Sprache und Sprachen in Berlin um 1800. Herausgegeben von Ute Tintemann und Jürgen Trabant
Language and Languages in Berlin around 1800. Edited by Ute Tintemann and Jürgen Trabant

Online-Publikation des gleichnamigen Tagungsbandes des Projektes
"Berliner Klassik. Eine Großstadtkultur um 1800".
Gefördert von der VolkswagenStiftung


Inhalt

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Impressum


Alle Texte im Überblick
Tintemann/Trabant:
Vorwort
Teil 1
Gessinger:
Campe und die Preisfrage zur Reinheit der deutschen Sprache
Böhm:
Mehrsprachigkeit am Waisenhaus der Französischen Kolonie
Volmer:
Sprachbewußtsein durch Diglossie
Wiedemann:
Deutsch-französische Rederaison
Gruschka:
Jiddisch und jüdische Identität: Euchels "Reb Henoch"
Schmidt:
Mendelssohns Versuch einer Bibelübersetzung
Teil 2
Trabant:
Mithridates in Berlin
Haßler:
Typologie und Anthropologie bei Hervás
Kaltz:
Kraus zu Pallas' »Vergl. Glossarium aller Sprachen«
Ute Tintemann:
Zu den Sprachstudien J. H. Klaproths
Schlieben-Lange/Weydt:
Jenischs Antwort auf die Preisfrage der Berliner Akademie
Marazzini:
Deninas Beitrag zur Geschichte der Sprachwissenschaft
Rousseau:
Schlözer et Humboldt

Thouard:
Humboldt et Bernhardi

Zollna:
Bernhardi und Destutt de Tracy
 

 

 

 

Joachim Gessinger

Kritik der sprachlichen Unvernunft

Joachim Heinrich Campe und die Preisfrage der Berliner Akademie zur Reinheit der deutschen Sprache

Abstract

In summer 1792, the Berlin Royal Academy of Sciences and Humanities posed a prize question concerning the purification of the German language. The prize was won by the educationalist Joachim Heinrich Campe. In my paper, the history of the prize question inside and outside the "Deutsche Deputation" (German delegation) is reconstructed. It thereby becomes clear how, above all, the proximity of the position of the Academy member Gedike and that of the prize winner Campe concerning linguistic policy and theory, and the convergence of focus on the lexicon and on loan and foreign words, led to the ultimate formulation of the prize question. The political dimension of the decision in favour of Campe, as an honorary citizen of the French Revolution, becomes recognizable if the thesis presented in my paper is correct, i.e. at least some of the people involved knew to whom they were awarding the prize - and Campe, in a sophisticated game of hide-and-seek, also allowed himself to be recognized as the anonymous author.

Inhalt

1. Die deutsche questione della lingua und die Preisschrift Campes

2. Die Entstehungsgeschichte der Preisfrage

3. Campe, die Akademie und die deutsche Deputation: sprachpolitische und politische AspekteFunktionsübergreifende

3.1. Campe spielt ›Campe‹

3.2. Die "Deutsche Deputation" prämiert den Vorschlag, sie abzuschaffen

Bibliographie

Anmerkungen

Am 20. April 1792 beschließt die französische Nationalversammlung, Österreich den Krieg zu erklären. Am gleichen Tag trifft sich die »Deutsche Deputation« der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin in der Wohnung ihres Kurators Hertzberg und überlegt, welches Arbeitsprogramm sie sich geben soll. In der Folge verlieren die alten europäischen Monarchien bei Valmy ihre militärische Übermacht und Louis XVI. seinen Kopf. Die »Deutsche Deputation« befaßt sich derweil mit der Etymologie des Wortes Hagestolz.

Aus dieser etwas pointierten Gegenüberstellung könnte der Schluß gezogen werden, die »Deutsche Deputation« als ein quer zur Struktur der Societät liegender Zusammenschluß von Akademikern sei eine unpolitische Angelegenheit gewesen. Doch der Eindruck trügt: Die Deputation hatte ihre Aufgabe in der Transformation der Akademie als Berliner Filiale der europäischen république des lettres in eine Wissenschaftseinrichtung, die sich mit Fragen von Öko-nomie, Technologie und Kultur in Preußen zu beschäftigen hatte.1 Sie konnte sich dabei auf den Gründungsauftrag beziehen, wie ihn Friedrich I. erteilt hatte. Hier wie in Frankreich ging es um nationbuilding, doch während die Gironde auf Krieg setzte,2 sorgte sich ein Teil der bürgerlichen Intelligenz und mit ihr die Mitglieder der »Deutschen Deputation« um die Pflege von Kultur und Sprache.

Der Pädagoge Joachim Heinrich Campe hatte den Rang dieser Aufgabe im Vorfeld seiner dann in jährlicher Folge erscheinenden Schriften zur Sprachverbesserung so bestimmt:

Nächst der noch überall, mehr oder weniger, nöthigen Verbesserung der Landstraßen, der Erziehung und der Rechtspflege [...] scheint es für eine Nation, welche aufwärts strebt, nichts Nothwendigeres und Dringenderes, als eine fortschreitende Bereicherung und Ausbildung ihrer Sprache zu geben (Campe 1790: 258).

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Diese Auffassung machte sich nach und nach auch die »Deutsche Deputation« zu eigen. Sie lobte 1792 die Preisfrage zur Sprachreinigung aus und gab damit der deutschen questione della lingua einen eindeutigen sprachpolitischen Akzent. Ein Jahr später prämierte sie ein umfängliches Manuskript, das mit dem Motto »in vitium ducit culpae fuga, si caret arte«3 eingereicht worden war. Auf der öffentlichen Sitzung der Akademie am 26. September 1793 wurde der Preisträger bekanntgegeben: Joachim Heinrich Campe aus Braunschweig.

Ich werde im Folgenden zentrale Argumente der Sprachdebatte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und die Genese der Preisfrage vorstellen und in einem dritten Schritt Zusammenhänge und Kontexte der Preisfrage und ihrer Beantwortung skizzieren.

1. Die deutsche questione della lingua und die Preisschrift Campes

Es waren im Kern drei Instanzen, auf die man sich in der Debatte »Was ist Hochdeutsch?« seit Gottsched immer wieder berief. So sollte der Sprachgebrauch regionale, stilistische und soziale Varianz legitimieren oder aber gerade diese zugunsten allgemeinerer und einheitlicherer Formen zurückdrängen. Mit dem Verweis auf die Analogie als das für die Regelhaftigkeit von Morphologie, Syntax und Orthographie konstitutive Prinzip der Formgleichheit wurden zumeist normative Eingriffe begründet. Mit dem Rekurs auf die Natur der Sprache als Verweis auf strukturelle oder typologische Eigenschaften von Sprachen und ihre Entwicklungspotentiale (génie des langues) wurde häufig beides, Usus wie Norm, zurückgewiesen.

