Reihe "Berliner Klassik"
Band 1: Aloys Hirt: Archäologe, Historiker, Kunstkenner
Hg. von Claudia Sedlarz, 2004
420 Seiten, Hardcover, ca. 40 Abb.; ISBN 978-3–932324–27–7; 25 EUR
1796 kam Aloys Hirt (1759-1837) nach einem vierzehnjährigen Romaufenthalt nach Berlin. Als Mitglied der Akademien der Künste und der Wissenschaften, Lehrer an der Bauakademie und Kunstberater des Hofes wurde er zu einem wichtigen Impulsgeber für den Berliner Klassizismus. Sein Vorschlag, für die Königlichen Sammlungen ein modernes Museum zu errichten, führte schließlich zu Schinkels großem Museumsbau. Hirt wurde in Berlin ein einflußreicher Kunst- und Architekturtheoretiker und setzt sich damit an die Spitze einer großen Berliner Archäologentradition.
Rezensionen durch
Cord-Friedrich Berghahn in: Germanisch-Romanische Monatsschrift N.F. 56,2 (2006), S. 243-245.
Dianne van de Zande in: babesch. Bulletin antieke beschaving. Annual papers on Mediterranean archaeology, vol. 1, n. 82 (2007), S. 297-298.
Waltraud Maierhofer in: ECCB - The Eighteenth-Century Current Bibliography N.S. 30 (2009), S. 301-302.
Band 2: Daniel Jenisch: Kant-Exeget, Popularphilosoph und Literat in Berlin
Daniel Jenisch (1762-1804) gehört zu den beinahe vergessenen Protagonisten im Berlin des 18. Jahrhunderts, obwohl er ein bedeutendes Werk von einer erstaunlichen thematischen Breite hinterlassen hat. Eine umfangreiche Bibliographie sowie Regesten wichtiger Werke ergänzen die aus Tagungsbeiträgen hervorgegangenen Aufsätze zu unterschiedlichen Aspekten des Werks dieses spätaufklärerischen Popularphilosophen.
Band 3: Sprache und Sprachen in Berlin um 1800
Im ersten Teil stehen die Debatten zum Status des Deutschen im Zentrum, aber auch Fragen sprachlicher und kultureller Identität in bezug auf die Situation Berlins als mehrsprachige Stadt um1800. Im zweiten Teil werden die sprachenzyklopädischen Bemühungen der Zeit sowie deren theoretische Fundierung diskutiert.
Rezensionen durch
Wolf Peter Klein in: Historiographia Linguistica 34/2-23 (2007), S. 422-427.
Cord-Friedrich Berghahn in: Germanistik 46, 3/4 (2005), S. 837-838.
Band 4: Karl Philipp Moritz in Berlin 1786-1793
Der in Kooperation mit der Moritz-Arbeitsstelle entstandene Tagungsband bietet einen Einblick in die aller-neueste Moritz-Forschung. Den Schwerpunkt der Beiträge bilden Ästhetik und Antikerezeption. Gleichzeitig wird Moritz' vielfältiges Wirken in Berlin umfassend vorgestellt: von sozialen Kontexten wie der Freimaurerei und der jüdischen Aufklärung bis hin zur wenig erforschten Werkbereichen wie der Sprachwissenschaft und der Stilistik.
Rezensionen durch
Cord Friedrich Berghahn: "Eins der wichtigsten Denkmäler jener Zeit." Eine Nachlese zu Karl Philipp Moritz 250. Geburtstag. In: Zeitschrift für Germanistik NF 3 (2007), S. 651f.
Martin Davies in: Modern Language Review 102.2 (2007), S. 555-556.
Thorsten Fitzon in: Germanisch-Romanische Monatsschrift 56,4 (2006), S. 477-480.
Band 5: Fichte in Berlin. Spekulative Ansätze einer Philosophie der Praxis
Die Tagung "Fichte in Berlin" galt einer ersten Annäherung an die urbane Wende des Transzendentalphilosophen, die ihn in der preußischen Metropole bekanntlich zum Zeitkritiker, zum Nationalerzieher und zum Uni-versitätsreformer werden ließ. Der Band enthält Untersuchungen zu den in Berlin entstandenen Werken und bemüht sich um eine Verortung Fichtes in der soziokulturellen Topographie der Stadt.
