Friedrich August Calau: Der Opernplatz, um 1810, Aquatinta Besitz und Fotografie: Stiftung Stadtmuseum Berlin
 

Friedrich Wilhelm Graf von der Schulenburg-Kehnert, Minister beim Generaldirektorium und beim Oberkriegskollegium, Kabinettsminister

Geb. 21. November 1742 zu Kehnert (Kr. Wolmirstedt),
gest. 7. April 1815 zu Kehnert.

I. Genealogie

Vater:

Friedrich Wilhelm (1710-1752), königlich-preußischer Kapitän

Mutter:

Juliane Luise Sophie (1719-1774), geb. v. Sydow

Ehefrauen:

Ludowike Dorothea, geb. v. Borstell (18.03.1746-14.05.1767)


Charlotte Ottilie Philippine, geb. von Klitzing (23.07.1752-03.01.1772)


Helene Sophie Wilhelmine, geb. von Arnstedt (16.09.1755-10.01.1802)

Kinder:

Luise Friederike Wilhelmine Johanna (geb. 1767)


Wilhelmine Helene Friederike (geb. 1775)


Werner Friedrich Achaz (geb. 1778)


Friederike Karoline Sophie (geb. 1779), verh. mit dem Fürsten Franz Ludwig v. Hatzfeldt

II. Adressen in Berlin

ab 1791

Schwerinsches Haus, Dönhoffscher Platz

ab 1792

Haus des Kaufmanns Hesse, Unter den Linden

ab 1798

Witwenkassen-Haus, Behrenstraße

1800

Behrenstraße 41

III. Teilnahme an Formen bürgerlicher Öffentlichkeit

Schulenburg-Kehnert "besitzt eine sehr ansehnliche Sammlung von Landkarten" (Friedrich Nicolai, Beschreibung, 1786, Bd. 2, S. 831).

IV. Kurzbiographie

ab 1754

Mehrjähriger Besuch des Klosters Berge bei Magedeburg.

1757

Wechsel an die Ritterakademie Brandenburg (21. September ).

1760

Eintritt in das Kürassierregiment von Manstein (16. März); Teilnahme am Siebenjährigen Krieg als Offizier.

1766

Entlassung aus der Armee, "weil er lahm am Arm ist" (13. Juni).

1766

Heirat mit Ludowike Dorothea Tugendreich von Borstell in Stendal (22. August).

1767

Landrat der Prignitz (Putlitz'scher Kreis).

1768

Heirat mit Charlotte Ottilie Philippine von Klitzing in Quitzöbel (4. Juni).

1769

Vizedirektor der magedeburgischen Kriegs- und Domänenkammer.
Im selben Jahr Beförderung zum Präsidenten der Magdeburger Kammer und bei den Deputationen der halberstädtisch-holsteinischen Kammer.

1771

Berufung nach Berlin; Ernennung zum Minister für das 3. Departement; zudem Präsidentschaft des Hauptbankdirektoriums. Unter Friedrich II. war S.-K. außerdem zuständig für das Forstwesen, das Bergwerk- und Hüttendepartement, für das Münzwesen, die Lotterie, die Generaltabaksadministration und die Seehandlung (1782).

1773

Heirat mit Helene Sophie Wilhelmine (12. September) in Berlin.

1778-79

S.-K. fungiert als Stellvertreter des Königs, indem der schlesische Minister v. Hoym, der Regiedirektor de la Haye de Launay und der Generalmünzdirektor Singer die Bilanz ihrer Kassen wie sonst Friedrich nun ihm vorzulegen haben. Im gleichen Jahr ist S.-K. Kriegsminister; 1778/79 arbeitet S.-K. im Auftrag Friedrichs II. den Mobilmachungsplan für die Armee aus.

1784

Erhalt des Schwarzen Adlerordens (25. März).

1786

Erhebung in den Grafenstand (2. Oktober).

1786

Demission aus dem Ministeramt (4. Dezember).

1790

Ernennung zum dirigierenden Präsidenten des Oberkriegskollegiums; später General der Kavallerie.

1791

Ernennung zum Minister für auswärtige Angelegenheiten durch Friedrich Wilhelm II. (Ernennung zum wirklichen Geheimen Kabinettsminster am 6. Mai); Abgabe der Geschäfte an Haugwitz im darauffolgenden Jahr (27. August 1792).

1793

Im Januar Rückkehr nach Berlin vom Feldzug im Rheinland. Die Leitung der Verpflegung der Armee behält S.-K. bei.

1794

Am 14. Januar wird S.-K. auf "Feldetat" gesetzt.

1795

Nach dem Feldzug Rückzug auf seine Güter.