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Von den Proponenten dieser Auffassungen wurden unterschiedliche Akteure ins Spiel gebracht: Schriftsteller als Sprachschöpfer, Grammatiker und Sprachlehrer als Kenner und normsetzende Autoritäten in Zweifelsfragen. Die Sprachgesellschaften des 17. Jahrhunderts mit ihren historischen Schwundstufen galten als mehr oder weniger gescheiterte Unternehmungen der Sprachkultivierung. Die Verhältnisse im europäischen Ausland, vor allem Frankreich und Italien, ließen immer wieder auf Akademien als normative Instanzen und gekrönte Häupter als potentielle Schutzpatrone hoffen - der Blick auf das eigene Land führte in der Regel zur Einsicht, daß der kulturelle und politische Polyzentrismus im deutschen Sprachgebiet derartige Hoffnungen nicht zuließ.

Wortführer der Debatte wie Gottsched, Adelung, Wieland, Herder, Bürger, Fulda, Rüdiger, Moritz u. a. verbanden Instanzen und Akteure zu unterschiedlichen Argumentationslinien. So behauptete Adelung von sich, dem Usus zu folgen, genauer, dem Sprachgebrauch der oberen Klassen in Obersachsen. Er erzeugte mit dieser als normativ empfundenen Position heftigen Widerspruch im Norden wie im Süden Deutschlands, vor allem auch bei jenen, die normative Eingriffe grundsätzlich ablehnten. Zu diesen gehörten Gedike und auch Campe selbst.4

»Ist der Sprachgebrauch ein Tiran? Gut! so ist er nicht der erste seiner Art, den man entthronte«, zitierte Campe Gedike in seiner Preisschrift und brachte eine neue Kategorie in die Debatte: »Nicht er, sondern die Vernunft, ist die höchste Gesetzgeberin, wie in allen menschlichen Dingen, so auch in diesem« (Campe 1794: CLXXIX).

"Vernunft" als grundlegendes Prinzip in der Sprache bedeutete für Campe vor allem Regelhaftigkeit und Uniformität in Morphologie und Phonologie. Diese Eigenschaften wollte er mit Verständlichkeit verbunden sehen:

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Das, was ein Wort zu einem Deutschen macht, ist 1. seine Verständlichkeit für jeden Deutschen, und 2. die Übereinstimmung seiner Bildung und seines Klanges mit der Bildung und dem Klange anderer Deutschen Wörter, welche durchgängig üblich sind, mit einem Worte, seine Sprachgleichförmigkeit (Campe 1794: XXIV).

Im Sinne der Volksaufklärung hieß das:

Eine reine, mit sich selbst übereinstimmende Sprache nämlich [...] kann für alle Stände eines Volks und für alle einzelne Glieder derselben, nach allen ihren Theilen vollkommen verständlich gemacht werden [...] (Campe 1794: XXXII).

Campe wollte wie auch die »Deutsche Deputation« zunächst das Lexikon der deutschen Sprache bearbeiten und kam wie diese auch kaum darüber hinaus. Der deutsche Wortschatz als historisch gewachsenes Gebilde entsprach mitnichten diesem Uniformitäts- und Homogenitätsideal und wurde deshalb zum bevorzugten Objekt des normativen Eingriffs in Form von Reduktion, Korrektur und Erweiterung.

Die Reduktion ("Reinigung") des Wortschatzes sollte durch Eliminierung unverständlicher, abweichender und mehrdeutiger Lexeme und Phraseologismen, durch Ersetzung von Fremd- und Lehnwörtern durch Lexeme deutscher Provenienz und durch Tilgung von Homonymen ins Werk gesetzt werden. Die Korrektur vermeintlich mißgebildeter Wörter sollte durch Ersatz fremdsprachlicher Morpheme durch deutsche erfolgen. Bevorzugte Kandidaten waren deutsche Lexeme mit lateinisch-französischer Ableitungsmorphologie (wie in "buchstabiren") oder Fremdwortbildungen wie "antiroyalistisch" und "akatholisch". Die "Bereicherung" des Lexikons sollte durch Reaktivierung von Archaismen, Aufnahme von Dialektwörtern in die Hochsprache, durch Neubildungen und Lehnübersetzungen erfolgen.

Ein Vergleich mit zeitgleichen sprachpolitischen Unternehmungen in Frankreich, etwa dem Fragenkatalog, wie ihn Grégoire in seiner Enquête von 1790 formulierte, zeigt eine Reihe von Übereinstimmungen, aber auch markante Unterschiede. Auch bei Grégoire finden sich die patriotische Vorstellung einer langue unique und der historisierende Rekurs auf lexikalische Wurzeln.5 Die politische und moralische Integrität des Volkes sollte durch eine normierte Einheitssprache gesichert, die Volksbildung verbessert werden. Bei der diatopischen Varianz allerdings schieden sich die Geister: Die patois waren für die dem monozentristischen Modell des Französischen verpflichteten Gironde ein Hindernis im Kampf gegen das ancien régime, während Campe mit Blick auf die polyzentrischen Verhältnisse in Deutschland die Dialekte als autochthone Quelle zum Ausbau des Lexikons ansah.

Die Verengung auf Fremdwortpurismus erfolgte bei Campe schrittweise, und zwar sowohl mit Blick auf die Publikationen Campes seit 1790 als auch innerhalb der Preisschrift von 1794. In gewisser Weise bildet diese seine zunehmend rigidere Haltung ab, folgt aber auch einer Zuspitzung, wie sie in der Preisfrage selbst und vor allem in den beigefügten Erläuterungen angelegt war. Die Preisfrage fragte zunächst nach der prinzipiellen Möglichkeit und Notwendigkeit der »Reinigkeit« des Deutschen, dann nach den Möglichkeiten und Grenzen des normativen Eingriffs, der Reinigung, um am Ende auf die Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit der »Absonderung des Fremdartigen« zu sprechen zu kommen.

In den Erläuterungen zur Preisfrage hieß es:

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Die Akademie (der Gelehrtenverein) wünscht, daß vornehmlich die in Werken des Geschmacks und in der Umgangssprache am häufigsten vorkommenden ausländischen Wörter [...] zum Gegenstande der Untersuchung gemacht werden. Sie erwartet daher [...] Vorschläge, wie sie entbehrlich gemacht [...] werden können (Campe 1794: IV).6

Daran fehlte es nicht: Auf den 257 Seiten der Druckfassung des ersten Teils der Preisschrift, dem »Abhandelnden Teil«, türmt Campe Vorschlag auf Vorschlag und verliert sich des öfteren in teilweise polemischen Exkursen. Durch ein angehängtes ausführliches Wörterverzeichnis wird die Preisschrift in ihrem Umfang mehr als verdoppelt.

Nur ein Bereich des Lexikons sollte vor dem reinigenden Zugriff sicher sein:

Nur das, was in der Natur der Sprache gegründet und als solches einmal anerkannt ist, macht den wahren bleibenden Sprachgebrauch aus; und diesem, nur diesem gebührt das Recht der Unverletzlichkeit (Campe 1794: CLXXXI).

Die Kategorie der "Natur der Sprache" war in der Debatte um das richtige Deutsch im 18. Jahrhundert außerordentlich umstritten. Für Campe hieß "Natur" nichts anderes als Vernunft. Wo sie herrsche, gebe es nichts zu verbessern.