Band 6: "Die Königsstadt". Stadtraum und Wohnräume in Berlin um 1800
Die Beiträge zu diesem Band gehen aus zwei Tagungen des Projekts "Berliner Klassik. Eine Großstadtkultur um 1800" an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften hervor. Das Thema war die Nutzung, Gestaltung und Wahrnehmung von privatem und öffentlichem Raum in Berlin um 1800.
Höfische und bürgerliche Interieurs der Zeit werden beschrieben und gefragt, wie sich zeitgenössische Geschmacksvorstellungen und Stile durch soziale Schichten verbreiteten. Denkmalpflegerische Befunde aus Potsdamer Bürgerhäusern und einem Mietshaus in der Schumannstraße werden ebenso vorgestellt wie Festsäle und Wohnräume in den Berliner Schlössern und in Adelspalais. Auch die Gärten in und bei Berlin und die Gutshäuser im Umland sind Themen von Beiträgen.
Das Verhältnis von Stadtraum und öffentlichem Leben wird aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. Wie waren Arbeit, Verkehr, Handel, Freizeitvergnügen im Stadtraum organisiert? Es wird auf die Baugeschichte und zeitgenössische Diskussionen um herausragende öffentliche Bauten und Orte eingegangen: das Brandenburger Tor, das neue Börsengebäude, der Tiergarten, die Allee Unter den Linden. Die Inszenierung von Königshochzeiten kommt zur Sprache und die Arbeit der Berliner Polizei. Neuartige Raumerfahrungen werden in Bezug gesetzt zur Auflösung sozialer Schranken. Die literarische Darstellung und philosophische Reflexion von Stadterfahrung und ästhetischer Bildung wird besprochen und diskutiert, wie die Entwürfe des Klassizismus bis heute die Vorstellungen von bürgerlichem Wohnen und Urbanität beeinflussen.
Aus all dem ergibt sich die Rekonstruktion eines lebendigen, vielschichtigen Lebens in einer modernen Großstadt: in Berlin um 1800.
Rezension durch
Peter Michael Hahn in: H-Soz-u-Kult.
Band 7: Johann Jakob Engel: Philosoph für die Welt, Ästhetiker und Dichter
Johann Jakob Engel (1741–1802) ist einer der profiliertesten Köpfe der Berliner Aufklärung. Als Lehrer am Joachimsthalschen Gymnasium, Mitglied der geheimen Mittwochsgesellschaft, der Akademie der Wissenschaften, Prinzenerzieher des späteren Königs Friedrich Wilhelm III. und Direktor des Nationaltheaters prägte er von 1775 bis 1794 maßgeblich das kulturelle und intellektuelle Profil Berlins. Der Band geht auf ein Colloquium zu Engels 200. Todestag zurück und berücksichtigt die wichtigsten Facetten des Schriftstellers, Kritikers, Kunsttheoretikers und Philosophen für die Welt.
Rezensionen durch
Michael Dimitrov in: IASLonline.
Cord-Friedrich Berghahn in: Germanistik 46,3/4 (2005), S. 837-838.
Band 8: Die Altertumswissenschaften in Berlin um 1800 an Akademie, Schule und Universität
Für die Frage nach der Bedeutung der Altertumswissenschaften in Berlin um 1800 spielt der Beitrag des altsprachlichen Unterrichts an preußischen Gymnasien eine besondere Rolle. Die Beiträge des Bandes widmen sich aus diesem Grunde nach einer allgemeinen Einleitung zur Situation der Altertumswissenschaften an der Wende vom 18ten zum 19ten Jahrhundert der Bildungspolitik und vor allem der lebendigen Berliner Gymnasiallandschaft der Zeit sowie einer Reihe ihrer herausragenden Vertreter und ihrem Einfluss auf die Berliner Kultur.
