Statistische Angaben zur Architektur und zur Soziologie der Eigentümer und Bewohner der Häuser in der Leipziger Straße in Berlin in den Jahren 1785 - 1815

Eine kommentierte Quellen- und Materialsammlung

Bearb. von Matthias Hahn, 2003

Einleitung

Wenn Nicolai in seiner „Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam“ von 1786 die Leipziger Straße: „eine der prächtigsten Straßen,... voll ansehnlicher Häuser und Palläste [1] nennt; und wenn gar der anonyme und sehr kritische Verfasser des „Schattenrisses von Berlin [2] sie 1788 als „eine der schönsten von ganz Berlin [3] bezeichnet, so drückt sich darin die zeitgenössische Wertschätzung einer Straßenflucht aus, die sie über alle weiteren Straßen Berlins stellt.

Wenn aber Gädicke selbst 1806 noch in seinem „Lexicon von Berlin und der umliegenden Gegend“ hervorhebt, daß sie mit „sehr ansehnlichen Häusern und Pallästen besetzt [4] sei und auch der eher nüchterne Statistiker Bratring ein Jahr zuvor lobt, daß sie „am regelmäßigsten und geschmackvollsten bebauet [5] sei - ein Lob, das keiner der hier zitierten Berlin-Historiographen jemals der Straße Unter den Linden zollte - so mag dies sehr erstaunen.

Und wenn darüber hinaus noch fast fünfzig Jahre nach Nicolai der Freiherr von Zedlitz 1834 notiert: „Mit Vergnügen betrachten Einheimische und Fremde diesen schönen Theil unserer Hauptstadt. Sie ist die regelmäßigste, geradeste und prachtvollste ihrer Straßen. [6] ; so muß die Leipziger Straße im Bewußtsein ihrer Bewohner als allererste Adresse beleumundet gewesen sein. - Ein Faktum, das eine nähere Untersuchung nahelegt.

Da sich nun die vorliegende Untersuchung auf den Zeitraum zwischen 1785 und 1815 konzentrieren soll, also jenen Zeitraum „um 1800“, der speziell in Berlin dadurch charakterisiert war, daß sich im Sozialen wie Kulturellen in Form der Überwindung ständisch-städtischer Strukturen ein Paradigmenwechsel hin zu einer großstädtischen Kultur der aufgeklärten Moderne vollzog, soll versucht werden, jenem beispielhaft anhand der Sozialtopographie von einer der historisch vielgerühmten Straßen Berlins nachzuspüren. Daher soll nicht die Genese einer in der Stadtkultur verankerten Straße nachgezeichnet werden, sondern vielmehr bewußt ein konkreter historischer Zeitraum isoliert und rekonstruiert werden. Aufgrunddessen sollen die Fragestellungen an die einzelnen Teilbereiche wie: die Architektur, den sozialen Status der Hauseigentümer sowie dem der Mieter, das Verhältnis zwischen rein privater und gewerblicher Nutzung der einzelnen Häuser und ebenso wie die Kontinuität all dieser Aspekte nur vor der Folie der historischen Faktizität entwickelt werden.

Aufgrund der Tatsache, daß sich diese Arbeit vornehmlich als eine in einem größeren Zusammenhang aufgehende Materialsammlung versteht, können die Einzelergebnisse nur in statistischer Form erfolgen und nur in Teilen ansatzweise analysiert werden. Eine tatsächliche Interpretation der einzelnen Fakten muß die vorliegende Arbeit daher notwendigerweise schuldig bleiben. Dennoch soll den Angaben in den nachfolgenden Hausbiographien eine kurze, thematische Zusammenfassung der Einzelergebnisse vorausgehen, um erste Interpretationsansätze festzuhalten und eine Tendenz aufzuzeigen.