2. Die Entstehungsgeschichte der Preisfrage

Die unmittelbare Vorgeschichte der Preisfrage setzt etwa um die Mitte der 70er Jahre des 18. Jahrhunderts ein. Der erste Band des großen Wörterbuchprojekts Adelungs erschien 1774. Sein lexikographisches Konzept war auf das von ihm als "Hochdeutsch" propagierte Schriftdeutsch ostmitteldeutscher Prägung fokussiert und ein Programm zum Abbau sprachlicher, in diesem Fall lexikalischer und morphologischer Varianz. Ober- und niederdeutsche Formen wollte er ebensowenig aufgenommen wissen wie jene Teile des Substandards, die als »ganz pöbelhafte [Ausdrücke] tief unter dem Horizonte des Sprachforschers« lägen (Adelung 1774: XIV).

Einige Jahre später äußerte sich der Berliner Schulreformer Friedrich Gedike7 im Deutschen Museum zu der gerade wieder aufgelebten Debatte über das Elend der deutschen Sprachverhältnisse. Er folgte einer Maxime, wie sie später von Mercier formuliert wurde: »Le besoin fait les mots, le goût les sanctionne« (Mercier 1801: XIII; auch 566 ff.). Sehr klar und pointiert wandte sich Gedike gegen puristische Tendenzen und normative Unternehmen wie das Wörterbuch der Académie Française, die beide die mit dem zivilisatorischen Fortschritt notwendigerweise verbundene Entwicklung der Sprache behinderten:

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Ein Volk, das auf Sprachbereicherung Verzicht thut, seine Wörter alle samt und sonders, wie eine Heerde, in akademische Wörterbücher zusammentreibt und zählt, und ein schief Maul macht, sobald ein Schriftsteller ein neues analogisch gebildetes Wort wagt, warlich ein solches Volk muß entweder zu bequem sein, um weiter auf der unbegrenzten Leiter der Volkskultur hinanzusteigen, oder aber es träumt sich schon auf die oberste Sprosse hinauf, und sieht mit mitleidigem Stolz alle andre Völker mühsam zu sich hinanklettern (Gedike 1779: 388).

»Aber wie kan und muß die Sprache bereichert werden,« fragte Gedike und konnte kaum ahnen, daß die »Deutsche Deputation« der Berliner Akademie 15 Jahre später nicht ohne sein Zutun just die gleiche Frage stellen würde. Hier gab er selbst die Antwort: Sprachbereicherung sollte aus zwei Quellen gespeist werden, durch »auswärtigen Handel« und »inländischen Betrieb«. Ersterer werde von vielen für eine »unreine Pfütze gehalten. Seine Muttersprache aus fremden Sprachen bereichern, heißt Ihnen sprachverderbende Sprachmengerei. Dieser puristische Eifer hat [...] seine sehr gute Seite. Aber er kan auch sehr leicht übertrieben werden, und ist's wirklich nur zu oft. Denn wie? Wenn eine gewisse Sprachmengerei durchaus nothwendig, durchaus unvermeidlich wäre? Man nenne mir die Sprache, die ganz rein ist« (Gedike 1779: 393 f.).

Der »inländische Betrieb« sollte durch Aufnahme von Archaismen und Provinzialismen sowie Neubildungen seinen Beitrag leisten. Mit Nachdruck verwarf Gedike Adelungs Verfahren, niederdeutsche Wörter von der Aufnahme in das Wörterbuch auszuschließen. Gerade in der Würdigung der dialektalen Vielfalt unterschied er sich auch von seinem Dienstherren Friedrich II., der in der vielgescholtenen Schrift De la littérature allemande (1780) in seiner Fixierung auf das französische Modell einer an "klassischen" Autoren orientierten Schriftsprache die dialektale Varianz des Deutschen als Hindernis für die notwendige Standardisierung sah. Adelung glaubte wie Friedrich einen Mangel an "klassischen" Schriftstellern feststellen zu können und verschärfte in seiner Schrift Über den Deutschen Styl (1785) seine frühere Ablehnung von Provinzialismen, Archaismen und Neologismen. Im November 1790 veröffentlichte Campe im Braunschweigischen Journal seine »Proben einiger Versuche von deutscher Sprachbereicherung«, in denen er Gedikes Argumentation folgte und Adelungs Geringschätzung des Niederdeutschen kritisierte. Dieser Aufsatz war Campes durchaus beachteter Einstieg in die Sprachdebatte.8

Damit hatten sich zwei Positionen herausgeschält, deren eine Gedike schon kurz nach seiner Aufnahme als Akademiemitglied9 in die Beratungen über die anstehende Formulierung der Preisfrage für 1791 einbrachte. Sein diesmal noch erfolgloser Vorschlag lautete:

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1. Wodurch wird die Ausbildung einer Sprache befördert oder verhindert? Durch was für Mittel insbesonder ist bisher die deutsche Sprache ausgebildet worden, und wie können ihr die ihr fehlenden im Vergleich mit den alten und andren lebenden Sprachen noch fehlenden Vorzüge und Vollkommheiten am sichersten verschafft werden? (Arch. BBAW, I-V-10: 127).10

Zur Ausschreibung gelangte statt dessen die Preisfrage zum Sprachvergleich, die aufgrund der als unzureichend betrachteten Zahl der Einsendungen im Jahr 1792 erneut gestellt wurde und mit Jenisch und Schwab zwei Preisträger sah.11

Der Anfang Oktober 1791 in die Akademie aufgenommene Karl Philipp Moritz schickte schon wenige Tage später, jedenfalls vor dem 12. Oktober,12eine programmatische Schrift mit dem Titel Über die Cultur der deutschen Sprache an den Kurator Hertzberg. Dem nur mit 1791 datierten Text stellte Moritz ein leicht verkürztes Zitat Friedrichs voran: »Ces beaux jours de notre Litterature s'approchent. Je vous les annonce ils vont paroitre.«13 Etwa zur gleichen Zeit, am 9. Oktober 1791, sandte das Akademiemitglied Merian Pläne und Stellungnahmen zur Arbeit der »Deutschen Deputation« an Hertzberg, darunter einen längeren Text J. F. Zöllners14 mit dem Titel Ideen zu einem Plane für die Deputation zur Beförderung der deutschen Sprachkenntnis. Darin wurde ein Programm vorgestellt, das sich an das von Leibniz vor Gründung der Berliner Akademie formulierte Konzept anlehnte. Als Gegenstände der »Deutschen Deputation« sollten Geschichte, Wortschatz, Grammatik und Etymologie der deutschen Sprache bearbeitet werden. Das Adelungsche Wörterbuch müsse um Material aus Dialekten und Fachwortschätzen bereichert, vorhandene etymologische Erklärungen korrigiert und erweitert werden. Der Verwirrung in Sachen Grammatik sollte durch Orientierung an der Sprachphilosophie und an anderen Sprachen begegnet werden.

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Gerade hier könnte vielleicht das Ansehen einer Academie, die sich als eine competente Richterin bei dem Publicum legitimirt hätte, den wohlthätigsten Einfluß haben, denn ungeachtet daß es in der Sprache keine willkürlichen Gesetze geben darf, und nichts verderblicher ist, als die Freiheit der Schriftsteller durch Machtsprüche zu binden: so giebt es doch eine Menge von wahren Verbesserungen, die augenblicklich allgemein würden angenommen werden, sobald die Schriftsteller eine Autorität15 vor sich hätten, auf welche sie sich berufen dürften (Arch. BBAW, I-V-13a: 29).