Band 9: Berliner Eisen. Die Königliche Eisengießerei Berlin. Zur Geschichte eines preußischen Unternehmens
308 Seiten, Hardcover; ISBN 978-3-86525-039-1; 29,50 EUR
Der vorliegende Tagungsband vereint Beiträge zur künstlerischen und kunsthand- werklichen Produktion und hebt die Einbindung des Berliner Unternehmens in eine breitere Entwicklung hervor. Dabei werden Aspekte der Materialbedeutung sowie der historischen, technischen und politischen Entstehungsbedingungen thematisiert.
Rezension durch
Marjorie Trusted in: Sculpture Journal 17,2 (2008), S. 148-150.
Band 10: Tableau de Berlin. Beiträge zur "Berliner Klassik" (1786-1815)
454 Seiten, Hardcover; ISBN 978-3-86525-040-7; 29,50 EUR
Band 11: Ute Tintemann: Grammatikvermittlung und Sprachreflexion. Karl Philipp Moritz' Italiänische Sprachlehre für die Deutschen
Moritz' Italiänische Sprachlehre wird in der vorliegenden Studie erstmals ausführlich vorgestellt. Dabei werden zum einen Konzeption, Aufbau und Inhalt des Lehrwerks und die verwendeten Quellen analysiert und zum anderen eine Einordnung in Moritz' Sprachdenken vorgenommen, wobei auch sein Rekurs auf Werke wie die Deutsche Sprachlehre für die Damen (1782) und die Englische Sprachlehre für die Deutschen (1784) berücksichtigt wird. Zwei Kapitel zur Rolle des Italienischen als Fremdsprache um 1800 sowie zum Italienischunterricht und den Lehrwerken runden die Darstellung ab.
Rezensionen durch
Cord-Friedrich Berghahn: "Eins der wichtigsten Denkmäler jener Zeit." Eine Nachlese zu Karl Philipp Moritz 250. Geburtstag, in: Zeitschrift für Germanistik NF 3 (2007), S. 651f.
Margit Glaser, in: Italienisch 58 (2007), S. 119-122.
Band 12: Claudia Sedlarz: Rom sehen und darüber reden. Karl Philipp Moritz’ Italienreise 1786–1788 und die literarische Darstellung eines neuen Kunstdiskurses
Was kann über Kunstwerke gesagt werden, wenn man direkt vor ihnen steht? Diese Frage beschäftigt Karl Philipp Moritz während seines Romaufenthalts 1786-1788. Mit seinen Freunden unter den deutschen Künstlern in Rom und mit Johann Wolfgang von Goethe, Johann Gottfried Herder, Aloys Hirt und anderen Gelehrten tauscht sich Moritz über die berühmten Gemälde und Skulpturen in den römischen Sammlungen und über zeitgenössische Kunst aus.
In den Reisen eines Deutschen in Italien in den Jahren 1786 bis 1788 versucht Moritz solche Gespräche und die visuellen und räumlichen Eindrücke, die beim Gehen durch die Stadt gewonnen werden, literarisch zu vermitteln. Seine Kunstbetrachtungen sind eingebettet in die Schilderung von Spaziergängen durch Rom.
Nach Moritz’ Rückkehr aus Rom wird er der erste Professor für Kunstgeschichte in Berlin. Er beteiligt sich an der umfassenden Reform der Akademie der Künste: Kunsterziehung und Ausbildung des Geschmacks werden als eine Aufgabe des Staates entdeckt. Moritz bringt seine römischen Erkenntnisse in die Diskussion mit ein. Bis zu seinem frühen Tod regt er die Auseinandersetzung mit Kunst in Berlin nachhaltig an.
Rezensionen durch
Christian Hecht in: Zeitschrift für Germanistik N.F. XXI,1 (2011), S. 184f.
Cord-Friedrich Berghahn in: Germanisch-Romanische Monatsschrift N.F. 61,2 (2011), S.236-239.
Heinrich Dilly in: Kunstchronik 65,9/10 (2012), S. 485-488.