Zur Topographie

Bereits ein eher oberflächlicher Blick auf den Stadtplan von 1792 [7] läßt erkennen, daß die Leipziger Straße weder exponiert in der ab 1688 neuerrichteten und 1732 - 1734 erweiterten Friedrichstadt situiert ist [8] , noch in ihren Dimensionen stark unterschieden von denen der anderen dort angelegten Straßen, sondern nur ein Kompartiment der Anlage gerader und sich rechtwinklig kreuzender Straßen bildet, die die erste größere einheitliche Bebauung Berlins seit seiner Gründung darstellt. [9] In ihrer ursprünglichen Anlage verlief die Leipziger Straße vom Memhardschen Festungsgraben dicht vor dem Spittelmarkt im Osten bis zum Achteckplatz, dem späteren Leipziger Platz, im Westen, dessen westlicher Abschluß durch das in die Akzisemauer eingebundene Potsdamer Tor gebildet wurde. Dieser westliche Abschnitt, und zwar vom Achteck bis zur Mauerstraße in östlicher Richtung trug bis etwa 1780 den Namen „Potdammerstraße“. Nach 1734 erfuhr der östliche Abschnitt der Leipziger Straße eine Veränderung zwischen der Jerusalemer- und der Neue Comendantenstraße. durch die Anlage des Döhnhoffplatzes [10] Nach weiteren baulichen Veränderungen und Neubebauungen in den folgenden Jahren zählte die Leipziger Straße im Jahre 1801 117 Grundstücke, von denen 108 bebaut waren. [11]

Mit der weiteren Ausdehnung der Stadt gewann die Leipziger Straße im 19.Jahrhundert zunehmend an Bedeutung und wurde schließlich am Ende des Jahrhunderts mit der Umwandlung dieses Viertels von einer reinen Wohngegend in ein Geschäfts- und Handelszentrum zu deren Mittelpunkt.

Zur Architektur

Die Rekonstruktion der Architektur der Häuser, die um 1800 die Leipziger Straße prägten, gestaltet sich aufgrund der Zeitläufte äußerst schwierig. In Konzequenz der Umwandlung dieses Viertels zum Geschäftszentrum wurden bereits ab der Mitte des 19.Jahrhunderts vereinzelt Häuser umgebaut oder abgebrochen. Am Ende des 19.Jahrhunderts steigerte sich die Zahl der Abrisse der Erstbebauung nochmals, denn die Ansiedlung großer Kaufhäuser erforderte grundstücksübergreifende Neubauten. Nach der Angabe von Borrmann [12] waren im Jahre 1893 nur noch zehn Häuser erhalten, die ganz oder in Teilen ihre ursprüngliche Architektur beibehalten konnten. Auch die Tatsache, daß die historische Bebauung der Leipziger Straße am Ende des 19.Jahrhunderts als wenig wertvoll angesehen wurde, führte dazu, daß kaum Bauaufnahmen bzw. photographische Dokumente dieser Häuser vor ihrem Abriß angefertigt wurde. Nachdem im Verlauf des Zweiten Weltkrieges weite Teile der Leipziger Straße zerstört wurden, existiert heute kein einziges Beispiel ihrer ehemaligen Bebauung mehr. Demgemäß muß die Rekonstruktion der Bebauung um 1800 lückenhaft bleiben, zumal auch trotz der damaligen Beliebtheit der Leipziger Straße erstaunlicherweise kaum andere bildliche Dokumente ihrer Architektur aufgefunden werden konnten.

Summarisch ergibt sich für die Zeit um 1800 ein Erscheinungsbild der Straßenfronten, das hauptsächlich durch eine einfache barocke Wohnhaus-Architektur geprägt ist., die in zwei Etappen enstand. So ist der westliche Abschnitt der Leipziger Straße, und zwar vom Achteck bis ca. zur Friedrichstraße durch eine ältere Archtitektur geprägt [13] , wohingegen der östliche Teil und hier insbesondere das Terrain um den Dönhoffplatz hauptsächlich durch seine Bebauung aus den späten 70er Jahren des 18.Jahrhunderts dominiert wird. [14] Eine Entsprechung finden diese unterschiedlichen Bauzeiten auch hinsichtlich des Reliefs der Straßenfronten, wie es die folgenden Statisken zeigen: [15]

1799 [16] : Leipziger Straße insgesamt

117 Grundstücke davon:
ohne Angaben: 9
4-geschossig: 5 - 4,6%
3-geschossig: 78 - 71,3%
2-geschossig: 26 - 24,1%

1799 [17] : Leipziger Straße westlicher Abschnitt (zw. Achteck und Friedrichstr.)