Um dem Problem der begrenzten Arbeitskapazität der Deputation zu begegnen, dachte Zöllner an das arbeitsteilige Sammeln von Publikationen und die Ausschreibung entsprechender Preisaufgaben, ohne diese allerdings näher zu spezifizieren. Zeitgleich übersandte Moritz Hertzberg einen Programmentwurf für die »Deutsche Deputation«. Ihr Zweck sei es, »die Kultur der vaterländischen Sprache zum Gegenstande der öffentlichen Aufmerksamkeit zu machen [...]« (Arch. BBAW, I-V-13a: 24), im einzelnen: »Revision der Kultur der vaterländischen Sprache«, d. h. bisheriger sprachpflegerischer Bemühungen, die »Erstellung eines allgemeinen Idiotikons«, also eines umfassenden Dialektwörterbuchs, Prüfung von Idiotismen auf ihre gemeinsprachliche Tauglichkeit und von Neologismen oder Lehnbildungen auf die Möglichkeit, sie aus dem Wortschatz zu tilgen, wenn sie bezeichnungsinadäquat seien.

Die Deputation sollte um örtliche Mitglieder und Gelehrte erweitert werden, die sich für die deutsche Sprache interessierten, unter den auswärtigen Akademikern sollten jene Autoren herangezogen werden, die zur Sprachbildung beigetragen hätten und deren Urteil eingeholt werden solle.

Am 12. Dezember 1791 reagierte Gedike, wie auch alle anderen Mitglieder der Deputation, auf Zöllners Vorschläge und formulierte sie um:

Ich trete dem Plan des Herrn O.E.Rath Zöllner in allem bei. An Beschäftigung wird es der zu erwähnenden Kommission nicht fehlen. Alles, was auf irgend eine Art unmittelbar oder mittelbar zur Verbesserung, Bereicherung u. Reinigung der deutschen Sprache dienen kann, muß ein Gegenstand ihrer Aufmerksamkeit sein. Daher [...]

1) die itzt üblichen Wörter, insofern in Ansehung derselben der Sprachgebrauch einer Erweiterung oder Berichtigung bedarf, oder sofern der Sprachgebrauch mit sich selbst in Widerspruch zu sein scheint. Die Kommission müßte also mit darauf denken den zuweilen schwankenden Sprachgebrauch zu fixieren.

2) die veralteten u. ausgestorbnen Wörter, insofern mehrere derselben wieder verjüngt zu werden verdienten

3) neue Wörter, insofern sie entweder schon würklich von einem und dann mehrern Schriftstellern gebraucht werden oder erst zum Gebrauch zu empfehlen wären.

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4) ausländische Wörter, insofern sie in unserer Sprache entweder unentbehrlich sind oder gegen andere theils schon übliche Wörter erst in Umlauf zu bringende ausgetauscht werden könnten.

5) Provinzialwörter, insofern das eigentliche Hochdeutsch durch sie bereichert werden kann.

Auch die deutschen Sprichwörter verdienen die Aufmerksamkeit der Kommission. Sie könnte sich ferner das Verdienst erwerben, den Kanzleistil zu verbessern, könnte nach u. nach manches in der steifen Förmlichkeit unseres Briefstils verbessern, könnte mehr Gleichförmigkeit in Ansehung der Orthographie bewürken u.s.w.

Was die äußere Ordnung bestrifft, so würde es vielleicht sehr nützlich sein, wenn der jedesmalig fünfte Donnerstag zu der Vorlesung dieser Kommission bestimmt würde, die also gewissermaßen eine fünfte Klasse aus machen würde. Da dis aber vielleicht Schwierigkeiten finden dürfte, so wäre es vielleicht am besten, wenn alle 14 Tage nach geendigter akademischer Vorlesung eine eigene Konferenz gehalten würde, bei der jedoch keine eigentliche Vorlesung abgehalten würde, indem alle die Verbesserung der deutschen Sprache betreffenden Abhandlungen der Kommission in den gewöhnlichen akademischen Sitzungen vorgelesen werden könnten. [...] (Arch. BBAW, I-V-13a: 10r,v).16

Für den 23. Dezember 1791 vermerkte Moritz im Protokoll, Gedike solle insbesondere Beiträge »in Ansehung der neuen Wörter und des Purismus der Sprache« liefern (Arch. BBAW, I-V-13a: 30). Nachdem Hertzberg Friedrich Wilhelm II. Anfang Januar 1792 in zwei Schreiben über die Pläne informiert hatte (Harnack 1900, Bd. 2: 322-325), wurden sie auf der öffentlichen Sitzung der Akademie am 26. Januar von Zöllner vorgestellt: »Item sur le projet de perfectionner la langue allemande et de la cultiver par le concours des Académiciens allemands des classes de philosophie et de belles-lettres« (Arch. BBAW, I-IV-33, 139v).

Auf der gleichen Sitzung trug ausweislich des Protokolls Moritz seine Vorstellungen über die »Perfectibilité de la langue allemande«17 vor und äußerte sich kritisch zu Campes Proben:

Einer der neuesten Versuche dieser Art ist die Verdeutschung einer Anzahl fremder Wörter von Hern. Rath Campe aus Braunschweig; je misslicher aber ein solcher Versuch ist, und jemehr Behutsamkeit derselbe erfordert; um so mehr verdient er auch Aufmerksamkeit und Prüfung (Moritz 1796: 87 f.).

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Nachdem Zöllner auf der gleichen Sitzung über den Plan der »Deutschen Deputation« berichtet hatte, meldete Hertzberg am 15. April 1792 an Friedrich Wilhelm, daß die »Deutsche Deputation« ihre Arbeit schon aufgenommen habe und sich mit dem sehr schwierigen und umfänglichen Problem befasse, »que nous allons proposer: d'examiner les mots étrangers, qu'on a fait entrer dans la langue allemande et de décider, lesquels méritent d'en être rayés ou gardés [...]« (zit. n. Harnack 1900, Bd. 2: 324).

Tags darauf kündigte Hertzberg in einem Schreiben an die »Akademische Kommission zu Verbeßerung der teutschen Sprache« die Textvorlage für die Preisfrage an: »[...] Ich hoffe daß der Herr Ober Consistorial Rath Gedicke die ausgearbeitete Aufgabe mitbringen wird, und ersuche auch die übrigen Herren, das was Sie etwa für dieses mahl vortragen oder erinnern wollen, mitzubringen, worüber ein Protocoll gehalten werden kann« (Arch. BBAW, I-V-13a: 63 f.).

Am 20. April 1792 tagte die Deputation erstmalig wie geplant an einem Freitag. Moritz führte das Protokoll und vermerkte den Beschluß, alle vier Wochen eine »Konferenz der Deputation zur Kultur der deutschen Sprache« zu halten. Hertzberg ergänzte, Gedike habe »den Entwurf seiner Preiß Aufgabe über die frage welche fremde Worte in der deutschen Sprache aufgenommen, u. darin behalten oder ausgemerzt zu werden verdienen vorgelesen« (Arch. BBAW, I-V-13a: 65v).

