Der Einfluß der Geschmacksdiskussion und der von der Akademie betriebenen Handwerkerschulung auf die Dekorationsmalerei zwischen 1780 und 1820

Eine kommentierte Quellen- und Materialsammlung - beinhaltend ein topographisches Verzeichnis der bürgerlichen Architektur in Berlin um 1800

Erstellt von Matthias Hahn, 2001

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit stellt in Form einer Quellen- und Materialerfassung den Versuch dar, einen weiteren Erkenntnisbaustein hinzuzufügen, der das Phänomen "Berlin um 1800" und die daraus resultierende Frage nach einer "Berliner Klassik" näher spezifizieren soll. Den Untersuchungsgegenstand hierzu bildet die bürgerliche Architektur der Jahre 1785 bis 1820, und zwar die Wohnbauten dieses Zeitraums unter besonderer Berücksichtigung ihrer Innenraumdekoration. Eingangs soll hierzu der Rekonstruktionsversuch in Form einer Topographie der heute noch nachweisbaren bürgerlichen Wohnhäuser in Berlin um 1800 erfolgen, bei dem nur diejenigen Häuser berücksichtigt werden, deren Fassaden Ausdruck einer neuen bürgerlichen Baukunst sind.[1]
Hierbei werden in schematischer Form die Häuser stilistisch klassifiziert, um dadurch ihren jeweiligen proportionalen Anteil hinsichtlich der Gesamtanzahl von Häusern in Berlin[2] zu verdeutlichen. Der hiermit unternommene Versuch, den proportionalen Anteil einer neuen bürgerlichen Baukunst im Stadtbild nachzuweisen, kann deutlich machen, inwieweit die theoretische Architekturdebatte um 1800 konkrete Auswirkungen für die Wohnungsbauten jener Jahre in Berlin besaß. Ob sich dergleichen auch hinsichtlich der Innenraumgestaltung abzeichnete, soll im daran anschließenden Teil untersucht werden. Hierzu bildet abermals eine Erfassung der heute noch in Berlin nachweisbaren Innenraumgestaltungen den Ausgangspunkt, bei der über eine Ortsangabe hinaus kurze Beschreibungen beigefügt sind, um die jeweilige Dekorationsform näher klassifizieren zu können.
Obwohl sich diese Arbeit in erster Linie der bürgerlichen Baukunst und deren Konsequenzen für die Gestaltung des Innenraums zuwendet, sollen an dieser Stelle auch Beispiele der Wanddekorationen in den Berliner Adelspalais mit herangezogen werden, ohne dabei das höfische Milieu zu tangieren. Die hiermit verbundene Absicht, quasi kontrastiv den historischen Horizont der Innenraumdekorationen in Berlin abzubilden, soll die Frage nach einer spezifisch bürgerlichen Ausprägung akzentuieren. An diesen Teil der Arbeit, der das real Bestandene und Nachweisbare ins Zentrum der Untersuchung stellte, und somit seine Fragestellungen anhand der konkreten Berliner Bauten um 1800 entwickelt hat, knüpft ein zweiter Teil an, der sich den theoretischen Grundlagen jener architektonischen Ausprägungen und dem Wandel der Dekorationsformen in Berlin um 1800 widmen soll. Daß hierzu vorerst das Berliner Terrain verlassen werden muß, ist zwingend, zumal der Diskurs hinsichtlich der Innenr
Da sich die vorliegende Arbeit als eine erste Materialsammlung und somit als Basis weitergehender Forschungen versteht, werden für die Beschreibungen hauptsächlich Primärquellen benutzt. Nur dort, wo eine primäre Erfassung nicht möglich war oder im Rahmen der vorliegenden Arbeit zu zeitraubend gewesen wäre, wurde aus der Sekundärliteratur zitiert. Daß hiermit nur erste Ergebnisse präsentiert werden können, resultiert aus der Schwierigkeit der Quellenerfassung[3] und der Fülle des zu berücksichtigenden Materials. Ein Umstand, der nicht zuletzt die jahrzehntelange Vernachlässigung dieses Themas kommentiert.


[1] Hinsichtlich der bürgerlichen Baukunst vergleiche neben der unter "Lehrwerke" im folgenden dieser Arbeit aufgeführten Literatur insbesondere wegen ihrer Abbildungen: Büsch 1800 I, Berson 1804, Stieglitz (1798) 1805, Conta 1806, Wiebering 1821-26.

[2] Vgl. statistische Angaben hierzu im folgenden.

[3] So ist beispielsweise die Einsichtnahme in Bauakten bei den Landesdenkmalämtern und den unteren Denkmalschutzbehörden auf Grund bestehender Rechtsnormen nur dann möglich, wenn eine schriftliche Einverständniserklärung des Eigentümers oder Rechtsnachfolgers vorliegt.


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