64 Grundstücke davon:
ohne Angaben: 5
4-geschossig: 1 - 1,6%
3-geschossig: 36 - 56,2%
2-geschossig: 22 - 34,3%

1799 [18] : Leipziger Straße östlicher Abschnitt (zw. Friedrichstr. und Spittelbrücke)

53 Grundstücke davon:
ohne Angaben: 3
4-geschossig: 4 - 7,5%
3-geschossig: 42 - 79,3%
2-geschossig: 4 - 7,5%

Bemerkenswert ist fernerhin, daß die Grundstücksgrößen nahezu identisch sind [19] , einzig die Grundstücke Nr.2 (Zegelinsches-Palais), Nr.3 (Recksches-Palais), Nr.4 (Porzellan-Manufaktur), Nr.5 (Graf Reußische Palais) und die Nr.55 (Eckardtsteinsches, späteres Hardenbergsches-Palais) weichen hiervon ab. Aufgrunddessen besaßen die Fassaden der Häuser in der Leipziger Straße eine relative achsiale Homogenität, welches zu einer regelmäßigen und beruhigten Straßenansicht beigetragen hatte. Soweit ersichtlich existierten in der Leipziger Straße um 1800 vermutlich nur zwei Gebäude, die einen Reflex auf die aktuelle Architektur darstellten. So erhielt das mit der Nr.105 versehene Haus ca. 1805 eine neue Fassade, um nach Auskunft seines Eigentümers, des Architekten Heinrich Carl Riedel, durch „nicht kostspielige Abänderungen alter Facaden das wohlgefälligere ihrer Ansichten modellhaft bewirken solle und damit den Städten eine äußere Verschönerung verschaffen kann. [20] Öhnlich verhielt es sich mit dem Haus No.59, das ebenfalls im Kern den barocken Bau beibehielt und nur eine Erneuerung der Fassade im Zeitgeschmack durch einen anonymen Baumeister erfuhr. [21]

Zu den Eigentümern

In Hinsicht auf die Eigentümer der Häuser in der Leipziger Straße sollen hier zwei verschiedene Daten betrachtet werden, um den Wandel bzw. die Kontinuität der Eigentümer über einen Zeitraum von mehr als einem Dezennium aufzuzeigen. Hierzu wurden Kategorien bestimmt, die ein möglichst breites soziales Spektrum der Bevölkerung erfassen. Zu den einzelnen Angaben vergleiche die Hausbiographien.

1799: [22]

Handwerksmeister und Gewerbetreibende: 60 - 55,7%
Militärischer Adel und Staatsbedienstete: 33 - 30,3%
Künstler und Gelehrte: 6 - 5,7%
Sonstige: 9 - 8,3%

1812: [23]

Handwerksmeister und Gewerbetreibende: 55 - 50,9%
Militärischer Adel und Staatsbedienstete: 39 - 36,1%
Künstler und Gelehrte: 6 - 5,7%
Sonstige: 8 - 7,4%

Vergleicht man die beiden Statistiken miteinander, so ergibt sich eine sehr große Kontinuität in Rücksicht auf die Eigentümer. Relativierend muß jedoch hinzugefügt werden, daß dieses nur deren Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe betrifft. Denn tatsächlich erfolgten im Einzelfall bei 44 der in den Hausbiographien erfaßten Häusern Eigentümerwechsel innerhalb des hier aufgeführten Zeitraums. Daß dennoch diese Wechsel kaum zu Veränderungen im Vergleich beider Statistiken geführt haben, erklärt ein Blick auf die einzelnen Angaben in den Hausbiographien. Generell läßt sich festhalten, daß zumeist die neuen Eigentümer wenn nicht die gleiche, so doch eine stark verwandte Profession ausübten. Ebenso betrifft das jene Fälle, in denen die Erben als neue Eigentümer benannt sind, die in zahlreichen Fällen das elterliche Gewerbe fortführten. Beides spricht für eine nahe???