Gedike selbst präzisierte in einer undatierten und unsignierten Notiz die Aufgabenstellung: »H. O.C.R. Gedike hat auf die von mehrern angesehenen deutschen Schriftstellern übertriebene Einmischung auslaendischer Woerter und auf den von andern gegenseitig übertriebenen Purismus aufmerksam gemacht und dadurch eine Preisaufgabe zur Bestimmung der richtigen Grenzen für die Reinigkeit der deutschen Sprache veranlasst« (Arch. BBAW, I-V-13a: 85).

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Auf der Sitzung der Akademie am 26. April 1792 wurde zunächst die Preisfrage öffentlich gemacht. Das Protokoll vermerkt: »On a distribué le Prospectus d'un problème que l'Académie propose concernant la langue allemand [!]« (Arch. BBAW, I-IV-33: 145). Moritz stellte dann ihre Entstehungsgeschichte auf der Akademiesitzung am 27. September 1792 dem Publikum vor,18 wobei er die Protokollnotiz Gedikes wörtlich übernahm.

Auf die im Dezember 1792 in der Deutschen Monatsschrift abgedruckten Fassung des Berichts (Moritz 1792: 282-288) wird sich Campe in seiner Preisschrift nicht nur implizit, sondern ausdrücklich beziehen, nachdem im gleichen Jahr sein »Zweiter Versuch deutscher Sprachbereicherungen [...]« veröffentlicht worden war.

Am 1. Juli 1793 endete die Einreichungsfrist für die Antworten auf die Preisfrage. Der kurz zuvor gestorbene Moritz wird durch »quelqu'un qui soigne les affaires de la société Germanique« ersetzt - Karl Wilhelm Ramler.

Am 19. September 1793 traf sich die »Deutsche Deputation« zur Abstimmung über die Preisvergabe. Gedike vermerkte im Protokoll sieben Einsendungen.

Heute um 3 Uhr versammleten sich die Mitglieder der deutschen Deputation, um über den in der nächsten Versammlung zu zuerkenn[en]den Preis vorläufig zu entscheiden. Es waren in allem 7 Schriften über die Beförderung der Reinigkeit der deutschen Sprache eingelaufen. Man vereinigte sich indessen allgemein darüber, daß unter denselben nur zwei Schriften vorzügliche Aufmerksamkeit verdienten, nehmlich die mit der Inschrift In vitium ducit culpae fuga, u. die mit der Inschrift: Ubicunque videris orationem coruptam.19 Hierauf ward durch Mehrheit entschieden, daß der erstern Schrift der Preis, der andern jedoch das Accessit zuzuerkennen sei, daß übrigens sowol die erstere als auch die andre Schrift, wenn der Verfasser darin einwilligt, in den Schriften der Deputation mit abzudrukken, aus den übrigen aber ein Auszug zu machen u. dieser ebenfalls mit in den zweiten Band jener Samlung aufzunehmen sei. Die Anfertigung dieses Auszugs wurde von des Hr. Curators Exc. dem H Prof. Ramler übertragen (Arch. BBAW, I-V-13a: 98).

Engel, Ramler, Selle, Teller, Gedike, Meierotto und Zöllner unterzeichneten das Protokoll. In der öffentlichen akademischen Sitzung vom 26. September 1793 wurde der Name des Preisträgers bekanntgegeben: »En ouvrant le billet chacheté, [...], on y trouve le nom de Mr. Campe conseiller d'éducation à Brunswig« (Arch. BBAW, I-IV-33: 178).

Die gedruckte und erheblich erweiterte Fassung der Preisschrift erschien nach einigen Querelen 1794. Dort wurde die Fragestellung noch einmal zitiert:

Ist vollkommene Reinigkeit einer Sprache überhaupt, und besonders der Deutschen, möglich und nothwendig? Wie und nach welchen Grundsätzen kann die Reinigkeit der Deutschen Sprache am besten befördert werden? Wie weit kann und muß dieselbe getrieben werden, ohne ihr noch wesentlichere Vollkommenheiten aufzuopfern; und welche Theile des Deutschen Sprachschatzes bedürfen vorzüglich die Absonderung des Fremdartigen, in welchen andern hingegen würde diese Absonderung unthunlich oder nachtheilig seyn? (Campe 1794: III).

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3. Campe, die Akademie und die deutsche Deputation: sprachpolitische und politische Aspekte

Verfolgt man die Genese der Preisfrage von 1790 bis 1793, also von Gedikes Vorschlag bis zur endgültigen Formulierung, und vergleicht diese Entwicklung mit Campes Publikationen im gleichen Zeitraum, so fällt auf, daß sich der Gegenstand in beiden Fällen in gleicher Weise verschob - von der Sprachbereicherung zur Sprachreinigung, von der Stilistik und Grammatik zur Lexik und vom Wortschatz insgesamt auf Fremdwörter. Diese Synchronizität in der Fokussierung läßt sich insofern erklären, als Campe Gedikes frühen Aufsatz über Purismus (1779) und Moritzens Darstellung der Deputationsarbeit vom Dezember 1792 in der Deutschen Monatsschrift gelesen hatte und sich argumentativ darauf hat einstellen können. Gedike und Moritz, möglicherweise auch Teller, Ramler und Hertzberg dürften ihrerseits mit ziemlicher Sicherheit Campes Beiträge zum Thema von 1790 und 1792 gekannt haben. Karl Philipp Moritz als dessen schärfster Kritiker hätte die Preisschrift vermutlich als Beispiel für "übertriebenen Purismus" im Sinne der ursprünglichen Fragestellung verworfen, zumal er mit dem Verleger Campe 1789 einen erbitterten Streit über den Abdruck einer Beschreibung seiner Italienreise ausgefochten hatte (Marx/Sauder 1993). Doch Moritz war im Juni gestorben, nahm also an der Beschlußfassung über die Preisvergabe nicht mehr teil.

Diese wechselseitige Kenntnis der jeweiligen Positionierungen mag erklären, wie Campe die Preisschrift gewissermaßen "auf den Punkt" schreiben konnte, auf den Punkt nämlich, an dem die deutsche Deputation in ihrer Debatte 1793 angelangt war, ohne daß es eine unmittelbare Verständigung von Mitgliedern der »Deutschen Deputation« und dem späteren Preisträger im Vorfeld der Preisfrage gegeben hatte.20 Unerklärt bei dieser Konvergenz bleibt freilich, ob die Akademiemitglieder hätten wissen können, wen sie auszeichneten, denn nach den Regeln der Preisvergabe waren eingereichte Manuskripte anonymisiert: Die eingereichten Texte waren statt des Namens jeweils mit einem Motto versehen, das auch auf einem dazugehörigen versiegelten Umschlag stand. Erst nach Prämierung des "anonymen" Textes durfte das Couvert geöffnet werden und den Namen des Autors enthüllen.

