; denn es ist wohl unleugbar, daß das Gefühl für diese den Sinn für jene läutert und schärft. Ich bereiste fast ganz Italien, sah Genua, Livorno, Pisa, Siena, Rom, Neapel, Florenz, Bologna, Venedig, Triest, Vicenza, Mailand und Turin, durchwanderte die Schweitz, lernte die ganze östliche Hälfte Frankreichs von Cette [?] im Süden bis Herre de Graen [?] im Norden kennen, hielt mich vier Monat in Paris auf, woselbst ich die von den Franzosen erbeuteten Kunstschätze vereint fand, besuchte Flandern, Brabant und Holland und kehrte endlich über Düsseldorf, wo mir der hohe Genuß im Anschauen der dortigen trefflichen Gallerie zu Theil wurde, nach Verlauf von zwey Jahren in mein Vaterland zurück.

Bald nach meiner Rückkehr verheirathete ich mich und widmete mich dem Geschäfte einer Seidenbandfabrik, dem ich auch jetzt noch vorstehe.[3] Die Liebe zur Kunst ist sich jedoch bei allen Veränderungen meiner Lage stets gleich geblieben, und keine Unterhaltung in den Stunden der Muße gewährt mir mehr Freude, als das Zeichnen und Malen, letzteres jedoch nur in Aquarel und Gouache, denn bis zur Oelmalerey habe ich es bis jetzt, so sehr ich es auch wünschte, nicht bringen können, weil ich zu wenig Herr meiner Zeit bin.[4]

Im December 1816 genoß ich als Dilettant des Vergnügens, als Mitglied des hiesigen Künstlervereins aufgenommen zu werden,[5] in welchem ich seit November 1817 den Posten des Seckelmeisters bekleide.

Berlin / Geschrieben im Juni 1819


[1] Autograf, 2 Seiten, 2°, als Leihgabe des Vereins Berliner Künstler in der Stiftung Archiv der Akademie der Künste Berlin, VBK Nr. 42, aus dem Bestand des Berlinischen Künstlervereins.

[2] Ferdinand Collmann (1763-1837), Berliner Porträt- und Historienmaler. Seit 1789 Lehrer einer der Zeichenklassen der akademischen Zeichenschule, einer Art Vorschule der Akademie, 1794 Professor, 1821 Akademiemitglied.

[3] Abraham Ludewig Bonte, wohl der Vater des Schreibers, betrieb nach Nicolai (1786) damals eine Seidenbandmanufaktur mitterer Größe in der Berliner Brüderstraße. Berlin war ein Zentrum der deutschen Seidenproduktion.

[4] 1826-30 stellte Bonte Proben seiner Arbeit, überwiegend romantische Landschaften in Öl, in der Akademieausstellung aus.

[5] Der ‚Berlinische Künstlerverein’ um Schadow und Catel, gegründet 1814. Die Autobiografie Bontes entstand auf den Vereinsbeschluß von 1818 hin, daß jedes Mitglied seinen Lebenslauf und sein Porträt im Verein archivieren solle; Bontes Porträt malte H. A. Seyffert (Stadtmuseum Berlin, graf. Slg.).


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