Zu den Bewohnern

Die Angaben zu den Bewohnern der jeweiligen Häuser können aufgrund der Quellenlage nicht absolut erbracht werden. Insbesondere für den Zeitraum vor 1807 entstammen alle Angaben den Adreß-Kalendern [24] bzw. anderen namentlich aufgeführten Quellen, womit deren Defizite benannt wären. Denn aufgrund ihrer Absicht führen die Adreß-Kalender nur diejenigen Personen auf, deren Funktion oder Tätigkeit an öffentliche Institutionen angebunden ist. Somit stehen beispielsweise Handwerker und Professionalisten dort ebensowenig verzeichnet, wie Personen anderer nichtzünftiger Gewerbe. Demgemäß spiegeln die Adreß-Kalender nur einen Ausschnitt aus der Gesellschaft wider, der in einem Anhang noch zusätzlich um andere wichtige Personen (Ärzte, Apotheker, Hebammen etc.) ergänzt wird.

Grundverschieden davon ist die Quellenlage zu den Angaben ab dem Jahr 1807. Denn mit dem Allgemeinen Industrie-Adressbuch von Berlin war erstmals jenes öffentliche Verzeichnis geschaffen, das vor allem die Gewerbetreibenden und Künstler verzeichnete.

Dergestalt müssen die Angaben in der einzelnen Hausbiographie für den Zeitraum von 1785-1807 und die der nachfolgenden Jahre unterschiedlich beurteilt werden. Dennoch erscheint es mir an dieser Stelle und in Absicht einer vorläufigen Aussage hierzu legitim, in dem folgenden statistischen Überblick die Angaben beider Zeiträume summarisch zusammenzufassen, einzig um eine Tendenz für die soziale Struktur der Bewohner von einer in der historischen Wahrnehmung bedeutendsten Straßen in Berlin um 1800 aufzuzeigen.

1785 - 1812

Staats- und Magistratsbeamte: 220 - 32,3%
Militär: 38 - 5,6%
Künstler: 40 - 5,8%
Gelehrte: 50 - 7,3%
Fabrikanten und Handwerker: 179 - 26,2%
Nicht produzierende Gewerbe: 75 - 11,1%
Sonstige [25] : 80 - 11,7%

Prominente Bewohner

Ebenso vorangestellt soll eine in subjektiver Auswahl erstellte Auflistung der prominenten Bewohner der Leipziger Straße um 1800 werden. Hierbei folgen dem jeweiligen Namen das Tätigkeitsfeld oder der Wirkungsort sowie der Zeitraum des Aufenthaltes in dem in Klammern verzeichneten Haus. Nähere Angaben hierzu sind in der einzelnen Hausbiographie verzeichnet.

Carl Jacob Christoph Klipfel KPM 1788-1802 (No.4)
Gottfried Wilhelm Völker Maler 1818 (No.5)
Nicolas Drague Pastellmaler 1808 (No.12)
Friedrich Philipp Rosenstiel KPM 1800-1803
1804-1832
(No.16)
(No.104)
Johann Friedrich Wilhelm Jury Kupferstecher 1808
1812
(No.22)
(No.23)
Carl Wichmann Bildhauer 1818 (No.22)
Constantin Sartori Stukkateur 1808 (No.30)
Adolf Glaßbrenner Schriftsteller 1810 (No.31)
Daniel Friedrich Sotzmann Geograph 1806-1807
1818
(No.36)
(No.103)
Johann Philipp Hobert Mathematiker 1798-1802 (No.43)
David Gilly Baumeister 1788-1790 (No.45)
Friedrich Gilly Baumeister 1788-1794 (No.45)
Johann Philipp Grüson Mathematiker 1797-1799
1800-1801
1808
(No.45)
(No.46)
(No.56)
Freiherr von Hardenberg Staatskanzler 1804-1822 (No.55)
Georg Meinicke Bau-Inspector 1795-1800 (No.64)
Louis Catel Architekt 1808 (No.64)
E. T. A. Hoffmann Schriftsteller 1800
1814
(No.66)
(Döhnhpl.)
Peter Ludwig Burnat Maler 1791-1812 (No.86)
Johann Friedrich Schulze Maler 1788-1790 (No.88)
Gustav Taubert Maler 1804-1820 (No.90)
Carl Wilhelm Klipfel KPM 1804-1807 (No.103)
Heinrich Carl Riedel Baumeister 1798-1812 (No.105)
Verner und Mieth Modelleurs 1802-1807 (No.112)
Friedrich Meyer Kupferstecher 1812 (No.112)
Johann Georg Grieninger KPM 1791
1793-1795
1796-1798
1801-1807
(No.104)
(No.117)
(No.114)
(No.104)

