2.2.1. Kritik an und Vorschläge zur Verbesserung der Ausbildung
Daß die Ausbildung von Baumeistern zu Architekten nötig geworden war, um einer bürgerlichen Baukunst eine eigenständige Architektursprache zu verleihen, wurde in der zeitgenössischen Literatur vielerorts problematisiert.[122] Daß dieses Ansinnen auch nur dann weiträumig wirkmächtig werden konnte, wenn inhaltsreiches und praxisorientiertes Lehrmaterial zur Verfügung stand, erkannten die Architekturtheoretiker und Baupraktiker ebenso wie die Verleger.[123] Und daß darüber hinaus Institutionen neugeschaffen oder reorganisiert werden mußten,[124] erkannte eine Staatspolitik, die in allem von je her am "realen Nutz"[125] interessiert war. Wenn nun dieses, wie hinlänglich in der wissenschaftlichen Literatur erörtert, in unterschiedlichem Ausmaß die Entwicklung der Architektur forcierte, so muß gefragt werden, ob auch die hinsichtlich anderer Gewerke staatlicherseits eingerichteten Bildungsanstalten[126] einen ähnlichen Einfluß auf die Entwicklung in diesen Bereichen ausübten. Hierzu und insbesondere hinsichtlich der Notwendigkeit und Bedeutsamkeit dieser Einrichtungen seien die folgenden Quellen verzeichnet:
Heinitz Bericht über den Zustand der Akademie der Künste und der mechanischen Wissenschaften zu Berlin vom 1. Februar 1786.[127]
Johann Christoph Frisch, Fragment über die Idee, eine Akademie der Künste in Bezug auf Fabriken und Gewerke gemeinnütziger zu machen, in: Monatsschrift der Akademie der Künste und mechanischen Wissenschaften zu Berlin 1.(2.) 1788, S. 67-75.
Reglement für die Akademie der bildenden Künste und mechanischen Wissenschaften vom 26. Januar 1790.[128]
Seiz, Ueber den Einfluß der Ausbildung der Handwerker aus Baukunst und Staat, in: Allgemeines Magazin für die bürgerliche Baukunst 2.(2.) 1792, S. 14-27.
Friedrich Justin Bertuch, Ueber die Wichtigkeit der Landes-Industrie-Institute für Teutschland, in: Journal des Luxus und der Moden 8.1793, S. 409-417 und S. 449-462.
Karl Philipp Moritz, Über den Einfluss des Studiums der Schönen Künste auf Manufakturen und Gewerbe, in: Deutsche Monatsschrift 3.(1.) 1793, S. 38-41.
Welches sind die wirksamsten Mittel, um den Bewohnern eines Staates den Hang zu ausländischen Dingen des Luxus zu benehmen und ihnen dagegen Geschmack an vaterländischen Producten und Erzeugnissen einzuflößen, in: Neue Monatsschrift von und für Mecklenburg 8.1799, S. 327-341.
Aus Magdeburg ("über die königliche Provinzial-Kunstschule"), in: Korrespondenz-Blatt der Nationalzeitschrift, März 1801, S.365f. und July 1801, S. 768f. J. B. Eberhard, Ueber den Zusammenhang aller Anstalten zur Kultur der Bürger im Staate und ihren Einfluß auf das Verhalten derselben, in: Brennus 1. (1.) 1802, Januar, S. 5-12.
Die Berlinischen Sonntagsschulen ("unentgeldlicher Unterricht im Lesen,Schreiben und Rechnen für Lehrlinge"), in: Der Preußische Vaterlandsfreund 6.1811, No.59, S.241f.; No.60, S. 245f. und No.61, S. 249f.
[122] Vgl. beispielsweise: Millenet 1776, Vorrede S. 5-14 oder Milizia (1784) 1824 III, S. 297-314.
[123] Für die Jahre von ca. 1780-1815 läßt sich eine verstärkte Neuauflage, aber auch eine Wiederauflage von kanonischen architekturtheoretischen Lehrwerken konstatieren. Neu allerdings ist bei den neuen Editionen die Praxisbezogenheit vieler Lehrbücher und damit die Orientierung auf einen neuen Adressatenkreis, der zumeist schon im Titel direkt benannt wird. Vgl. beispielsweise: Jester (1783) 1804, Huth 1787 oder Gilly 1797/98.
[124] Da sich die Arbeit der Situation in Berlin widmet, sie deshalb nur auf drei Titel hingewiesen, die hierzu den bestmöglichen Überblick verschaffen. Vgl. Becker 1949, Mathematisches 2000 und hisichtlich einer engagierten, quasi privaten Initiative: Gilly 1984.
[125] Leibniz in einem Brief an Jablonski, in: Kappens 1745, S. 145.
[127] Bereits seit 1786 existierte eine von der Königlichen Akademie selbst eingerichtete freie Zeichenanstalt für Handwerker und Manufakturisten (vgl. Nicolai 1786 II, S. 717f.). Nach den Reformbemühungen durch Heinitz wurde 1790 die an die Akademie angeschlossene Kunstzeichenschule für "Lehrlinge und Gesellen solcher Handwerker und Fabrikanten, die zu geschmackvollen Verzierungen ihrer Arbeiten des Unterrichts im Zeichnen, oder in der Geometrie und Architektur bedürfen" (Levezow 1808, S. 32), gegründet. Bald darauf wurden unter dem Namen Provinzial-Kunstschulen ebensolche in Halle (1791), Breslau (1791), Magdeburg (1796) und Danzig (1804) eröffnet, in denen ebenfalls der Unterricht unentgeldlich erteilt wurde. Hinsichtlich der Ausbildungsinhalte und Lehrprogramme vgl.: Levezow 1808, S. 21-42 und Müller 1896, S. 137-198.)
[127] Wiedergegeben in: Levezow 1808, S.23ff.
[128] Vollständig abgedruckt in: Müller 1896, S.185ff.