Band 13: Eine Experimentalpoetik. Texte zum Berliner Nationaltheater
Die hier gesammelten Texte, deren Mehrzahl erstmals seit 200 Jahren wieder veröffentlicht werden, geben einen Einblick in das reiche Repertoire der Berliner Bühne, dokumentieren die von ihr ausgehenden Debatten und erinnern an das berühmteste Schauspielerensemble im protestantischen Deutschland nach 1800. Die Texte von August Ferdinand Bernhardi, Casimir Ullrich Boehlendorff, Samuel Heinrich Catel, Hans Christian Genelli, Heinrich von Kleist, Garlieb Helwig Merkel, Carl Friedrich Rellstab, August Wilhelm Schlegel, Julius Johann Joachim von Voß, Karl Friedrich Zelter u. a. sind Zeugnisse der Debatten über ästhetische und politische Werte einer sich herausbildenden Zivilgesellschaft. Das Berliner Nationaltheater war ein öffentliches Forum, von dem ästhetische und politische Diskurse ausgingen, die von einer vielstimmigen Publizistik wirkungsvoll zu einer "Experimentalpoetik", so Johann August Eberhard, inszeniert wurden. Die Texte bezeugen, dass das Berliner Theater und seine Kritiken sowohl für die Konstituierung eines klassischen Kanons als auch für die Herausbildung einer Massenkultur um 1800 prägend waren.
Die ca. 60 Abbildungen von Berliner Theaterzetteln, diese "Dokumente verflognen Genusses", wie Goethe die ihm von Zelter zugeschickten Berliner Ankündigungsblätter nannte, sind einzigartige Objekte der Erinnerungskultur, die uns durch ihre Suggestivkraft die Aufführung ersetzen. Theaterzettel und Theaterkritiken sind Ausgangs- und Endpunkt einer theatralischen Darbietung, ohne die sie nicht existieren würden. Wenn das Theaterereignis abgeschlossen ist, dominieren sie den Diskurs darüber.
Rezension durch
Cord-Friedrich Berghahn in: Germanisch-Romanische Monatsschrift, N.F. 59,4 (2009), S. 570f.
Band 14: Uta Motschmann: Schule des Geistes, des Geschmacks und der Geselligkeit, Die Berliner "Gesellschaft der Freunde der Humanität" (1797-1861)
Die Monographie über die "Gesellschaft der Freunde der Humanität" untersucht die einflussreiche, literarisch-künstlerisch und naturwissenschaftlich ausgerichtete Berliner Bildungsvereinigung, die von 1791 bis 1861 wirkte. Die "Humanitätsgesellschaft" war eines der herausragenden Glieder des vielschichtigen Berliner Vereinswesens. Das Besondere war ihre Langlebigkeit, ihr Mitgliederensemble, ihre Toleranz und ihr akademisch-universitäres Vortragsspektrum. Sie fühlte sich der Bildung "aller Stände" verpflichtet und verfolgte das Ziel, "unter ihren Mitgliedern eine wissenschaftlich begründete Freundschaft zu stiften, und durch wechselseitigen Austausch ihrer Gedanken, Kenntnisse und Erfahrungen innere Fortbildung und aufheiternde Erholung zu veranlassen". In einer Wechselwirkung von Geben und Nehmen, von Individualität und Anpassung konnte der Einzelne seinen Charakter formen und sich als geselliges, d.h. auch als gesellschaftliches, Wesen entwickeln. In solchen Vereinen organisierte sich das Bürgertum selbst, jenseits vom Staat, aber nicht in Opposition zu diesem, und schuf kommunikative Netzwerke, die in die Gesellschaft hineinwirkten. Die "Humanitätsgesellschaft" vereinte in ihren Reihen Männer unterschiedlicher Stände und Religionen. Neben bekannten Künstlern und Wissenschaftlern wie den Berliner Architekten Karl Friedrich Schinkel, David Gilly und Johann Heinrich Gentz; dem Bildhauer Johann Gottfried Schadow, dem Musikdirektor Bernhard Anselm Weber, dem Kunsthistoriker Aloys Hirt, dem politischen Schriftsteller und bedeutenden Theaterkritiker Garlieb Hellwig Merkel, dem Logenreformer Ignaz Aurelius Feßler, den Gymnasialprofessoren August Ferdinand Bernhardi, Theodor Heinsius, Friedrich Eberhard Rambach, Johann Joachim Bellermann, dem jüdischen Privatgelehrten Lazarus Bendavid, den Astronomen Johann Franz Encke, Christian Ludwig Ideler und Johann Elert Bode, den Chemikern Martin Heinrich Klaproth und Sigismund Friedrich Hermbstaedt, dem Oberkonsistorialrat August Neander, dem Geheimen Regierungsrat Karl Friedrich Wilhelm Dieterici, dem Staatsrat Johann Wilhelm Süvern (um nur einige zu nennen), finden sich auch weniger bekannte Personen aus dem Bürgertum wie Lehrer, Ärzte, Sekretäre, Theologen, Juristen, Militärangehörige und Kaufleute.
