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Zweiter Teil: Die Innenarchitektur resp. Innenraumdekoration

1.1. Nachweisbare Dekorationen in den Berliner Stadtpalais

Niederländisches Palais:[59]
(bei Nicolai: Haus des Hrn. Kriegsrath Gravius)
Unter den Linden 36
Eigentümer:
1775-1782: Friedrich Christoph von Görne
1797-1798: Gräfin von der Marck
ab 1798: Geschenk an die Armendirektion[60]

Galerie oder Tanzsaal im Querbau 1762 Deckenmalerei u. Grisaillen in der Voute von Christian Bernhard Rode
Saal im Querbau 1762 "...neun Basreliefs auf grauem Grunde nach Antiken ... gemalt"[61] von Johann Peter Echtler
Großer Speisesaal im linken Flügel 1777 "... der vielleicht schönste aller im neuklassischen Geschmack eingerichteten Säle"[62] Decken- u. Wandmalereien von Christian Bernhard Rode, Basreliefs von Johann Peter Echtler
Zimmer im Querbau 1777 zwei gemalte Supraporten von Christian Bernhard Rode
Zimmer 1777 drei gemalte Supraporten von Johann Christoph Frisch
Zimmer 1777 Decken- u. Wandmalereien von Christian Bernhard Rode, Basreliefs nach Antiken von Johann Peter Echtler
Schlafzimmer 1777 Decken- u. Supraportenmalereien von Christian Bernhard Rode
Saal linker Hinterflügel um 1779 "... mit Felderdecke aus weißem Stuck, der Holztäfelung mit Pilastern und Rankenfriesen, den Wandspiegeln an den Fensterpfeilern, ein bezeichnenendes Beispiel einer noch steif und befangen wirkenden Decoration aus der Frühzeit des Klassizismus"[63] Langhans ?
Eckraum um 1779 "Die Malereien ... zeigen in den unteren Wandfeldern Thierfiguren, in den Feldern darüber Blumen und Gewächse, über den drei Thüren Gruppen von Putten."[64]
??? 1790 Laut Verzeichnis der Kgl. Immediatbauten vom 11. Juni 1790: Malereien von Niedlich[65]

Gräflich Sackense Palais:[66]
(auch: Schwerinsches Palais, Königliches Hausministerium, Reichspräsidentenpalais)
Wilhelmstr. 73
Eigentümer:
1737-1777: Graf Schwerin
ab 1777: Carl Reichsgraf und Fürst von Sacken, genannt von Osten
Mai 1802: Enkel Fürst Friedrich August Carl von Hohenlohe-Neuenstein Ingelfingen
Oktober 1816: Buchhändler Johann Andreas Reimer
1960: abgerissen

Oberer Saal um 1780 "... einer von den schönsten in Berlin"[67]
"Ein bezeichnendes Beispiel des Ueberganges aus dem älteren Stil in den beginnenden klassizismus. (...) Das ovale Deckenbild, Dädalus und Ikarus und Apoll mit dem Sonnenwagen ... Grisaille-Malereien der Voûte, welche zwischen friesartigen Reliefgemälden an jeder Seite ein von lebensgroßen Figuren umgebenes Rundbild, die vier Tageszeiten durch Genien dargestellt, zeigen."[68]
Decken- und Wandmalereien von Christian Bernhard Rode
Gallerie rechter Seitenflügel, 1. OG um 1780 "Die Wandflächen zwischen den Bildern (Szenen aus der römischen Geschichte) sind mit grau in grau gemalten Gehängen und Geräthen im Charakter jener Zeit verziert. (...) weiße Stuckdecke mit Ehrenkränzen in den Ecken der Voute."[69]
Malereien von Christian Bernhard Rode (Öl auf Leinwand, in die Wandgestaltung integriert).

Palais Dönhoff:[70]
(auch: Fürstlich Stolberg-Werningerode'sches Palais, Preußisches Staatsministerium)
Wilhelmstr. 63
Eigentümer:
1781-1790: Frau Baronesse von Cuyphausen
1791-1805: Bogislav Friedrich Carl Ludwig Graf von Dönhoff
ab 1806: Sophie Amalie Gräfin von Schwerin, geb. Gräfin von Dönhoff
Juni 1951: Abbruch der kriegszerstörten Reste

Saal
linker Seitenflügel
1785/ 90 "Im linken Seitenflügel liegt ein von C. G. Langhans eingerichteter Saal, dessen Decke in damals beliebter Art durch im Bogen vor die Schmalseiten gestellte Säulen ins Oval überführt ist. An der Mitte der Schmalseite sind Nischen, über den Thüren Reliefs mit bacchischen Scenen angeordnet."[71]
"Um diese Zeit baute Langhans in dem alten Palais Dönhoff in der Wilhelmstraße einen Saal und wiederum nach seiner Lieblingslinie, nämlich oval. Unter den Verzierungen mußte ich die vier Basreliefs modellieren, welche einen Fries bilden im Wedgewoodstil."[72]
Saal
Querbau
  "Im März 1791 wurden 2046 Taler dafür bezahlt."[73]
"Auf die Stiege folgt ein nach dem Garten zu halb rund geschlossener Saal, der im Empirestil umgebaut, neuerdings von Bohm wiederhergestellt ist. Gepaarte Pilaster mit Bogenfenstern und Nischen gliedern die untere Wandhälfte, darüber finden sich kannelierte Wandstreifen und in den Feldern ovale Fenster und Reliefs mit Putten und Gehängen."[74]

