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Zweiter Teil: Die Innenarchitektur resp. Innenraumdekoration

2.2. Zum Prozeß der Geschmacksbildung

"Luxus....., ist die reichste Quelle für den Staat; der mächtigste Hebel der Industrie, und das kräftigste triebwerk der Circulation. Er verwischt alle Spuren der Barbarey in den Sitten; schafft Künste, Wissenschaft, Handel und Gewerbe, vermehrt die Population und die Kräfte des Staats, und bewürkt Genuß und Glück des Lebens!" [116]

Das Bedürfnis nach Luxus um 1800 war nicht primär ein am Subjektiven orientiertes Phänomen seitens der Konsumenten. Vielmehr verbanden sich mit der Produktion von Luxusgütern zweierlei Aspekte, die, jeder auf seine Weise, staatstragende Funktion besitzen sollten. Zum einen hinsichtlich der Ökonomie, indem eine qualitätsgesteigerte landeseigene Produktion von Luxusgütern "die schimpfliche Abhängigkeit vom Auslande"[117] unterbände und damit den Patriotismus befördere, "jenes wichtige und untrennbar feste Band der bürgerlichen Gesellschaft".[118] Zum anderen "um die höchsten Stufen des Geschmacks und der Cultur zu erreichen, (....) der den Geschmack des Souverains und den Charakter der Nation, noch vor künftigen Geschlechtern entfaltet".[119] Damit aber "das Nützliche mit dem Schönen auf das innigste verwebt sey",[120] bedurfte es Institutionen und programmatischen Lehrmaterials, das die Ideen in eine praktische Anwendbarkeit für Handwerker und Manufakturisten transformieren konnte. Da es nicht das Anliegen dieser Arbeit ist, diesen Prozeß im einzelnen minutiös anhand des Quellenmaterials nachzuzeichnen und zu analysieren, sollen stattdessen mit der folgenden und nach Stichworten geordneten ersten Quellenübersicht.[121] Grundsteine für eine weitere und erweiterte Untersuchung dieser Fragestellung gelegt werden.


[116] Friedrich Justin Bertuch in der Einleitung zur Herausgabe des Journals des Luxus und der Moden: Über Luxus und Mode, 1.1786, S. 1.

[117] Friedrich August Leo, Vorrede zum Jahrgang 1798 des Magazins für Freunde des guten Geschmacks.

[118] Seiz 1792, S. 19.

[119] Wiebeking 1816, Vorrede I.

[120] Akademiekatalog 1793, Vorrede VI.

[121] Daß hierin die Literatur zur Ästhetik-Debatte um 1800 nicht enthalten ist, resultiert aus der eingegrenzten Themenstellung.


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