Anhand des umfangreichen, hier erstmals präsentierten und ausgewerteten Archivmaterials untersucht die Verfasserin die Geschichte und Programmatik, die Organisation, die Mitgliederstruktur sowie die Verbindung der "Humanitätsgesellschaft" zu anderen Gesellschaften. Aufgrund der Einbettung der Publikation in das Forschungsprojekt "Berliner Klassik" der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften ist der Blick schwerpunktmäßig auf die ersten Gesellschaftsjahre 1797 bis 1815 gerichtet. Das kommentierte Personenregister bietet Angaben zu den mehr als 300 Mitgliedern. Der Dokumentenanhang (CD) umfasst die Statuten der Gesellschaft, Mitgliederlisten, Jahresberichte, Besucherverzeichnisse, eine Liedgutauswahl und ein nach Schwerpunkten geordnetes Verzeichnis der Vortragsthemen. Zahlreiche Abbildungen geben einen Einblick in den schriftlichen Nachlass der Gesellschaft oder zeigen Porträts ihrer Mitglieder.
Rezension durch
Björn Brüsch in: H-Soz-u-Kult.
William Hiscott in: PARDES. Zeitschrift der Vereinigung für Jüdische Studien e.V. 17 (2011), S. 268-271.
Anne Baillot in: Zeitschrift für Germanistik, Heft 3, 2011.
Karlheinz Gerlach in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, Heft 1, 2012.
Florian Maurice in: Zeitschrift für Internationale Freimaurer-Forschung, Heft 27, 2012.
Band 15: Der gesellschaftliche Wandel um 1800 und das Berliner Nationaltheater
Das Berliner Nationaltheater ist die Bühne der "Berliner Klassik". Es wurde, nachdem August Wilhelm Iffland 1796 die Direktion übertragen worden war, zum einflussreichsten im protestantischen Deutschland und übernahm im selben Zuge eine Leitbildfunktion. Iffland professionalisierte das Theater, indem er 1802 ein sehr detailliertes Regelwerk für Schauspieler aufstellte. Gleichzeitig definierte er das Kostüm neu, es sollte keine Maskerade, sondern "äußere Haltung" eines bestimmten Charakters sein. Beide Reformen trugen dazu bei, die Kunstwelt des Theaters von der wirklichen Welt abzugrenzen und die Aufführung wichtiger als den Text werden zu lassen. Das Repertoire des Berliner Nationaltheaters, das von seiner Gründung an bis zu Ifflands Tod immer von Bürgerlichen geführt wurde, spiegelt ziemlich genau die gegenläufigen Tendenzen der Geschmacksentwicklung des großstädtischen bürgerlichen Publikums um 1800 wieder: Literarisierung und zunehmende Popularität.
Der vorliegende Band geht auf die Tagung des Akademienvorhabens "Berliner Klassik" vom 18. und 19. Oktober 2007 an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften zurück. Im Mittelpunkt dieser Tagung standen drei Fragenkomplexe: Welche Bedeutung hatte das Berliner Nationaltheater (1786–1811) für die Herausbildung einer modernen Bürgerkultur? Welche ästhetischen Konzepte wurden verfolgt und welche Experimente wurden vorgenommen? Wie wurde die Berliner Bühne in der Öffentlichkeit wahrgenommen? In den Beiträgen, die sich mit dem Sprech-, Musik- und Tanztheater, mit kunstwissenschaftlichen und mit rezeptionsgeschichtlichen Fragen beschäftigen, zeigen sich folgende Schwerpunkte, die die Gliederung des Bandes bestimmen: I. Raum, Ordnung und Dynamik. II. Aneignung, Transformation und Innovation. III. Faszination, Reflexion und Kontroverse.