Zum Verhältnis von privater und kommerzieller Nutzung

Die Erörterung hierzu unterliegt neben methodischen Problemen auch der schwierigen Quellenlage, so daß die folgenden Angaben nur die durch Quellen gesicherten umfassen. Daß die für jenen Zeitraum typische Kombination von Wohn- und Fabrique-haus auch für viele Häuser in der Leipziger Straße gilt [26] , kann zwar mit großer Wahrscheinlichkeit angenommen, jedoch nicht im Einzelfall bewiesen werden. Selbst in Fällen, in denen eine gewerbliche oder kommerzielle Nutzung von Teilen des Hauses, wie beispielsweise beim traditionell heimarbeitenden Kleingewerbe (Schneider, Schuster etc) naheliegend erscheint, soll dennoch keine Auflistung an dieser Stelle erfolgen. Vielmehr sei an die entsprechende Stelle in der Hausbiographie verwiesen. Deshalb muß auch auf eine prozentuale Angabe hierzu verzichtet werden und stattdessen soll eine rubrikenweise Auflistung folgen, zu deren genaueren Angaben die einzelne Hausbiographie einzusehen ist.

Fabriken:

Königliche Porzellan Manufaktur (No.4)
Krepp- und Gazefabrik (No.7)
Seiden- und Kamelgarn-Kopf-Fabrik (No.8)
Englische Knopf-Fabrik (No.16)
Seiden-Band-Manufactur (No.17)
Kartenfabrik (No.21)
Seidenzeug-Manufaktur (No.26)
Seidenfabrik (No.41)
Baumwollenzeug-Manufactur (No.48)
Bronzefabrik (No.48)
Musivische Stuckfabrik (No.64)
Tapeten-Fabrike (No.74)
Kattunfabrik (No.95)
Tapeten-Fabrik (No.108)

Handlungen:

Baumwoll-Waaren-Handlung (No.36 u.No.50)
Bierhandlung (No.20, No.32, No.60, No.64 u. No.87)
Buchhandlung (No.38)
Essighandlung (No.72)
Italiener-Waaren-Handlung (No.35 u. No.60)
Materialhandlung (No.18, No.43, No.81 u.No.88)
Material- und Spezereiwaaren (No.43 u. No.75)
Mehlhandlung (No.91)
Speditions-Handlung (No.62)
Tobackshandlung (No.50)
Viktualien-Handlung (No.11, No.58, No.94 u. No.111)
Wechselhandlung (No.58 u. No.72)
Weinhandlung (No.7, No.28, No.40, No.73, No.77)

Verwaltung:

Königliche Städte Casse (No.19)
(später Militärkabinett)

Sonstige:

Schlacht-Scharrn (No.7)
Apotheke "Zum Pelican" (No.12)
Clavir- und Fortepiano-Lehrer (No.23)
Pensionsanstalt für Töchter (No.35 u. No.41)
Kunst- und Industrie-Comptoir (No.36)
Buchdruckerei (No.37)
Privat- und Parochialschule (No.41)
Schulanstalt (No.10, No.45, No.58, No.91 und No.99)
Lesebibliothek (No.95)

Gasthäuser:

Gasthaus zum fliegenden Roß (No.31-32)
Bierhandlung und Speiseanstalt (No.37)
Gasthaus zum goldenen Adler (Dönhoffplatz)
Gasthaus zum goldenen Stern (No.63)
Hôtel au Duc de York (No.72)
Gasthaus (No.73)

Hinweise zum Aufbau der Häuserbiographien

Die jeweilige Hausbiographie setzt sich aus drei Blöcken zusammen, und zwar einem zur Baugeschichte, einem zur Eigentümergeschichte und einem weiteren zur Geschichte seiner Bewohner.