Campe jedenfalls mühte sich nach Kräften, der Deputation seine Autorschaft vor Augen zu führen - ohne jedoch die Spielregeln zu verletzen. Dazu bediente er sich der bewährten Technik der Camouflage, fingierte den unbekannten Autor, der immer wieder in die Haut des Sprachreinigers Campe schlüpft und zunehmend zu dessen alter ego wird.

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3.1. Campe spielt "Campe"

In der Preisschrift läßt "Campe"21 Campe ausführlich zu Wort kommen, zitiert zustimmende Rezensenten und rechnet mit dessen Gegnern ab, wobei vor allem Adelung kritisiert wird. Auf Campes Proben von 1790 und seinen Versuch von 1792 wird immer wieder verwiesen. So heißt es im theoretischen ersten Teil: »Wir gebrauchen nämlich, wie schon Campe neulich angemerkt hat [...]« (Campe 1794: LXIII) oder: »Einigen Beurteilern der bisherigen Campischen Versuche der Sprachreinigung scheint diese Betrachtung entgangen zu sein [...]« (Campe 1794: LXXXIV).

Wie diese beiden Schriften zur Sprachreinigung gliedert sich auch die Preisschrift in einen »Abhandelnden Teil« und eine Wortliste (»Ausübender Teil«), obwohl die Preisaufgabe explizit die Erörterung von Grundsätzen, nicht jedoch Listen von Verdeutschungsvorschlägen fordert. Für diejenigen, die die beiden Publikationen Campes kannten, mußten diese als Vorstudien, die Preisschrift als eine ausgearbeitete Fassung erscheinen. Doch über die formale Übereinstimmung hinaus wurden in der Preisschrift zahlreiche lateinische Motti aus den früheren Campeschen Schriften wiederverwendet.

Die augenfälligste Übereinstimmungen zwischen den "Proben", dem "Versuch" und der Preisschrift finden sich freilich in den jeweiligen angehängten Wortlisten. Spätestens hier lag die gemeinsame Autorschaft offen zu Tage, wohl zu offen, um die Maskierung aufrecht zu erhalten. "Campe" greift zu einem Trick, indem er sich zur Übernahme der Verdeutschungsvorschläge Campes bekennt: »Es erschien mir zweckmäßig zu seyn, eine schon vorhandene Sammlung solcher Wörter, die Campische nämlich, dabei zum Grund zu legen [...]« (Campe 1793: CCLVII). Und wie der von ihm beerbte Campe will er diejenigen Verdeutschungsvorschläge, deren Urheberschaft er nicht ermitteln könne, mit einem Asterisk kennzeichnen.

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Ein Vergleich der Wortlisten aller drei Schriften zeigt nun, daß - bis auf die zwischenzeitlich geklärten Fälle der Urheberschaft einiger Verdeutschungsvorschläge - die von Campe schon 1790 auf diese Weise gekennzeichneten Vorschläge in der Preisschrift von 1793 wieder auftauchen, d. h. bei exakt den gleichen Lemmata fehlen sowohl dem Autor der Preisschrift wie dem von ihm zitierten Campe 1790 Hinweise auf die Provenienz. Mit den Wortlisten übernimmt "Campe" auch dessen Erläuterungen zu den jeweiligen Verdeutschungsvorschlägen. So z. B. beim Lemma Franzosen:

Andere, und bei weitem die meisten, haben Franken, Westfranken oder Neufranken gewählt, und diesem trete ich (Hervorh. J. G.) für meinen Theil aus dem Grunde bei, weil Frankreicher, wegen der darin angehäuften Mitlauter, schwerfällig ist, und weil das davon herzuleitende Beiwort frankreicherisch oder frankreichisch, zu lang, und wegen der Zusammenkunft der hauchenden und zischenden Silben, zu unausstehlich rauh seyn würde (Campe 1794: 172).

Die Frage, auf wen dieses ich verweist, wird im Abhandlungsteil geklärt:

So wird z. B. jetzt fast ganz allgemein das Bedürfnis eines andern Worts für Franzosen gefühlt; weil das Volk, das diesen Namen hatte, seit einigen Jahren nicht mehr das nämliche ist. Man hat Frankreicher dafür in Vorschlag gebracht; allein Campe (Hervorh. J. G.) erinnert dagegen, wie es scheint mit Recht, daß das davon abzuleitende Beiwort frankreichisch, wegen der unmittelbar auf einander folgenden Hauch- und Zischlaute, garzu rauh und unangenehm klingen würde. Auch scheint die Mehrheit sich für Franken, Neufranken oder Westfranken wirklich schon erklärt zu haben (Campe 1794: CCXX).

"Campe" und sein alter ego Campe verschmelzen, für jeden erkennbar, zu Campe. Daran dürften auch eingestreute Versuche der Distanzierung von sich selbst kaum etwas geändert haben, etwa wenn "Campe" in der Preisschrift auch mal Campe mit Formulierungen kritisiert wie »wider diese Regel scheint z. B. Hr. Campe gefehlt zu haben [...]« (Campe 1794: CCXXII) oder »wider diese Regel verstößt z. B. die von Campen vorgeschlagene Verdeutschung des Worts Censur durch Schriftschaue. [...] Ich erkläre mich daher gegen die Aufnahme dieser Wörter [...]« (Campe 1794: CCXXVII). Auch an einer Verbeugung vor Moritz, der bei Abfassung der Preisschrift noch einer der Preisrichter war, läßt es "Campe" nicht fehlen: »Dieser Regel zufolge verwirft Hr. Moritz ets texte036f.html texte0f69.html texte33f0.html texte466f.html texte4f1d.html texte6345.html texte63f9.html texte72e4.html texte8b23.html texte9609.html textec70a.html textec74b.html textedd76.html textedd8b.html textef025.html textef557.html tmp (S. Deutsche Monatschrift. Dec. 1792) mit recht die von Campe für Honorarium vorgeschlagene Zusammensetzung Ehrensold, weil der Begriff von Sold und Ehre nicht miteinander bestehen können« (Campe 1794: CCXXVIII).

Für Gedike hat "Campe" einen besonderen Hinweis parat, der die Genealogie der Texte kaum verschlüsselt anzeigt: Das Kennwort der Preisschrift, »in vitium ducit culpae fuga, si caret arte« ist dem gleichen Horaz-Brief entnommen wie die von Campe in seinen Proben 1792 verwendete Sentenz22 und wie das Motto, das Gedike seinerzeit seinem Aufsatz im Deutschen Museum vorangestellt hatte.23

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Auch wenn alle Indizien dafür sprechen, daß für die Mitglieder der deutschen Deputation, allen voran Gedike, erkennbar war, daß kein anderer als Campe der Autor des eingesandten Manuskripts sein konnte, so fehlt in der hier vorgenommenen Rekonstruktion ein entscheidender letzter Nachweis - das Manuskript der Preisschrift selbst. Es ist im Bestand des Archivs der Akademie nicht verzeichnet; möglicherweise ist es im Zusammenhang mit der zwischen Campe und der Akademie strittigen Frage der Publikation der Preisschrift an den Autor zurückgeschickt worden. Jedenfalls ist die Preisschrift nur in der 1794 in Braunschweig unter dem Titel Ueber die Reinigung und Bereicherung der Deutschen Sprache veröffentlichten Fassung als Dritter Versuch welcher den von dem königl. Preuß. Gelehrtenverein zu Berlin ausgesetzten Preis erhalten hat mit dem Zusatz »Verbesserte und vermehrte Ausgabe« nachgewiesen.