Der Band zeigt erstmals 23 farbige Abbildungen aus dem ab 1802 erschienenen graphischen Sammelwerk Kostüme auf dem Königlichen Nationaltheater, die von bedeutenden Berliner Künstlern wie Johann Erdmann Hummel, Friedrich David Gilly, Heinrich Anton Dähling und Friedrich Jügel gezeichnet, gestochen und illuminiert wurden.
Rezension durch
Jens Bisky in: Süddeutsche Zeitung Nr. 49, 28.2./1.3.2009, S. 17.
Raymond Heitz in: Études Germaniques, Heft 3, 2011, S. 795f.
Band 16: Matthias Hahn: Schauplatz der Moderne. Berlin um 1800 – ein topographischer Wegweiser
In den Jahren zwischen dem Tod Friedrich II. und dem Wiener Kongreß (1786–1815) erlebt Berlin in nur kurzer Zeit einen beispiellosen Aufbruch in den Wissenschaften und Künsten, im Manufakturwesen und in der Gesellschaft. Bahnbrechende Erkenntnisse und Entdeckungen lassen Berlin zum Schauplatz der Moderne werden. Neben Paris, London und Wien etabliert sich Berlin als die neue Metropole und als neues geistig-kulturelles Zentrum in Europa.
Das vorliegende Buch will das großstädtische Berlin um 1800 möglichst facettenreich zu rekonstruieren. In monographischen Essays werden vergessene oder von der Forschung bisher wenig beachtete Orte und Objekte vorgestellt, kulturhistorisch kontextualisiert und die intellektuellen Netzwerke aufgezeigt, die eine derartige Kulturblüte ermöglichten. Das Buch bietet vielfältige Möglichkeiten, um Berlin um 1800 neu zu entdecken: Man kann es als Stadt-Lexikon oder Berlin-Enzyklopädie benutzen. Man kann es jedoch genauso gut als Reiseführer oder Wegweiser ansehen.
Rezension durch
Simone Austermann in: Das Achtzehnte Jahrhundert. Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für die Erforschung des achtzehnten Jahrhunderts 35,2 (2011), S. 235f.
Band 17: Felix Saure: Karl Friedrich Schinkel. Ein deutscher Idealist zwischen "Klassik" und "Gotik"
2010, 434 Seiten, Hardcover;
ISBN 978–3–86525–111–4; ISSN 1864–158X; 34,00 €
Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) ist nicht nur einer der bedeutendsten Architekten, Maler und Gestalter des 19. Jahrhunderts. Vielmehr hat er auch zahlreiche theoretische Texte verfasst, die schon den Zeitgenossen als Ausdruck seiner "philosophischen Geistesart" (Gustav Friedrich Waagen) galten.
In dieser Monographie wird Schinkels Denken über Geschichte, Kultur und Nation erstmalig zusammenhängend als ein Modell entworfen und exemplarisch in die Ideen- und Kulturgeschichte der Zeit eingeordnet. Das "Reich der Ideen", wie es Schinkel selbst nennt, weist vielfältige Bezüge zu den philosophischen, ästhetischen, bildungstheoretischen und politischen Entwürfen der Zeit um 1800 auf und lässt die Architektur als Ausdruck eines übergeordneten Weltbildes und Kunstverständnisses erscheinen. So zeigen die Reflexionen Schinkels eine deutliche Nähe zur ästhetisierten Graecomanie Winckelmanns, zur Bildungstheorie und zum Antikebild Wilhelm von Humboldts, zu Fichtes Nationalidentitätsphantasien und zu Schillers Idee einer ästhetischen Erziehung.