Die Numerierung der Häuser basiert auf den Angaben von 1801 [27] und verweist nur in Ausnahmefällen, wo dies als sinnvoll angesehen wurde, auf die spätere Zählung, die ab der Mitte des 19.Jahrhunderts für die alten Hausnummern „50 bis 117“ galt.

Im ersten Block sind nacheinanderfolgend: die Bauzeit, Umbauten und Veränderungen sowie der Abbruch des Gebäudes bzw. die Neubebauung des Grundstücks unter Angabe des Architekten verzeichnet. In einigen Fällen ergänzen kurze Beschreibungen die Besonderheiten der Architektur oder andere Spezifika. Den Abschluß bildet ein Abbildungsverweis, der um die Standortangabe ergänzt wurde.

Der daran anschließende zweite Block widmet sich den Hauseigentümern unter Berücksichtigung dreier Daten: 1799, 1801 und 1812. Die Angaben zu den Jahren 1799 und 1801 entstammen der ersten bzw .der erweiterten zweiten Ausgabe der: Anschaulichen Tabelle [28] .., wohingegen die Angaben zum Jahr 1812 auf: Allgemeinen Straßen- und Wohnungsanzeiger [29] ... basieren. Bei der jeweiligen Angabe folgen auf die Jahreszahl zeilenweise der Name des Besitzers sowie zur Situierung sein Titel bzw. seine Profession.

Der letzten Block verzeichnet die nachweisbaren Bewohner für den zu untersuchenden Zeitraum. Die Angaben an dieser Stelle umfassen:

1. nachweisbarer Zeitraum des Aufenthaltes im Haus [30]

2. Name des Bewohners

3. Titel bzw. ausgeübte Tätigkeit

4. Angaben zum Dienstherren oder Tätigkeitsort

5. Hinweise auf vorherige oder spätere Wohnorte derselben Person in der Leipziger Straße

Alle Angaben hierzu werden in den Fußnoten im Originaltext zitiert und enthalten darüber hinaus Angaben zu vorherigen oder späteren Wohnorten, insofern dieses nachgewiesen werden konnte. [31] Die Angaben zu den Jahreszahlen 1808 und 1812, zu denen keine Fußnoten existieren, basieren generell auf den Angaben aus dem Industrie-Addreßbuch... [32] bzw. dem Allgemeinen Straßen- und Wohnungsanzeiger... [33] .

Allgemein für sämtliche Häuserbiographien gilt: Alle Angaben wurden in Orthographie, Grammatik und Interpunktion so belassen, wie sie im Quellentext aufgeführt sind. Fehlende Angaben in den einzelnen Blöcken bzw. das Fehlen einzelner Blöcke ergab die Quellenlage. [34]

Zu den Anhängen

Die den Häuserbiographien folgenden abschließenden Anhänge zu dieser Materialsammlung weisen noch zusätzliche Informationen auf, die, wie bereits in der Einleitung angeführt, nützlich sein können, bei ihrer Einarbeitung in einen größeren Kontext.

So enthält der Anhang 1 einen Situationsplan der Grundstücke in der Leipziger Straße im Jahre 1812 [35] , in den durch farbige Kennzeichnung die Anzahl der Geschosse pro Haus eingezeichnet wurde.

Im Anhang 2 werden die Quellentexte der in dieser Arbeit zitierten Berlin-Historiographen im gesamten Wortlaut aufgeführt.

Anhang 3 enthält eine Anzahl von ehemaligen Bewohnern der Leipziger Straße, deren genauer Wohnsitz nicht zweifelsfrei lokalisiert werden konnte. Der deswegen zitierte Originaltext soll einer möglichen späteren Zuweisung dienen.


[1] Nicolai 1786 I, 186.

[2] Schattenriß 1788.

[3] Schattenriß 1788, 41.

[4] Gädicke 1806, 356.

[5] Bratring 1805 II, 149.

[6] Zedlitz 1834, 420.

[7] Grundriss der Königl. Residenzstädte Berlin. Im Jahre 1792 von neuen angefertigt durch Daniel Friedrich Sotzmann.