Genau genommen handelt es sich also bei der einzig verfügbaren Fassung der Preisschrift um ein Palimpsest, dessen überschriebener Text sich dennoch dadurch leicht erschließt, daß die Ergänzungen zur Preisschrift vom Vorjahr deutlich markiert sind. Es spricht vorderhand nichts dagegen, diese Textfassung in wesentlichen Teilen als authentische Wiedergabe des eingereichten Manuskripts anzusehen. Campe publizierte also 1794 einen - seinen - Text vom Vorjahr, in dem die tatsächliche Autorschaft aber so dürftig kaschiert worden war, daß jeder, der die Debatte kannte, wußte, wer da schrieb. Auch dieser Text war genau genommen eine Überschreibung zweier vorhergehender, nur war sie aufgrund der Regeln der Preisaufgabe als solche nicht offengelegt, sondern erschien in Form fingierter Fremd-Zitate. Eine Analyse der vier Textschichten (1790, 1792, *1793, 1794) macht deutlich, daß der vergleichsweise kurze Ausgangstext, die im Braunschweigischen Journal veröffentlichten »Proben einiger Versuche von deutscher Sprachbereicherung«, auch noch unter der ausufernden Fassung der vierten Schicht24 zu erkennen ist.

3.2. Die »Deutsche Deputation« prämiert den Vorschlag, sie abzuschaffen

Angesichts der politisch schwierigen Fahrwasser, in die die Akademie mit dem Amtsantritt Wöllners und der Regierung Friedrich Wilhelms II. geraten war, ist es bemerkenswert, daß mit Campe ein Ehrenbürger der Französischen Revolution ausgezeichnet wurde.25 Noch bemerkenswerter ist dieser Vorgang allerdings, wenn meine Hypothese zutrifft, einige Mitglieder der Deutschen Deputation hätten gewußt, wen sie auszeichneten: Ob Mut, Hintersinn oder die schlichte Ausblendung politischer Kontexte diesen Entschluß begleiteten, ist aus den Archivalien der Akademie nicht zu rekonstruieren. Ein Blick auf die Lebenssituation der für die Preisfrage wichtigsten Personen (Gedike, Ramler, Hertzberg, Teller) zeigt allerdings, daß sie am Ende ihrer Karriere angelangt waren oder ohnehin nichts zu verlieren hatten.

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Jenseits dieser Spekulationen bleibt aber der erstaunliche Befund, daß die »Deutsche Deputation« einen Text zur Auszeichnung vorschlug, in dem sie selbst für überflüssig erklärt wurde.

[Die gelehrte Gesellschaft=Akademie] hat unsern Wetteifer gereizt, und - was noch wichtiger ist und nicht anders als zum gemeinen Besten ausschlagen kann - vielleicht bei Manchem unter uns das Feuer der freibürgerlichen (republikanischen) Eifersucht durch die [...] Besorgnis angefacht, daß sie, gleich jenen Vierzigen, durch Festsetzung willkürlicher Sprachgesetze eine gelehrte Alleingewalt über uns auszuüben, im Schilde führen könne. Jener Wetteifer wird hundert Köpfe für ihre Thätigkeit [...] glücklich ins Spiel ziehen. [...]

Die Gesellschaft hat einen Ausschuß aus ihren Mitgliedern dazu ernannt; allein es würde ein Ausschuß aus dem ganzen gelehrten Gemeinstaate Deutscher Völkerschaft dazu erfodert. [...] so ist das ganze Geschäft doch ein zu vieltheiliges und weitschichtiges, als daß eine so kleine Anzahl [...] mit anderweitigen Amtsgeschäften belasteter Arbeiter, damit jemals zum Ende kommen könnte (Campe 1794: CCLVIII ff.).

Deshalb, so schloß Campe, solle die Akademie eine »verbreitete große Gesellschaft« errichten und »alle durch Deutschland zerstreuete sachkundige Männer« an der Arbeit beteiligen. »Dann würde jeder, der Beruf in sich fühlte, das große Werk der Sprachvervollkommnung betreiben zu helfen, wissen, wohin er sich zu stellen hätte [...]« (Campe 1794: CCLXI f.).

Zu diesem Zwecke gründete Campe 1795, als die Deputation ihre Arbeit schon eingestellt hatte, zusammen mit 14 Mitstreitern von Braunschweig aus seine »Gesellschaft zur fortschreitenden Ausbildung der deutschen Sprache«.

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Bibliographie

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1774: Versuch eines vollständigen grammatisch-kritischen Wörterbuches der hochdeutschen Mundart. Mit beständiger Vergleichung d. übrigen Mundarten, bes. aber d. Oberdeutschen, Leipzig: Breitkopf.

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Archiv der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Abt. I, IV-33 (Registres), V-13a (Deutsche Deputation), V-10 (Preisschriften).

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1792: Zweiter Versuch deutscher Sprachbereicherungen oder neue starkvermehrte Ausgabe des ersten, Braunschweig: Schulbuchhandlung.

1794: Ueber die Reinigung und Bereicherung der Deutschen Sprache. Dritter Versuch, welcher den von dem königl. Preuß. Gelehrtenverein zu Berlin ausgesetzten Preis erhalten hat. Verbesserte und vermehrte Ausgabe, Braunschweig: Schulbuchhandlung.

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2002: Une politique de la langue. La Révolution française et les patois: l'enquête de Grégoire, Paris: Gallimard.

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Gedike, Friedrich

1779: Gedanken über Purismus und Sprachbereicherung. In: Deutsches Museum, 11. Stück, S. 385-416.

1790: Rede bei der Aufnahme in die Königl. Akademie der Wissenschaften den 4 Febr. 1790. In: Berlinische Monatsschrift 1, S. 219-230.

Gessinger, Joachim

1980: Sprache und Bürgertum. Zur Sozialgeschichte sprachlicher Verkehrsformen im Deutschland des 18. Jahrhunderts, Stuttgart: Metzler.

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1900: Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, 3 Bde., Berlin: Reichsdruckerei.

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1795: Über die Reinigkeit der deutschen Sprache und die Beförderungsmittel derselben, mit einer Musterung der fremden Wörter und anderen Wörterverzeichnissen, Berlin: Maurer.

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1975: Zur Sprachreinigung im Deutschen 1789-1871. Eine historische Dokumentation, Tübingen: Narr (= Institut für Deutsche Sprache (Mannheim). Forschungsberichte; 26.1,2).

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1980: 1789. Die Große Revolution der Franzosen, 2. Aufl., Köln: Pahl-Rugenstein.

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1801: Néologie, ou vocabulaire de mots nouveaux, à renouveler, ou pris dans des àcceptions nouvelles, Paris: Moussard/Maradan.

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1792: Über die bisherige Beschäftigung der akademischen Deputation zur Kultur der vaterländischen Sprache. In: Deutsche Monatsschrift, Dezember, S. 282-288.

