Friedrich August Calau: Der Opernplatz, um 1810, Aquatinta Besitz und Fotografie: Stiftung Stadtmuseum Berlin
 

Carl Abraham Freiherr von Zedlitz, Justizminister

Geb. 4. Januar 1731 in Schwarzwaldau (Schlesien),
gest. 18. März 1793 in Kapsdorf (bei Schweidnitz).
Konfession: evangelisch.

I. Genealogie

Vater:

Karl Sigmund Freiherr v. Zedlitz (1703-1756), preußischer Landrat

Mutter:

Eva Eleonore Elisabeth (geb. 1713), geb. Freiin v. Czettritz und Neuhaus

Ehefrau:

Wilhelmina Christina Elisabeth (1746-1799), geb. v. Schickfuß und Neudorf (Heirat 1761)

Kind:

Heinrich (1781-1835)

II. Adressen in Berlin

1786-90

eigenes Haus, Neue Münzstraße

III. Teilnahme an Formen bürgerlicher Öffentlichkeit

  • Wöchentliche Tafelrunden mit Beamten, Künstlern und Gelehrten
  • Mitgliedschaft in der Akademie der Wissenschaften
  • Publikationen in der "Berlinischen Monatsschrift", mit deren Herausgeber J. E. Biester Zedlitz in engem persönlichen Kontakt stand: Der Publizist war langjähriger Privatsekretär des Ministers
  • Nicolai zählt Zedlitz zu den "jetztlebenden durch Schriften bekannten Gelehrten" mit Hinweis auf die vor der Akademie gehaltenen und später gedruckten Vorlesungen zur Erziehung sowie die von Zedlitz initiierten Verbesserungen der königlichen Universitäten. (F. Nicolai, Beschreibung, 1786, Bd. 3, Anhang, S. 21).

IV. Kurzbiographie

1746

Besuch der Ritterakademie in Brandenburg.

1747

Wechsel an das Collegium Carolinum in Braunschweig. An dieser Stätte wirkt ihr Gründer, der Aufklärungstheologe Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem, über den Zedlitz stets eine hohe Meinung äußerte.
Anschließend Beginn des Studiums der Rechts- und Staatswissenschaften in Halle. Daneben besucht Zedlitz auch philosophische Vorlesungen.

1754

Bei einem Besuch Friedrichs II. an der Universität wird Zedlitz dem König vorgestellt (Juni).

1755

Anstellung als Referendar beim Kammergericht in Berlin.

1759

Erhalt einer Ratsstelle bei der Oberamtsregierung in Breslau.

1764

Präsident der Oberamtsregierung für Oberschlesien mit Sitz in Brieg.

1770

Ende des Jahres Berufung zum Staats- und Justizminister auf Vorschlag des Chef de Justice Freiherr von Fürst und Kupferberg.

1771

Übernahme des Kirchen- und Unterrichtswesens (Lutherisches Geistliches Departement) am 18. Januar. Die Reform des Schulwesens wird in den folgenden Jahren zum vornehmsten Ziel von Zedlitz'. Sein Bildungsprogramm sieht zwar vor, daß alle Kinder eine Schule besuchen, doch sollen die Lehrinhalte den Standesunterschieden entsprechen.

1776

Wahl zum Mitglied der Akademie der Wissenschaften (Antrittsrede am 7. November).

1777

Ernennung zum Präsidenten des Oberkollegium Medicum. Die übrigen, zum Geistlichen Departement gehörenden Ämter sowie den Vorsitz des Kriminaldepartements beim Kammergericht behält Zedlitz.

1779/90

Im Prozeß des Müllers Arnold beweist Zedlitz Prinzipientreue. Er erteilt den Befehl, die Richter des Kammergerichts zu verurteilen, die in dritter Instanz gegen den Müller entschieden hatten. Damit zieht er zwar den Unmut des Königs auf sich, jedoch bleibt dessen Drohung, gegen den Minister vorzugehen, letztlich folgenlos.

1787

Auf Initiative Zedlitz' erfolgt die Gründung des Oberschulkollegiums in Berlin (22. Februar).

1788

Am 3. Juli tritt Zedlitz vom Amt des Unterrichtsministers zurück. Sein Nachfolger ist Johann Christoph v. Wöllner. Zedlitz behält einige Aufgaben als Justizminister sowie die Direktion der Ritterakademie zu Liegnitz.
Erhalt des Schwarzen Adlerordens.

1789

Am 3. Dezember scheidet Zedlitz "aus Gesundheitsgründen" aus dem Staatsdienst. Seine letzten Jahre verbringt er auf seinen Gütern in Schlesien.

V. Literatur und Quellen

Werke (Auswahl)

Verzeichnis der publizierten Schriften K. A. v. Zedlitz und Leipe, in: Mainka, K. A. v. Zedlitz, S. 652-653.

Verordnung an sämmtliche Konsistoria, wegen Einstellung des Läutens bei den Gewittern, in: Berlinische Monatsschrift, Bd. 2 (Nov. 1783), S. 480.

Vorschläge zur Verbesserung des Schulwesens in den königlichen Landen, in: Berlinische Monatsschrift, Bd. 10 (Aug. 1787), S. 97-116.

Journal einer Reise von Kapsdorf nach Lähn auf den Taubenmarkt im Februar und März 1791. Ein Schreiben an den Bibliothekar Biester, in: Berlinische Monatsschrift, Bd. 17 (Mai 1791), S. 402-414.

Literatur

Baumgart, Peter: K. A. Freiherr von Zedlitz, in: Berlinische Lebensbilder. Wissenschaftspolitik in Berlin. Minister, Beamte, Ratgeber, Berlin 1987, S. 33-46.

Mainka, Peter: Die Erziehung der adligen Jugend in Brandenburg-Preußen. Curriculare Anweisungen Karl Abrahams von Zedlitz und Leipe für die Ritterakademie zu Liegnitz. Eine archivalische Studie zur Bildungsgeschichte der Aufklärungszeit (= Wissenschaftliche Schriften des Vereins für die Geschichte Schlesiens, Bd. 3); Würzburg, Karlstadt 1997.

Mainka, Peter: Karl Abraham von Zedlitz und Leipe (1731-1793). Ein schlesischer Adliger in Diensten Friedrichs II. und Friedrich Wilhelms II. von Preußen (= Quellen und Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte, Bd. 8); Berlin 1995.
Enthält weitere Literaturangaben und mehrere Bilddarstellungen Zedlitz'.

Rethwisch, Conrad: Artikel "Zedlitz" in: ADB, Bd. 44 (1898), S. 744-748.

Wiedemann, Franz: Artikel "Zedlitz" in: DBA.

Portrait

Kupferstich von Daniel Berger, 1782 (Abb. in: Mainka, Erziehung der adligen Jugend, S. 10; Baumgart, S. 35).

Jugendbildnis (Öl auf Leinwand, W. L. oder A. W. Beckly, 1756), Familienbildnis (Öl auf Leinwand, Anton Graff, 1789), Büste (1905/08) in: Mainka, K. A. v. Zedlitz und Leipe, S. 645-649.