[8] Auch beispielsweise die Friedrich-, Wilhelm- oder LindenStraße werden in Teilen orthogonal und achsialsymmetrisch von anderen Straßen durchschnitten und münden ebenfalls in einem Platz.

[9] Der Bebauungsplan für die Anlage der Friedrichstadt wurde im Auftrage Friedrich I. von einer Kommission erstellt, die aus dem Geheimrat von Danckelmann, dem Obermarschall von Grumbkau und den beiden Baumeistern Smids und Nehring bestand. Vgl. Gut 1917(1984), 53f. und 83ff.

[10] Dieses Areal, ursprünglich eine Esplanade vor dem Leipziger Tor, wurde nach der Abtragung des Tores im Jahre 1734 zu einem von Häusern umbauten Platz neu gestaltet.

[11] Die Angabe beruht auf Petersheiden 1801 und berücksichtigt, entgegen der Erstausgabe Petersheiden 1799 die ab 1798 eingeführte Vergabe von Hausnummern in Berlin. Die in Petersheiden 1799 angegebene Geschoßzahl pro Haus legt nahe, das Grundstücke ohne diesbezügliche Angaben unbebaut waren.

[12] Borrmann 1893, 420.

[13] Ein großer Teil dieser Häuser enstand in den 1730er Jahren. Vgl. Walther 1737.

[14] Eine letzte größere Bauphase erlebte die Leipziger Straße in diesem Teil in den Jahren 1773-1780, indem nochmals 46 Häuser neu und teils als Immediatbauten errichtet wurden. Vgl.: Schilderung 1798, 357, 365, 392.

[15] Vgl. hierzu die Karten im Anhang 1.

[16] Angaben nach Petersheiden 1799.

[17] Angaben nach Petersheiden 1799.

[18] Angaben nach Petersheiden 1799.

[19] Vgl. hierzu die Karten im Anhang 1.

[20] Riedel 1806, Sechstes Heft, Erläuterung zu Tafel IV.

[21] Da das Grundstück sich 1799 im Besitz des Mauermeisters Leitner befand, ist es naheliegend, daß jener eine Modernisierung der Fassade vornahm. Vgl. Hausbiographie.

[22] Angaben nach Petersheiden 1799.

[23] Sachs 1812, Heft X und XI.

[24] Adreß-Kalender der Königl. Preußischen Haupt- und Residenzstädte Berlin und Potsdam, Berlin 1785ff.

[25] Vereint hauptsächlich die „Particuliers und Rentiers“.

[26] Beispielhaft sei hier auf eine Beschreibung des Baumwollfabrikanten G.Gocht verwiesen, der in den 1790er Jahren in der WilhelmStraße ein größeres Anwesen besaß: „(....) das zweyte und einen theil des dritten Stockwerks benutze ich zum Betrieb der Fabrique und des Waaren Lagers, der übrige Theil des 3ten Stockwercks ist das Stand-Quartier. Im Hinter Gebäude brauche ich die Keller zum Stärken der Garne, im untern Stock steht zu Zeit die Rolle und Pressen und eine Treppe hoch wohnt einer meiner Arbeiter.“, GstA, Gen.Dir., MCC., Tit. CCXII, Nr. 19, fol.6, zit. nach: Straubel 1995, 469f.

[27] Petersheiden 1801.

[28] Petersheiden 1799 und 1801.

[29] Sachs 1812.

[30] In jenen Fällen, in denen die Jahreszahl nicht mit dem in der Fußnote verzeichneten Quellentext korrespondiert, wurde sie in Klammern gesetzt. Dies geschah in jenen Fällen, in denen andere Quellen diese Annahme nahelegten.

[31] Auschlaggebend hierfür war die Absicht, die „soziale Migration“ innerhalb der Stadt mitabzubilden.

[32] IAB 1808.

[33] Sachs 1812.

[34] Insbesondere hinsichtlich der Bauzeit wurde darauf verzichtet, alle zur Verfügung stehenden Quellen zu berücksichtigen. Ursächlich hierfür war die Relevanz der Daten für den zu untersuchenden Zeitraum in dieser Arbeit.

[35] Sachs 1812, Kartenbeilagen.


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