1798

Chef der allgemeinen Witwen- und der besonderen Offizierswitwen-Verpflegungsanstalten (27. Januar).

1798

Das neugeschaffene Amt des Generalkontrolleurs der Finanzen (9. Februar) bietet Schulenburg-Kehnert die Möglichkeit, zum Premierminister aufzusteigen. Diese Rolle lehnt der Minister jedoch ab. Wie aus den "Denkwürdigkeiten" S.-K.s hervorgeht, hält er die Ernennung eines Premierministers für "gefährlich, weil der Monarch ihm einen zu großen Teil seiner Gewalt überträgt, nur einseitige Vorträge in allen Zweigen ohne Widerspruch eines anderen erhält, und wo ist der Mann, der in allen Teilen der Staatskunst und -Wirtschaft so unterrichtet ist, daß er sie mit Erfolg zu leiten vermag?" (siehe Naudé).

1798

Ernennung zum General der Kavallerie (20. Mai).

1800

Ernennung zum Generalpostmeister (30. März). S.-K. erhält zudem die Aufsicht über den Tresor.

1801

Im März wird S.-K. nach Hannover geschickt, um dort Verhandlungen wegen der hannoverschen Truppen zu führen; sein Sohn wird ihm als Adjutant zugeteilt. Am 7. April kann S.-K. vermelden, daß die Besetzung des Landes und die Verpflegung der Truppen gesichert seien. Im Mai ist er wieder in Berlin.

1802

Besetzung der neuen preußischen Provinzen Hildesheim, Münster, Paderborn und Erfurt. In den Landesteilen übernimmt S.-K. die Eingliederung der "fremden" Soldaten in die preußische Armee. Während dieser Zeit reist er desöfteren nach Berlin, um dort Bericht zu erstatten.

1803

Im Juli Rückkehr nach Berlin.

1805

Interimistischer Gouverneur von Berlin (30. November). Als der wirkliche Gouverneur Möllendorf Berlin verläßt (20. September 1806), rückt S.-K. an dessen Stelle. In diesem Zusammenhang, im Anschluß an die Schlacht von Jena, fällt seine bekannte Äußerung "Ruhe ist die erste Bürgerpflicht!"

1806

Im Sommer des Jahres übernimmt S.-K. die Verwaltung des neuerworbenen Kurfürstentums Hannover. Mit dem Einrücken der Franzosen verläßt S.-K. am 19. Oktober Berlin und zieht nach Königsberg, wo er vom König die oberste Leitung der dortigen Militär- und Zivilangelegenheiten übertragen bekommt. Schulenburg geht weiter nach Oertelsburg; wegen seiner schlechten gesundheitlichen Verfassung ersucht er um Entbindung von seinen Dienstpflichten, was der König zunächst (1. Dezember) ablehnt, nach neuerlichem Gesuch aber akzeptiert (17. Dezember).

1807

S.-K. folgt dem König nach Memel. Die ihm nach dem Friedensschluß angebotene Stellung als Vorsitzender der Immediat-Friedens-Vollziehungs-Kommission lehnt er ab. Ausscheiden aus dem Staatsdienst (6. August); Arbeit an Memoiren, von denen nur das Bruchstück mit der Überschrift "Selbstcharakteristik" erhalten geblieben ist (siehe Naudé).

1808

Schulenburg wechselt in westfälische Dienste - seine Besitzungen lagen dort - und wird Staatsrat und Präsident der Kriegssektion in Kassel.

V. Literatur und Quellen

Literatur

Buchholz, Friedrich: Gallerie preußischer Charaktere, Berlin 1808.

Danneil, Johann Friedrich: Das Geschlecht der von der Schulenburg, 2 Bde., Salzwedel 1847.

Hellwig, Leo: Schulenburg-Kehnert unter Friedrich Wilhelm III. 1798-1806, Berlin 1936.

Naudé, Wilhelm: Denkwürdigkeiten des Ministers Grafen von der Schulenburg, in: Forschungen zur brandenburgisch-preußischen Geschichte 15/2 (1902), S. 73-107.

Priesdorff, Kurt: Artikel "Schulenburg-Kehnert" in: DBA.

Rosenmöller, Bernhard: Schulenburg-Kehnert unter Friedrich dem Großen, Berlin, Leipzig 1914.

Rosenmöller, B.: Seehandlung und Bank unter Schulenburg-Kehnerts Leitung, Münster 1914.

Schmidt, Georg: Das Geschlecht derer von der Schulenburg, Beetzendorf 1908.

Schulenburg, D. W. v., Wätjen, H.: Das Geschlecht von der Schulenburg 1237-1983, Wolfsburg 1984.

Quellen

Briefe im Nachlaß Johann Eustach Graf v. Schlitz gen. v. Görtz.