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1999: Standardisierung und Purismus bei Joachim Heinrich Campe, Berlin/New York: de Gruyter (= Studia linguistica Germanica; 51).

Sedlarz, Claudia

2003: Ruhm oder Reform? Der "Sprachenstreit" um 1790 an der Königlichen Akademie der Wissenschaften in Berlin. In: Ursula Goldenbaum / Alexander Kosenina (Hg.), Berliner Aufklärung. Kulturwissenschaftliche Studien, Bd. 2, Hannover-Laatzen: Wehrhahn, S. 245-276.

Storost, Jürgen

1994: Langue française - langue universelle? Die Diskussion über die Universalität des Französischen an der Berliner Akademie der Wissenschaften. Zum Geltungsanspruch des Deutschen und Französischen im 18. Jahrhundert, Bonn: Romanistischer Verlag (= Abhandlungen zur Sprache und Literatur; 70).

Trabant, Jürgen

2002: Der gallische Herkules. Über Sprache und Politik in Frankreich und Deutschland, Tübingen: Francke.


[1]
[2]

So z. B. Brissot am 16. Dezember 1791: »Ein Volk, das nach zehn Jahrhunderten Sklaverei seine Freiheit erobert hat, bedarf des Krieges. Dieser Krieg ist notwendig, um die Freiheit zu befestigen« (Markov/Soboul 1980: 214).

[3]

Horaz (II. Buch, 3. Brief): »Die Furcht zu fehlen wird die reichste Quelle von Fehlern, wenn sie nicht vom Kunstgefühl geleitet wird.« Der Verfasser der Preisschrift übersetzte das Horaz-Zitat so: »Des Fehlers Meldung führet, geschieht sie ungeschickt, zu neuen Fehlern nur.«

[4]

Vgl. Kirkness 1975, Gessinger 1980 und Orgeldinger 1999. Allerdings werden in keiner dieser Arbeiten die Archivalien der Akademie ausgewertet, bei Kirkness findet Gedike trotz seiner zentralen Rolle keine Erwähnung.

[5]
[6]

Diese Erläuterungen sind in den Archivalien der »Deutschen Deputation« nicht enthalten. Campe scheute sich auch nicht, der auslobenden Institution die ihr zukommende deutsche Bezeichnung zuzuweisen.

[7]

Friedrich Gedike (1754-1803) war zu der Zeit stellvertretender Direktor des Friedrich-
Werderschen Gymnasiums. Er gab ab 1783 mit Biester die Berlinische Monatsschrift heraus und gründete als Oberkonsistorialrat und Mitglied des Oberschulkollegiums 1787 das Berliner Lehrerseminar.

[8]

Der Beitrag wurde u. a. von Rüdiger und Schwarz rezensiert.

[9]

Gedike hielt am 4. Februar 1790 seine Antrittsrede und erwähnte bei dieser Gelegenheit die Öffnung für deutsche Mitglieder und seine Vorliebe für das »Studium der deutschen Sprache und ihrer Geschichte« (Gedike 1790: 230).

[10]

Streichung im Original.

[11]

Vgl. die quellengestützte Rekonstruktion in Storost 1994.

[12]

Für den 12. Oktober 1791 verzeichnet das Protokoll der Plenarsitzung der Akademie die Inauguralreden der neu aufgenommenen Mitglieder Zöllner und Moritz.

[13]

Als Quelle nannte Moritz grammatisch nicht ganz korrekt »Frederic le grand de la Litterature Allemand« (Arch. BBAW, I-V-13a: 15). Friedrich hatte mit dieser Bemerkung seiner Kritik an der heimischen Kultur am Ende eine hoffnungsvoll-versöhnliche Note gegeben.

[14]

Der Oberkonsistorialrat Johann Friedrich Zöllner (1753-1804) war erst kurz zuvor (26. September 1791) Mitglied der Akademie geworden.

[15]

Merian stieß sich am Begriff Autorität, denn »Freiheit zu denken und seine Gedanken zu äußern ist das Hauptrequisitum einer Academie« (Arch. BBAW, I-V-13a: 22).

[16]

Unterstreichungen im Original.

[17]

Ich zitiere nach der gedruckten Fassung, die 1796 unter dem Titel »Über die Bildsamkeit der Deutschen Sprache. Eine Rede in der königlichen Academie der Wissenschaften gehalten am 26. Januar 1792 von dem Hofrath Moritz« in den Beiträgen zur deutschen Sprachkunde erschien. Zuvor war die Rede schon in der Deutschen Monatsschrift (1792, 1: 168-172) abgedruckt worden.

[18]

»Mr. Moritz, sur les travaux de l'Académie relatifs du perfectionnement de la langue Allemande en allemand« (Arch. BBAW, I-IV-33: 153 ff.).

[19]

Der Autor war Friedrich August Kinderling, der sich insbesondere um die Geschichte des Niederdeutschen gekümmert hatte. Die Druckfassung erschien 1795 unter dem Titel Über die Reinigkeit der deutschen Sprache und die Beförderungsmittel derselben, mit einer Musterung der fremden Wörter und anderen Wörterverzeichnissen bei Maurer in Berlin.

[20]

Zumindest in Form schriftlicher Korrespondenz hat es einen solchen Kontakt wohl nicht gegeben Wenigstens enthält der Briefwechsel der Jahre 1790-1793, der im 2. Band der Campe-Briefe veröffentlicht werden wird, dazu keinerlei Hinweise. Ich danke dem Herausgeber des Campeschen Briefwechsels, Hanno Schmitt, für die Möglichkeit, das unveröffentlichte Material zum 2. Band durchzusehen.

[21]

Im Folgenden wird der Klarheit halber der maskierte Campe (also der anonym auftretende Autor der Preisschrift) als "Campe", der von ihm zitierte Braunschweigische Schulrat (sein alter ego) als Campe geführt. In allen anderen Zusammenhängen erscheint er als Campe.

[22]

»E[r]go fungar vice cotis, acutum reddere quae ferrum valet, exsors ipsa secandi.« (Wofern ich selber auch nichts schreibe, kann ich doch, dem Schleifstein gleich, der selber zwar nicht schneidet, aber doch das Eisen schneidend macht.).

[23]

»Ut silvae foliis pronos mutantur in annos; prima cadunt: ita verborum vetus interit aetas, et iuvenum ritu florent modo nata, vigentque.« (So wie von Jahr zu Jahr mit neuem Laube der Wald sich schmückt, das alte fallen läßt: so lässet auch die Sprache unvermerkt die alten Wörter fallen, und es sprossen neue ins Leben auf, und füllen ihren Platz.)

[24]

Die Druckfassung von 1794 umfaßt neben dem Vorwort (24 S.) den "Abhandelnden Teil" (257 S.) und den "Ausübenden Teil" (353 S.). Im gleichen Jahr erschien noch: Nachtrag und Berichtigungen zum ausübenden Theile der Campischen Preisschrift über die Reinigung und Bereicherung der Deutschen Sprache.

[25]

Campe erhielt das Ehrendiplom auf Beschluß des Konvents Anfang August 1792.


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