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Erster Teil: Die Außenarchitektur

3.2. Das Bürgerhaus "um 1800"[41]

In den ersten Regierungsjahren von Friedrich Wilhelm III veränderte sich das Erscheinungsbild der Fassaden gravierend, nachdem dieser Prozeß bereits in den späten 90er Jahren eingeleitet worden war.[42] Durch die Abkehr von den ehemals die Fassade bestimmenden Gesimsen, mehr aber noch durch den Verzicht auf plastische Verzierungen wurde eine ruhige Flächenentwicklung der Fassade erzielt. Potenziert wurde dieser Eindruck durch eine weniger plastische Durchbildung der Risalite. Auch die Fenster, ehedem mit Rahmungen und Verdachungen versehen, wurden in bewußtem Gegensatz zum Zopfstil meistenteils ohne Rahmenprofilierungen direkt in die Fassade eingeschnitten. Ruhe, Klarheit und Einfachheit hießen die Prämissen der Gestaltung. Zur Belebung der Fassaden bediente man sich neben ihrer Farbgebung vorzugsweise der antiken Ornamentik, die in ihrem hohen Abstraktionsgrad insbesondere dem Bedürfnis nach Klarheit gerecht wurde. Dieser Klarheit entsprachen auch die breiten, den gesamten Baukörper horizontal durchlaufenden Ornamentbänder oder die streng geometrische Setzung von Rosetten zur Gliederung der Fassaden. Trotz aller Einfachheit der Ornamentik ermöglichte jedoch die Vielzahl derselben einen charakteristischen und individuellen Aufbau der Fassade. Als ein sehr typisches Beispiel dieser bürgerlichen Baukunst um 1800 in bescheidenerem Maßstab kann das nur minimal veränderte und heute noch erhaltene Wohnhaus Gipsstr. 11 gelten.


[41] Folgt weitgehend: Borrmann 1893, Gut 1917/84 und Schmitz 1925 sowie Oncken 1935 und Bollé 1988 unter der Verwendung des von Mebes 1908 geprägten Begriffs.

[42] Vgl. Brinckmann 1910.


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