Zedlitz'sches Palais:[75]
Neue Münzstraße 53
Eigentümer:
seit 1774: Staatsminister Freiherr von Zedlitz
um 1880 abgerissen

Großer Speisesaal 1778 "Der große Speisesaal, den Se. Excell. nach Langhans Rissen haben bauen lassen (...). Die Auszierung ist simpel und edel. Den Fenstern gegen über sind vier Blenden, worinn vier Abgüsse von antiken Statuen stehen. (...) Der ganze Saal ist mit einer blaßen grünlichen Tinte schwach tingirt, und die Dekoration weiß gelassen."[76]

Großer Gartensaal

  Malereien von Bartolomeo Verona

Dorville'sches Haus:[77]
(nach Umbau im Innern von 1806: Hatzfeldsches Palais)
Pariser Platz 2
Eigentümer:
- ab 1787: Staatsminister von Heinitz
- ab 1806: Fürst von Hatzfeld

Großer Saal um 1790 im Innern Umbau durch Hans Christian Genelli, Wandmalereien von Asmus und Friedrich Carstens, gemalte Architektur von Friedrich Fechhelm
(Nach dem Umbau von 1806 wurde der große Saal mit den Malereien beibehalten. Malereien um 1860 vernichtet: "... weiße Glanztapete mit Kleister aufgebracht" )[78]
Saal 1792/ 93 Wände: mythologische Figuren in gemalter Architektur von Johann Christian Frisch.
Deckenmalerei und Supraporten von Burnat
Zimmer 1792/ 93 Drei gemalte Supraporten von Christian Bernhard Rode
Vorsaal 1806 "Einen ähnlichen Plafond hat Herr Mahler Ringsleben hieselbst in dem hochfürstlichen Hatzfeldschen Palais ausgeführt. (...) Die vier Seitenwände, welcher dieser Plafond bedeckt, sind mit Papiertapeten, worauf bunte chinesische Figuren gemahlt sind ausgeschlagen (...) Vorbild zu einer Dekoration einer großen Nische, die auf ähnliche Art, jedoch weit reicher verziert, in dem Palais Sr. Durchlaucht des Herrn Fürsten Hatzfeld hieselbst, vom Mahler Ringsleben gemahlt, anzutreffen ist."[79]

[59] Vgl. Nicolai 1786 II, S. 922ff., Saul 1878, S. 33ff. u. 45f., Borrmann 1893, S. 319ff., Voß 1908, S. 77ff. u. 86, Schmitz 1925, S. 144ff., Borrmann 1925, S. 58f.

[60] Nachweisung 1806, S. 180.

[61] Nicolai 1786, II, S. 923.

[62] Borrmann 1893, S. 321.

[63] Borrmann 1893, S. 321.

[64] Ebd.

[65] Ebd.

[66] Nicolai 1786 II, S. 926ff., Borrmann 1893, S. 335f., Demps 1994, S. 39ff. u. 306.

[67] Nicolai 1786 II, S. 927.

[68] Borrmann 1893, S. 336.

[69] Ebd.

[70] Vgl. Schadow 1849. S. 62f., Borrmann 1893, S. 413, Hinrichs 1909, S. 70, Schmitz 1925, Borrmann 1925, S. 60f., S. 119, Eckardt 1987 I, S. 55, Demps 1994, S. 156ff. u. 300f.

[71] Borrmann 1893, S. 413.

[72] Zitiert nach: Schadow 1849 in Eckardt 1987 I, S. 55.

[73] Geh. St. Arch. Rep 96, 216, 9 Fol 86 (zitiert nach Hinrichs 1909, S. 70).

[74] Borrmann 1893, S. 413.

[75] Vgl. Nicolai 1786 II, S. 864, Borrmann 1893, S. 132 u. 412, Borrmann 1925, S. 58.

[76] Nicolai 1786 II, S. 864.

[77] Vgl. Akademiekatalog 1791, Anhang: Beschreibung derjenigen Kunstwerke... , S. 17-26, Akadamiekatalog 1793, S. 68-80, Moritz 1793, S. 115-127, Riedel 1806 VI, T V, Riegel 1867, S. 88ff. u. 218ff. u. 358f., Borrmann 1893, S. 133, Voß 1908, S. 80, Schmitz 1925, S. 299.

[78] Riegel 1867, S. 219.

[79] Riedel 1806 VI, Erläuterung zu T V.


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