Diese Studie liefert in einem ersten Teil eine Rekonstruktion zentraler Begriffe und Bezüge in Schinkels geschichtsphilosophischem Denken. Im zweiten Teil werden vor dem Hintergrund zeitgenössischer Denkmodelle die Epochen in den Blick genommen, die in Schinkels Geschichtsauffassung eine entscheidende Stellung einnehmen: Die griechische Antike und ein deutsches Mittelalter. Beide Zeitalter fungieren als geschichtsphilosophische Utopien, die in kulturkritischer Absicht der Moderne entgegengesetzt werden.
Seine Überlegungen zu Geschichte und Kunst verstand der Architekt als theoretisches Fundament eines ausdrücklich zukunftsgericheten Programms - als ein "Veredler aller menschlichen Verhältnisse" wollte Schinkel das individuelle wie das nationale Leben ästhetisch und politisch-sozial reformieren. Nicht zuletzt ist die vorliegende Untersuchung deshalb ein Beitrag zum Zusammenhang von Antikenrezption, Mittelalterwahrnehmung und Geschichte des Nationalbewusstseinns in Deutschland.
Rezension durch
Christian Welzbacher in: Portal Kunstgeschichte (30.01.2012)
http://www.portalkunstgeschichte.de/buch_medien/?id=4837
Matthew Jefferies in: The Modern Language Review 107,3 (2012), S. 973-975
http://www.jstor.org/stable/10.5699/modelangrevi.107.3.0973
Band 18: Urbane Musikkultur. Berlin um 1800.
Die geistige Mobilisierung Berlins um 1800 hat zwar keinen überragenden Komponisten, wohl aber eine vielgestaltige und in mancher Hinsicht zukunftsweisende Musikkultur hervorgebracht. Der Konferenzband, der die besten Kenner der Materie vereinigt, behandelt einerseits die bevorzugten Gattungen vom solistischen Lied bis zum geistlichen Oratorium und zur Oper, andererseits deren institutions- und sozialgeschichtlichten Kontexte, wobei die maßgeblichen Persönlichkeiten in unterschiedlicher Funktion und Beleuchtung erscheinen: zunächst Reichardt als Komponist, Publizist und politischer Selbstdenker, danach Zelter als Tonsetzer, Organisator der stadtbürgerlichen Chorbewegung und Erfinder der Liedertafel. Oder aber Bernhard Anselm Weber als Kapellmeister und Johann Carl Friedrich Rellstab als origineller Verleger. Weitere Aspekte des Bandes sind das Musikfeuilleton, die musikalischen Salons und die Vielfalt des Konzertlebens, etwa die frühe Berliner Beethoven-Rezeption.
Das Berliner Theaterkostüm der Ära Iffland
Hg. von Klaus Gerlach, 2009Der 1759 in Hannover geborene August Wilhelm Iffland begann seine theatralische Laufbahn 1777 am Gothaer Hoftheater, einem der ältesten barocken Kulissentheater Deutschlands, das von Conrad Ekhof geleitet wurde. 1782 spielte er in Mannheim als erster die Rolle des Franz Moor in Schillers Erstlingswerk Die Räuber. Von 1796 bis 1814 war Iffland Direktor des Berliner Nationaltheaters, das unter seiner Leitung zu einem Mittelpunkt der Berliner Stadtkultur wurde.
Die seit 1802 erschienen 175 Radierungen der Kostüme auf dem Königlichen National-Theater in Berlin bilden eine Suite von Darstellungen, die uns die Inszenierungen des Iffland-Theaters nahe bringt. Sie visualisieren Ifflands Schauspiel- und Kostümkunst sowie das Repertoire, das sich sowohl an ein literarisch gebildetes als auch an ein Vergnügen und Unterhaltung suchendes Publikum wandte. Die handkolorierten Kostümfiguren sind Teil der Selbstinszenierung des Bildungsbürgers im Berliner Nationaltheater.
Rezensionen durch
Wiebke Hüsterin: FAZ, 7. Oktober 2009, Nr. 232, S. N3.
Christine Hübner: TheaterForschung.